Die Globalisierung stellt ein riesiges Demokratiedefizit dar. Was es braucht, ist Journalismus, der sich keine Ideologien aneignet, sondern sich auf Realitäten einer vernetzten Welt einlässt.
+1 für Tony. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich an der taz schätze, dass sie eben nicht pseudoneutral berichtet, sondern die JournalistInnen ihren Standpunkt sehr klar rüberbringen lässt. So weiß ich wie ich die Artikel zu lesen habe. Damit ist mir mehr geholfen als mit "unabhängiger" Berichterstattung in anderen Blättern.
12.07.2010 14:25 Uhr
von Tony:
Ich bin der Meinung, dass das Hauptproblem nicht unbedingt in der Ideologiekritik selbst liegt, sondern vielmehr in der fehlenden Erkenntnis, dass keine Haltung ohne ein ideologisches Fundament auskommt. Im Zuge aktueller Debatten lässt sich beobachten, wie stets ideologische Positionen mit dem Anschein nach "neutralen" Positionen kontrastiert werden. Damit wird der Anschein erweckt, ideologische Positionen seien eher abstrakte Alternativen und tendenziell utopisch. Dass letztlich jede Haltung ideologisch getränkt ist und sich diese Verbindung nicht lösen lässt wird unterschlagen, und so ein Vielzahl von Haltungen diskreditiert, während die vorherrschende, "rationale" Doktrin auf einen ungerechtfertigten Sonderstatus erhoben wird. Daher gilt es insbesondere die Haltungen, welche anscheinend ohne Ideologie auskommen, auf des Pudels Kern zu untersuchen und die Grundannahmen unserer derzeitigen Gesellschaftsvision in einem ersten Schritt klar zu definieren und danach zu hinterfragen und diskutieren.
12.07.2010 11:47 Uhr
von nobodys_diary:
in der tat, eine sehr persönliche sicht. ja, ideologiekritik ist wichtig, war aber nie tradition im herkömmlichen journalismus (es sei denn, sie meinen den sozialistischen journalismus mit seiner kritik am kapitalistischen system). ich sehe die gefahr bei dieser auffasssung von journalismus, dass sich unrecht durch "einlassung" und wahrnehmung von noch so "kleinen differenzen" ziemlich leicht relativieren lässt, immerhin leben wir in zeiten des embedded journalism. ja, guter journalismus heißt auch über das zu informieren (nicht nur zu fragen), was gerade mal nicht ins eigene wunschdenken passt, aber bitte, bitte: immer (wenn's nicht gerade ein erfahrungsbericht ist) mit distanz! auch und gerade sich selbst gegenüber.
Leserkommentare
12.07.2010 15:32 Uhr
von Jan:
+1 für Tony. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich an der taz schätze, dass sie eben nicht pseudoneutral berichtet, sondern die JournalistInnen ihren Standpunkt sehr klar rüberbringen lässt. So weiß ich wie ich die Artikel zu lesen habe. Damit ist mir mehr geholfen als mit "unabhängiger" Berichterstattung in anderen Blättern.
12.07.2010 14:25 Uhr
von Tony:
Ich bin der Meinung, dass das Hauptproblem nicht unbedingt in der Ideologiekritik selbst liegt, sondern vielmehr in der fehlenden Erkenntnis, dass keine Haltung ohne ein ideologisches Fundament auskommt. Im Zuge aktueller Debatten lässt sich beobachten, wie stets ideologische Positionen mit dem Anschein nach "neutralen" Positionen kontrastiert werden. Damit wird der Anschein erweckt, ideologische Positionen seien eher abstrakte Alternativen und tendenziell utopisch. Dass letztlich jede Haltung ideologisch getränkt ist und sich diese Verbindung nicht lösen lässt wird unterschlagen, und so ein Vielzahl von Haltungen diskreditiert, während die vorherrschende, "rationale" Doktrin auf einen ungerechtfertigten Sonderstatus erhoben wird. Daher gilt es insbesondere die Haltungen, welche anscheinend ohne Ideologie auskommen, auf des Pudels Kern zu untersuchen und die Grundannahmen unserer derzeitigen Gesellschaftsvision in einem ersten Schritt klar zu definieren und danach zu hinterfragen und diskutieren.
12.07.2010 11:47 Uhr
von nobodys_diary:
in der tat, eine sehr persönliche sicht. ja, ideologiekritik ist wichtig, war aber nie tradition im herkömmlichen journalismus (es sei denn, sie meinen den sozialistischen journalismus mit seiner kritik am kapitalistischen system). ich sehe die gefahr bei dieser auffasssung von journalismus, dass sich unrecht durch "einlassung" und wahrnehmung von noch so "kleinen differenzen" ziemlich leicht relativieren lässt, immerhin leben wir in zeiten des embedded journalism. ja, guter journalismus heißt auch über das zu informieren (nicht nur zu fragen), was gerade mal nicht ins eigene wunschdenken passt, aber bitte, bitte: immer (wenn's nicht gerade ein erfahrungsbericht ist) mit distanz! auch und gerade sich selbst gegenüber.