• 18.02.2010

EKD-Chefin Käßmann zu Hartz IV

"Westerwelle gefährdet den Konsens"

Wenn schon Kinder Hartz IV fürchten, stimmt etwas nicht mit der Gesellschaft. Westerwelle sei realitätsfern, sagt die Bischöfin Margot Käßmann - und will mit ihm über soziale Fragen sprechen.von Philipp Gessler & Ines Pohl

  • 21.02.2010 16:05 Uhr

    von hto:

    "... Armut und Kirche promoviert" - die systemrationale Pflege des geistigen Stillstandes seit der "Vertreibung aus dem Paradies" (erster / einziger geistige Evolutionssprung in ...), hat eine geistige Armut zur Folge, die SICHER NICHT im Sinne "Gottes" / der Schöpfung / des Zentralbewußtseins ist.

    Die Kirche des "Christentums" sollte vorher ihre symptomatischen Problematiken klären!!!

  • 19.02.2010 12:24 Uhr

    von olli:

    gier ist christlich^

    bin grad aus der kirche ausgetreten - meine empfehlung

  • 18.02.2010 21:34 Uhr

    von Hannah:

    "Reichtum wird auch in der Bibel nicht verurteilt. Es kommt darauf an, wie man mit ihm umgeht." Liebe Frau Kässmann, Reichtum wird in der Bibel durchaus kritisch gesehen! Und haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Menschen reich werden? Welche Energien, Strategien, welche Einstellungen zum (Mit-)Menschen hier greifen? Und wer den Reichtum Einzelner letztlich erwirtschaftet?! Kann jemand reich werden, ohne die Würde eines oder vieler anderer Menschen zu verletzen?
    "Ich wünsche mir, dass unsere Kirchen Reiche und Arme zusammen bringen, und zwar auf Augenhöhe, so dass die Würde des anderen gewahrt bleibt. Dass sich die Hartz-IV-Empfängerin neben dem Unternehmer nicht schämen muss." Hier offenbart sich Ihr dem Grundsatz ´ora et labora` verhaftete, protestantische Denken. Und die Glorifizierung des Subsidiaritätsprinzips, wie es die Kirche seit jeher vertritt: Gebt Almosen, Ihr Reichen, und lernt Eure armen Schwestern und Brüder zu achten. Wieso schließen Sie so selbstverständlich aus, dass sich nicht der Unternehmer schämen müsste? Und wieso plädieren Sie nicht eindeutig für gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die die Diskrepanz zwischen Arm und Reich dadurch beseitigen, dass es keinen pervertierten, exorbitanten ´Reichtum` mehr gibt. Wieso propagieren Sie nicht offensiv, dass sich die Würde, der ´Wert` eines Menschen niemals über seinen materiellen Wohlstand definiert? Und, ja, ja, auch niemals darüber, ob er arbeitet oder nicht!

  • 18.02.2010 01:14 Uhr

    von David:

    @Michael Fetch: 10.000 EUR für lau aus der Staatskasse: Verallgemeinerter Blödsinn! Die Evangelische Kirche in Baden erhält ca. 4,4 % ihres Budgets durch den Staat. Die Grundlage dazu sind die alten Verträge als Ausgleich für die Säkularisierung (Entzug kirchlicher Liegenschaften und Anwesen). Ich halte diese Verträge auch für überholt und nicht mehr zeitgemäß - die Behauptung aber, die Kirchen und ihre Beamten würden aus allgemeinen Steuern finanziert, ist billiger Populismus.

  • 17.02.2010 21:51 Uhr

    von Wolfgang:

    Erinnerung: Es gibt keinen "Konsens" in der Realität der bundesdeutschen Klassengesellschaft! - Das wohlhabendste Zehntel der Erwachsenen in der Bundesrepublik Deutschland verfügt über mehr als 61,1 Prozent des Netto-Privatvermögens (mehr als 4032,6 Milliarden Euro / Netto) von mehr als 6.600 Milliarden Euro (einschließlich Raub- und Erbschaftsvermögen)! Mehr als 70 Prozent der Erwachsenen (vor allem aus der Lohnarbeit - und damit aus der realen Wertschöpfung der Gesellschaft) besassen 2007 nur knapp 9 Prozent des Gesamtvermögens: 594 Mrd. Euro. Rund 27 Prozent aller Erwachsenen in der deutschen Bundesrepublik besitzen gar nichts, oder sie haben sogar Schulden. Auch in der Finanz- und Wirtschaftskrise des (deutschen und europäischen) Monopolkapitals dürfte sich bei der privaten Eigentums- und Vermögensverteilung die Schere für den "Reichtum ohne Leistung" weiter öffnen.
    Siehe auch: http://www.debatte.info/fileadmin/download/rschramm_10052009.pdf

