Brave Mädchen sind das Unterrichtsideal. Und Bürgersöhne haben weniger Probleme. Für die schulischen Leistungen ist die soziale Herkunft wichtiger als das Geschlecht.von Thomas Gesterkamp
Frauen, die die Benachteiligung von Jungen für gerechtfertigt halten, weil Frauen davor 57849583759 Jahre benachteiligt gewesen sind, sollten sich fragen:
Wann wurde ICH schon einmal nur wegen meines weiblichen Geschlechts diskriminiert?
Ehrlichkeit, bitte! - Thema beendet.
13.08.2009 20:06 Uhr
von Sven Kairen:
Am Ende des Artikels wird den Jungen angeraten, sich von dem problematischen Selbstbild (cool, witzig, draufgängerisch ...) zu verabschieden, weil dieses den schulischen Leistungen abgträglich sei. Das ist richtig. Nur: Warum wird dies vor allem den Jungen angeraten? Dieses Selbstbild speist sich doch ganz erheblich aus den Erwartungen beider Geschlechter, denn Jungen versuchen oft auch nichts anderes, als ihre Beliebtheit und Akzeptanz bei Gleichaltrigen zu steigern. Und solange Mädchen lieber mit einem draufgängerisch-witzig-coolen als mit einem introvertiert-nachdenklichen Jungen durch die Straßen ziehen, die Rollen-Erwartungen sich also grundsätzlich nicht ändern, wird sich hier wenig tun.
12.09.2008 12:28 Uhr
von Christian Heier:
Kompliment an Bruno Köhler und die Jungs von Manndat, die eine wirklich gute Internetseite mit wohltuend sachlichen Informationen anbieten. Wer das als "aufgemotzten Stammtisch" bezeichnet, offenbart in Wahrheit nur die Angst davor, sein festgefügtes Weltbild könne in Gefahr geraten. Etwas mehr Differenzierungsvermögen täte hier gut. Zum oft gehörten Argument, Mädchen seien in der Schule besser, gerieten dann aber im Berufsleben ins Hintertreffen: die besseren Noten von Mädchen in der Schule zeigen doch nur den begrenzten Aussagewert von Schulnoten. Sobald es im Arbeitsleben um die Wurst geht, haben Männer die Nase vorn, verdienen daher auch verdientermaßen besser und machen häufiger und erfolgreicher Karriere. Was ist daran auszusetzen? Frauen wählen immer noch gezielt vor allem die Berufe und Studienfächer, die eher wenig Verdienst und Aufstiegsmöglichkeiten gewähren. Was ihnen auch bekannt ist. Da die meisten aber unbewusst immer noch das Bild vom männlichen Versorger und Familienernährer im Kopf haben (zahllose Umfragen beweisen das), sehen sie keinen großen Grund, sich im Berufsleben allzu sehr zu engagieren, was sich dann in Verdienst und Karriereverlauf zeigt. Daran werden auch noch so teure, aufwändige und Männer diskriminierende Frauenförderprogramme, Mentoring-Initiativen und staatlich geförderte Seilschaften nur wenig ändern.
10.09.2008 21:00 Uhr
von Dr. Bruno Köhler:
Mein Name ist Bruno Köhler und ich habe die MANNdat-Studie verfasst. Was ich anmerken möchte ist, dass die Aussage, dass nicht alle Jungen sondern nur diejenigen mit sozial problemtischem Hintergrund Schulprobleme haben, falsch ist. Tatsache ist, dass bezüglich der geschlechterspezifischen Unterschiede die größten Differenzen zwischen Mädchen und Jungen ohne Migrantionshintergrund und mit mittlerem Bildungsabschluss der Eltern auftreten.
Weiterhin möchte ich Kritik an der in diesem Forum geäußerten Ansicht üben, dass die Bildungsprobleme von Jungen gerechtfertigt seien, solange nicht alle Führungspositionen von Frauen besetzt seien. Leider ist dies ein Argument, das wir häufig auch von vielen politisch Verantwortlichen erhalten.
