Die Mauer in Berlin war gefallen. Nicht aber der Grenzzaun in der Provinz. Vom vergeblichen Versuch am 9. November nach drüben zu kommen.von Carl Ziegner
Schade, selten wurde eine so gute Gelegenheit so achtlos vertan, die denkwürdigen Ereignisse nicht nur als triviale Historie (ich mußte nie wieder am Samstag zur Schule...), sondern auch als aktuelle Wegweisung für die Zukunft zu betrachten.
10.11.2009 12:20 Uhr
von Lothar Georg Kopp:
An Von Baum: Westdeutschland war nicht pleite!
Memo: 1989 fiel nicht die Mauer, sondern eine Diktatur! Was heißt denn "Fall der Mauer"? Dem deutschen Kurzzeitgedächtnis schreibe ich ins historische Stammbuch: Die Mauer fiel noch gar nicht am 09.11.89. Sie begann bestenfalls zu bröckeln und durchlässig zu werden, im übrigen sehr spät! Menschen aus Ost und West tanzten auf ihr und freuten sich, dass nicht mehr geschossen wurde. Wenige Monate zuvor starb mitten in Berlin Chris Gueffroy. Das war das Ergebnis der dialektisch formulierten Bildungspolitik Margot Honeckers "Liebe zum Sozialismus heißt Hass auf den Klassenfeind". Er wurde ermordet, als er vom universellen Menschenrecht auf Freizügigkeit Gebrauch machen wollte. Ostdeutschland war pleite - moralisch und finanziell. Die SED-Diktatur implodierte nach langem ökonomischen Erosionsprozess. Mutige Menschen in der DDR begannen, ihr politisches Unrechtssystem zu demokratisieren. Die Mehrheit der Mitteldeutschen erkämpfte sich ihre Freiheitsrechte. Damit machten sie die DDR in historischer Perspektive überflüssig. Zwei demokratische Deutschlands waren eines zuviel. Kanzler Kohl hatte genau dieses historische Gespür, das seinen politischen Widersachern abging. Das ist die schlichte Wahrheit jener Tage, die die Welt veränderten. Wer entgegen hält, der Begriff Mauerfall sei doch nur eine Metapher für die "Wende" (übrigens ein von der SED geprägter Begriff), der behauptet demnächst womöglich auch, Hitler fiel am 30.04.45. Wir brauchen nicht mehr Krenze, sondern mehr Schabowskis. Nicht eine Mauer fiel, die wurde später abgebaut, sondern die kommunistische Ideologie wurde zu Grabe getragen. Das ist das Menetekel des 09.11.09. Ober-Kommunistin Sarah Wagenknecht von der SED/PDS/WASG-Nachfolgepartei "Die Linke" feierte nicht. Wenigstens sie ist authentisch. Der unverbesserliche Krenz dankt bei Veteranentreffen seinen ehemaligen Sicherheitskräften und Grenzschützern, dass sie damals so besonnen handelten und nicht schossen. Ich danke Gott. Die feige Kommunistin Honecker gedenkt stolz "unserer DDR", gutbürgerlich kapitalistisch in einer Villa im chilenischen Exil lebend, anstatt sich hier mutig ihren Opfern und einer gesellschaftlichen Debatte über ihre Rolle als Volksbildungsministerin zu stellen. Sie schämt sich nicht, Rente vom Klassenfeind zu beziehen. Stolz hat eben seine Grenzen. Nazis nach 1945 und Kommunisten nach 1989 fühlen sich in Südamerika offenbar sehr wohl. Aber das ist eine andere Geschichte - oder doch nicht?
09.11.2009 14:12 Uhr
von Baum:
@Lothar Georg Sehr treffend formuliert: "schlichte" Wahrheit! ziemlich schlicht sogar, dein Text. Ich jedenfalls sehe das etwas differenzierter...
"Ostdeutschland war pleite..." Und die Bundesrepublik?!
09.11.2009 10:30 Uhr
von Thomas:
Wir hatten damals auch im Westen (NRW) noch Samstags Schule. Den Zusammenhang zum Mauerfall kann ich nicht wirklich erkennen.
09.11.2009 10:02 Uhr
von Ramses V.:
@yupi: "Komischerweise steckten viele Hamburger den "ersten Besuchern aus dem Osten " Geld zu, anstatt sie mit Handschlag und Umarmungen willkommen zu heißen. Vielleicht war es zu diesem Zeitpunkt schon ein Zeichen:
Vereinigung benötigt Liebe, kein Geld."
Meine Meinung: Ossis lassen sich nur alimentieren. Ihre Gefühlswelt und Denkart ist die eines anderen, eines narzißtischen Sterns. Mir warn se damals (60er -80er J.)schon zutiefst fremd und daran hat sich ooch nüscht geändert.(Ausnahmen bestätigen die Regel). Ausländer ja, aba bloß keene Ossis.
