Der geplante "Trojaner" der Schulbuchverlage beweist, dass die Bildungskartelle wenig verstanden haben. Denn die Zukunft liegt nicht im Buch, sondern in der Cloud. von Christian Füller
Ist halt ein echter Füller. Er kennt nur schwarz und weiß.
Böser böser Trojaner, gute gute web2.0-Lehrer.
Ist ja vieles richtig, aber vieles viel zu kurz.
- Solange es Copyrights gibt (Urheberrecht), solange ist es schließlich sinnvoll dessen Einhaltung auch zu überprüfen. - Tatsächlich macht das Netz es vor: Freie, offene Lizenzen. Ihnen gehört die Zukunft. Aber: Die Schulbuchverlage setzen auf geschützte Lizenzen und verfolgen deshalb ihr Ziel, diese auch kontrolliert zu wissen. - Der "Trojaner" ist ein solcher Kontrollschritt. Seine Zugriffsweise (Generalverdacht, trotz Stichprobe) ist dagegen problematisch. - Die Forderung nach offenen Lizenzen ist deshalb richtig. Didaktisches Material sollte zugänglich und flexibel sein.
Die Hinweise auf eine Bibliothek mit echten Büchern oder eine frei zugängliche Wikipedia in den Kommentaren aber zeigt den Irrläufer Füller: Er rennt einem neuen Lernen hinterher. Die Medien aber alleine sind es doch nicht. Hervorragendes "Lehren" kann es mit dem "alten Leitmedium" Buch geben, grausamen im WEB2.0. Es ist also keine schwarz weiß, neu-alt Debatte. Denn das "neue Lernen" schon alt und immer weiter entwickelt worden. Alles Lernen, das wie bei Freinet, Offener Unterricht, Individualisierung usw. auf den Einzelnen in Gruppen und mit geeigneten Werkzeugen setzt (bei Freinet war das [bekannteste] Werkzeug die Druckerei). Dabei ist ein flexibler Zugang zu offenen Daten ein wichtiges Werkzeug. Mehr aber nicht. Ohne pädagogisches Konzept (und das ist nicht: www-Rechner besorgen und dann läufts) macht man nichts...
30.12.2011 10:51 Uhr
von guntherkummmerlande:
Was mir an dem Artikel stark mißfällt, ist die unkritische und einseitige Darstellung. Ich bin auch aufgeschlossen den neuen Medien gegenüber und dennoch kann echter Fortschritt nicht mit blinder Euphorie und Herdentrieb erzielt werden.
Die Gefahren der Cloud sind doch offensichtlich. Die Buchdruckindustrie und die Druckmaschinenhersteller verlieren ihre Existenzgrundlagen. Das einmal gekaufte für immer ständige Eigentum der Buchkäufer wird durch Lizenzsoftware preislich immer geliehen. Die Abhängigkeit von ausländischen Technologieanbietern steigt enorm.
Klagen und Preiserhöhungen auf dem Rohstoff-, Technologie- und Bildungslizenzenmarkt bedrohen direkt den Bildungsetat unkalkulierbar. Die Kinder werden zuviel von interaktiven Medien überflutet ohne sich sozusagen mit Alltagslernmitteln zu arrangieren. Wer derart Luxus ständig gewohnt ist, wird auch sonst noch mehr Geld für Bildung ausgeben müssen, weil dem Kind normale Bücher zu umständlich werden. Lernmaterial wird nur noch solange eine Technologie gewartet wird, erhalten bleiben. Das kollektive Gedächtnis wird stark gelöscht, weil nur bruchstückhafte Erinnerungen überliefert werden, aber die damalige Literatur nach Willkür übernommen wurde. Zur globalisierten Multikonzernweltkultur passt das, aber nicht zur nationalstaatlichen eigenen Kulturidentität.
Kinder sollten auch in Ihren Lehrmitteln rumkritzeln und Notizen machen können und es auch in ihre Freizeit mitnehmen können. Sie sollten nach Belieben eigenständig oder mit dem Klassenverband die Aufgaben lösen und korrigieren können.
Lehrbriefreihen zu allen Fächern ab Klasse 10 sollten weiterhin substituierend aufgebaut werden.
Der Bund muß für die Bildungsverlage Pauschalbezahlungsmodelle schaffen, deren Angebote auf allen Technologieplattformen benutzbar sein muss. Die darin dargelegten Inhalte sind gekauft und Eigentum der BRD. Jedes Kind deutscher Staatsbürgerschaft hat ein Recht auf eine Buchdruckausgabe dieser Version.
