• 14.01.2009

Die Finanzkrise nach Karl Marx

Die Spielregeln, nicht die Spieler

Profitmaximierung und Konkurrenz werden immer wieder Krisen wie die gegenwärtige hervorbringen. Eine Verstaatlichung tauscht lediglich die Akteure aus, ohne die Strukur anzutasten.von Michael Heinrich

  • 17.04.2012 11:56 Uhr

    von MaterialismusAlter:

    Zuerst einmal dankeschön, für diesen Artikel, wenn die Diskussion der Krise sich eher auf diesem Niveau bewegen würde (und nicht auf dem Niveau "Angie, lass die Pleitegriechen absaufen!")wäre ich guter Hoffnung.

    Ich würde den Vergleich zwischen Keynesianern und Neoklassikern noch um ein pikantes Detail erweitern: Die Ersteren werfen den Letzteren stets vor, dass ihre Austeritätspolitik den Binnenmarkt abwürgt und eine Abwärtsspirale bewirkt. Die Neoklassiker kontern, dass jeder Versuch dies mit einer weiteren Ausdehnung der Staatsverschuldung zu kontern zum Kollaps des Finanzssystems führen könnte. Ich frag mal ganz dumm: Was wenn beide recht haben?

  • 18.10.2009 18:31 Uhr

    von MoTheG:

    Es gibt unterschiede zwischen Casino und Wirtschaft.
    Der Einfluß des Geldes auf das Spielergebnis. Ob mit fremden schicksalen gespielt wird. ob der einsatz wärend des spieles genutzt wird.
    Nimmt man jedoch bloße wetten auf indizes o.ä. dann ist der Casino-charakter groß und der nutzen für die "real"-wirtschaft klein.
    Das system ist inherent instabil jeder ingenieur würde es mit einer regelung versehen, aber die wirtschafts"wissenschaftler" haben es nicht einmal geschaft, ein systemmodell herzustellen.
    Man könnte z.B. das beleihen von Ansprüchen verbieten.
    Anmerkung zum kommentar 15.01.2009 08:53 Uhr Von T.L.:
    Sie machen einen klassischen fehler. Es ist ein nullsummenspiel, sie können doch die casinobank nicht außen vor lassen. wie im echten leben macht die bank immer gewinn wenn andere spielen.

  • 28.01.2009 17:26 Uhr

    von Joachim Petrick:

    Lieber Herr Heinrich,
    ist der Kapitalismus als eine rabiat rigioros verpackte Theorie über die Willkür säkularer,klerikaler Despoten/innen identifizierbar, die den Rest der Welt per Feldversuch als numerierte „Hühner“ in Lege-Batterien genötigt nach A-, B-, C- Eiern als Heloten profitorientiert benotet?

    „Habe ich gestern eine Aktie für 100 Euro gekauft, die heute für 110 Euro gehandelt wird, dann ist der Kurswert meines Aktienvermögens um 10 Euro gestiegen, ohne dass ein anderer 10 Euro verloren hätte“, meinen Sie locker vom Theorie- Hocker.
    Irrtum“ Herr „Kaplan“, rufe ich da nur!?
    Ist Inflation von 10 % nicht auch ein Verlust, der allerdings gerne unverantwortlich vernachlässigt wird, wenn der heutige Käufer der Aktie zu € 110.-, diese Morgen für 121.- € verkauft? Der Letzte trägt die Last der anderen, der Verluste durch Inflation, danach erst hyper- inflationär alle!?.

    Der Turbo- Kapitalismus hat eine neu Variante der Profitmaximierung hervorgebracht, die der Beschleunigung aller Optionen auf Profit, Verlust, wie wirtschaftliche Prozesse von Konjunktur und Rezession durch eine rasant monetär- fiskalische Steigerung der Geschwindikeit im Geld- , Güter- , Waren- , Wert- Transfer-Verkehr bis hin zu der kühnen „Vorstellung“ Spekulation an mehreren Handeslplätzen gleichzeitig mit demselben Geld, denselben Gütern, Waren, Werten scheinabr präsent zu handeln, ohne über diese wirklich zu verfügen und doch Gewinn wie Verluste aus diesen mehrfach gesteigert zu realisieren!?

    Ist da nicht statt Rettungsschirm für Banken, Versicherungen, Branchen als alter Protektionismus in neuem Gewande, statt Zoll- Schranken, nationale Kredit- Schranken eine Entschleunigung der weltwirtschaftlichen Prozesse durch die rechtliche Gleichstellung von Privathaushalten und Unternehmen aller Länder, Regionen, samt Einführung eines Kompensationseinkommens (Entschädigung für entgangene Erträge während des Aufschwungs!?“ für jedermann/-frau/- kind, angesagt?

    Übrigens erlebt sich jeder Spieler im Casino „ existenziell vernichtet“ als Verlierer wie der“Kleine Mann“ und der ist in jedem Fall der Fälle auch bei Verlusten an der Börse, Finanzkrisen 100 % als dramaturgische engagierte Skulptur- Figur stellvertretend für andere dran.
    Wo ist da also noch ein Unterschied zwischen Börse und Casino“!? Keiner!, oder?
    tschüss
    JP

  • 26.01.2009 18:34 Uhr

    von Jörn Giest:

    Michael Heinrich « is a good man », wie man in Amerika sagen wuerde.

