• 06.11.2009

Eine Meldung und ihre Geschichte

Mordaufruf eines Wirrkopfes

Das Panzerglas beim Marwa-Prozess ist ihm zu verdanken: Im Internet rief ein ägyptischer Prediger zum Rachemord auf. In Ägypten nimmt den Wirrkopf niemand ernst.von Karim El-Gawhary

  • 26.11.2009 13:44 Uhr

    von Stefan:

    Der Artikel möchte Glauben machen, dass Scheich Ihab Adli Abu al-Madschd ein Wirrkopf ohne jeglichen Einfluss ist, den keiner ernst nimmt. Kann ich mich auch ohne jegliche Unterstützung oder Anhänger mich zum Scheich ausrufen???

  • 15.11.2009 18:36 Uhr

    von Nico Rösler:

    Nach dem ganzen Lob auch sei auch mal eine kritische Frage an die taz gestattet: KARIM EL-GAWHARY hat in seinen Interwiews mit hochrangigen Rechtsgelehrten des Islam nicht ein einziges Mal die Frage gestellt, was den das Rechtssystem Ägyptens gegen einen solchen Mordaufruf unternimmt. Oder zählt dieser Aufruf im Veständnis der taz noch zur verbrieften Meinungsfreiheit?

  • 15.11.2009 18:23 Uhr

    von Mr.Moon:

    Interessanter und aufschlussreicher Hintergrundbericht. Offen bleibt -naturgemäß- die Frage, ab wann ein Mordaufruf aus dem Internet denn als glaubwürdig einzustufen ist. Vermutlich hatten, im Gegensatz zur Taz, die sächsischen Verfassungsschützer nicht die Zeit und die Mittel, hinzufahren und sich persönlich ein Bild von dem Mann zu machen.
    Mittlerweile muss ja vermutlich jedes Landgericht einen Vorrat an schußsicherem Glas haben, für den Fall, dass mal wieder einer durchdreht. Der Marwa-Mörder selbst ist ja das beste Beispiel dafür. Was hätte aber in der TAZ und anderen Zeitungen gestanden, wenn die kein Panzerglas angeschafft hätten und dem Mann wirklich im Gericht was zugestoßen wäre? "Verfassungsschutz ignoriert Warnungen"? oder "Morddrohung wurde als unsinnig abgetan?"
    Seien wir froh, dass der Kerl inzwischen abgeurteilt wurde, bis seine Revision durch ist, wird der von den Sensationsmedien mitangeheizte Volkszorn vermutlich ein anderes Ziel gefunden haben.

  • 09.11.2009 20:12 Uhr

    von Arthur:

    Großes Lob, ein erstklassiger Artikel! Gut zu wissen, dass es noch Zeitungen gibt, die recherchieren und nicht nur abschreiben.

  • 09.11.2009 08:56 Uhr

    von vic:

    @ Ogdan
    wollen wir aufrechnen?
    Christen inhaftieren und foltern Moslems in Lagern wie Bagram, Guantanamo u.v.a.
    Christen töten Moslems u.a. in Afghanistan, Irak und bei vielen anderen Gelegenheiten.
    Von der unrühmlichen Vergangenheit der "Christianisierung" ganz zu schweigen.
    Und jetzt zum Thema:
    Moslems sind ebenso wenig gefeit vor Dummschwätzern und Trittbrettfahrern wie Christen.

  • 08.11.2009 12:54 Uhr

    von Ogdan:

    Ad 1) wer twitter folgt oder auf youtube sucht, wird sehen, daß es viele hasserfüllte Mordaufrufe gegen den Angeklagten gibt. Der hier zitierte Imam ist übrigens mitnichten ein "Wirrkopf", den niemand ernst nimmt - ich halte derartige Wertungen für gefährlich. Wer entscheidet denn welcher Imam zu vernachlässigen ist und welcher nicht?

    Ad 2) Warum spricht niemand von den deutschen Christen, die in Ägypten seit Jahren ermordet werden. Kurzes Googlen bringt seit 1991 hunderte von islamistischen Opfern hervor. Allein das islamistische Massaker in Luxor 1997 kostete 54 ausländische Christen das Leben.

    In Kairo starben 1997 9 deutsche Christen. 2005 wurden Auländer durch eine Bombe im Kairoer Basar getötet. 2008 wurden Christen verschleppt, im Februar 2009 wurden in Kairo wieder Ausländer von einer islamistischen Bombe in den Tod gerissen.

    Verurteilungen der Täter in Ägypten: Fehlanzeige, obwohl die Täter bekannt sind! Wie setzt sich die deutsche Öffentlichkeit für die Verfolgung und Verurteilung der Mörder in Ägypten ein?

    Hier wäre für die TAZ mal ein Feld für Betätigung. Der Prozess gegen den Mörder der Ausländerin Marwa geht seinen Gang und wird mit einem rechtsstaatlichen Urteil abgeschlossen werden!

  • 06.11.2009 17:21 Uhr

    von Andreas B.:

    Erst mal auch von mir ein Kompliment für diesen Artikel. Das lese ich in der taz nicht jeden Tag.

    @aso: Welcher Wirrkopf hat dir denn diesen wirren Unisnn über die Sharia erzählt??

