Das 1962 eingeweihte Landtagsgebäude in Hannover soll einem transparenten Neubau weichen. Linke und Grüne sehen einen Konflikt mit dem Denkmalschutzgesetz.von Anwen Roberts und Klaus Irler

Fensterlos und schlicht: Alter Plenarsaal von 1962. Bild: dpa
Es sind fast ausschließlich ältere Menschen, die sich am Dienstagmorgen an der zugigen Kreuzung zwischen Niedersächsischem Landtag und Wirtschaftsministerium zum gemäßigten Protest versammelten. Menschen, von denen einige miterlebt haben dürften, wie vor fast 48 Jahren der niedersächsische Landtag eingeweiht wurde. Damals bedeutete der Musterbau der Nachkriegsmoderne ein eigenes Zuhause eines Landesparlaments, das seit Kriegsende mangels Alternativen in der Stadthalle getagt hatte. Heute haben die rund 150 Demonstranten Plakate dabei, auf denen steht: "Landtag: Bewahren und sparen". Oder: "Umbau statt Neubau".
Die Hoffnungen der Demonstranten werden aller Voraussicht nach enttäuscht werden. Am Dienstag stimmten 91 von 152 Abgeordneten dafür, den Plenarsaal von 1962 abzureißen und an seiner Stelle einen Neubauentwurf des Kölner Architekten Eun Young Yi zu realisieren. 39 Politiker stimmten für einen anderen Entwurf. Zwölf, vor allem aus den Reihen der Linken, votierten für die billigste Lösung: eine Sanierung des alten Baus. Zehn Abgeordnete - darunter Ministerpräsident und Neubau-Gegner Christian Wulff (CDU) - enthielten sich.
Der Entscheidung war eine jahrelange, mitunter sehr emotionale Diskussion über den Umgang mit dem sanierungsbedürftigen Gebäude vorausgegangen. Die Lüftung ist schlecht, die Heizung defekt, die Fassade brüchig. Außerdem vermissen die Abgeordneten Tageslicht im Plenarsaal: Architekt Dieter Oesterlen hatte im Plenarsaal bewusst auf Fenster verzichtet. Die Abgeordneten sollten sich ausschließlich auf ihre Arbeit konzentrieren.
Der Neubauentwurf von Eun Young Yi dagegen sieht einen pompösen Glasbau mit einem außen umlaufenden Säulengang vor, einen "Tempel mit modernen Baumaterialien", so Yi. Die Durchlässigkeit für Tageslicht ist ein wesentliches Merkmal des Baus, der nach dem Willen der Parlamentarier höchstens 45 Millionen Euro kosten soll - Geld, das viele der Gegner als Fehlinvestition betrachten. Ihr Argument: Im Schnitt verbringen die Politiker gerade mal drei Tage pro Monat im Plenarsaal.
Fraglich ist nun, ob der Abriss des alten Plenarsaals von der Witwe des früheren Architekten noch gestoppt werden kann: Der Bau steht unter Denkmalschutz, und Eva Oesterlen hat angekündigt, sich rechtlich gegen jede "entstellende Veränderung" des Baus zu wehren. Auch der Sieger eines vorangegangenen Architektenwettbewerbs im Jahr 2002 denkt immer lauter über eine Klage nach.
Politiker der Linken und der Grünen monieren, dass sich das Parlament mit einem Abriss über das geltende Denkmalschutz-Gesetz hinwegsetzen würde. "Die Entscheidung für den Abriss wird zu langwierigen Gerichtsverfahren führen", sagt Grüne-Fraktionschef Stephan Wenzel.
Außerdem muss in den nächsten Wochen das staatliche Baumanagement unter Aufsicht des Finanzministeriums mit allen drei preisgekrönten Architekten des jüngsten Wettbewerbs über Details verhandeln. Erst wenn dort noch offene Fragen wie die Leistungsfähigkeit des Büros oder die Kosten geklärt sind, wird endgültig entschieden. So sieht es das EU-Recht vor.
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