Die Lehrbücher und Lernsoftware müssen komplett autodidaktisch aufgebaut sein.
Die Schulen sollten zu jeden Fächerfeld eigene Lernwerkstätten zum Erfahren der vermittelten Inhalte aufbauen, und Lerncoaching mit den Schülern betreiben. Kinder dürfen eigene zusätzliche Termine für die Lernwerkstätten anfordern, in denen Sie von LehramtsreferendarInnen und engagierten Akademikern aus der Praxis empfangen werden. Eigenständige Arbeit wird bei Wunsch auch toleriert. Auch das typisch Versuch-Irrtum-Forschen und spielerische forschen wird toleriert.
Die Schulen dürfen nicht ihrer erworbenen Güter enteignet werden. Multimedialernsystem sind hervorragend. Cloud Computing lehne ich aber strikt ab, weil die Macht sich hier zu stark vom Konsumenten hin zum Diensteanbieter verlagert !!!! Dies kommt einer "Liberalisierung der Besitztumsrechte gleich." Man bekommt lebenswichtige Ressourcen in zeitgemäßer Qualität nur noch zu den Konditionen der Diensteanbieter." Gehen einmal die Druckhersteller kapputt, nimmt die Abhängigkeit von den Seltenerdrohstoff- exporteuren, Sklaventreibercomputerfabriken, Verlagsplattformanbietern und Verlagsmonopolisten ins drakonisch-tragische Bittstellertum über!! Der Markt für Bildung darf nicht überkontrolliert werden. Die Käufermacht sollte beim Volk liegen und nicht bei wenigen.
Auch Menschen ohne Affinität zu Technologie sollen gleichwertige Lehrmaterialien bekommen.
28.12.2011 16:13 Uhr
von Klaus Füller:
Mein Wutausbruch über diesen Artikel ist zu lang für dieses Kästchen. Siehe deshalb http://www.freitag.de/community/blogs/klaus-fueller/vom-server-lernen-oder-wie-die-schule-scheitert
28.12.2011 10:46 Uhr
von Lehrer :
"Ipads und Smartphones haben auch Rütli-Schüler." Definitiv nicht. Es erfordert ein starkes Umdenken von Seiten der Gesellschaft und auch der Lehrerschaft. Diese Geräte müssten vom Staat gestellt werden, müssen die Banker halt mal mit ein paar Milliarden weniger vom Staat auskommen. Die Idee Ipads und andere Medien nutzen zu können für meinen Unterricht wäre traumhaft. Die Schüler bräuchten nicht mehr 10 Kilo Ranzen tragen, sondern nur ihr Ipad. Tafelbilder von der letzten Stunde könnten zu Hause weitergeführt werden, kranke Kinder könnten sich von zu Hause in den Unterricht einklinken etc. *träum*
28.12.2011 10:03 Uhr
von Bildungspraktikerin:
Was in dem Artikel als futuristisch verkauft wird, passiert schon lange in sehr vielen Bereichen der Bildung. Auch das ewig alte Märchen vom Frontalunterricht kann man langsam nicht mehr hören. Das ist EINE Methode unter vielen, Schule hat sich schon lange gewandelt. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Schreiber der Artikel immer nur ihre eigenen Schulerfahrungen aufbereiten, die schon 30 Jahre zurückliegen. So einfach wie der Autor sich das Lernen als "cloud" vorstellt, so funktioniert das Lernen mit dem überall zugänglichen Wissen eben doch nicht. Wenn dem so wäre, dann wären auch viele Erwachsene deutlich besser informiert bzw. gebildeter, schließlich ist das Wissen im Netz ja verfügbar, man muss es sich nur aneignen bzw. seine Schlüsse daraus ziehen. Doch genau darin liegt die Kunst des Unterrichtens. Wie kann ich Material altersgemäß und spannend so aufbereiten, dass Interesse an der Sache geweckt wird und die Lerner in die Lage versetzen selbstständig weiter zu lernen, in Frage zu stellen und sich mit dem Thema auch kritisch auseinander zu setzen? Das können gerade junge Menschen (und ich denke auch Erwachsene) immer noch besonders gut im Dialog, in der Diskussion, in der Debatte. Wenn am Ende stehen soll, dass man junge Menschen auf den Weg bringt, wie sie selbstständig lernen und sich Wissen aneignen und daraus ihre Schlüsse ziehen können, Gelerntes mit Neuem vernetzen und immer wieder überprüfen und in Frage stellen, dann ist es fast egal, ob sie das aus Büchern, aus dem WWW oder von anderen Menschen lernen. Der Mix macht´s. Das Netz wird überbewertet, die scheinbare Verfügbarkeit "allen Wissens" überfordert viele Menschen und es gibt immer noch genug, die Bücher als MEDIUM sehr gerne haben und schätzen (gerade auch bei den jungen Lernern), wenn sie gut gestaltet sind und sich an den Bedürfnissen der Lernenden orientieren. Was den Trojaner betrifft: Damit machen sich die Verlage nur lächerlich, man kann den Lauf der Welt nicht aufhalten, sie sollten daher neuen Lernformen nicht hinterherlaufen, sondern diese vorantreiben und unterstützen. So viel Professionalität muss sein. Auch diese können finanziert werden, niemand verlangt, dass das kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Jeder, der im Bildungsbereich arbeitet, weiß was es bedeutet, Materialien didaktisch aufzubereiten.