Die Frage ist: Ist es gerechtfertigt, Jungen aus Gründen der Frauenförderung in der Schule pauschal zu benacheiligen? Wir von MANNdat meinen nein. Die Schule und das Bildungssystem haben die Aufgabe, Jungen und Mädchen optimal zu fördern. Und wenn Nachteile bei einem Geschlecht festgestellt werden, dann besteht die Verantwortung, die Ursachen dafür zu untersuchen. Dieser Verantwortung kommt die Politik derzeit nicht nach.
Wir haben 30 Jahre lang Mädchen gezielt gefördert, um ihre Bildungsleistung zu verbessern. Jetzt, wo Jungen die gleiche Hilfe bräuchten, heißt es, Jungen seien halt selber Schuld. Das ist uns zu billig.
Das Problem ist, dass für die Politik nur die Frauenquoete zählt und je schlechter die Chancen für Jungs, desto besser die Chancen für Mädchen und damit auch eine bessere Frauenquote.
Die gerade veröffentliche OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" macht es deutlich. Die Studienzahlen stagnieren in Deutschland. Sie stagnieren, weil die Studierendenzahl der jungen Frauen stetig steigt (derzeit 55%), aber die Zahl der jungen Männer (derzeit 45%)stetig sinkt. Die Politik findet´s gut.
Der Absolutanteil (nicht Relativanteil!) männlicher Studienabschlüsse sank von 1995 zu 2005 um über 30%! Reaktion der Politik: Mehr Frauenförderung.
Mit freundlichen Grüßen
Bruno Köhler
10.09.2008 11:52 Uhr
von Rudi Steiner:
Na da hat der Autor mit einem in sich widersprüchlichen Artikel doch irgendwie ins Schwarze getroffen. "Jubelfeminismus" und Schwarzerphobie. Endlich darf man es beim Worte nennen.
Warum wird in dem Artikel so lange mit einer Behauptung eingeleitet, die nachher relativiert wird? Erst Bildungshintergrund, dann Migrationshintergrund, dann Geschlechterhintergrund. So ist die Reihenfolge und so könnte man auch untersuchen:
Der klassische Benachteiligte in dieser Gesellschaft ist ein türkischer Migrantensohn ohne Schulabschluß. Das ist zwar immer noch eine Vereinfachung, aber immerhin ein Ansatz für Überlegungen.
Wir könnten statt Studien und Artikel für die jeweiligen Interessen zu interpretieren, versuchen ein besseres Bildungsmodell zu entwickeln.
Wir könnten unsere Rollen - natürlich auch die Geschlecherrollen - überdenken.
Wir könnten über unsere Vorstellungen von einem Miteinander reden.
Stattdessen wieder ein "Zurück in die Zukunft". War doch nicht alles so schlecht. Die Frauen haben offensichtlich einfach zu viel erreicht. Wie mag das wohl aussehen, wenn die derzeitigen Mädchen in zehn Jahren hochqualifiziert in Toppositionen sitzen, während sich die Männer nun leider immer noch auf dem Schulhof prügeln? Eine Frauengesellschaft! Wie abtörnend.
Ist es denn schon üblich irgendwelche zweifelhaften Homepagevereinsinfos als bare Münze zu nehmen? Hinterfragen des reichhaltigen Forderungskataloges. "Tabuthema häusliche Gewalt gegen den Mann usw." Fehlanzeige.
Es ist schade, wenn kritische Medien die sogenannte "Männerdiskriminierung" auf ihre Agenda setzen. Das ist höchstens ein Thema für die Wahrheit. Oder habe ich was verpasst; sind in den Spitzenpositionen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft(Kanzlerin ausgenommen) jetzt durchgängig Frauen am Ruder. Hat es die Quote geschafft alle Verhältnisse umzukehren?
