Der Umgang mit Skandalen
Erregung ist ein Ärgernis
Kinder! Pornografie! Politiker! Korruption! Betrug! Egal! Warum wir uns öffentliche Empörung über angebliche oder echte Skandale in den meisten Fällen einfach sparen sollten - und wem sie dient.von Arno Frank
Leserkommentare
14.03.2009 17:50 Uhr
von Infomagazin Blog:
Ledier wird heute nur mehr Interjournalismus betrieben. Dazu brauche ich keinen Printmedien mehr. Vorallem stinkt mir der Kniefall vor den Prominenten, Vips und Politikern. Als ob der Krebs beim Otto Normalverbrauche rnicht genau so schlimm wöre. Nur hat der wahrscheinlich nciht den Komfort. Wer hat Mitleid mit mir ? Das Individium wird zu Gunsten der kollektiven Erregung und Aufpauschung geopfert. Wem schert das schon. Die Kleinen jagt man und die Grossen lässt man laufen. Scheinheiliger Journalismus und schienheilige Medienwelt. ERst wenn die letzte Zeitung verkauft wird, besinnt man sich der wahren Werte. Nur ist es dann schon zu spät.
10.03.2009 21:17 Uhr
von UweRietmöller:
Zu DDR Zeiten war das nicht publizierte oft bedeutender als das publizierte. Und heute? Sehen wir mal nach:
Der Autor listet unter den zu Unrecht skadalisierten Vorgängen auf:
- kleines Mädchen fällt einem Sexualmörder zum Opfer
- in Kinderspielzeug finden sich giftige Zusätze
- eine Milliardärin wird von einem falschen Liebhaber erpresst;
- eine Todgeweihte vermarktet ihr Sterben;
- Schiedsrichter stehen im Dienst einer Wettmafia;
- ein Autokonzern soll Steuern in den USA gezahlt und Verluste in Deutschland abgeschrieben haben;
- ein Bundeswehrsoldat wird in Afghanistan von einem Selbstmordattentäter getötet;
- ein Unternehmer wirft sich vor einen Zug;
- ein Abgeordneter wird des Besitzes von Kinderpornografie verdächtigt …
Und nun sehen wir, was er nicht aufgeführt hat:
- die annualen zweistelligen Zuwachsraten rechter Straftaten
- die Notwendigkeit des NPD-Verbots
- das NPD-Attentat auf den mutigen PD Mannichl
- die Diskriminierung der Ausländer in Deutschland
- die Diskriminierung der Frauen
- die häusliche Gewalt ...
Fällt was auf?
Richtig, der Autor zählt die Vorgänge auf, die in persönlich nicht interessieren. Die Gemeinsamkeit dieser Vorgänge ist jedoch, dass die Publikationen dazu entweder Tatsachenberichte sind oder zumindest auf Tatsachen beruhen (was nicht heißt, dass man die skandalisieren müsste).
Die übelsten Kampagnen jedoch hält der Autor nicht mal für nötig auch nur zu erwähnen, obwohl die auf Lügen, Tatsachenverdrehungen und ideologischen Vorurteilen beruhen.
Und was sein Fazit betrifft, da können wir uns ruhig an die Mannichl-Posse erinnern.
Da wurden nämlich alle als Nazi verunglimpft, die bemängelten, dass in den Berichten unserer überhaupt nicht gleichgeschalteten Medien
„eines der elementaren Grundprinzipien aller rechtsstaatlichen Strafverfahren heiter ignoriert [wird]: die Unschuldsvermutung,“
So bleiben wir ratlos zurück mit der Frage:
Was will uns der Dichter, Verzeihung: Arno Frank damit sagen?
10.03.2009 18:47 Uhr
von ohno:
Wir wollen nicht vergessen, dass die Schäubles dieser Welt mit genau denselben Zutaten ein noch viel widerlicheres Süppchen kochen.
10.03.2009 15:36 Uhr
von ingo:
danke!
soviel "medienschelte" ist selten in den medien ;-)
10.03.2009 13:57 Uhr
von M. Stocker:
Wie weise, wie weise. Wenn sich die Taz-Journaille nur etwas mehr selbst an den eigenen Nasen packen würde.
Wer hat bitte die Parolen vom hessischen 'Handy-Skandal' aus den Tiefen der FAS-Latrinen als Meldung ins Blatt gehievt? Wie alle anderen Blödeimerzeitungen: die Taz.