28.12.2011 08:16 Uhr
von M.K.:
Re: "Alles, was Schüler bis zum Abitur an Wissen benötigen..."
Blödsinn. Nehmen Sie ein Kind, stecken Sie es in ein Zimmer mit Computer + Wikipedia Online, und nach 10 Jahren öffnen Sie das Zimmer. Man sehen, was für eine Kreatur rauskommt. Eben - es kriecht eine Kreatur raus, kein Mensch.
Sie verstehen nichts, Herr Schröder!
Mit Gruss M.K.
27.12.2011 17:23 Uhr
von P J:
Schröder: Es geht doch eher um Plattformen für Lehrer, oder? Die gibt es schon. Dass Wikipedia an sich kein nachhaltiges Lernen erzeugt, dürfte jedem klar sein. Dafür braucht es Didaktisierung, die nur von geeigneten Menschen vorgenommen werden kann. Den zwar utopischen, aber doch sehr interessanten Ansatz meines Vorredners (UHR) finde ich trotzdem verfolgenswert - solange es der Chancengleichheit dient. Ansätze in diesem Gebiert gibt es viele, bei einer Zentralisierung wird es freilich juristisch schwierig...ob das Trittins Schuld ist...?! Allgemein wäre es jedoch v.a. wünschenswert, wenn "einfach" mehr Geld in die Bildung investiert werden würde und Lehrer kein urheberrechtl. geschütztes Lernmaterial "klauen" müssten. Eine Bildungs-Cloud wäre eine tolle Sache und müsste vom Staat finanziert (nicht kontrolliert!) werden. Dafür könnten sie dann auch gerne die - mit Verlaub - Holzköpfe der KMK einsparen.
27.12.2011 16:13 Uhr
von Schröder:
Alles, was Schüler bis zum Abitur an Wissen benötigen, können sie sich schon jetzt mit Leichtigkeit aus dem Netz holen. Tun die meisten nicht. Hat andere Gründe. Mit dem Aufbau eines Curriculums, mit der Verhleichbarkeit von Noten und Standardisierung von Abschlüssen hat aber die bloße Verfügbarkeit von Wissen nichts zu tun. Die Aufbereitung von Information zu altersgerechtem, zeitgemäßem Lernstoff ist das Ergebnis menschlicher Arbeit. Auf diesem hip gemeinten Metaphernfriedhof ("schürfen dort Schäufelchen des Wissens") wird man keine Antwort auf die Frage finden, wie geistige Leistung in Zukunft bezahlt werden soll. Dass Spitzelsoftware dabei keine Hilfe ist, weiß man seit den Neunzigern.
27.12.2011 15:14 Uhr
von Wiki-Learn wäre die Lösung:
Ein Offliner-Kind im Osten, in NRW oder Afghanistan oder Afrika hat auch ein Recht zu lernen. Von daher ist "Cloud" im Titel irreführend. Denn es bedingt die totale Verfügbarkeit von Bandbreite. Dank Rot-Grün Trittin und Nahles hingegen haben wir nicht ein Ultrabilliges überall verfügbares UMTS_netz sondern 4 die sich bis aufs Blut bekämpfen, teuer sind und bestenfalls in Großstädten gut verfügbar sind wenn man sie bezahlen kann. Vor Jahren schon wollte ich Wikilearn aufbauen. Da man aber für alles abgemahnt wird, mache ich es nicht. Bezahlt weiter Nachhilfe und geht in den Frontalismus-Unterricht wo ihr lernt, den Befehlen vom Lehrer zu gehorchen.
