Ein Streitgespräch mit der ehemaligen Bildungsministerin Edelgard Bulmahn, Philosophie-Studentin Leva Kóchs und dem Leiter des Instituts für Komparatistik der FU Berlin Remigius Bunia.von Ines Kappert / Gordon Repinski
Auf eine 60-Stunden-Woche kommt man aber nur, wenn man die Arbeitsbelastung von 60 Leistungspunkten pro Semester (enspricht 1800 Stunden Arbeit)auf die 15 Wochen aufteilt, in denen der Unibetrieb läuft. das hieße, dass der Student die restlichen 22 Wochen des Jahres komplett frei hätte. Teilt man die Arbeitsbelastung dagegen auf 52 Wochen pro Jahr auf, kommt man auf etwa 35 Stunden Arbeit die Woche. Da in den Zeitaufwand theoretisch schon sämtliche Studienleistungen wie Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen, Prüfungsvorbereitung und natürlich Zeit für Hausarbeiten und ähnliches eingerechnet sein sollten, kann die Belastung für Studierende gar nicht so hoch sein. Die Frage ist viel eher, ob diejenigen, die für Module und Veranstaltungen Leistungspunkte vergeben, sich überhaupt die Arbeit machen, den tatsächlichen Zeitaufwand abzuschätzen.
03.12.2009 18:17 Uhr
von andyconstr:
Studenten nicht als Bildungsmaschinen zu behandeln wäre gut.Denn Maschinen sind nicht besonders kreativ.Mit Stress und Druck hat man viele negative Erscheinungen.Deswegen wäre mehr Zeit fürs Studium besser und die Förderung des Interesses nützlicher als die reine Abarbeitung von Lehrpunkten.Denn gerade beim Interesse setzen sich die menschlichen Potentiale wie Kreativität, Motivation und Innovation frei.Vieleicht sollte man auch was gegen den Wissensegoismus tuen, denn der fördert nicht gerade den Gemeinsinn, denn wenn alle mehr profitieren, profitiert auch der einzelne mehr.Mit Studenten als Standartwissensfunktion werden wir in Deutschland nur Durchschnitt und ob wir dann weiter Hochtechnologieland bleiben ist fraglich.Aus der Mikroprozessortechnologie sind wir jedendfalls schon rausgefallen.Und gerade High-Tech schafft noch gute Arbeitsplätze, vor allem in der Konstruktion.
03.12.2009 15:54 Uhr
von Nigredo:
Eigentlich wird doch von allen nur an den Details herumgemakelt, dabei geht es um etwas ganz anderes, dass sich aber niemand wirklich anzusprechen traut.
Der Bachelor, wie es ihn heute gibt, ist der "Untergang des Abendlandes", wie er so oft beschworen aber noch nie passiert ist. Kultur, Bildung, alles was den Menschen ausmacht, ist der "Umweg" als Prinzip. Es geht nicht bloß darum, den Irrtum zu erlauben, es geht darum, den Umweg zum Prinzip zu machen, den Studierenden wie den Forscher seinen eigenen Weg finden zu lassen, eigenverantwortlich und ohne Bevormundung.
Die Universität als verlängerter Arm der Eugenik, einer pervertierten Form der "Veredelung des Menschen durch Bildung", nämlich der Züchtung von Humankapital für den Arbeitsmarkt, ist zum Scheitern verurteilt, zu einem hohen gesellschaftlichen Preis; die Universität ist ein eigenenr Kosmos in den man sich integriert, um gerade hierdurch zu gewinnen, das Bachelorstudium verhindert das aber durch kontinuierlichen Druck auf die Studierenden.
