• 18.01.2009

Die Neuen Konservativen

Unmoral der Werteapostel

George Bush geht und die Finanzkrise hat den konservativen Kodex der neoliberalen Ära ins Wanken gebracht. Aber wie ticken die hartherzigen Moralisten eigentlich?von Robert Misik

  • 25.01.2009 01:20 Uhr

    von Tobias Werner:

    Konservativ ist wohl genauso viel- bzw. nichtssagend wie christlich. Oft wird beides ja verbunden. Christlich heißt ja aber, dass man an die Unfähigkeit des Menschen zum Paradies auf Erden, ja, an den selbst bewirkten Menschheitsuntergang glaubt. Konservative reden aber auch sehr gern über die ewige irdische Zukunft. Aber immerhin habe sie, wie dies ja auch in einem der Vorkommentare beschrieben worden ist, dafür kein wirkliches Programm bzw. Konzept, was sie von vielen Linken unterscheidet, die meinen (oder meinten), dass man die Menschen nur befreien müsse, bzw. deren Lebensumstände rein materiell betrachtet nur verbessern müsse, um das "Paradies auf Erden", eine ewige irdische Zukunft der Menschheit, zu erreichen. Die eigentliche Freiheitsfrage ist insofern ja die, ob man sich von der "Vermehrungspflicht", und damit eben dem Zukunftsdogma befreien darf (was viele Konservative ja eben doch anders sehen), oder ob man – sozialistisch, links - den Menschen die Zukunft quasi indoktrinieren kann bzw. soll. Aber auch das, der Erhalt der eigenen Art, könnte bzw. muss man ja als konservativ bezeichen. Geht die Art, sich an alle "alten Regeln" haltend, vollauf solidarisch, friedlich-wohlorganisiert aussterbend aber unter, so kann man dies schon auch als revolutionär bezeichen. Das mit dem Konservatismus ist also eine vielschichtige Sache.

  • 24.01.2009 03:01 Uhr

    von Jonathan Meyer:

    Der Artikel greift einige interessante Punkte am Konservativismus auf aber gerade bei einem Punkt liegt der Autor falsch. Meritokratie ist kein Selbstzweck der Konservativen sondern besagt lediglich dass bei absoluter (Bildungs)Chancengleichheit trotzdem Ergebnisungleichheit herrscht und dass wir dieses System benötigen um im Rahmen der gesellschaftlichen Sozialstruktur Posten zu besetzen. Denn mehr Geld oder Ansehen, Einfluss die ein Posten bietet bedeutet höhere Nachfrage und damit eine höhere Wahrscheinlichkeit den besten geeigneten Kandidaten für den Posten zu finden. Was hier immer gern vergessen wird - Menschen sind nicht gleich und auch kein Gesetz oder GG Artikel behauptet dass in dieser Form, Menschen werden vom Gesetz als juristische Subjekte gleichbehandelt... das ist aber auch schon alles. Um es den unverbesserlichen Gleichheitsfanatikern klarzumachen: wenn sie die Wahl haben zwischen einem hochspezialisiertem Herzchirurgen und einem Hartz-4 Migranten ohne Ausbildung - welchen von beiden würden sie bei einem Herzleiden ihr Kind behandeln lassen?

    Das ist eine meritokratische Sozialstruktur! Und dass der Herzchirurg Benz fährt und der Hartz4 Migrant Fahrrad hängt halt mit ihrem unterschiedlichen Nutzwert für die Allgemeinheit ab. Das ist zwar hart aber einfach die Wahrheit!

    Mit freundlichen Grüßen

    Ein ungleicher Mensch

  • 23.01.2009 21:37 Uhr

    von midas:

    @eva
    Da kommt man dem Kern der Sache gefährlich nahe: Wenn die Diskussion bis zum Zerfall der Familie wegen auswärtiger Kinderbetreuung und der arbeitenden Mutter etc gediehen ist, kann der Konservative beim nächsten verbalen Widerstand nur noch eine Schublade tiefer greifen, und das wäre dann das sog. "christliche" Menschenbild im Sinne des üblichen Patriarchats. Jeder, der was anderes sagt, wird dann als unchristlich gebrandmarkt. Und schon hat der Betreffende seinen persönlichen Dschihad mit dem Konservativen.
    Da dies in Zeiten von ProReli und Evangelikalen einen gewissen mainstream darzustellen scheint, sollte man sich sehr genau überlegen, ob man eine "christliche" Partei wählt oder der richtigen Kirche bzw Glaubensgemeinsschaft angehört...

