Hamburgs Polizeipräsident Werner Jantosch geht vorzeitig in Ruhestand. Aufgestiegen unter der SPD, machte er unter Rechtspopulist Ronald Schill richtig Karriere.von Kai Von Appen

Eher kein Mann des Kompromisses: Werner Jantosch im März 2011. Bild: dpa
HAMBURG taz | Am Wochenende räumte er offiziell seinen Stuhl im Polizeipräsidium. Nach fast acht Jahren ist Hamburgs Polizeipräsident Werner Jantosch, 61, von Innensenator Michael Neumann (SPD) in den vorzeitigen Ruhestand geschickt worden. Zu groß waren die Differenzen geworden, was die Umgestaltung des Polizeiapparates mit seinen 10.000 BeamtInnen in der Elbmetropole angeht. Im Ruhestand, sagte Jantosch dieser Tage, wolle er Hobby-Imker werden.
Im Frühjahr 2004 war Jantosch vom CDU-Senat unter Ole von Beust Polizeipräsident geworden. Amtsvorgänger Udo Nagel (parteilos) war zum Innensenator aufgerückt. Groß geworden war Jantosch jedoch schon unter SPD- und SPD/FDP-Regierungen in den 80er-Jahren. 1990 hatte er es bis zum Chef der Polizeidirektion Hamburg-Mitte gebracht. Schon damals galt sein Führungsstil manchen im Polizeiapparat als autoritär, Jantosch selbst als Hardliner: Im September 1991 etwa wollte er eine Demonstration von 500 Menschen auflösen lassen, die sich nach dem Unfalltod eines sechsjährigen Mädchens auf der stark befahrenen Stresemannstraße versammelt hatte. Jantosch setzte sich damit über die Einschätzung des ranghöchsten Polizeijuristen hinweg und scheiterte erst an einem Hundertschaftsführer: "Ich lasse meine Leute nicht gegen Frauen und Kinder vorgehen", sagte dieser der taz.
Einen Namen machte sich Jantosch 1996, inzwischen Chef der Polizei-Pressestelle, im Zusammenhang mit der Entführung Jan Philipp Reemtsmas: Er vermochte alle örtlich vertretenen Medien von Bild über NDR bis zur taz davon zu überzeugen, vier Wochen lang nicht über die Entführung zu berichten - "und so das Leben von Herrn Reemtsma nicht zu gefährden", wie Jantosch noch in der vergangenen Woche sagte.
Unter dem rechtspopulistischen Innensenator Ronald B. Schill kam Jantosch in den Präsidialstab und wurde 2003 Polizei-Vizepräsident. Den damaligen Polizeipräsidenten Nagel hatte Jantosch schon in den 80er-Jahren bei einem Führungskräfte-Seminar an der Polizeiakademie Hiltrup kennengelernt.
Jantosch setzte ab 2004 den Kurs Nagels fort und besetzte die Polizeiführung mit ebenfalls in der Schill-Ära groß avancierten Leuten wie den Polizeiführern Kuno Lehmann und Peter Born, die bis heute im Amt sind. Beide sind immer wieder durch gerichtlich festgestellte rechtswidrige Polizeieinsätze etwa bei bei Demonstrationen aufgefallen.
Jantosch hielt Lehmann sogar noch den Rücken frei, als dieser im September 2007 den Polizisten Kamiar M. von bewaffneten Beamten des Mobilen Einsatzkommandos überwältigen ließ, weil er nicht den Dienst quittieren wollte. Dem Polizisten M. war sexuelle Nötigung vorgeworfen, später wurde er freigesprochen.
Auch polizeiintern hatte Jantosch zahlreiche Kritiker: Im August 2010 wandten sich mehrere ranghohe Polizeioffiziere schriftlich an die Öffentlichkeit - "in Sorge um die Polizei Hamburg": Es gebe im Präsidialstab weder "Nachdenklichkeit noch Selbstkritik", schrieben sie. Wer sich kritisch zur "fragwürdigen Machtkonzentration" äußere, werde diffamiert oder auf bedeutungslose Posten abgeschoben. "Mittlere Vorgesetzte werden als widerspruchslose Befehlsempfänger herabgewürdigt."
Zuletzt hatte Jantosch sich geweigert, einer Forderung des neuen Innensenators Michael Neumann nachzukommen: Dieser wollte 100 Beamte aus den Führungsstäben wieder an die Kommissariate versetzt sehen. Die Strukturen zu verändern, die er selbst aufgebaut habe, sei Jantosch nicht weiter zuzumuten, begründete der Senator daraufhin Ende Dezember 2011 die anstehende Neubesetzung des Präsidentenpostens.
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Leserkommentare
24.03.2012 13:57 | Bernd Baron
Gott sei Dank! ...
24.03.2012 13:57 | christian82
Der rote Filz kommt wieder... ...
19.01.2012 09:54 | Bernd Baron
Gott sei Dank! ...