Ein echter europäischer Bildungsprogress muss darum genau andersherum funktionieren: Radikale Abschaffung von Studienordnungen, Anbieten von Vorlesungen und Seminaren ohne Anwesenheitspflichten, eine einzelne finale Abschlussprüfung, die sowohl die Fokussierung auf ein Themengebiet erlaubt, als auch allgemeines Grundwissen abverlangt. Wenn der Student in letzter Instanz selbstständig entscheidet, was er braucht und was er will, dann behindert es ihn auch nicht, ein Semester in London zu lernen, ein anderes Wien, ein drittes in Paris. Wer nebenbei jobben muss, kann sich mehr Zeit lassen, wer schnell in den Job will oder muss und seinen Stoff schnell genug gelernt hat (dabei spielt es letztlich gar keine so große Rolle ob allein (und unter Anleitung der Profesoren) oder in den angebotenen Seminaren), kann schon nach wenigen Semestern die Uni wieder verlassen.
Gleichzeitig bekämen wir so sehr viel besser ausgebildete Studienabgänger, die gerade in den von ihnen favorisierten Themengebieten viel stärker sind als ein derzeitiger Bachelor.
Eine freie Bildung mit genug finanziellen Mitteln wäre hierfür natürlich Grundvorraussetzung, auch wenn die Seminargrößen sich hierdurch von ganz allein stark verringern würden, Veranstaltungen würden nicht mehr von uninteressierten Zwangsteilnehmern verstopft, auch für das allgemeine Klima in den Veranstaltungen wäre das mehr als wünschenswert.
Leider verträgt sich dieses Konzept nicht mit der fortschreitenden (und offenbar gewollten) Unterwerfung von Kultur, Bildung und Kunst unter kapitalistische Sachzwänge.
03.12.2009 14:12 Uhr
von Fehlerteufel:
Schöner Artikel, aber wie kommt man darauf, einen urdeutschen Namen wie "Kochs" mit accent aigu zu schreiben??? Da fehlt das Sprachgefühl ja völlig oder das Rechtschreibprogramm ist Amok gelaufen.
03.12.2009 14:10 Uhr
von susi mayer:
es gibt eine frische änderung der sitzverteilung beim "runden tisch" am kommenden montag, FU - details hier: http://wikinews030.wordpress.com/2009/11/30/szenen-einer-sitzung-dringlichkeitssitzung-des-akademischen-senats-der-fu-zu-lenzenfrage-und-bildungsstreik-30-11-09/?trashed=1&ids=223#comment-222
Leserkommentare
19.01.2010 17:18 Uhr
von nachgerechnet:
Auf eine 60-Stunden-Woche kommt man aber nur, wenn man die Arbeitsbelastung von 60 Leistungspunkten pro Semester (enspricht 1800 Stunden Arbeit)auf die 15 Wochen aufteilt, in denen der Unibetrieb läuft. das hieße, dass der Student die restlichen 22 Wochen des Jahres komplett frei hätte. Teilt man die Arbeitsbelastung dagegen auf 52 Wochen pro Jahr auf, kommt man auf etwa 35 Stunden Arbeit die Woche. Da in den Zeitaufwand theoretisch schon sämtliche Studienleistungen wie Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen, Prüfungsvorbereitung und natürlich Zeit für Hausarbeiten und ähnliches eingerechnet sein sollten, kann die Belastung für Studierende gar nicht so hoch sein. Die Frage ist viel eher, ob diejenigen, die für Module und Veranstaltungen Leistungspunkte vergeben, sich überhaupt die Arbeit machen, den tatsächlichen Zeitaufwand abzuschätzen.
03.12.2009 18:17 Uhr
von andyconstr:
Studenten nicht als Bildungsmaschinen zu behandeln wäre gut.Denn Maschinen sind nicht besonders kreativ.Mit Stress und Druck hat man viele negative Erscheinungen.Deswegen wäre mehr Zeit fürs Studium besser und die Förderung des Interesses nützlicher als die reine Abarbeitung von Lehrpunkten.Denn gerade beim Interesse setzen sich die menschlichen Potentiale wie Kreativität, Motivation und Innovation frei.Vieleicht sollte man auch was gegen den Wissensegoismus tuen, denn der fördert nicht gerade den Gemeinsinn, denn wenn alle mehr profitieren, profitiert auch der einzelne mehr.Mit Studenten als Standartwissensfunktion werden wir in Deutschland nur Durchschnitt und ob wir dann weiter Hochtechnologieland bleiben ist fraglich.Aus der Mikroprozessortechnologie sind wir jedendfalls schon rausgefallen.Und gerade High-Tech schafft noch gute Arbeitsplätze, vor allem in der Konstruktion.
