Depressive Heldin in "Helen"
Die Seele bleibt ein Geheimnis
Das Kino ist vernarrt in nervenkranke Frauenfiguren. Jüngstes Beispiel ist Sandra Nettelbecks neuer Film "Helen": Dessen Hauptfigur führt dem Zuschauer Depressionen in bester Manier vor.von Birgit Glombitza
Leserkommentare
01.05.2012 23:18 Uhr
von alice:
Ich bin vielmehr betrübt ob der schreiberischen Qualität dieses Möchtegern-Pamphlets.
Mir scheint diese Kritik wie ein putziger erster Gehversuch einer überambitionierten Feldwaldwiesen-Germanistikstudentin, die für ihr Praktikum besser in der Redaktion der Gala aufgehoben wäre.
09.10.2011 21:12 Uhr
von Toni, 17 :
Auch ich kann mich dem Kommentar von Nicole A. nur anschließen.
Dieser Artikel über den Film "Helen" ist vollkommen unangebracht und zeigt nicht das geringste Verständnis. Damit will ich nicht behaupten, dass die Autorin die Krankheit nicht versteht, ich kann mir gut vorstellen, dass sie eine große Menge an Wissen bezüglich dieses Themas vorzuweisen hätte, jedoch möchte ich Kritik an der Anwendung dieses Wissens äußern.
Die Autorin hat zwar damit Recht, dass man durch eine andere Form der Darstellung den Zuschauern vielleicht mehr Hintergrundinformationen hätte nahebringen können und die Krankheit somit eher wissenschaftlich erfasst, aber dieser Film sollte eben nicht nur Menschen erreichen, die sich wie Fr. Glombitza und ich in ihrer Freizeit gerne Dokumentarfilme ansehen oder sich durch lehrreiche Bücher bzw. Internetseiten weiterbilden.
Fr. Glombitza: "Und so zeigt der Film und zeigt und glotzt und glotzt. Begreifen lässt er uns gar nichts. Ganz so, als sei das eben doch keine Krankheit, die sich wissenschaftlich darstellen, erfassen ließe, ..."
Diese Krankheit ist selbst für Betroffene nur schwer zu begreifen - und damit für andere Menschen noch viel unverständlicher. Meiner Meinung nach wäre es, wie schon gesagt, nur durch eine Art Dokumentarfilm möglich, dem Zuschauer klar und deutlich aufzuzeigen, was genau eine Depression ist, gerade wegen der vielen möglichen Ursachen, Symptome und Folgen für das alltägliche Leben.
Fr. Glombitza: "Helen hat leider nichts zu erzählen über das, was sie umgibt oder das, was einmal war. Sie rebelliert nicht, sie schaut nur knapp an der Kamera vorbei und weint."
Helen hat eine Menge zu erzählen und sie rebelliert sehr wohl. Man erkennt an vielen Stellen des Films, dass sie kämpft - natürlich nicht die ganze Zeit über, aber das ist auch gut so, denn sonst wäre die Krankheit verfälscht dargestellt, sie besteht nun mal aus mehr Zusammenbrüchen als Kämpfen, da ist es klar, dass das Augenmerk auf Helens Leid gelenkt wird.
Fr. Glombitza: "Und so stehen wir bis zum Ende blöd da, wie mitgebrachte Gäste der Geburtstagsparty, und rätseln. Ja Gott, was hat sie denn nun? Ist es die Schilddrüse oder sind es die Wechseljahre? Defizitäre Botenstoffe? Burn-out vielleicht? Eine Scheinschwangerschaft oder ein Gehirntumor? Eine suizidale Mutter eventuell, deren seelische Narben ihren Abdruck in der DNA hinterlassen haben?"
Selbstverständlich rätseln wir, weil man die Figur Helen nur versehen kann, wenn man ihren Weg selbst (in ähnlicher Form) gegangen ist.
Bis zu Letzt kann ich nicht nachvollziehen, dass es (nach der Meinung Fr. Glombitzas) die Qualität des Filmes mindere, wenn der Schwerpunkt nicht auf den Ursachen liege, die zum Ausbruch der Krankheit führen.
Gerade weil keine Ursache in dem Film direkt benannt wird, verdeutlicht er, dass diese Krankheit - ganz plötzlich und ohne einen ersichtlichen Grund - jeden einzelnen von uns treffen kann.
21.05.2011 13:22 Uhr
von Darla:
Der Artikel schockiert mich sehr!
Ich selbst als Betroffene kann dazu nur Fr. Nettelbeck aufs Höchste loben. Der Film zeigt ganz klar die Momente, die Angehörige nicht mit erleben, weil WIR nicht aushalten können, dass sie diese sehen! Weil WIR, wie man bei Helen und ihren Wutausbrüchen sehr gut erkennen kann, es selber nicht verstehen geschweige denn akzeptieren können!
Außerdem wird nicht nur die Seite von Helen gezeigt, sondern, und das finde ich sehr wichtig, auch die Seite der Angehörigen! Man sieht regelrecht wie hilflos Angehörige in diesem Fall sind, sie möchten helfen, können aber nicht.
Ich habe mich in dem Film wieder gefunden!
Ganz großes Lob. Ich danke Fr. Nettelbeck und den Schauspielern für diesen grandiosen Film!
