• 23.07.2008

Die Netz-US-Serie "Dr. Horrible"

Weg aus der Krise

Der wichtige US-Serienmarkt hat sich 2008 stark verändert. Die kleine Serie "Dr. Horrible" steht nun für ein zukunftsweisendes Geschäftsmodell.von Ben Schwan

  • 28.07.2008 13:36 Uhr

    von Beate Geibel:

    Herzlichen Dank für dieses Artikel.

    Na endlich, hab mich schon gewundert, der Spiegel war Ihnen auch nur 2 Tage voraus, warum niemand hier in Deutschland vorab über dieses grandiose und vor allem in Bezug auf die Zukunft der Entertainment Branche wegweisende Projekt berichtet hat. Dabei waren alle Information seit einigen Monaten im Netz zugänglich.

    Das das Projekt ein voller Erolg werden würde, war eigentlich allen, die sich mit dem Phänomen Whedon und dessen weltweit extrem loyalen Fanbase beschäftigen, klar.

    Die Masse von 2,2 (!) Mio Mal, die das Musical angeschaut wurde, hat dann aber doch alle überrascht. Platz 1 der US Downloadcharts nach nur einem Tag, obwohl das Musical frei anschaubar war, das ist schon beeindruckend.

    Um zu verstehen, warum das Projekt solche Wellen geschlagen hat, muss man sich auch mit dem Phänomen der Browncoats bechäftigen. So nennen sich die Fans der "FIREFLY" Serie. Nachdem FOX (bis heute für viele nicht nachvollziehbar) das Projekt nach nur 14 Folgen eingestellt hatte, begann ein bis heute einzigartiger Fanprotest. Diese Fans kämpfen seit nun mehr 8 (!) Jahren um die Weiterführung der Serie. Resultierend auf die nicht abflauenden Fanproteste hatte FOX die 14 Folgen dann doch als DVD Box Set veröffentlicht und innerhalb nur weniger Monate weltweit mehrere 100.000 Stück verkauft. Whedon, überzeugt vom Potential von FIREFLY und von den Fanprotesten ermutigt, gab nicht auf und überzeugte schliesslich Universal Pictures von seinem Filmprojekt "SERENITY". Ein 100 Mio Dollar Spielfilm, der zwar an den Kinokassen nur mässig erfolgreich war, aber auch hier wieder gab es anschliessend mehrere 100.000 verkaufte DVD´s. Eine bis heute in Hollywood einzigartige Aktion, aus einer Serie, die noch nicht mal eine volle Saison hatte, resultiert ein Kinofilm.

    Die Browncoats in den USA und UK mieten seit Jahren private Kinosäle an, zeigen dort Serenity, die Einnahmen aus dieses privaten Screenings, die immer ausverkauft sind, gehen an Equality Now, eine Charity Organisation, die Joss Whedon unterstützt. So sind in den letzten Jahren ca. 160.000 $ zusammengekommen.

    Zudem gibt es eine auf DVD erschienene sehenswerte Fandokumentation über das Phänomen FIREFLY, die ebenfalls bisher mehrere 10.000 DVD´s weltweit verkauft hat.

    Frei nach dem Firefly Motto:

    "We have done the impossible and that makes us mighty !"

    Diese Browncoats machten einen grossen Teil der Fans aus, die jetzt Dr. Horrible unterstützt haben. Hierbei ging es auch um ein Statement gegenüber der grosse TV Networks. Es ging darum aufzuzeigen, was möglich ist, auch ohne grosse Budgets und eben ohne den Support der TV Sender.

    Völlig ausgehebelt wurde hierbei die bislang vorherrschende Meinung, wenn etwas frei erhältlich sei, würde keiner dafür zahlen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Fans WOLLTEN und WOLLEN dafür zahlen, um Joss Hwedon und alle die an diesem wundervollen Projekt gearbeitet haben zu unterstützen. Die Fans haben verstanden, welche Macht sie haben, wenn sie sich zusammentun. Ich denke, daß Menschen sehr wohl bereit sind, für gut gemachtes Entertainment Geld zu bezahlen und da kann man gerade bei Joss Whedon sicher sein, denn alles was er bisher gemacht hat, ist geistreich, ungewöhnlich, hat Herz und immer unterhaltsam.

    Man muss sich nur mal die Kommentare bei YOUTUBE anschauen, dort sind einige der Episoden von Dr. Horrible geposted. Dort halten die Fans sich gegenseitig an, doch bitte das Ganze bei Itunes downzuloaden oder dann die DVD zu kaufen.

    Dr. Horrible war nicht das erste Projekt, das rein fürs Internet gemacht wurde.
    "The Guild" (von Felicia Day) und "Quarterlife" (von Zwick/Hershkowtz) sind zwei weitere Beispiele dafür, wie es gehen kann. Allerdings wird Whedon wohl der erste sein, der mit seinem Projekt Profit macht.

    FOX wird sich nun sehr genau überlegen, wie sie mit Joss Whedon´s neuem Projekt "DOLLHOUSE", was im Januar 2009 starten wird, umgehen werden. Denn diese Fansbase ist nicht mehr zu unterschätzen.
    Sie sollten aus dem FIREFLY Debakel gelernt haben.

    Wieso sollte denn in Zukunft auch nicht die Möglichkeit bestehen, Fans kaufen ein Abo, zahlen im Monat 10/20 $ und schauen sich ihre Serie im Internet an, ohne Angst zu haben, daß Ihre Lieblingsserie aus unerfindlichen gründen von einem der grossen Networks eingestellt wird.

    Joss Whedon hat aufgezeigt wie es gehen kann.

    Joss Whedon hat, wie sie richtig beschrieben haben, einen neuen Weg der Vermarktung gefunden.
    Die Zukunft ist seit dem Dr. Horrible Erfolg bereits Gegenwart und am Ende gilt:

    YOU CAN`T STOP THE SIGNAL !

Ihr Name (wird angezeigt):*

Email (wird nicht angezeigt):*

Kommentar* - bitte beachten Sie unsere Netiquette:

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spamvermeidung Wenn Sie das Wort nicht lesen konnten, bitte hier klicken.

CAPTCHA Bild zum Spamschutz

Wenn Sie auf "Abschicken" klicken, wird ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an taz.de verschickt. Er wird veröffentlicht, sobald einRedakteur ihn freigeschaltet hat. taz.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus ähnlichen Gründen unangemessene Beiträge nicht zu publizieren.

*Pflichtfelder