Man muß kein Schwarzerfan sein, um festzustellen was Alice geschafft hat:eine Öffentlichkeit herzustellen für Fragen, die vorher unhinterfragbar hingenommen wurden. Die Technik Aggressivität und Provokation - haben die selbsternannten Männervertreter von ihr gelernt, aber: Nur ein bißchen aufgemotzter Statmmtisch reicht nicht, um in der Diskussion weiterzukommen
10.09.2008 10:43 Uhr
von michaelbolz:
In der Praxis habe ich gelernt, dass das Idealbild "ruhiges, kluges Mädchen" ein Rollenbild ist, dass im Bereich der Erziehung, also in Kitas und in Schulen (bis gar in der Universität) ein gängiges Erziehungsmuster für Jungen und junge Männer darstellt. Das "Beste" was ich erleben durfte war eine Erzieherin, die den Jungen ihr Idealbild von Mann oktoyierte, das sind homosexuelle Männer. Im Erziehungsbereich wird mittlerweile verstärkt auf männliche Erzieher gesetzt, da man gemerkt hat, dass es eine völlig einseitige, Entwicklung in den vergangenen vierzig Jahren gegeben hat, die das Verhalten von Jungen nicht toleriert hat, auf die ihnen eigenen Bedürfnisse wurde nicht eingegangen und in den meisten öffentlichen Bereichen, in denen Front-Frauen oder Alpha-Mädchen mit irgend einer Form dieser jugendlichen Männlichkeit in Berührung kommen, wird sie meist kategorisch als unerwünscht abgelehnt bzw. fallen Schwierigkeiten in der Auseinandersetzung deutlich auf, dass, was man Unsicherheit nennt oder Diskriminierung.
10.09.2008 10:15 Uhr
von Andro Gyn:
Der Artikel beinhaltet, wie ich meine, grundsätzlich die Schilderung vieler wahrer Umstände.
Sie aber, Thomas Gersterkamp, sollten sich schämen, Kinder als "dumm" zu bezeichnen. Als erwachsener Mensch, der Erfahrung gesammelt hat und souverän genug sein sollte, sollten Sie sich fragen, wer der Dumme ist.
Im Übrigen ist aber "Gewalt an Schulen" kein Jungenproblem. Sie sollten Ihre Recherchen vor Ort machen - an den Schulen. Fragen Sie Lehrer und Lehrerinnen - ich habe das getan. Die Mädchen holen bei der Gewalt auf - und was psychische Gewalt angeht sind sie den Jungs meilenweit voraus.
09.09.2008 21:39 Uhr
von Adam:
"Wenn es unsere Töchter einmal leichter haben sollen, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen."
Diese Schwarzer-Idee ist längst dauerhaft-materielle Gewalt, denn eine Studie des Bundesbildungsministeriums vom November 2007 hat systematische Benachteiligung von Jungen an deutschen Schulen offen gelegt und benannt. Ein profund recherchierter Artikel zum Thema hätte diese Studie erwähnt. Der vorliegende tut es aus schlechtem Grunde nicht. Die "positive" Diskriminierung von Jungen und Männern muss Staatsdoktrin bleiben. Der "dumme Junge" ist politisch gewollt. Nichts anderes begründet die Tatenlosigkeit einer Bundesbildungsministerin Schavan im Hinblick auf die "dummen Jungs". Ihr diesbezüglicher Verweis auf die Länderhoheit in Sachen Schule ist scheinheilig. Bringt sie doch 150 Millionen Euro auf, um Professorinnen an deutschen Hochschulen zu rekrutieren. Selbst ist nur der Mann. So war es, und so soll es bleiben.