Meine Idee kostet 0 Investitionen und wirkt von selber. Ipads und Smartphones haben auch Rütli-Schüler. Die Einzige Notwendigkeit wäre Schutz vor Juristen, vor Abmahnungen und vor Klagen bis zum Verfassungsgericht. Wer nicht will, braucht ja nicht. Der Benchmark wird aufgebaut und der völlige Wettkampf beginnt. Jeder weiss, auf welchem Perzentil er steht. Für Retroiden gibts weiter normale Schulnoten. Aber das Checker-Kind weiß, das es bei 1x1 auf 17% steht: 16% sind besser, 82% sind schlechter. Die Eltern am Ipad-Kühlschrank oder TV oder Email sehen wo die Kinder prozentual stehen und jeder weiss, welche Skills für Friseurin, Automechaniker, Präsident, BWLer, Betrüger, Bank-Lehre usw. bei der Bewerbung gebraucht werden. Prozentrechnung, Kopfrechnen, Rechtschreibung, Freier Ausdruck, Verbale Fähigkeiten. Dann können Lehrer sich mal um Social-Skills kümmern. Ferien gibts nicht mehr und macht man wann man will. Wie gesagt: Das ist ein schleichender Prozess der wirkt wo er wirkt. Wo er nicht wirkt, macht man es anders oder denkt sich was neues aus oder bleibt wie bisher. Es besteht also gar kein Risiko weil man keine Zilliarden ausgibt und dann wird das IT-Projekt nach 10 Minuten abgeschaltet. Das jeder zugreifen kann und die Bonzenkinder auch mit der totalen Nachhilfe keine Chance mehr gegen schlaue Migrantenkinder haben, sollte klar sein. Klar muss das Migrantenkind sich um 10 Geschwister kümmern. Aber es kann am Android-Pad lernen wann und was und wie viel es will und wie schnell es kann. Keiner sitzt im Schulbus. Jeder kriegt einen Ferrari (Fahrrad) und kann so schnell zur Arbeit (Schule) fahren wie er fähig ist. Wer den besten Durchschnittsgeschwindkeit hat, kriegt die Beförderung (darf sich bei der Bank bewerben). Egal ob er Migrant ist. Man kann auch bei Bewerbertests anfangen. Gigalocal-Bewerbung macht skilltests und die Firmen suchen dann Leute die in diesen Tests bzw. Gruppen davon bestimmte Mindestanforderungen haben. Geht für Handwerker, für Studentenjobs, kostenlose Praktika, und alles mögliche wie Zeitarbeiter "Kennen sie die Hilti0815 ? Beantworten sie die folgenden 20 Fragen am Smartphone oder Ipad oder OperaMini am NokiaPhone.". Dann können alle Handwerker in der Umgebung den Bewerber einladen und wissen nicht mal dessen Namen weil das nicht nötig ist. Man weiss nur die Skills und die Test-Ergebnisse und das er heute in der Stadt ist und kann sich als Firma mit Durchschnittslohn, Frauen-Anteil, ... beim Bewerber bewerben. Weibliche Bewerberinnen suchen sich dann z.B. passende Firmen anhand dieser Zahlen. Lohndumping-drücker müssen in der Zeitung inserieren. Inversion der Nachfrage. Gewerkschaften sind nicht interessiert. Denn Leistungstransparenz ist vielen Strombergs nicht ihr Ziel.
40% haben kein Internet und viele nur mickrige Geschwindigkeiten. Clouds als Ansammlungen gigantischer Video-Tutorials die 90% der Bevölkerung nicht runtergeladen kriegen weil Berlin kein WiFree aufbaut, irritieren im Titel eher. "Vom Server lernen" klingt schon besser. Denn "Cloud=den dicksten und teuersten UMTS-Tarif und nur in der Großstadt ansonsten tödlich langsam". Denn in USA ist jedes zweite WiFi kostenfrei. hier hingegen wird man dank Trittin und Nahles und rotgrüner Internet-Politik abgemahnt.