    Allerdings hat er den jungen Leuten m.E. frag-wuerdige Dinge erzaehlt waehrend der Auftaktveranstaltung zum Marxlesedings der PDS. Etwas zu viel Milch und Maedchen, zu wenig Rechnung. Obwohl er es besser weisz. Diese Lesebewegung ist eh eine Luftnummer. Dort wird niemand wirklich etwas lernen.

    Was die Herstellung nicht sachlich vermittelter Verkehrsverhaeltnisse bei gleichzeitig fortdauerndem oder gar progressivem Ansteigen der Produktivkraefte betrifft, vielleicht sogar so etwas wie « vernuenftige » Verhaeltnisse, daruber schwiegen sich Marx und Engels und alle Marxologen, Marxianer und Marxisten bis heute aus. Darauf gibt es auch in Heinrichs Buch keine Antwort.

    Wie die Weltproduktion auf dem derzeitigen technologischen Level und Differenzierungsgrad ohne Marktvermittlung funktionieren soll, dafuer gibt es keine richtig schoenen Modelle. Marx schreibt nicht umsonst in den Grundrissen, was man den Sachen (Ware, Geld) an gesellschaftlicher Macht nimmt, muss man wieder Personen geben. Wie persoenliche Verhaeltnisse aussehen und was dabei rauskommt, kann man in der deutschen oder sonstirgendeiner Parteienindustrie begutachten. Viel zu krumm das Holz, um grade Bretter daraus zu zimmern (Kant). Dann doch lieber Ware und Geld.

    @Zak : Lohnsklaverei und Zinswucher? Klingt etwas verkuerzt.

    Ausbeutung und aehnliche Konzepte, die wir heute vor allem normativ interpretieren, heiszen bei Marx natuerlich noch etwas anderes. Aus seiner Sicht konnte er sich Zynismus leisten. Natuerlich sollte das Kapital auch zur politischen Waffe werden (freilich konnte sich das kein Arbeiter leisten beim Preis eines Wochenlohns, die Auflage war auch viel zu klein). Das macht es heute so schwierig, man kann es verschieden lesen, als wissenschaftliche Arbeit, oder eben als etwas langes Pamphlet oder sonstwas.

  • 18.01.2009 16:03 Uhr

    von Tom C. Zak:

    Richtig ist, dass ein simples Drehen an ökonomischen Stellschrauben, auch durch den Staat, wie momentan angedacht und versuchsweise praktiziert, der Komplexität der Krisenproblematik nicht gerecht wird. Bevor jedoch grundlegende Spielregeln geändert werden können, müssten Prämissen und Zielvorstellungen formuliert werden. Die wichtigsten hat Eugen Drewermann kürzlich benannt (Freitag 45 6.1.2008): »Wir sollten daher dreierlei auf einmal abschaffen: alle Formen der modernen Lohnsklaverei, die "Option" zum Kriegführen und den Zinswucher.«

  • 16.01.2009 10:22 Uhr

    von Logos:

    Ein nüchterner, der Vernunft verpflichteter Artikel. Insbesondere ist der Hinweis wichtig, dass die neoklassischen Theorien, auf die sich letztendlich die Mainstream-Analysen, -Rezepte, -Prognosen beziehen, falsche Grundannahmen haben. Zum Kommentar von Jan Lorenz: Auch Heinrich ist denke ich der Auffassung, dass Ausbeutung (nicht als moralische Wertung, sondern als ökonomische Kategorie!) wesentlicher Bestandteil der Kapitalverwertung und damit des Kapitalismus ist.

  • 15.01.2009 22:58 Uhr

    von Kreuzberger:

    So viel Anregendes von meinem Lehrer MH zu lesen, tut gut. Ich hatte vor fünfzehn Jahren ein Seminar zu Marx, Klassik, Neoklassik beim Autor besucht. Er scheint immer noch ein Kluger zu sein. Wie schön.

  • 15.01.2009 17:22 Uhr

    von RBO:

    Hallo Herr Heinrich,
    mit Abstand der beste Artikel zum Thema seit langem. Könnte man die hochemotionalen Vorwürfe in Richtung der Banker (Gier als Ursache der Krise) nicht auch als Fetischismus im marx'schen Sinne deuten?

  • 15.01.2009 11:09 Uhr

    von Jan Lorenz:

    Ein guter Artikel, der mal wegkommt von Marxisten (= beim Kapitalismums kommt sofort Ausbeutung raus) und Anti-Marxisten (= dann kommen ja nur totalitaere Systeme raus). Auch als Mathematiker gefaellt mir ausnahmsweise mal dieser Debatten Artikel.

    Nur schade, dass es nicht soviel drin steht, wie die richtigen Spielregeln aussehen sollen ...

  • 15.01.2009 08:53 Uhr

    von T.L.:

    Ein interessanter Artikel, aber die Anmerkung zum Casino ist falsch. Glücksspiel im Casino ist nie ein Nullsummenspiel. Der Erwartungswert beträgt immer weniger als 100%. Den Rest behält die Bank.

  • 15.01.2009 00:15 Uhr

    von Hans-Jürgen Kapust:

    Ziele und Mittel der Produktion unter gesellschaftliche - nicht staatliche wohlverstanden - Kontrolle bringen...; das ist keine kleine Regeländerung in dem Spiel, das da Kapitalismus heißt. Das ist schon "Produktion der Verkehrsform (Umgang des Menschen mit sich und der Natur)", die Definition von Kommunismus nach Marx.
    Solch revolutionärer Kommentar in der taz ist selten genug, aber um so erfreulicher.

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