Vattenfall verkauft sein Netz: Im deutschen Nordosten gibt's künftig Strom aus belgisch-australisch verwalteten Leitungen. Das Projekt Deutsche Netz AG fällt so praktisch flach.von STEPHAN KOSCH

Arbeiten an den Stromleitungen. Bild: ap
Das zweite große Stück des deutschen Hochspannungsnetzes ist verkauft. Die Vattenfall AG gab am Freitag bekannt, dass sie die für die gut 9.600 Kilometer lange Stromautobahn zuständige Tochter "50Hertz" an den belgischen Netzbetreiber Elia und den auf Infrastrukturprojekte spezialisierten australischen Fonds IFM weiterreichen wird. Der Unternehmenswert wurde dabei auf 810 Millionen Euro festgelegt. Für die 19 Millionen Verbraucher im Nordosten Deutschlands und in Hamburg, die über das Netz versorgt werden, ändert sich zunächst voraussichtlich nichts, da die Durchleitungspreise der Netzbetreiber der staatlichen Regulierung unterliegen.
Dennoch hat der Deal große politische Bedeutung. Denn Vattenfall ist nach Eon der zweite Energiekonzern, der sein Übertragungsnetz ins Ausland weiterverkauft. Damit reagieren die Unternehmen auf den Druck der EU-Kommission, die Netze aus den Konzernen herauszulösen und so für mehr Wettbewerb zu sorgen. Nach dem Willen der Bundesregierung hätten die Konzerne die von ihnen gehaltenen Netze aber in eine Deutsche Netz AG einbringen sollen. Diese wird durch die Verkäufe ins Ausland nun in dieser Form nicht mehr zu realisieren sein.
"Wir haben mit der Bundesregierung die Transaktion diskutiert und nach meinem Eindruck keine Riesenkritik bekommen", sagte Tuomo Hatakka, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe AG. Dass eine deutsche Netz AG nun nicht zustande kommt, ist für ihn kein Problem, da er eine europaweite Lösung für sinnvoller hält.
Der nun erfolgte Verkauf könne als erster Schritt zu einem solchen europäischen Netzunternehmen gesehen werden. Im zweiten Quartal soll er über die Bühne gegangen sein. Bislang betreibt die Elia, die mit 60 Prozent den größeren Anteil an der bisherigen Vattenfall-Tochter erwirbt, nur zwei Netze in Belgien. Mit dem jetzt erfolgten Kauf sichert sich das börsennotierte Unternehmen, das zu knapp 25 Prozent dem belgischen Versorger Electrabel gehört, allerdings auch den Zugang zur Ostsee, weil das Vattenfall-Netz etwa Mecklenburg-Vorpommern anschließt.
Das könnte mit Blick auf die geplanten Off-Shore-Windparks und angesichts der Bedeutung erneuerbarer Energien in der europäischen Klimaschutzstrategie ein wichtiger unternehmensstrategischer Vorteil sein. Dennoch kalkuliert Unternehmenschef Daniel Dobbeni nicht mit Gewinnmargen im zweistelligen Prozentbereich, sondern nur mit "vernünftigen Renditen".
Ein Grund dafür dürfte sein, dass auch die neuen Besitzer sich verpflichten, bis 2016 rund 3Milliarden Euro in das Netz zu investieren. Dies erklärt, warum als zweiter Käufer der australische Fonds IFM auftritt, der gegenwärtig ein Vermögen von knapp 19 Milliarden Euro verwaltet. Hinter dem Fonds stehen 36 große gemeinnützige Pensionsfonds Australiens.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
13.03.2010 22:50 | chris
Die "heutigen" Grundversorgungsmittel sollten verstaalticht werden... ...