Leserkommentare
10.01.2012 17:19 Uhr
von Füller?:
Ist halt ein echter Füller.
Er kennt nur schwarz und weiß.
Böser böser Trojaner, gute gute web2.0-Lehrer.
Ist ja vieles richtig, aber vieles viel zu kurz.
- Solange es Copyrights gibt (Urheberrecht), solange ist es schließlich sinnvoll dessen Einhaltung auch zu überprüfen.
- Tatsächlich macht das Netz es vor: Freie, offene Lizenzen. Ihnen gehört die Zukunft. Aber: Die Schulbuchverlage setzen auf geschützte Lizenzen und verfolgen deshalb ihr Ziel, diese auch kontrolliert zu wissen.
- Der "Trojaner" ist ein solcher Kontrollschritt. Seine Zugriffsweise (Generalverdacht, trotz Stichprobe) ist dagegen problematisch.
- Die Forderung nach offenen Lizenzen ist deshalb richtig. Didaktisches Material sollte zugänglich und flexibel sein.
Die Hinweise auf eine Bibliothek mit echten Büchern oder eine frei zugängliche Wikipedia in den Kommentaren aber zeigt den Irrläufer Füller: Er rennt einem neuen Lernen hinterher. Die Medien aber alleine sind es doch nicht. Hervorragendes "Lehren" kann es mit dem "alten Leitmedium" Buch geben, grausamen im WEB2.0. Es ist also keine schwarz weiß, neu-alt Debatte.
Denn das "neue Lernen" schon alt und immer weiter entwickelt worden. Alles Lernen, das wie bei Freinet, Offener Unterricht, Individualisierung usw. auf den Einzelnen in Gruppen und mit geeigneten Werkzeugen setzt (bei Freinet war das [bekannteste] Werkzeug die Druckerei).
Dabei ist ein flexibler Zugang zu offenen Daten ein wichtiges Werkzeug. Mehr aber nicht. Ohne pädagogisches Konzept (und das ist nicht: www-Rechner besorgen und dann läufts) macht man nichts...
30.12.2011 10:51 Uhr
von guntherkummmerlande:
Was mir an dem Artikel stark mißfällt, ist
die unkritische und einseitige Darstellung.
Ich bin auch aufgeschlossen den neuen Medien
gegenüber und dennoch kann echter
Fortschritt nicht mit blinder Euphorie
und Herdentrieb erzielt werden.
Die Gefahren der Cloud sind doch offensichtlich.
Die Buchdruckindustrie und die Druckmaschinenhersteller verlieren ihre
Existenzgrundlagen.
Das einmal gekaufte für immer ständige
Eigentum der Buchkäufer wird durch Lizenzsoftware
preislich immer geliehen.
Die Abhängigkeit von ausländischen
Technologieanbietern steigt enorm.
Klagen und Preiserhöhungen auf dem Rohstoff-, Technologie- und Bildungslizenzenmarkt
bedrohen direkt den Bildungsetat unkalkulierbar.
Die Kinder werden zuviel von interaktiven
Medien überflutet ohne sich sozusagen mit
Alltagslernmitteln zu arrangieren.
Wer derart Luxus ständig gewohnt ist, wird
auch sonst noch mehr Geld für Bildung ausgeben müssen, weil dem Kind normale Bücher zu umständlich werden.
Lernmaterial wird nur noch solange
eine Technologie gewartet wird, erhalten bleiben.
Das kollektive Gedächtnis wird stark gelöscht,
weil nur bruchstückhafte Erinnerungen überliefert
werden, aber die damalige Literatur
nach Willkür übernommen wurde.
Zur globalisierten Multikonzernweltkultur passt das,
aber nicht zur nationalstaatlichen eigenen Kulturidentität.
Kinder sollten auch in Ihren Lehrmitteln
rumkritzeln und Notizen machen können
und es auch in ihre Freizeit mitnehmen können.
Sie sollten nach Belieben eigenständig
oder mit dem Klassenverband die Aufgaben lösen
und korrigieren können.
Lehrbriefreihen zu allen Fächern ab Klasse 10
sollten weiterhin substituierend aufgebaut werden.
Der Bund muß für die Bildungsverlage Pauschalbezahlungsmodelle schaffen,
deren Angebote auf allen Technologieplattformen
benutzbar sein muss. Die darin dargelegten Inhalte
sind gekauft und Eigentum der BRD.