03.12.2009 15:54 Uhr
von Nigredo:
Eigentlich wird doch von allen nur an den Details herumgemakelt, dabei geht es um etwas ganz anderes, dass sich aber niemand wirklich anzusprechen traut.
Der Bachelor, wie es ihn heute gibt, ist der "Untergang des Abendlandes", wie er so oft beschworen aber noch nie passiert ist.
Kultur, Bildung, alles was den Menschen ausmacht, ist der "Umweg" als Prinzip. Es geht nicht bloß darum, den Irrtum zu erlauben, es geht darum, den Umweg zum Prinzip zu machen, den Studierenden wie den Forscher seinen eigenen Weg finden zu lassen, eigenverantwortlich und ohne Bevormundung.
Die Universität als verlängerter Arm der Eugenik, einer pervertierten Form der "Veredelung des Menschen durch Bildung", nämlich der Züchtung von Humankapital für den Arbeitsmarkt, ist zum Scheitern verurteilt, zu einem hohen gesellschaftlichen Preis; die Universität ist ein eigenenr Kosmos in den man sich integriert, um gerade hierdurch zu gewinnen, das Bachelorstudium verhindert das aber durch kontinuierlichen Druck auf die Studierenden.
Ein echter europäischer Bildungsprogress muss darum genau andersherum funktionieren: Radikale Abschaffung von Studienordnungen, Anbieten von Vorlesungen und Seminaren ohne Anwesenheitspflichten, eine einzelne finale Abschlussprüfung, die sowohl die Fokussierung auf ein Themengebiet erlaubt, als auch allgemeines Grundwissen abverlangt. Wenn der Student in letzter Instanz selbstständig entscheidet, was er braucht und was er will, dann behindert es ihn auch nicht, ein Semester in London zu lernen, ein anderes Wien, ein drittes in Paris.
Wer nebenbei jobben muss, kann sich mehr Zeit lassen, wer schnell in den Job will oder muss und seinen Stoff schnell genug gelernt hat (dabei spielt es letztlich gar keine so große Rolle ob allein (und unter Anleitung der Profesoren) oder in den angebotenen Seminaren), kann schon nach wenigen Semestern die Uni wieder verlassen.
Gleichzeitig bekämen wir so sehr viel besser ausgebildete Studienabgänger, die gerade in den von ihnen favorisierten Themengebieten viel stärker sind als ein derzeitiger Bachelor.
Eine freie Bildung mit genug finanziellen Mitteln wäre hierfür natürlich Grundvorraussetzung, auch wenn die Seminargrößen sich hierdurch von ganz allein stark verringern würden, Veranstaltungen würden nicht mehr von uninteressierten Zwangsteilnehmern verstopft, auch für das allgemeine Klima in den Veranstaltungen wäre das mehr als wünschenswert.
Leider verträgt sich dieses Konzept nicht mit der fortschreitenden (und offenbar gewollten) Unterwerfung von Kultur, Bildung und Kunst unter kapitalistische Sachzwänge.
03.12.2009 14:12 Uhr
von Fehlerteufel:
Schöner Artikel, aber wie kommt man darauf, einen urdeutschen Namen wie "Kochs" mit accent aigu zu schreiben??? Da fehlt das Sprachgefühl ja völlig oder das Rechtschreibprogramm ist Amok gelaufen.
03.12.2009 14:10 Uhr
von susi mayer:
es gibt eine frische änderung der sitzverteilung beim "runden tisch" am kommenden montag, FU - details hier: http://wikinews030.wordpress.com/2009/11/30/szenen-einer-sitzung-dringlichkeitssitzung-des-akademischen-senats-der-fu-zu-lenzenfrage-und-bildungsstreik-30-11-09/?trashed=1&ids=223#comment-222