  • 17.02.2010 20:41 Uhr

    von FRITZ:

    "Es gibt Interviews mit acht bis 12-Jährigen, die sagen: Ich habe keine Chance und werde mal auf Hartz-IV gehen. Und wenn das schon Kinder sagen, muss man sich schon fragen, wo wir sozialpolitisch sind."

    Genau das tut Herr Westerwelle und kommt zu dem richtigen Schluss, dass sich an dem von Frau Käßmann in diesem Satz beschriebenen Zustand kaum etwas ändern würden, wenn man die Hartz IV-Sätze erhöhen würde - und darum geht es ja dem 08/15-Transferempfänger: doch nicht um "Teilhabe am kulturellen Leben" oder was auch immer sich die linke Meinungsfront und ihr Verfassungsgericht herbeischwadronieren. Es geht um den Ruf nach mehr Geld anderer Leute für den eigenen Konsum.

    Aber vielleicht ist das ja auch reine Interessenpolitik von Fr. Käßmann: was wäre denn noch die gesellschaftliche Funktion der Kirche, wenn endlich den Paradigmenwechsel weg von der alimentierenden hin zur aktivierenden Sozialpolitik gelänge? Außer "Krieg ist voll doof!" und "Arme muss man beschenken!" bleibt ja mangels Frömmigkeit nicht viel, um in die Gesellschaft zu wirken.

  • 17.02.2010 17:18 Uhr

    von Katzenfutter:

    Die Gesellschaft bildet sich immer mehr zerück
    wo durch weil die bosse von dort oben immer
    reicher werden und die armen immer ärmer

  • 17.02.2010 17:07 Uhr

    von Stefan:

    Wenn die Frage steht, ob Frau Käßmann oder Herr Westerwelle realitätsferner sind, hat die Bischöfin meine Stimme.

  • 17.02.2010 17:02 Uhr

    von Clara:

    Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich, steht doch in der Bibel.
    Solange auch nur ein Mensch hungert dürfen wir keinen Besitz zusammenraffen, sondern müssen erst mal unseren Mitmenschen helfen, bedeutet das für mich.
    Würde so jeder handeln, gäbe es keine Armut, damit ist das ein zutiefst logisches und für mich auch christliches Denken.
    Wir sollen unser Herz an das Lebendige hängen und nicht an das Tote.
    So habe ich auf jeden Fall Jesus verstanden.

    Ansonsten ist es natürlich sehr erfreulich, dass Frau Käßmann sich wieder äußert.

  • 17.02.2010 16:50 Uhr

    von H.H.:

    Nichts gegen Frau Käßmann, aber nun möchte ich nicht immer ihre Sichtweise der Dinge lesen.
    Was ich schon immer ahnte, diese Dame verspürt einen inneren Drang sich immer zu jedem Thema äußern zu müssen.

  • 17.02.2010 16:42 Uhr

    von rheinelbe:

    Aus gegebenem Anlass verfasste ich heute die erste Kürzestgeschichte der Weltliteratur über Dr. Westerwelle:


    Hinter den altdeutschen Butzenscheiben saß Dr. Guido Westerwelle und wollte sich ein Gläslein Gänsewein bestellen. Doch der stämmige Wirt entgegnete ihm: "Arbeitslose werden hier nicht bedient!"
    In diesem Moment betrat ein trunkener Pulk Jungliberaler lärmend die Schankstube und lümmelte sich langsam in die schweren Eichenstühle.

    Die Gesten des Wirtes jedoch wurden immer bedrohlicher.

    Empört sprang Dr. Westerwelle auf, nestelte wild am Krawattenknoten und dann
    ...

    --------------------------
    Das könnte doch der Anfang eines Dr. Westerwelle Kürzestromans werden ...

