• 16.06.2009

Der Bildungsstreik

Schluss mit dem Schmalspurstudium

Die demonstrierenden Studenten und Schüler sind ein bunter Haufen. Viele ihrer Forderungen sind unrealistisch - aber populär.von Wolf Schmidt

  • 18.06.2009 18:30 Uhr

    von Erich99:

    Die Amerikaner, von denen sich Deutschland dieses unsägliche System abgekuckt hat, sind schon fast wieder darüber hinweg!

    Denn eine steigende Anzahl US-amerikanischer Universitäten finden immer öfters den Weg zurück zum Diplom!

    z.B. die Colorado State und die Carnegie Mellon mit dem

    „Accelerated BSc/MSc-Modell”

    oder sogen das MIT und die University of South Florida, mit dem sog.

    „Five Year Dual Programme”.

    Und noch mehrere, wie z.B. University of Maryland mit dem

    “Combined MS/BS-Programm” .

    Alles Studiengänge, die unserem Deutschen Diplom / Magister nachempfunden konzipiert wurden.

    Und die Liste der Amerikanischen Unis, die Diplomähnliche Studiengänge gerade vorbereiten kann fortgesetzt werden..

    Da stellt sich einem die Frage: war das vielleicht sogar versteckte Absicht der Amerikaner? Das Deutsche Bildungssystem zu zerstören, damit sie wieder Weltmacht Nr. 1 werden..?

  • 16.06.2009 20:24 Uhr

    von Florence:

    Selbst habe ich bei Jura schon länger einen Vergleich des studentischen Nachwuchses. Während früher eigenverantwortliche Abiturienten einen gewissen akademischen und grundgebildeten Umgang miteinander an der Uni pflegten, hat sich dies durch den zunehmenden Druck an der Schule massiv verändert, es kommen unselbständige Schüler, keine jungen Erwachsenen.

    Seinerzeit navigierten die Studenten in eigener Regie und Verantwortung, was die Persönlichkeit bildete und einen sozialeren Umgang miteinander ermöglichte. Heute bekommen die Studenten zunehmend modularisierte perfektionierte Häppchen, haben Semester- und Zwischenprüfungen. Dadurch prägt sich ein massives Konkurrenzverhalten aus.

    Während die Studenten früher an der Uni weitgehend zu verantwortungsvollen und -bereiten und zur Kooperation fähigen Menschen reiften, produziert diese schon durch die jüngsten Reformen großteils karrierefixierte Egomanen mit stetig abnehmender Sozialkompetenz. Schon das Verhalten dieser ist nicht von Gerechtigkeit, Moralhaftigkeit und sozialer Umsicht geprägt, das wird sich dann im Beruf nicht mehr ändern, sollten sie doch ehemals zu gerechten Akademikern gebildet werden - armes Deutschland.

  • 16.06.2009 19:20 Uhr

    von Studenten statt Modulpsychos:

    Bei Naturwissenschaften mögen modulhafte Ba-Ma vielleicht gerade so noch funktionieren, anders als bei den Geisteswissenschaften, aber selbst da will keiner später die Bachelor im Vergleich zu tatsächlichen Uniabschlüssen einstellen, außer unter prekäre Bedingungen. Wenn man jedoch den Master als Regelabschluss erklärt, was wenigstens ein Mindestniveau darstellen könnte, kann man es bei den bewährten Abschlüssen belassen. Und die Geisteswissenschaften sind es doch, die bislang zumindest versuchten, die Welt zu retten, das macht künftig ohne Geist kaum noch jemand.

    Man hat ohne Not reformiert und nur Nachteile geschaffen, keines der gesetzten Ziele wurde realisiert, stattdessen haben sich die Bedingungen verschlechtert, was für ein Schwachsinn und besonders arm für die Profs. und Wissenschaftler, die sich dann auch noch bequem oder altersstarr nicht wenigstens kritisch öffentlich äußern, sondern nur im geschützten Kreis der Kollegen und Fakultäten.

    Mit den psychologischen Auffälligkeiten von Modulstudenten hat sich jetzt auch Nano auf 3Sat beschäftigt (inkl. Online-Video). Die komplette Sendung vom 16.06.09 inkl. allen Bologna-Psycho-Beiträgen ist in Kürze auch auf der Nano-Seite abrufbar.