09.09.2008 18:07 Uhr
von qed:
Was für ein Eiertanz! Gottseidank hat der Autor nur kurz daß häßliche Wort 'Benachteiligung von Jungs' in den Mund nehmen müssen, um sich dann wieder breit Dingen zu widmen, die dem linken Mainstream als Erklärungsschablonen viel lieber sind, aber leider das existentiell werdende Problem vernebeln. Ganz anders dagegen jene Initiative "MANNdat": die eher ganz verschämt veröffentlichte und alsbald von den Verantwortlichen totgeschwiegene, bislang einzigartige Untersuchung des BMF (http://www.bmbf.de/pub/Bildungsmisserfolg.pdf) wurde gründlich gelesen und da fand sich Unbarmherziges:
...jungenbenachteiligende Tendenzen im schulischen Alltag, die sich lt. den Erhebungen dahingehend auswirken, daß Jungen "in allen Fächern... auch bei gleichen Kompetenzen schlechtere Noten" erhalten (S. 16), und wie es an anderer Stelle heißt, auch "generell seltener eine Gymnasialempfehlung"! Erläuternd heißt es noch über sie: "... auch bei gleichen Noten werden sie seltener von den Lehrkräften für gymnasialgeeignet angesehen als Mädchen." (Ebd. S. 9). Zu alldem ergibt sich aus derselben Studie, daß auch die inhaltlichen Prioritäten in der Schulliteratur eine einseitige Präferenz von Mädcheninteressen aufweisen: man sollte sich somit endgültig verabschieden vom ewigen Märchen, daß die Problematik die des Prekariats und der Immigranten sei.
Solche systemimmanente Ausbremsung eines Potentials, dessen Leistungseffizienz als Hauptmotor des technischen Fortschritts und somit der Konkurrenzfähigkeit eines Staatswesens gelten muß, ist an sich schon paradox. Hinzu kommt, daß diese Praxis jede Richtlinie gegen geschlechtsspezifische Diskriminierungen verletzt.
Die 'taz' wäre gut beraten, sich endgültig vom Jubelfeminismus zu verabschieden und sich existentiellen Problemen zuzuwenden, um den letzten Rest an Glaubwürdigkeit nicht vollends zu verspielen.
Leserkommentare
06.01.2010 15:24 Uhr
von Marc Carlson:
Frauen, die die Benachteiligung von Jungen für gerechtfertigt halten, weil Frauen davor 57849583759 Jahre benachteiligt gewesen sind, sollten sich fragen:
Wann wurde ICH schon einmal nur wegen meines weiblichen Geschlechts diskriminiert?
Ehrlichkeit, bitte! - Thema beendet.
13.08.2009 20:06 Uhr
von Sven Kairen:
Am Ende des Artikels wird den Jungen angeraten, sich von dem problematischen Selbstbild (cool, witzig, draufgängerisch ...) zu verabschieden, weil dieses den schulischen Leistungen abgträglich sei.
Das ist richtig. Nur: Warum wird dies vor allem den Jungen angeraten? Dieses Selbstbild speist sich doch ganz erheblich aus den Erwartungen beider Geschlechter, denn Jungen versuchen oft auch nichts anderes, als ihre Beliebtheit und Akzeptanz bei Gleichaltrigen zu steigern. Und solange Mädchen lieber mit einem draufgängerisch-witzig-coolen als mit einem introvertiert-nachdenklichen Jungen durch die Straßen ziehen, die Rollen-Erwartungen sich also grundsätzlich nicht ändern, wird sich hier wenig tun.
12.09.2008 12:28 Uhr
von Christian Heier:
Kompliment an Bruno Köhler und die Jungs von Manndat, die eine wirklich gute Internetseite mit wohltuend sachlichen Informationen anbieten. Wer das als "aufgemotzten Stammtisch" bezeichnet, offenbart in Wahrheit nur die Angst davor, sein festgefügtes Weltbild könne in Gefahr geraten. Etwas mehr Differenzierungsvermögen täte hier gut.