  • 22.01.2009 21:49 Uhr

    von M. Röschter:

    Der Artikel vermeidet zu Recht jeden Versuch die Neo-Konservativen im Lichte sozialistischer Ideologie zu betrachten. Leider schleppt so mancher Leser hier diesen Balast noch immer mit sich herum.
    Der Neo-Konservativismus führt keinen Klassenkampf denn er kennt keine fest geprägt Klasse mit Privilegien und läßt sehr wohl im Prinzip, aber recht selten in der Realität, den sozialen Aufstieg und die Bildung einer Meritokratie zu. Er lehnt ein sozial genormtes, abstraktes Gerechtigkeitsprinzip in der Gesellschaft ab und läßt nur eine "natürliche" Gerechtigkeit gelten. Gesellschaft darf nicht konstruiert werden, sie muß im sozialen Konflikt enstehen und sich stets erneuern.
    Was dieses im ersten Augenblick gar nicht einmal so unattraktiv erscheinende Normengebäude ungemütlich macht ist seine konkrete Ausprägung:

    Soziale Anarchie bei Bewahrung des Gewaltmonopols des Staates. Nepotismus und Tribalismus in Teilgruppen der Gesellschaft weil starke Normen zur Unterdrückung von übermäßigem Egoismus fehlen. Eine Tendenz zur Vererbung von sozialem Status, welches eine starker Motivationsfaktor für die jeweils aktuelle Elite ist. Kontrolle über Vermögenswerte in den Händen derjenigen die sie effizient einsetzen um den Preis relativer Willkür und starker Ungleichheit in der Verteilung der Ergebnisse.

    Einige dieser Ausprägungen sind zwar ähnlich der klassischen Feudalgesellschaften, primär lehnen die NeoCons diese aber ab passen daher kaum in das Bild des "Reaktionärs". Genausowenig sind die stärksten Gegner der NeoCons in der klassischen Linken zu suchen, diese war reichlich hilflos inden letzten Jahrem. Die Antipode der NeoCons ist der "aufgeklärte Liberalimus" der gesellschaftliche Normen gezielt konstruiert, manchmal etwas konservativer, manchmal etwas sozialistischer aber keine völlige Freiheit des einzelnen zulässt wenn diese den Interessen der Gesellschaft widerspricht.

  • 21.01.2009 21:21 Uhr

    von Eva:

    "Wohlfahrt nimmt dem Familienoberhaupt seine ökonomische Funktion und macht aus ihm einen ,überflüssigen Mann'."

    Denn die Männer bringen die Brötchen nach Hause und die Frauen säugen die Jungen. Und wenn der Funktionsverlust der Familie erst mal da ist (zum Lernen in die Schule, zum Genesen ins Krankenhaus, zum Arbeiten ins Büro, usw.), dann sterben alle Menschen. Gute Nacht!

    An G. Agnost und Jengre: Oh ja, ihr habt/Sie haben ja so recht! Nur schade, dass wir hier so unter uns sind.

  • 21.01.2009 13:12 Uhr

    von Jengre:

    Die Paradoxa lösen sich auf, wenn wir uns bewußt machen, daß die tonangebenden (mächtigen) Konservativen keine Konservativen sind, sondern Reaktionäre: Es ging immer nur darum, die großen Reformen des 20. Jahrhunderts (Sozialstaat, Arbeitszeitverkürzung, Arbeitnehmerrechte...) rückgängig zu machen. Für dieses Ziel hat man gern auch mal die Verteidiger dieser Reformen als "unmoderne", "gestrige" "Strukturkonservative" gebrandmarkt und zentrale Begriffe wie Freiheit und Gerechtigkeit usurpiert und mit eigenen Inhalten gefüllt. Die traditionellen Konservativen unter den "kleinen Leuten" dagegen, die schon immer Angst vor den umstürzlerischen Linken gehabt haben, hat man sich nur vor den Karren gespannt. Daher die Inkompatibilität der Konzepte, die Beschwörung der Familie bei gleichzeitiger Atomisierung von Familie und Gesellschaft durch ökonomische Zwänge. Da viele der "konservativen" Politiker des rechtsliberalen Lagers, die den Auftrag haben, für Unternehmensverbände eine wirtschaftsfreundliche Politik durchzusetzen, selbst aus solchen traditionellen Milieus kommen und ihrerseits zutiefst instrumentalisiert sind, geht diese Begriffsverwirrung und Zielunschärfe bis in ihre Köpfe hinein.

  • 21.01.2009 10:06 Uhr

    von G. Agnost:

    Konservativ und der Bezug zur 'Tradition', 'alte Werte' usw. verbirgt doch nur das, worum es den K. nur geht: Macht und Erhaltung der Ordnung von Macht und Ohnmacht. Dafür sind K. immer bereit alles zu opfern, auch 'Werte', 'Familie' usw. und sich der Macht und dem ökon.-militärischen Programm anzupassen. Wenn dieses gilt, ist die Geschichte von Konservativen (plus Liberalen) und Linken doch schnell erzählt. Während die einen immer nur auf die Machterhaltung zielen und dieses positiv besetzen, haben die anderen das Dilemma, dass sie Macht gar nicht haben und anstreben dürfen, weil sie dann sofort 'Verräter' oder 'unglaubwürdig' werden. So einfach ist das unfaire Spiel.

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