• 25.07.2008

Der Tag mit Mister O. in Berlin

Obama dich unser!

Barack Obama versetzt die Stadt in Ekstase: Fans des Präsidentschaftskandidaten drängen sich vor dem Hotel Adlon und am Kanzleramt. Etwa hunderttausend Menschen kommen zur Siegessäule. von Jl, Ga, Fn, Flee, Ngh

  • 26.07.2008 11:44 Uhr

    von E. Buck:

    Der Artikel zeichnet ein atmosphärisches Bild eines Tages in Berlin. Interessant bis ärgerlich finde ich aber, welche Mittel bisweilen verwendet werden, um Atmosphäre zu erzeugen:

    Zitat: "14:08 Uhr, Hinterausgang des Adlon: [...] Ein Mann afrikanischer Herkunft in der ersten Reihe fängt zu klatschen an, andere stimmen ein."

    Aus welchem Land kommt der Mann denn? Ich gehe davon aus, dass er gefragt wurde, denn woher soll seine Herkunft sonst bekannt sein? Ich fände das Land aber interessanter als den Kontinent.

    Zitat: "16:20 Uhr, erste Reihe vor dem Rednerpult: Ein afrikanisches Baby schläft in den Armen seiner Mutter. Die vielen Menschen, die Enge und der Zigarettengeruch lassen die Kleine völlig kalt. [...]"

    Interessant. Die Mutter des schlafenden Babys wurde also nach dem Geburtsort des Babys gefragt und antwortete "Afrika"? Ich würde ja spontan erst mal denken, dass ein Baby in Europa ein europäisches Baby ist. Gut, dass nachgefragt wurde.

    Zitat: "17:32 Uhr, erste Reihe vor dem Rednerpult: Von hier aus ist die Bühne kaum zu sehen, sie ist links von der Siegessäule. Der Reggae-Sänger Patrice, dunkle Haut, schmalziger Blick, betritt die Bühne und ruft: "Hey Leute, ich gebe jetzt hier ein Konzert." Doch niemand applaudiert."

    Warum ist der Teint des Reggae-Sängers Patrice so viel interessanter als der Teint von, sagen wir mal, Klaus Wowereit, der laut Artikel 29 Minuten später die ARD-Sendetribüne betritt? Beide sind prominent, ihr Aussehen vermutlich bekannt. Oder war Patrice an dem Tag besonders "dunkel", und hat das was mit dem "schmalzigen Blick" zu tun?

    "18:20 Uhr, vor dem Brandenburger Tor: Tausende Menschen drängen vor den Absperrungen. Viele junge Leute, viele Schwarze, viele Anzugsträger."

    Aha, Schwarze Leute sind also auch da, nicht nur Leute "afrikanischer Herkunft" oder mit "dunkler Haut". Die Schwarzen Menschen sind offenbar weder jung noch Anzugträger.

    Weiße scheinen keine da gewesen zu sein. Dafür Leute mit Namen ("Knut Gernat", "Dennis", "David Jackson", "Bernd Schneider", "Gisela Hunzig", "Walter", "Elvis", "Caroline", "Finula", "Lucy Redler"), politischen Meinungen, einem Alter, einem Beruf (Bauarbeiter, Imbissverkäufer, Schauspielstudenten, "Kunstperformer", Verkäufer, Regierender Bürgermeister, ehemalige WASG-Spitzenkandidatin), einem Akzent (schwäbisch) oder lustigen Accessoires (weiße T-Shirts, McCain-Regenschirm, Leierkasten, Frack, Cowboystiefel, Zwergenmaske und Supermankittel) sowie Leute, die ihre geographische Herkunft genauer umschrieben haben als mit Kontinenten (aus Bremen; aus Köln; aus Kalifornien, aber wohnhaft in Prag; aus Kamerun, wohnhaft in Berlin).

    Eigentlich ist das gezeichnete Bild auch an den Stellen "bunt" genug, an denen es nicht rassifiziert - oder?

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