Jedes Kind deutscher Staatsbürgerschaft hat ein Recht auf eine Buchdruckausgabe
dieser Version.
Die Lehrbücher und Lernsoftware müssen komplett
autodidaktisch aufgebaut sein.
Die Schulen sollten zu jeden Fächerfeld eigene Lernwerkstätten zum Erfahren der vermittelten
Inhalte aufbauen, und Lerncoaching
mit den Schülern betreiben. Kinder dürfen
eigene zusätzliche Termine für die Lernwerkstätten
anfordern, in denen Sie von LehramtsreferendarInnen
und engagierten Akademikern aus der Praxis
empfangen werden. Eigenständige Arbeit wird
bei Wunsch auch toleriert. Auch das typisch
Versuch-Irrtum-Forschen und spielerische forschen wird toleriert.
Die Schulen dürfen nicht ihrer erworbenen Güter
enteignet werden. Multimedialernsystem sind
hervorragend.
Cloud Computing lehne ich aber strikt ab,
weil die Macht sich hier zu stark vom Konsumenten
hin zum Diensteanbieter verlagert !!!!
Dies kommt einer "Liberalisierung der Besitztumsrechte gleich." Man bekommt lebenswichtige
Ressourcen in zeitgemäßer Qualität nur noch
zu den Konditionen der Diensteanbieter."
Gehen einmal die Druckhersteller kapputt,
nimmt die Abhängigkeit von den Seltenerdrohstoff-
exporteuren, Sklaventreibercomputerfabriken,
Verlagsplattformanbietern und Verlagsmonopolisten
ins drakonisch-tragische Bittstellertum über!!
Der Markt für Bildung darf nicht überkontrolliert
werden. Die Käufermacht sollte beim Volk liegen
und nicht bei wenigen.
Auch Menschen ohne Affinität zu Technologie
sollen gleichwertige Lehrmaterialien bekommen.
28.12.2011 16:13 Uhr
von Klaus Füller:
Mein Wutausbruch über diesen Artikel ist zu lang für dieses Kästchen. Siehe deshalb http://www.freitag.de/community/blogs/klaus-fueller/vom-server-lernen-oder-wie-die-schule-scheitert
28.12.2011 10:46 Uhr
von Lehrer :
"Ipads und Smartphones haben auch Rütli-Schüler." Definitiv nicht. Es erfordert ein starkes Umdenken von Seiten der Gesellschaft und auch der Lehrerschaft.
Diese Geräte müssten vom Staat gestellt werden, müssen die Banker halt mal mit ein paar Milliarden weniger vom Staat auskommen.
Die Idee Ipads und andere Medien nutzen zu können für meinen Unterricht wäre traumhaft. Die Schüler bräuchten nicht mehr 10 Kilo Ranzen tragen, sondern nur ihr Ipad. Tafelbilder von der letzten Stunde könnten zu Hause weitergeführt werden, kranke Kinder könnten sich von zu Hause in den Unterricht einklinken etc.
*träum*
28.12.2011 10:03 Uhr
von Bildungspraktikerin:
Was in dem Artikel als futuristisch verkauft wird, passiert schon lange in sehr vielen Bereichen der Bildung. Auch das ewig alte Märchen vom Frontalunterricht kann man langsam nicht mehr hören. Das ist EINE Methode unter vielen, Schule hat sich schon lange gewandelt. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Schreiber der Artikel immer nur ihre eigenen Schulerfahrungen aufbereiten, die schon 30 Jahre zurückliegen.
So einfach wie der Autor sich das Lernen als "cloud" vorstellt, so funktioniert das Lernen mit dem überall zugänglichen Wissen eben doch nicht. Wenn dem so wäre, dann wären auch viele Erwachsene deutlich besser informiert bzw. gebildeter, schließlich ist das Wissen im Netz ja verfügbar, man muss es sich nur aneignen bzw. seine Schlüsse daraus ziehen.
Doch genau darin liegt die Kunst des Unterrichtens. Wie kann ich Material altersgemäß und spannend so aufbereiten, dass Interesse an der Sache geweckt wird und die Lerner in die Lage versetzen selbstständig weiter zu lernen, in Frage zu stellen und sich mit dem Thema auch kritisch auseinander zu setzen? Das können gerade junge Menschen (und ich denke auch Erwachsene) immer noch besonders gut im Dialog, in der Diskussion, in der Debatte.
