Der Ex-Chef der städtischen Realisierungsgesellschaft macht Hochtief und die Architekten für Verzögerungen und Preissteigerungen verantwortlich.von PETRA SCHELLEN

Sieht sich als Bauernopfer: Hartmut Wegener, Ex-Chef der Rege. Bild: dpa
Hartmut Wegener ist kein Schüchterner: Kämpferisch wie gewohnt präsentierte sich der Ex-Chef der städtischen Elbphilharmonie-Realisierungsgesellschaft Rege gestern im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA), als dessen erster Zeuge er geladen war. Wegeners Position ist in der Tat pikant: 2004 als gefeierter Projektentwickler von der Stadt eingesetzt, wurde er im September 2008 plötzlich vom damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) abberufen. Er habe in den Nachforderungs-Verhandlungen mit Hochtief zur "Verkantung" beigetragen und das Projekt in Misskredit gebracht, hieß es.
In Wahrheit sei er ein "Bauernopfer" gewesen, sagte er gestern. Und den Vorwurf, er hätte hart verhandelt, empfinde er nicht als ehrenrührig. Im Gegenteil: "Beim Bau muss man mit harten Bandagen kämpfen, sonst gilt man als Schwächling." Im übrigen, so Wegener, habe er mit Hochtief damals kurz vor einer Einigung gestanden; am Tag seiner Entlassung habe man sich abschließend treffen wollen.
Doch das sind natürlich Kosmetika angesichts des eigentlichen Auftrags des Ausschusses, der die Gründe für Bauverzögerungen und Kostensteigerungen eruieren soll. Wo der Fehler der Vertragskonstruktion liege, soll der Ausschuss klären, damit derlei künftig verhindert werden kann. In diesem Punkt lieferte Wegener gestern wenig Neues: Die Koordination insbesondere der Zeitpläne sei zwischen Architekten und Baufirma Hochtief nicht hinreichend fixiert gewesen; inwieweit er selbst an diesen Verträgen mitgewirkt hatte, sagte er nicht. Nur, dass Heribert Leutner, sein damaliger Untergebener und jetziger Nachfolger, vergeblich versucht habe, dies zu verzahnen und schließlich ohne Ergebnis einen Tag vor Grundsteinlegung gekündigt habe.
Ein wenig überzeugender Rücktritt, zu dem Leutner, ebenfalls auf der PUA-Zeugenliste, vermutlich Näheres sagen wird. Er selbst habe sich allerdings massiv verkalkuliert, so Wegener. "Ich würde so weitreichende und optimistische Aussagen zu Preis und Bauzeit, wie ich sie 2007 öffentlich getätigt habe, heute so nicht wiederholen." Allerdings seien die Kostensteigerungen von ursprünglich 241 auf jetzt 323 Millionen Euro auch durch den Wunsch der Stadt nach einem dritten Konzertsaal verursacht worden. Spät habe er auch erkannt, "dass weder Hochtief noch die Architekten Herzog & de Meuron an einer schnellen Fertigstellung des Baus interessiert waren." Hochtief habe am Bauverzug verdienen wollen, während die Architekten ihr Renommee im Sinn gehabt hätten, sprich: den Bau eines weltweit einzigartigen Konzertsaals. "Die Architekten haben sich nie als loyale rechte Hand des Bauherrn verstanden, der das alles schließlich bezahlt."
Als des Bauherrn Anwalt präsentierte sich Wegener trotz aller Verkantungen gestern nach wie vor. Er glaube an die Elbphilharmonie, auch wenn sie teurer werde und verspätet komme. Wegener agierte klug: Er trat nicht nach - was ihm seine Widersacher angesichts seiner oft raubeinigen Art sicher unterstellt hätten - sondern verteilte die Schuld gleichmäßig auf verschiedene Schultern. Ob er seine eigenen hinreichend belastete, wird der weitere Verlauf der Untersuchung zeigen.
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