Zum oft gehörten Argument, Mädchen seien in der Schule besser, gerieten dann aber im Berufsleben ins Hintertreffen: die besseren Noten von Mädchen in der Schule zeigen doch nur den begrenzten Aussagewert von Schulnoten. Sobald es im Arbeitsleben um die Wurst geht, haben Männer die Nase vorn, verdienen daher auch verdientermaßen besser und machen häufiger und erfolgreicher Karriere. Was ist daran auszusetzen?
Frauen wählen immer noch gezielt vor allem die Berufe und Studienfächer, die eher wenig Verdienst und Aufstiegsmöglichkeiten gewähren. Was ihnen auch bekannt ist. Da die meisten aber unbewusst immer noch das Bild vom männlichen Versorger und Familienernährer im Kopf haben (zahllose Umfragen beweisen das), sehen sie keinen großen Grund, sich im Berufsleben allzu sehr zu engagieren, was sich dann in Verdienst und Karriereverlauf zeigt. Daran werden auch noch so teure, aufwändige und Männer diskriminierende Frauenförderprogramme, Mentoring-Initiativen und staatlich geförderte Seilschaften nur wenig ändern.
10.09.2008 21:00 Uhr
von Dr. Bruno Köhler:
Mein Name ist Bruno Köhler und ich habe die MANNdat-Studie verfasst. Was ich anmerken möchte ist, dass die Aussage, dass nicht alle Jungen sondern nur diejenigen mit sozial problemtischem Hintergrund Schulprobleme haben, falsch ist. Tatsache ist, dass bezüglich der geschlechterspezifischen Unterschiede die größten Differenzen zwischen Mädchen und Jungen ohne Migrantionshintergrund und mit mittlerem Bildungsabschluss der Eltern auftreten.
Weiterhin möchte ich Kritik an der in diesem Forum geäußerten Ansicht üben, dass die Bildungsprobleme von Jungen gerechtfertigt seien, solange nicht alle Führungspositionen von Frauen besetzt seien. Leider ist dies ein Argument, das wir häufig auch von vielen politisch Verantwortlichen erhalten.
Die Frage ist: Ist es gerechtfertigt, Jungen aus Gründen der Frauenförderung in der Schule pauschal zu benacheiligen? Wir von MANNdat meinen nein. Die Schule und das Bildungssystem haben die Aufgabe, Jungen und Mädchen optimal zu fördern. Und wenn Nachteile bei einem Geschlecht festgestellt werden, dann besteht die Verantwortung, die Ursachen dafür zu untersuchen. Dieser Verantwortung kommt die Politik derzeit nicht nach.
Wir haben 30 Jahre lang Mädchen gezielt gefördert, um ihre Bildungsleistung zu verbessern. Jetzt, wo Jungen die gleiche Hilfe bräuchten, heißt es, Jungen seien halt selber Schuld. Das ist uns zu billig.
Das Problem ist, dass für die Politik nur die Frauenquoete zählt und je schlechter die Chancen für Jungs, desto besser die Chancen für Mädchen und damit auch eine bessere Frauenquote.
Die gerade veröffentliche OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" macht es deutlich. Die Studienzahlen stagnieren in Deutschland. Sie stagnieren, weil die Studierendenzahl der jungen Frauen stetig steigt (derzeit 55%), aber die Zahl der jungen Männer (derzeit 45%)stetig sinkt. Die Politik findet´s gut.
Der Absolutanteil (nicht Relativanteil!) männlicher Studienabschlüsse sank von 1995 zu 2005 um über 30%! Reaktion der Politik: Mehr Frauenförderung.
Mit freundlichen Grüßen
Bruno Köhler
10.09.2008 11:52 Uhr
von Rudi Steiner:
Na da hat der Autor mit einem in sich widersprüchlichen Artikel doch irgendwie ins Schwarze getroffen. "Jubelfeminismus" und Schwarzerphobie. Endlich darf man es beim Worte nennen.