Wenn am Ende stehen soll, dass man junge Menschen auf den Weg bringt, wie sie selbstständig lernen und sich Wissen aneignen und daraus ihre Schlüsse ziehen können, Gelerntes mit Neuem vernetzen und immer wieder überprüfen und in Frage stellen, dann ist es fast egal, ob sie das aus Büchern, aus dem WWW oder von anderen Menschen lernen. Der Mix macht´s. Das Netz wird überbewertet, die scheinbare Verfügbarkeit "allen Wissens" überfordert viele Menschen und es gibt immer noch genug, die Bücher als MEDIUM sehr gerne haben und schätzen (gerade auch bei den jungen Lernern), wenn sie gut gestaltet sind und sich an den Bedürfnissen der Lernenden orientieren.
Was den Trojaner betrifft: Damit machen sich die Verlage nur lächerlich, man kann den Lauf der Welt nicht aufhalten, sie sollten daher neuen Lernformen nicht hinterherlaufen, sondern diese vorantreiben und unterstützen. So viel Professionalität muss sein. Auch diese können finanziert werden, niemand verlangt, dass das kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Jeder, der im Bildungsbereich arbeitet, weiß was es bedeutet, Materialien didaktisch aufzubereiten.
28.12.2011 08:16 Uhr
von M.K.:
Re: "Alles, was Schüler bis zum Abitur an Wissen benötigen..."
Blödsinn. Nehmen Sie ein Kind, stecken Sie es in ein Zimmer mit Computer + Wikipedia Online, und nach 10 Jahren öffnen Sie das Zimmer. Man sehen, was für eine Kreatur rauskommt. Eben - es kriecht eine Kreatur raus, kein Mensch.
Sie verstehen nichts, Herr Schröder!
Mit Gruss M.K.
27.12.2011 17:23 Uhr
von P J:
Schröder: Es geht doch eher um Plattformen für Lehrer, oder? Die gibt es schon. Dass Wikipedia an sich kein nachhaltiges Lernen erzeugt, dürfte jedem klar sein. Dafür braucht es Didaktisierung, die nur von geeigneten Menschen vorgenommen werden kann.
Den zwar utopischen, aber doch sehr interessanten Ansatz meines Vorredners (UHR) finde ich trotzdem verfolgenswert - solange es der Chancengleichheit dient. Ansätze in diesem Gebiert gibt es viele, bei einer Zentralisierung wird es freilich juristisch schwierig...ob das Trittins Schuld ist...?!
Allgemein wäre es jedoch v.a. wünschenswert, wenn "einfach" mehr Geld in die Bildung investiert werden würde und Lehrer kein urheberrechtl. geschütztes Lernmaterial "klauen" müssten. Eine Bildungs-Cloud wäre eine tolle Sache und müsste vom Staat finanziert (nicht kontrolliert!) werden. Dafür könnten sie dann auch gerne die - mit Verlaub - Holzköpfe der KMK einsparen.
27.12.2011 16:13 Uhr
von Schröder:
Alles, was Schüler bis zum Abitur an Wissen benötigen, können sie sich schon jetzt mit Leichtigkeit aus dem Netz holen. Tun die meisten nicht. Hat andere Gründe. Mit dem Aufbau eines Curriculums, mit der Verhleichbarkeit von Noten und Standardisierung von Abschlüssen hat aber die bloße Verfügbarkeit von Wissen nichts zu tun. Die Aufbereitung von Information zu altersgerechtem, zeitgemäßem Lernstoff ist das Ergebnis menschlicher Arbeit. Auf diesem hip gemeinten Metaphernfriedhof ("schürfen dort Schäufelchen des Wissens") wird man keine Antwort auf die Frage finden, wie geistige Leistung in Zukunft bezahlt werden soll.
Dass Spitzelsoftware dabei keine Hilfe ist, weiß man seit den Neunzigern.
27.12.2011 15:14 Uhr
von Wiki-Learn wäre die Lösung:
Ein Offliner-Kind im Osten, in NRW oder Afghanistan oder Afrika hat auch ein Recht zu lernen.
Von daher ist "Cloud" im Titel irreführend. Denn es bedingt die totale Verfügbarkeit von Bandbreite. Dank Rot-Grün Trittin und Nahles hingegen haben wir nicht ein Ultrabilliges überall verfügbares UMTS_netz sondern 4 die sich bis aufs Blut bekämpfen, teuer sind und bestenfalls in Großstädten gut verfügbar sind wenn man sie bezahlen kann.