09.11.2009 09:26 Uhr
von Lothar Georg Kopp:
Die Mauer fiel n i c h t, sondern eine Diktatur ! Was heisst denn das: "Mauerfall"? Die Mauer fiel damals noch gar nicht. Sie begann bestenfalls zu bröckeln, im übrigen sehr spät! Menschen aus Ost und West tanzten auf ihr und freuten sich, dass nicht mehr geschossen wurde. Ostdeutschland war pleite - moralisch und finanziell. Die SED-Diktatur fiel. Die DDR begann, sich zu demokratisieren und damit überflüssig zu werden. Die Mitteldeutschen kämpften sich ihre Freiheitsrechte zurück. Zwei demokratische Deutschlands waren eines zuviel. Das ist die schlichte Wahrheit des 9. November.
09.11.2009 07:55 Uhr
von Ulrich:
Ein wundervoller Bericht! Aber ob der Freund die Informationen wirklich immer bereitwillig gegeben hat? Waren wirklich alle IMs immer und absolut freiwillig dabei??
09.11.2009 04:17 Uhr
von GenauMeinName:
...und genau so stelle ich mir Neo-PR vor: schön am kalender dranbleibend und genau an die richtige Adresse. Geht um den 9.11. und es mauerfällt und durchbrüchelt, wie man sieht, allüberall. Der Tip ergeht zwar nicht an den Autor dieses Artikels (gelungen), aber es sträuben sich einem als Taz-Leser die Haare dann doch so regelmäßig, dass er euch vielleicht ans Herzschn jelecht werden kann: http://wikinews030.wordpress.com/werbeplatz/#comment-179
08.11.2009 21:13 Uhr
von yupi:
Ich kann mich noch sehr genau an den zweiten Tag des Mauerfalls erinnern, damals in Hamburg. Komischerweise steckten viele Hamburger den "ersten Besuchern aus dem Osten " Geld zu, anstatt sie mit Handschlag und Umarmungen willkommen zu heißen. Vielleicht war es zu diesem Zeitpunkt schon ein Zeichen:
Vereinigung benötigt Liebe, kein Geld.
08.11.2009 20:50 Uhr
von osten:
"Als Pfarrer hatte er sich in dieser schwierigen Zeit auch seiner Gemeinde gegenüber verantwortlich gefühlt."
als gemeindepfarrer hätte er im falle der flucht einpacken können -- als jemand, der seine gemeinde verlässt, wäre er im westen nicht mehr in's amt gekommen.
"Und ich musste nie wieder am Wochenende zur Schule."
falsch. das dauerte noch eine weile. erstmal war nur noch jeden 2. (oder 4.?) samstag schule, dann erst wurde der samstag schulfrei.
08.11.2009 19:39 Uhr
von Oskar:
So stell ich mir Neo-Journalismus vor...schön mit videos verbunden und gut geschrieben...
Leserkommentare
11.11.2009 20:37 Uhr
von EROland:
Schade, selten wurde eine so gute Gelegenheit so achtlos vertan, die denkwürdigen Ereignisse nicht nur als triviale Historie (ich mußte nie wieder am Samstag zur Schule...), sondern auch als aktuelle Wegweisung für die Zukunft zu betrachten.
10.11.2009 12:20 Uhr
von Lothar Georg Kopp:
An Von Baum: Westdeutschland war nicht pleite!
Memo: 1989 fiel nicht die Mauer, sondern eine Diktatur! Was heißt denn "Fall der Mauer"?
Dem deutschen Kurzzeitgedächtnis schreibe ich ins historische Stammbuch: Die Mauer fiel noch gar nicht am 09.11.89. Sie begann bestenfalls zu bröckeln und durchlässig zu werden, im übrigen sehr spät! Menschen aus Ost und West tanzten auf ihr und freuten sich, dass nicht mehr geschossen wurde. Wenige Monate zuvor starb mitten in Berlin Chris Gueffroy. Das war das Ergebnis der dialektisch formulierten Bildungspolitik Margot Honeckers "Liebe zum Sozialismus heißt Hass auf den Klassenfeind". Er wurde ermordet, als er vom universellen Menschenrecht auf Freizügigkeit Gebrauch machen wollte. Ostdeutschland war pleite - moralisch und finanziell. Die SED-Diktatur implodierte nach langem ökonomischen Erosionsprozess. Mutige Menschen in der DDR begannen, ihr politisches Unrechtssystem zu demokratisieren. Die Mehrheit der Mitteldeutschen erkämpfte sich ihre Freiheitsrechte. Damit machten sie die DDR in historischer Perspektive überflüssig. Zwei demokratische Deutschlands waren eines zuviel. Kanzler Kohl hatte genau dieses historische Gespür, das seinen politischen Widersachern abging. Das ist die schlichte Wahrheit jener Tage, die die Welt veränderten.
Wer entgegen hält, der Begriff Mauerfall sei doch nur eine Metapher für die "Wende" (übrigens ein von der SED geprägter Begriff), der behauptet demnächst womöglich auch, Hitler fiel am 30.04.45. Wir brauchen nicht mehr Krenze, sondern mehr Schabowskis. Nicht eine Mauer fiel, die wurde später abgebaut, sondern die kommunistische Ideologie wurde zu Grabe getragen. Das ist das Menetekel des 09.11.09.