  • 06.11.2009 16:39 Uhr

    von Gerda:

    Der ägyptische Provinz-Prediger ruft immerhin zu einer Tötung auf. Das ist entweder geisteskrank oder kriminell. Also sollte er, so oder so, ernst genommen werden, sei es von der Psychiatrie oder von der Justiz.

    Solange keines von beiden geschehen ist, ist die teure Panzerglasscheibe leider zweckmäßig.

    Sich auf eine "allmächtige", d.h. angeblich alles ermöglichende ("omni-potente") Gottheit zu berufen ist immer gefährlich, denn das ist der geistige Ausstieg aus dem Kausalzusammenhang der Lebenswelt, z.B. der Ausstieg aus dem geltenden staatlichen und internationalen Recht, ja sogar der Ausstieg aus jedem intersubjektiven Diskurs.

    Den Namen eines Angeklagten sollte eine Zeitung mit Rücksicht auf die Angehörigen und Nachbarn sowie auf die noch gerichtlich genau zu prüfende Kausaltiät und Motivation der Tat erst veröffentlichen, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Das beziehe ich auch auf die Leserbriefe von Franklin und Albert Anglia hier, die gegen solche Regeln verstoßen, aber trotzdem mit Namensangabe veröffentlich sind.

  • 06.11.2009 15:45 Uhr

    von Franklin:

    @Albert Anglia
    Ich mache ihnen keinen vorwurf, weil es letztlich der deutsche journalismus ist, der mit halb- oder falschinformationen brilliert und für konfusionen sorgt, der korrektheit halber sollten sie jedoch den namen des messerstechers Alex W. so buchstabieren wie er aus seriösen nicht-deutschen medien bekannt ist, siehe:

    http://www.airamerica.com/tag/alexander-wiens/

  • 06.11.2009 15:10 Uhr

    von sagichnicht:

    wenn aber gesagt wird, dass dieser scheich völlig unbekannt ist (war) dann können (könnten)auch keine Wirrköpfe den Aufforderungen folgen, da sie von ihnen nichts wissen (wussten)- bis jetzt zumindest.

  • 06.11.2009 14:55 Uhr

    von aso:

    Ich wage mal zu behaupten, der Mordaufruf an Samlan Rushdie war ebenso das Werk eines, wenn auch einflußreichen und mächtigen, Wirrkopfs.
    Da sich Wirrköpfe gegenseitig magnetisch anziehen, gab es bisher 22 Tote in Folge dieser Fatwa.

    Warum sollen sich nicht auch bei diesem unbedeutenem Wirrkopf andere Geistesverwandte berufen fühlen ihre Djihad- Bemühungen zu kanalisieren?
    Das islamische Tötungsverbot gilt nur für Muslime, nicht für „Ungläubige“.
    Ein Gläubiger darf keinen Gläubigen töten.
    Umso weniger darf ein „Ungläubiger“ einen Gläubigen töten.
    „...Dafür sei in der Scharia, dem islamischen Recht, die Todesstrafe vorgesehen. ...“:

    so der obskure Scheich:
    und hier bleibt er im Kern von den befragten Experten unwidersprochen...

  • 06.11.2009 14:08 Uhr

    von Jacek Szczerba:

    Es finden sich genug Wirrköpfe unter den hier lebenden Moslems, die den Aufruf des Scheichs folgen werden, da gehe ich jede Wette ein.

  • 06.11.2009 14:05 Uhr

    von Daniel Menger:

    Ich schließe mich Noname an! So etwas liest man selten. Noch dazu in dieser knappen, sachlichen, angenehmen Form! Nicht aufgebauscht, nicht in die Länge gezogen, nicht künstlich skandalisierend. Eine tolle Arbeit! Mehr davon!

  • 06.11.2009 13:23 Uhr

    von noname:

    Saubere Recherche, in die Zeit inverstiert wurde - eine Rarität im heutigen Journalisten-Geschäft. Ganz großes Kompliment für diesen aufschlussreichen Hintergrundbericht!!!

  • 06.11.2009 12:10 Uhr

    von Albert Anglia:

    Kastriert euch nur selber weiterhin mit der falschinterpretation der richtlinie 8.1 zu ziffer 8 des vatikanstaatsartigen Deutschen Pressekodex, ihr windelweichen deutschen journalisten!

    Wenn das opfer, Frau Marwa El Sherbini bei vollem namen genannt werden darf, dann bitte auch den täter! Der Herr messerstecher aus Dresden hat einen kompletten namen: Axel Wieners.

    Für den schutz der familie Wieners kommt die polizei auf, das sollte nicht die aufgabe von journalistinnen und journalisten sein.

    Wenn eurem kinderkaufmannsladen die letzte leserin und der letzte leser davongelaufen ist, weil eure pressekodexartikel keinen bezug mehr zum realen leben haben, wird euch vielleicht ein licht aufgehen. Wenn es dann mal nicht zu spät für die taz sein wird. Der deutsche hofberichtsjournalsmus steht schon jetzt am abgrund seiner schmeicheleien und vorsichtigen zurückhaltungen!

  • 06.11.2009 11:44 Uhr

    von Knopfauge:

    Damit nicht nur schlechte Artikel Feedback bekommen, hier mal ein Lob für einen guten, schlüssigen Artikel, den ich mit Gewinn gelesen habe. Dafür danke.

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