Vor Jahren schon wollte ich Wikilearn aufbauen. Da man aber für alles abgemahnt wird, mache ich es nicht. Bezahlt weiter Nachhilfe und geht in den Frontalismus-Unterricht wo ihr lernt, den Befehlen vom Lehrer zu gehorchen.
Meine Idee kostet 0 Investitionen und wirkt von selber. Ipads und Smartphones haben auch Rütli-Schüler.
Die Einzige Notwendigkeit wäre Schutz vor Juristen, vor Abmahnungen und vor Klagen bis zum Verfassungsgericht.
Wer nicht will, braucht ja nicht. Der Benchmark wird aufgebaut und der völlige Wettkampf beginnt. Jeder weiss, auf welchem Perzentil er steht. Für Retroiden gibts weiter normale Schulnoten. Aber das Checker-Kind weiß, das es bei 1x1 auf 17% steht: 16% sind besser, 82% sind schlechter. Die Eltern am Ipad-Kühlschrank oder TV oder Email sehen wo die Kinder prozentual stehen und jeder weiss, welche Skills für Friseurin, Automechaniker, Präsident, BWLer, Betrüger, Bank-Lehre usw. bei der Bewerbung gebraucht werden. Prozentrechnung, Kopfrechnen, Rechtschreibung, Freier Ausdruck, Verbale Fähigkeiten. Dann können Lehrer sich mal um Social-Skills kümmern. Ferien gibts nicht mehr und macht man wann man will. Wie gesagt: Das ist ein schleichender Prozess der wirkt wo er wirkt. Wo er nicht wirkt, macht man es anders oder denkt sich was neues aus oder bleibt wie bisher. Es besteht also gar kein Risiko weil man keine Zilliarden ausgibt und dann wird das IT-Projekt nach 10 Minuten abgeschaltet.
Das jeder zugreifen kann und die Bonzenkinder auch mit der totalen Nachhilfe keine Chance mehr gegen schlaue Migrantenkinder haben, sollte klar sein. Klar muss das Migrantenkind sich um 10 Geschwister kümmern. Aber es kann am Android-Pad lernen wann und was und wie viel es will und wie schnell es kann.
Keiner sitzt im Schulbus. Jeder kriegt einen Ferrari (Fahrrad) und kann so schnell zur Arbeit (Schule) fahren wie er fähig ist.
Wer den besten Durchschnittsgeschwindkeit hat, kriegt die Beförderung (darf sich bei der Bank bewerben). Egal ob er Migrant ist.
Man kann auch bei Bewerbertests anfangen. Gigalocal-Bewerbung macht skilltests und die Firmen suchen dann Leute die in diesen Tests bzw. Gruppen davon bestimmte Mindestanforderungen haben. Geht für Handwerker, für Studentenjobs, kostenlose Praktika, und alles mögliche wie Zeitarbeiter "Kennen sie die Hilti0815 ? Beantworten sie die folgenden 20 Fragen am Smartphone oder Ipad oder OperaMini am NokiaPhone.". Dann können alle Handwerker in der Umgebung den Bewerber einladen und wissen nicht mal dessen Namen weil das nicht nötig ist. Man weiss nur die Skills und die Test-Ergebnisse und das er heute in der Stadt ist und kann sich als Firma mit Durchschnittslohn, Frauen-Anteil, ... beim Bewerber bewerben. Weibliche Bewerberinnen suchen sich dann z.B. passende Firmen anhand dieser Zahlen. Lohndumping-drücker müssen in der Zeitung inserieren. Inversion der Nachfrage. Gewerkschaften sind nicht interessiert. Denn Leistungstransparenz ist vielen Strombergs nicht ihr Ziel.
40% haben kein Internet und viele nur mickrige Geschwindigkeiten. Clouds als Ansammlungen gigantischer Video-Tutorials die 90% der Bevölkerung nicht runtergeladen kriegen weil Berlin kein WiFree aufbaut, irritieren im Titel eher. "Vom Server lernen" klingt schon besser. Denn "Cloud=den dicksten und teuersten UMTS-Tarif und nur in der Großstadt ansonsten tödlich langsam". Denn in USA ist jedes zweite WiFi kostenfrei. hier hingegen wird man dank Trittin und Nahles und rotgrüner Internet-Politik abgemahnt.