    Sponsored by Mövenpick oder so.

    Verbunden ist der Text mit einem kleinen literarischen Rätsel: Woran genau erkannte der stämmige, grobschlächtige Wirt (Leistungsträger!) die dauernde Arbeitslosigkeit des Dr. Westerwelle?

    Nächste Folge: Dr. Westerwelle als Badman.

    Danach: Dr. Westerwelle im alten Rom.

  • 17.02.2010 16:38 Uhr

    von swan:

    warum immer von den schwachen ,den hartz IV menschen geredet wird.finanziell schwach vielleicht.stärke läßt sich doch nicht an geld messen.
    es sind meist keine schwachen,sondern ehemalige arbeiter,die durch falsche wirtschaftspolitik arbeitslos geworden sind.das hier bedürftige aus sozialhilfe und menschen,die länger als ein jahr kein arbeit hatten zusammengewürfelt wurden,sollte nicht vergessen werden.kein betrieb mußte jemals schließen,weil seine arbeiter nicht fleißig genug waren,die waren nicht schwach.gutgehende betriebe mit absatzgarantie wurden im ehemaligen osten durch treue hand gegen die wand gefahren.das jetzt dort menschen für 4,50 die stunde arbeiten gehen oder über hartz für 1 euro(siehe thüringen,sachsen-anhalt-tarife?)was ist das ?das sind doch keine schwachen menschen,die sind tapfer !obwohl es für viele würdelos ist und niveaulos.
    nun kann man ja auch nicht von allen verlangen,sie mögen sich woanders einen job suchen.wo denn?in der schweiz?die schwachen sitzen in der regierung,das volk hat genug potenzial!

  • 17.02.2010 16:37 Uhr

    von Hardy KLAG:

    Den Konsens braucht die FDP nicht zu gefährden, den gibt es schon längst nicht mehr seit der Einführung von Hartz IV. Siehe alleine die rasant ansteigende Kinderarmut hier in Deutschland. Das der DIW trotzdem gegen eine Erhöhung des Regelsatzes ist, ist ein Skandal. Es wird höchste Zeit das die neoliberalen Heilsbringer von der Gesellschaft in die Schranken gewiesen werden. Es ist unerträglich, was in einen der reichsten Länder der Erde vorgeht. Da kann ich nur sagen: "Schäme dich Deutschland".

  • 17.02.2010 16:21 Uhr

    von Sebastian Knaucz:

    Käßmann ist wohl am Populismus nicht zu überbieten, mein Urteil: Pfaffen sollen sich von der Politik fern halten!

  • 17.02.2010 16:21 Uhr

    von Dirk Engelhardt:

    Seit wann stellt die taz ihre Fragen im Suggestivstil? Fast die Hälfte der Fragen (gefühlter Wert) enthält ein "nicht" im Fragesatz.... Mit freundlichen Grüssen D. Engelhardt

  • 17.02.2010 16:19 Uhr

    von Dirk Engelhardt:

    Seit wann stellt die taz ihre Interviewfragen im Suggestivstil? Fast die Hälfte der Fragen (gefühlt) hat ein "nicht" in der Frageform...

  • 17.02.2010 16:04 Uhr

    von Majo:

    "Als ich aufgewachsen bin, gab es eine breite Mittelschicht und kleine Ränder von ganz reichen und ganz armen Menschen..." Sie scheint im gestern der alten Bundesrepublik stehengeblieben zu sein. Seit es die DDR und die Sowjetunion nicht mehr gibt, sehen die deutschen Politiker auch keinen Grund mehr zu zeigen das der Kapitalismus besser sei, als der Sozialismus.

    Kanzler Schröder und seine SPD hat Hartz4 eingeführt und damit dem kleinen Mann ins Gesicht geschlagen.

    Kanzlerin Merkel und ihre CDU hat die Schere zwischen arm und reich weiter auseinanderdriften lassen und nur noch zugesehen, weil sie es nicht interessiert.

    Außenminister Westerwelle und seine FDP zeigen nun allen Armen endgültig die häßliche Fratze des Kapitals.

    Es gibt in Deutschland keine soziale Markwirtschaft mehr!