  • 16.06.2009 14:26 Uhr

    von anke:

    Es ist schade, dass die Einigkeit lediglich einen einzigen Punkt zu umfassen scheint: (viel) mehr Geld würden offenbar alle Beteiligten gern haben wollen. Wie dieses Geld zu verteilen bzw. wie es sinnvoll auszugeben wäre, darüber streiten die Gelehrten (und ihre Schüler) offenbar noch immer. Dass man nach Abklingen der aktuellen Proteste den erklärten Zielen des Bologna-Prozesses näher gekommen sein wird, kann ich mir bislang nicht vorstellen. Das nämlich, was die Universitäten unter der Ägide der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft aus den Vereinbarungen von 1999 gemacht haben, hat bisher offenbar weder zu einer größeren Mobilität, noch zu mehr Wettbewerb oder zu mehr Beschäftigung geführt. Im Gegenteil. Die Betroffenen beteuern einhellig, die Entwicklung ginge komplett in die verkehrte Richtung. Die Dass sich daran allerdings etwas ändert, wenn mehr Geld ins System gepumpt wird, ist kaum zu erwarten. Interessant also werden die kommenden Wochen vermutlich nur für Leute, die sinnfreie Spektakel lieben. Für alle anderen bleibt nur die Frage, wie lange der Wahnsinn noch methodisch untersetzt werden kann, bevor er korrigiert wird.

  • 16.06.2009 13:54 Uhr

    von Mezkalin:

    "In einer Woche lässt sich all das kaum herbeifordern oder wegprotestieren." Wer hat das denn auch behauptet? Die Woche soll dazu dienen Aufmerksamkeit in der Bevölkerung zu erwecken, damit die PolitikerInnen in der Pflicht sind und endlich mal reagieren! Das es sich dabei um einen langen Prozess und nicht eine einmalige Aktion handelt sollte allen klar sein.

  • 16.06.2009 13:45 Uhr

    von Bildung statt Modulköpfe:

    Auch bei Juristen und Medizinern werden diese schändlichen Moduldiskussionen geführt.

    Das juristische Studium ist nichts wert, wenn nicht die Zeit und Möglichkeit gegeben wird, die Grundlagen zu verstehen. Die Anwendung kommt schon von ganz alleine.
    BaMa-Studiengänge zeichnen sich aber gerade dadurch aus, dass Grundlagen nur als Multiple-Choice-Test abgefragt werden und ein Verständnis in keiner Form verlangt wird.
    Außerdem ist der Workload (grausames Wort) derart
    hoch angesetzt, dass ein paralleles, privates Erarbeiten nur noch für die wenigstens möglich wird. Schon das Studium mit Nebenjob wird für die Meisten kaum noch machbar sein (Genies, Orgatalente u.ä. einmal ausgenommen, womit die
    Mehrheit ausgeschlossen werden).

    Die Entwicklung ist aber schon weit älter.
    Wenn ehemalige Spitzenstandorte der Soziologie diesen Studiengang einfach schließen, zeigt das schon recht deutlich, wie weitgehend des Interesse an geisteswissenschaftlicher Forschung in Deutschlands Bildungseinrichtungen noch
    ist.

    Juristen prägten schon historisch, prägen und gestalten eine Gesellschaft maßgeblich, hier zu sparen und auf oberflächliche, moralferne, unkritische und modularisierte Pragmatiker zu setzen ist höchst gefährlich und für eine
    freiheitliche, friedliche und soziale Gesellschaft höchst existenzbedrohend.

    Daher mein entschiedenes NEIN zur odularisierung und Bologna.

  • 16.06.2009 13:28 Uhr

    von Student:

    90% aller Studenten kommen aus Akademikerfamilien. Nur 10% aus Arbeiterfamilien. Das war auch vor der Einführung der Studiengebühren so. Für das Kind einer Lehrerin und eines Chemikers mit zusammen ca. 5500 € netto im Monat sollten die 1000 € Studiengebühren im Jahr ein Klacks sein. Warum soll die Allgemeinheit die Ausbildung einer kleinen Elite überhaupt finanzieren?
    Die Arbeiterkinder werden sowieso schon in der Grundschule aufgrund ihrer Herkunft ausgesiebt und kommen garnicht aufs Gymnasium.

  • 16.06.2009 11:34 Uhr

    von Panther:

    Am besten finde ich
    "jetzt in der Krise" fordern die Schüler und Studenten!
    und die KindergärtnerInnen und die Fahrer von Bahn,
    und nichtstaatliche, die dem Staat aber mehr Geld verschaffen sollen, die Taxifahrer!
    Grundsätzlich darf jeder auf die Straße!
    Aber dass das Studium zu voll gepackt ist, dass Abbrecherquoten steigen, kann doch nicht Ziel der Sache von Sparmaßnahmen sein.

    Ich bitte Sie, wenn man spart, muss man es vernünftig tun, ohne existenzielle Einbußen.
    oder anders gefragt:
    500Mrd in den Sand setzen für die hypo real estate, die selbst verantwortlich für ihr Scheitern ist oder
    20mrd mehr für Schüler und Studenten,
    die die Hoffnung für die Zukunft sind.

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