Diskussion 26.06.

Sind Ostdeutsche auch Migranten?

Sind die Diskriminierungserfahrungen von Ostdeutschen auch Jahrzehnte nach der Wende mit Rassismus vergleichbar?

Geschäfte mit der „Ostalgie“: Mit selbstbewusstem DDR-Outfit kann man sich vielleicht der Diskriminierung verwehren Bild: AP

Die einen haben ihr Land verlassen, die anderen wurden von ihrem Land verlassen. Migranten und Ostdeutsche haben viel gemeinsam, sagt die Soziologin und Integrationsforscherin Naika Foroutan. Seit ihrem Interview mit der taz im Mai debattiert die Republik ihre Thesen. In dem Interview spricht Naika Foroutan mit dem taz-Redakteur Daniel Schulz über die Frage, ob man Ostdeutschen mehr zuhören müsse, ihre teils traumatischen Erfahrungen nach dem Mauerfall noch einmal besprechen sollte.

Wann: Di., 26.06.2018, 19 Uhr

Wo: taz Café

Rudi-Dutschke-Straße 23

10969 Berlin

Eintritt frei

Eindeutig ja, sagt Foroutan. Ostdeutsche seien auch irgendwie Migranten. Mit ähnlichen Erfahrungen: Heimatverlust, Diskriminierungen, Suche nach Identität. Das Gespräch erscheint am 12. Mai in der taz am Wochenende. Es trifft einen Nerv. Die Publizistin Ferda Ataman schreibt in ihrer Kolumne auf Spiegel Online: "Höchste Zeit also, dass wir Randgruppen enger zusammenrücken." Sie erwähnt aber auch das kritische Verhältnis: „Bislang stehen sich die beiden kulturellen Minderheiten ja eher feindlich gegenüber.“

Die ostdeutsche Schriftstellerin Jana Hensel antwortet Ataman auf Zeit Online, sie habe Gänsehaut, weil „nun andere Migranten mit ähnlichen Erfahrungen auch unsere in den Blick nehmen, in Worte zu fassen versuchen und dabei klarer sind als wir selbst.“ Der in Ost-Berlin geborene Reporter Alexander Osang ergänzt im Spiegel seine Erfahrungen mit Assimilation: "Wir sollen uns in ihrer Gesellschaft auflösen wie in Salzsäure. Das mache ich seit 28 Jahren. Ich bin praktisch nicht mehr da." Widersprochen wird natürlich ebenso.

Die Diskussion wird weitergehen - wenn Sie möchten, mit Ihnen.

Im taz Café können Sie diejenigen treffen, die diese Debatte begonnen haben

und mit Ihnen diskutieren.

Die Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts, Anke Hassel, meint in der taz, auch Westdeutsche hätten ihre Heimat verloren. Andere Kolleg*innen kritisierten auf Zeit Online, in der Berliner Zeitung und der Jüdischen Allgemeinen unter anderem, Diskriminierung sei nicht gleich Rassismus. In der ARD-Sendung „titel thesen temperamente“ verbeispielt Fatma Aydemir, taz-Redakteurin und Autorin des Romans „Ellenbogen“, die Unterschiede: "Die Sache ist halt, dass ein Ostdeutscher niemals um seinen Aufenthaltsstatus in diesem Land fürchten muss.“

Neben allen Interessierten begrüßen wir:

Prof. Dr. Naika Foroutan, Soziologin und Integrationsforscherin

Jana Hensel, Autorin (Keinland, Zonenkinder)

Ferda Ataman, Spiegel-Online-Kolumnistin und Mitbegründerin der Initiative „Neue deutsche Medienmacher“.

Dr. Thomas Ahbe, Leipziger Sozialforscher

Moderation: Daniel Schulz, taz Ressortleitung Reportage & Recherche