Deutsche Fans in Brüssel festgenommen

Scharmützel mit grölenden Glatzen

280 deutsche Fußball-Fans sind beim Spiel gegen Belgien in Brüssel verhaftet worden. Die Party-Patrioten stimmten ins Gegröle der Problemfans ein.von ANDREAS RÜTTENAUER

Gemeinsame Patrouille: Deutsche und belgische Polizisten auf Streife in Brüssel.   Bild:  dpa

Bringt es auch Glück, wenn man in Pferdeäpfel tritt? Das werden sich viele der Menschen gefragt haben, die am Freitag in Brüssels Innenstadt ihren Fuß in einen Haufen Exkremente gesetzt haben. Bei Hundescheiße soll das ja so sein. Beschwert hat sich wahrscheinlich keines der Tretminenopfer. Denn es waren Polizeipferde, die den tierischen Stuhl über die Stadt verteilt haben.

Den ganzen Tag über patrouillierten Ordnungshüter hoch zu Ross durch die belgische Hauptstadt. Das ist oft so, wenn ein größeres Fußballspiel ansteht. In Brüssel war offensichtlich, dass das nötig war. So viele grölende Glatzen waren der deutschen Nationalmannschaft wohl schon lange nicht mehr nachgereist. Ein Haufen von ihnen rottete sich am Place de la Bourse zusammen. "Hurra, hurra, die Deutschen, die sind da!"

Nach enthemmenden Saufereien gab es bald die ersten Scharmützel. Die gewann die von zahlreichen deutschen Beamten unterstützte belgische Polizei klar. 280 Problemfans wurden festgenommen. 500 bis 700 als Gewalttäter aktenkundlich bekannte Anhänger sollen, so hat es Wolfgang Niersbach, der DFB-Präsident gesagt, nach Brüssel gereist sein. Die es ohne Festnahme bis zum Stadion geschafft hatten, denen wurde ein festlicher Empfang bereitet.

Die Anhänger der DFB-Elf wurden über den Boulevard de Centennaire, der durch eine Parkanlage zum berühmten Atomium führt, zum Stadion geleitet. Dort war eine Bühne aufgebaut. Aus riesigen Boxen erklang billiger Party-Techno. Der deutsche DJ wurde assistiert von einem Stiernackenglatzkopf, dessen Erscheinung nicht besser hätte passen können zum Bühnenschmuck. Der bestand aus drei Fahnen in den deutschen Farben. "Division Deutschland" stand auf einer. "Hurra, hurra, die Deutschen, die sind da!"

6.000 deutschen Fans waren Karten für dieses erste EM-Qualifikationsspiel verkauft worden. Dass viele von ihnen keinen allzu guten Eindruck hinterlassen haben, daran sind die Belgier schuld. Das sagt der DFB. Denn die Belgier hätten zehn Karten an jeden Besteller aus Deutschland ausgegeben. Üblich seien vier. Jetzt wollen sich die Deutschen bei der Uefa darüber beschweren, dass die Belgier so viele deutsche Problemfans angelockt haben.

"Gott mit uns": Mit diesem Spruch auf dem Koppelschloss marschierten deutsche Soldaten bis 1945 durch Europa. "Gott mit uns": Hinter einen Transparent mit diesem Spruch standen deutsche Fans in der Gästekurve des König-Boudewijn-Stadions. Viele der während der WM so gefeierten, ach so locker-patriotischen Schland-Fans stimmten in das Gegröle der Problemfans ein: "Hurra, hurra, die Deutschen, die sind da."

Am Freitag hatte die Uefa für alle Spiele, die unter ihrer Hoheit stattfinden, Vuvuzelas verboten. Die Begründung: "Der Europäische Fußball-Dachverband hat seine 53 Mitgliedsverbände informiert, dass das Verbot aus Gründen der europäischen Fußball-Kultur und Tradition eingeführt wurde, denn die Atmosphäre würde durch den Klang der Vuvuzela verändert werden". Schön wär's gewesen.

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