Warum wird in dem Artikel so lange mit einer Behauptung eingeleitet, die nachher relativiert wird? Erst Bildungshintergrund, dann Migrationshintergrund, dann Geschlechterhintergrund. So ist die Reihenfolge und so könnte man auch untersuchen:
Der klassische Benachteiligte in dieser Gesellschaft ist ein türkischer Migrantensohn ohne Schulabschluß. Das ist zwar immer noch eine Vereinfachung, aber immerhin ein Ansatz für Überlegungen.
Wir könnten statt Studien und Artikel für die jeweiligen Interessen zu interpretieren, versuchen ein besseres Bildungsmodell zu entwickeln.
Wir könnten unsere Rollen - natürlich auch die Geschlecherrollen - überdenken.
Wir könnten über unsere Vorstellungen von einem Miteinander reden.
Stattdessen wieder ein "Zurück in die Zukunft". War doch nicht alles so schlecht. Die Frauen haben offensichtlich einfach zu viel erreicht. Wie mag das wohl aussehen, wenn die derzeitigen Mädchen in zehn Jahren hochqualifiziert in Toppositionen sitzen, während sich die Männer nun leider immer noch auf dem Schulhof prügeln? Eine Frauengesellschaft! Wie abtörnend.
Ist es denn schon üblich irgendwelche
zweifelhaften Homepagevereinsinfos als bare Münze zu nehmen? Hinterfragen des reichhaltigen Forderungskataloges. "Tabuthema häusliche Gewalt gegen den Mann usw." Fehlanzeige.
Es ist schade, wenn kritische Medien die sogenannte "Männerdiskriminierung" auf ihre Agenda setzen. Das ist höchstens ein Thema für die Wahrheit. Oder habe ich was verpasst; sind in den Spitzenpositionen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft(Kanzlerin ausgenommen) jetzt durchgängig Frauen am Ruder. Hat es die Quote geschafft alle Verhältnisse umzukehren?
Man muß kein Schwarzerfan sein, um festzustellen was Alice geschafft hat:eine Öffentlichkeit herzustellen für Fragen, die vorher unhinterfragbar hingenommen wurden. Die Technik Aggressivität und Provokation - haben die selbsternannten Männervertreter von ihr gelernt, aber: Nur ein bißchen aufgemotzter Statmmtisch reicht nicht, um in der Diskussion weiterzukommen
10.09.2008 10:43 Uhr
von michaelbolz:
In der Praxis habe ich gelernt, dass das Idealbild "ruhiges, kluges Mädchen" ein Rollenbild ist, dass im Bereich der Erziehung, also in Kitas und in Schulen (bis gar in der Universität) ein gängiges Erziehungsmuster für Jungen und junge Männer darstellt.
Das "Beste" was ich erleben durfte war eine Erzieherin, die den Jungen ihr Idealbild von Mann oktoyierte, das sind homosexuelle Männer.
Im Erziehungsbereich wird mittlerweile verstärkt auf männliche Erzieher gesetzt, da man gemerkt hat, dass es eine völlig einseitige, Entwicklung in den vergangenen vierzig Jahren gegeben hat, die das Verhalten von Jungen nicht toleriert hat, auf die ihnen eigenen Bedürfnisse wurde nicht eingegangen und in den meisten öffentlichen Bereichen, in denen Front-Frauen oder Alpha-Mädchen mit irgend einer Form dieser jugendlichen Männlichkeit in Berührung kommen, wird sie meist kategorisch als unerwünscht abgelehnt bzw. fallen Schwierigkeiten in der Auseinandersetzung deutlich auf, dass, was man Unsicherheit nennt oder Diskriminierung.
10.09.2008 10:15 Uhr
von Andro Gyn:
Der Artikel beinhaltet, wie ich meine, grundsätzlich die Schilderung vieler wahrer Umstände.