    Das die Marktwirtschaft sich zwischendurch mittels Finanzkrise selbst erledigt hat, scheint sowieso niemanden mehr zu stören und ist nicht der Rede wert. Die ganze Diskussion ist sinnlos, weil offensichtlich ist, dass Deutschland längst zum Manchesterkaptalismus zurückgekehrt ist. Damit ist der Zustand vor dem Ersten Weltkrieg wieder hergestellt, zu Beginn des neuen Jahrhunderts.

    Mal sehen was 2014 beginnt ?

  • 17.02.2010 15:53 Uhr

    von Michael Fetch:

    Meine Steuern, dass ich nicht lache.

    Diese Frau lebt genauso vom Staat wie Herr Westerwelle und wurde nichteinmal von den Steuerzahlern dafür legitimiert.

    Diese Frau ist noch heuchlerischer als Herr Westerwelle, der muss wenigstens Stimmen sammeln um diese Position zu behalten, wodurch ich dieses Getöse ja noch nachvollziehen kann.

    Diese Frau kriegt 10000€ für lau.

  • 17.02.2010 15:43 Uhr

    von hartnäckig:

    Sehr geehrte Frau Bischöfin,

    es ist sehr zu begrüßen, dass Sie sich bei drängenden gesellschaftlichen Fragen öfter und klarer als Ihr Vorgänger zu Wort melden, und es ist gut, dass Ihnen die taz dazu Gelegenheit gibt.

    Mir ist aber unbegreiflich, wie die Frage fehlender Arbeitsplätze hier völlig ausgeklammert werden kann.
    Gehen Sie davon aus, dass auf Dauer Millionen Menschen von Unterstützung werden leben müssen, oder wollen Sie nicht an einem Modell mitarbeiten, das allen Menschen Arbeit ermöglicht? Ein Modell, dass sich von der unerfüllbaren, als Druckmittel benutzten Forderung nach ständigem Wachstum, dem sich auch die Kanzlerin verschrieben hat, verabschiedet und unsere Gesellschaft auf ein festes Fundament stellt.

    Lässt sich dazu gar nichts aus theologisch/kirchlicher Sicht beitragen?

  • 17.02.2010 15:31 Uhr

    von GonZoo:

    Leistung muß sich endlich wieder lohnen - und zwar die Leistung derjenigen, die hart arbeiten oder verzweifelt Arbeit suchen!

    Die Sozialschmarotzer, die die FDP mit Spenden füttern, sind eine Gefahr für das Land: reiche Erben, Hotellobbyisten, Boni-Banker, die ganze "Elite", die sich ihre eigenen Abgeordneten leisten kann und unsere Demokratie in ein Irrenhaus verwandelt hat.

    Man sollte dem ganzen Pack die Zuwendungen aus Steuergeldern streichen. Ich habe keine Lust, einem nicht arbeitenden aber viel von Arbeit schwafelnden reichen Profiteur der schwarz-gelben Vetternwirtschaft noch mehr Geld zukommen zu lassen, das ich und andere hart erarbeitet haben.

  • 17.02.2010 15:17 Uhr

    von David:

    Liebe Frau Käßmann,
    Ihre Ideen von Kirche und Gesellschaft schätze ich sehr. Gut, wenn sie von Staat und Gesellschaft mehr Engagement für die Schwachen fordern.
    Doch dabei kann es nicht bleiben: Gerade auch die Kirchen müssen noch deutlicher im Sinne Jesu für die wirklich wichtigen Dinge der Menschen streiten. Wo bleibt da die Innovation? Das Festhalten an der Erwerbsarbeit für alle? Das Hoffen, mit den C-Parteien auch ein bisschen Soziales zu verwirklichen?
    Die Bildungspolitik muss auf gut finanzierte und gerechte Füße gestellt werden. Erwachsenenbildung muss auch noch für Menschen über 40 möglich sein! Talente und Fähigkeiten müssen gefördert werden!
    Wo ist das Statement der EKD zum bedingungslosen Grundeinkommen?
    Ich glaube, wir müssen als Gesellschaft einiges ändern. Und wir brauchen nicht nur Almosen und gute Worte, sondern strukturelle Änderungen, die garantieren, dass jeder Mensch mit seinen Fähigkeiten ernst genommen wird!

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