Ober-Kommunistin Sarah Wagenknecht von der SED/PDS/WASG-Nachfolgepartei "Die Linke" feierte nicht. Wenigstens sie ist authentisch. Der unverbesserliche Krenz dankt bei Veteranentreffen seinen ehemaligen Sicherheitskräften und Grenzschützern, dass sie damals so besonnen handelten und nicht schossen. Ich danke Gott. Die feige Kommunistin Honecker gedenkt stolz "unserer DDR", gutbürgerlich kapitalistisch in einer Villa im chilenischen Exil lebend, anstatt sich hier mutig ihren Opfern und einer gesellschaftlichen Debatte über ihre Rolle als Volksbildungsministerin zu stellen. Sie schämt sich nicht, Rente vom Klassenfeind zu beziehen. Stolz hat eben seine Grenzen.
Nazis nach 1945 und Kommunisten nach 1989 fühlen sich in Südamerika offenbar sehr wohl. Aber das ist eine andere Geschichte - oder doch nicht?
09.11.2009 14:12 Uhr
von Baum:
@Lothar Georg
Sehr treffend formuliert: "schlichte" Wahrheit! ziemlich schlicht sogar, dein Text. Ich jedenfalls sehe das etwas differenzierter...
"Ostdeutschland war pleite..."
Und die Bundesrepublik?!
09.11.2009 10:30 Uhr
von Thomas:
Wir hatten damals auch im Westen (NRW) noch Samstags Schule. Den Zusammenhang zum Mauerfall kann ich nicht wirklich erkennen.
09.11.2009 10:02 Uhr
von Ramses V.:
@yupi: "Komischerweise steckten viele Hamburger den "ersten Besuchern aus dem Osten " Geld zu, anstatt sie mit Handschlag und Umarmungen willkommen zu heißen. Vielleicht war es zu diesem Zeitpunkt schon ein Zeichen:
Vereinigung benötigt Liebe, kein Geld."
Meine Meinung: Ossis lassen sich nur alimentieren. Ihre Gefühlswelt und Denkart ist die eines anderen, eines narzißtischen Sterns. Mir warn se damals (60er -80er J.)schon zutiefst fremd und daran hat sich ooch nüscht geändert.(Ausnahmen bestätigen die Regel). Ausländer ja, aba bloß keene Ossis.
09.11.2009 09:26 Uhr
von Lothar Georg Kopp:
Die Mauer fiel n i c h t, sondern eine Diktatur !
Was heisst denn das: "Mauerfall"?
Die Mauer fiel damals noch gar nicht. Sie begann bestenfalls zu bröckeln, im übrigen sehr spät! Menschen aus Ost und West tanzten auf ihr und freuten sich, dass nicht mehr geschossen wurde. Ostdeutschland war pleite - moralisch und finanziell. Die SED-Diktatur fiel. Die DDR begann, sich zu demokratisieren und damit überflüssig zu werden. Die Mitteldeutschen kämpften sich ihre Freiheitsrechte zurück. Zwei demokratische Deutschlands waren eines zuviel. Das ist die schlichte Wahrheit des 9. November.
09.11.2009 07:55 Uhr
von Ulrich:
Ein wundervoller Bericht!
Aber ob der Freund die Informationen wirklich immer bereitwillig gegeben hat? Waren wirklich alle IMs immer und absolut freiwillig dabei??
09.11.2009 04:17 Uhr
von GenauMeinName:
...und genau so stelle ich mir Neo-PR vor: schön am kalender dranbleibend und genau an die richtige Adresse. Geht um den 9.11. und es mauerfällt und durchbrüchelt, wie man sieht, allüberall. Der Tip ergeht zwar nicht an den Autor dieses Artikels (gelungen), aber es sträuben sich einem als Taz-Leser die Haare dann doch so regelmäßig, dass er euch vielleicht ans Herzschn jelecht werden kann: http://wikinews030.wordpress.com/werbeplatz/#comment-179
08.11.2009 21:13 Uhr
von yupi:
Ich kann mich noch sehr genau an den zweiten Tag des Mauerfalls erinnern, damals in Hamburg. Komischerweise steckten viele Hamburger den "ersten Besuchern aus dem Osten " Geld zu, anstatt sie mit Handschlag und Umarmungen willkommen zu heißen. Vielleicht war es zu diesem Zeitpunkt schon ein Zeichen:
Vereinigung benötigt Liebe, kein Geld.
08.11.2009 20:50 Uhr
von osten:
"Als Pfarrer hatte er sich in dieser schwierigen Zeit auch seiner Gemeinde gegenüber verantwortlich gefühlt."
als gemeindepfarrer hätte er im falle der flucht einpacken können -- als jemand, der seine gemeinde verlässt, wäre er im westen nicht mehr in's amt gekommen.
"Und ich musste nie wieder am Wochenende zur Schule."
falsch.
das dauerte noch eine weile.
erstmal war nur noch jeden 2. (oder 4.?) samstag schule, dann erst wurde der samstag schulfrei.
08.11.2009 19:39 Uhr
von Oskar:
So stell ich mir Neo-Journalismus vor...schön mit videos verbunden und gut geschrieben...