Sie aber, Thomas Gersterkamp, sollten sich schämen, Kinder als "dumm" zu bezeichnen. Als erwachsener Mensch, der Erfahrung gesammelt hat und souverän genug sein sollte, sollten Sie sich fragen, wer der Dumme ist.
Im Übrigen ist aber "Gewalt an Schulen" kein Jungenproblem. Sie sollten Ihre Recherchen vor Ort machen - an den Schulen. Fragen Sie Lehrer und Lehrerinnen - ich habe das getan. Die Mädchen holen bei der Gewalt auf - und was psychische Gewalt angeht sind sie den Jungs meilenweit voraus.
09.09.2008 21:39 Uhr
von Adam:
"Wenn es unsere Töchter einmal leichter haben sollen, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen."
Diese Schwarzer-Idee ist längst dauerhaft-materielle Gewalt, denn eine Studie des Bundesbildungsministeriums vom November 2007 hat systematische Benachteiligung von Jungen an deutschen Schulen offen gelegt und benannt. Ein profund recherchierter Artikel zum Thema hätte diese Studie erwähnt. Der vorliegende tut es aus schlechtem Grunde nicht. Die "positive" Diskriminierung von Jungen und Männern muss Staatsdoktrin bleiben. Der "dumme Junge" ist politisch gewollt. Nichts anderes begründet die Tatenlosigkeit einer Bundesbildungsministerin Schavan im Hinblick auf die "dummen Jungs". Ihr diesbezüglicher Verweis auf die Länderhoheit in Sachen Schule ist scheinheilig. Bringt sie doch 150 Millionen Euro auf, um Professorinnen an deutschen Hochschulen zu rekrutieren. Selbst ist nur der Mann. So war es, und so soll es bleiben.
09.09.2008 18:07 Uhr
von qed:
Was für ein Eiertanz!
Gottseidank hat der Autor nur kurz daß häßliche Wort 'Benachteiligung von Jungs' in den Mund nehmen müssen, um sich dann wieder breit Dingen zu widmen, die dem linken Mainstream als Erklärungsschablonen viel lieber sind, aber leider das existentiell werdende Problem vernebeln. Ganz anders dagegen jene Initiative "MANNdat": die eher ganz verschämt veröffentlichte und alsbald von den Verantwortlichen totgeschwiegene, bislang einzigartige Untersuchung des BMF (http://www.bmbf.de/pub/Bildungsmisserfolg.pdf)
wurde gründlich gelesen und da fand sich Unbarmherziges:
...jungenbenachteiligende Tendenzen im schulischen Alltag, die sich lt. den Erhebungen dahingehend auswirken, daß Jungen "in allen Fächern... auch bei gleichen Kompetenzen schlechtere Noten" erhalten (S. 16), und wie es an anderer Stelle heißt, auch "generell seltener eine Gymnasialempfehlung"! Erläuternd heißt es noch über sie: "... auch bei gleichen Noten werden sie seltener von den Lehrkräften für gymnasialgeeignet angesehen als Mädchen." (Ebd. S. 9). Zu alldem ergibt sich aus derselben Studie, daß auch die inhaltlichen Prioritäten in der Schulliteratur eine einseitige Präferenz von Mädcheninteressen aufweisen:
man sollte sich somit endgültig verabschieden vom ewigen Märchen, daß die Problematik die des Prekariats und der Immigranten sei.
Solche systemimmanente Ausbremsung eines Potentials, dessen Leistungseffizienz als Hauptmotor des technischen Fortschritts und somit der Konkurrenzfähigkeit eines Staatswesens gelten muß, ist an sich schon paradox. Hinzu kommt, daß diese Praxis jede Richtlinie gegen geschlechtsspezifische Diskriminierungen verletzt.
Die 'taz' wäre gut beraten, sich endgültig vom Jubelfeminismus zu verabschieden und sich existentiellen Problemen zuzuwenden, um den letzten Rest an Glaubwürdigkeit nicht vollends zu verspielen.