Wer hat sich FAZ-, Spiegel-, Focus- und Springer-kompatibel an der idiotischen Skandalisierungs-Hetzkampagne 'Ypsilanti! Wortbruch!' beteiligt? Die Taz.
Oh ja, manche Sau, die da durch Dorf getrieben wird, ist eigens zu diesem Zweck gezüchtet worden. Wenn auch nicht alle von den Herren der Politikredaktion. Aber beim mittreiben und mitmästen war die Taz schon oft, viel zu oft dabei.
Manchmal kommen dann auch nur zum quieken lächerliche Ferkeleien dabei heraus, wie Bollmanns Kommentar zum Stadtarchiv-Einsturz in Köln. Oder ein Feuerwerk der Lächerlichkeit wie im Artikel über die Feinstaub-Belastung durch Silvester-Raketen.
Im übrigen ist es nicht nur das äußere Ereignis, das vom Meinungskartell zum Skandal hochgejazzt wird, so wie 'Linkspartei macht tatsächlich linke Politik', wie S. Reinicke immer wieder entsetzt und fassungslos in die Taz schreibt. Es gibt, wenn gar nichts mehr geht, auch noch die gezielte Leserprovokation.
Eine Gesellschaft, die sich eine Presse leistet, die nicht mehr zwischen Bundesliga- und Umweltskandal unterscheiden kann, nicht mehr zwischen der Kleinbetrügerei eines Florida-Horsts und dem Rendite-Wahn der Reichen, unterscheidet sich kaum vom Skandal des totalitären Staats. Es ist Meinungsdiktatur, nett und unauffällig verpackt.
Noch zum Fall Tauss:
Ich glaube ja äußerst ungern an Verschwörungstheorien. Ist es trotzdem nicht ein wenig auffällig, dass just ein paar Wochen, nachdem der CDU Baden-Württembergs ein honoriger Politiker wegen Heroin-Dealerei nach Stammheim abhanden kam, ein Vergehen eines SPD-Politikers ausgegraben wird, das zumindest das öffentliche Interesse an dem Missverständnis dieses CDU-Politikers von der Gewerbefreiheit in unserem Land gründlich ablenkt? Und wie geräuschlos wurde der CDU-Politiker verhaftet! Auch der wäre nicht gleich abgehauen, wenn man ihn zunächst nur öffentlich beschuldigt und eine Weile am Spieß gebraten hätte.
10.03.2009 12:55 Uhr
von Heidemarie Wätzold:
Der mediale Umgang mit Skandalen.
Selten habe ich so einen klugen Aufsatz gelesen, wie diesen.
Leider wird die "Erkenntnis" nicht zu einer Änderung der journalistischen Gepflogenheiten führen. -
Geht ja auch nicht, wovon soll die Journaille leben?
10.03.2009 02:39 Uhr
von vic:
Erregung ist KEIN Ärgernis !
Sondern Lebenselixier für alle Medien, und überlebensnotwendig für jede Regierung, um von den schlimmsten Kompetenz-Defiziten und Straftaten abzulenken.
Was würde "Bürger" auch machen ohne seine tägliche Droge "Bild"
09.03.2009 20:44 Uhr
von Edelweiß:
Stimmt. Sowohl die Auswahl der Sau als auch der Zeitpunkt, zu dem sie durchs Dorf getrieben wird und die Intensität mit der das passiert grenzt oft an Zensur. Dadurch verschiebt sich die öffentliche Wahrnehmung. Die jeweilige Erregung soll verschleiern, vernebeln, und ablenken während andere, viel fettere Säue nicht aus dem Stall gelassen werden.
09.03.2009 20:33 Uhr
von Mein Name:
Mir fehlt im Artikel die Betonung des Unterschieds zwischen echten, "skandalwürdigen" Skandalen und den "eigens gezüchteten Säuen".
Man darf (und soll!) sich sehr wohl z.B. über Schari'a- und anderen organisierten Religions-Wahnsinn aufregen (aktuelle Stichwörter: Brasilien, kath. Kirche, 9 Jahre, Vatikan verteidigt Exkommunikationen).
Die Säue, die gezielt durchs Dorf gejagt werden, sind ja nicht zufällig genau diese Säue. Ein SPD-Abgeordneter, der gegen Internet-Zensur ist? Schon ein wenig arg zufällig.