20.06.2010 23:45 Uhr
von antonia80:
Gebe Nicole recht!! So ein Artikel stigmatisiert Betroffene leider noch mehr...... Gründe für eine Depression sind so vielfältig und in dem Film ging es überhaupt nicht darum. Aber den tieferen Sinn zu verstehen kann man dem Verfasser des Artikels anscheinend in keinster Weise zutrauen. Man sollte sich zumindest ein wenig mit dem Thema beschäftigt haben bevor man einen solchen Artikel schreibt.
03.06.2010 13:09 Uhr
von Wolf:
Ich wünsche dem Rezensenten eine Major Depression, sagen wir für drei oder vier Monate. Er wüßte dann, wenn er einen solchen Film bespricht, wovon er schreibt. Und sein "Urteil" wäre dann nicht so rasant blödsinnig.
25.02.2010 21:14 Uhr
von Rain:
Das ist auch meine Meinung! Der Film ist doch nicht als Unterhaltung gedacht, sondern als Hilfe für Angehörige, die Krankheit besser zu verstehen!
06.02.2010 21:02 Uhr
von Nicole A.:
Was für eine bitterböse Kritik!
Ich bin einigermaßen erschüttert, daß dieser Film auch so ankommen kann.
Als ehemalige Betroffene kann ich den Film nur loben, da er die "Zustände" die man in einer Depression erlebt, sehr realistisch darstellt. Die Intention von Frau Nettelbeck war, den Verlauf der Erkrankung episodenweise zu zeigen. Es ist ganz sicher nicht so, wie Frau Glombitza in ihrer Kritik schreibt, daß Helen "ein bißchen später schon" zitternd und zähneklappernd in der Küche hockt. Das kapiert jeder, der mit der Krankheit auch nur wenig vertraut ist. Doch ein Mehrteiler in Echtzeit wie bei der Serie "24" wäre beim Publikum sicher auch nicht angekommen, denn wer will schon ein oder zwei Jahre eines Depressiven mit Angst- und Panikattacken miterleben? Schwer genug für die Angehörigen, die das mitmachen müssen.
Mir gefällt diese Art der Erzählform auch besser als ein Zeitraffer, der völlig unangebracht gewesen wäre, dann aber, wie wohl der Wunsch von Fr. G. ist, keine Szene ausgespart hätte.
Diesen Film mit solch einer Gefühllosigkeit zu beschreiben schockiert mich derart, daß auch ich zum Zynismus greife:
Die Autorin der Kritik macht mir den Eindruck, als würde sie auch den Tod eines nahen Mitmenschen, schwere Folter oder die Zustände nach einem Erdbeben belächeln. Die äusserst mitgefühllose Schreibweise verletzt mich sehr ("Sie rebelliert nicht, sie schaut nur knapp an der Kamera vorbei und weint.".
Warum wohl hat Robert Enke nicht in der Öffentlichkeit seinen seelischen Zustand preisgegeben? Gerade wegen der Schuldzuweisungen und dem Belächeltwerden, dem Unverständnis und der Gefühlskälte, die mir in diesem TAZ-Artikel entgegenkommen!
Daß man dieser Erkrankung ausgeliefert ist wie anderen schweren (körperlichen) Erkrankungen, scheint sie nicht begreifen zu wollen.
Helen hat rebelliert, auch wenn man dies nicht andauernd im Film sah. Sie hat in ihrem Arbeitszimmer einen Wutanfall bekommen, aus Verzweiflung, weil sie "so" nicht sein wollte.
Da auch nicht jedem Krebskranken oder Nierenkranken die Rebellion hilft, hilft es auch bei Depression recht wenig, da könnte die Autorin gern mal einen Psychiater befragen.
Tja, und die Frage am Schluß, was denn nun mit Helen los war, ist doch eindeutig: Ja, sie war / ist depressiv! Im Film werden die Auswirkungen einer major Depression gezeigt, auf die Betroffene und auch auf die Angehörigen. Ausgelöst werden kann eine Depression durch die von Fr. Glombitza angesprochenen defizitären Botenstoffe genauso wie durch Schicksalsschläge, Traumata, chronische Schmerzen, Burnout, usw. usw., alles nachzulesen bei Fachautoren.
Aufgeworfen hat diese Frage bei den zahlreichen zuschauenden Personen, die ich kenne, niemand.
Woher die Depression kam, ist auch unwichtig. Würde es irgendjemandem helfen, zu wissen, wie es bei diesem einzelnen fiktiven Fall war???
Geht es darum in diesem Film?
Nein, ist die Antwort nicht nur von mir, sondern auch von einigen Fachleuten, die ich persönlich kenne.
Ich empfehle Fr. G., sich solche Filme nicht mehr anzuschauen, wenn doch so gar kein Interesse und Verständnis besteht.
Gut, daß es endlich so einen Film gibt, wenn auch mir einzelne Szenen wie die Messerszene nicht gefallen, so ist es doch der beste Film, der zu diesem Thema jemals gedreht wurde!
Ein ganz großes Lob an Fr. Nettelbeck für die gelungene Umsetzung!
Ich bitte um Veröffentlichung meines Kommentars, da er die Meinung zahlreicher Zuschauer widerspiegelt und ich nicht nur in meinem Namen schreibe.