Ein Geschäftsmann führt akademische Grade, die ihm offenbar nicht zustehen. Daher wurde er nun angezeigt.von MARVIN OPPONG
Ein Psychologieprofessor aus Nordrhein-Westfalen hat bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Strafanzeige gegen den "Chefdenker" des G.R.P. Instituts für Rationelle Psychologie, Henner Ertel, wegen des Verdachts des Missbrauchs akademischer Titel erstattet. Ertel wird vorgeworfen, die Grade "Doktor" und "Professor" zu Unrecht zu führen.
Als "Professor für Neuropsychologie" produziert er seit Jahren Schlagzeilen mit pseudowissenschaftlichen Studien, die von Medien wie Bild, Mens Health, P.M., Focus, Stern, FAZ, SZ, Spiegel Online, aber auch von der taz zitiert wurden. Außerdem gibt Ertel an, Rektor und Vizekanzler einer "University of Neuroscience" in London zu sein. Das "Informationssystem zur Anerkennung ausländischer Studienabschlüsse" der Zentralstelle für Ausländisches Bildungswesen kennt die Hochschule ebenso wenig wie das britische "Register of Education and Training Providers". Wie der Anzeigenerstatter zutreffend moniert, ist die Universität nur eine Briefkastenfirma. Das bestätigten taz-Recherchen bei dem UPS-Unternehmen "Mail Boxes Etc.".
In einer "Richtigstellung", die Ertel auf Anfrage verschickt, wehrt er sich gegen die Vorwürfe: "Ich habe einen ,ordentlichen' Master, Doktor und eine Professur." Der taz wollte er auf Anfrage nicht beantworten, von welcher Bildungseinrichtung und in welcher Fachrichtung er zum Professor berufen wurde.
Nach §132a StGB wird das unbefugte Führen akademischer Grade mit einer Haftstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet.
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Leserkommentare
12.09.2008 06:45 | A. Skrypek
Ha ha: Erst war Henner 'ne große Zugnummer - jetzt wird er zur größten Lachnummer des Jahres! Er kommt noch mal "ganz groß ...