• 27.02.2009

Die Lage freier Journalisten ist dramatisch. Medien und Institutionen zahlen immer geringere Honorare, gleichzeitig drängen ehemals Festangestellte auf den Markt.

Arm, ärmer, Autor

KOMMENTARvon Hilal Sezgin

  • 15.05.2011 04:01 Uhr

    von Tipptoppschreiber-IN:

    Na ja, auch wenn Sie als Mann nicht schwanger gehen können, ob mit oder ohne Idee, muss Ihnen aber nicht schon beim bloßen Denken an Pflegekräfte oder Erzieherinnen (die auch schwanger werden können) im Kontext des Artikels speiübel werden. Denn diese tatsächlich sehr belasteten Berufsgruppen jammern auch bzw. steigen oft nach wenigen Jahren aus ihrem Beruf aus oder müssen ihn wegen chronischer Rückenschmerzen aufgeben.

  • 12.04.2009 14:26 Uhr

    von Hans-Jürgen Sander:

    Hallo Herr Frank Weber und (Herr)Flusenleger. Mit tiefer Überzeugung empfehle ich ich Ihnen Beiden: Entwicklung der Presönlichkeit von Carl R. Rogers. Nach Lesegenuss könnten Sie erwachsen geworden sein.
    - hoffentlich!
    Gruss
    HJ Sander

  • 14.03.2009 13:06 Uhr

    von Melanie Winzig:

    Ich schlage eine neue Kampagne vor unter dem Arbeitstiel: "Mein Freund ist freier Journalist". Dazu: Solidaritätsabgabe von 5 cent auf Gebrauchs- und Kulturgüter als Freie-Journalistenabgabe sowie die Pflicht der Unterzeichnung: Freier Autor unter den Beiträgen. Spaß beiseite - es hilft schon viel, wenn die Öffentlichkeit von unserer Situation erfährt. Meinen erweiterten Dispo habe ich dem Artikel von Gabriele Bärtels in der "Zeit" zu verdanken; der Sparkassenfilialleiter lächelte mich an und sagte, wir wissen, wie es Ihnen geht, Sie können nichts dafür, sind kein faules Aas, wir wollen helfen.
    Dies als Gedankenstütze, vielleicht fällt jemandem noch was Besseres ein...
    Melanie Winzig

  • 11.03.2009 12:06 Uhr

    von stiletto:

    Was mich als freie Journalistin darüberhinaus am meisten ärgert, ist der ignorante und herablassende Umgang von Redaktionen mit freien Autoren.

    Autorenknebelverträge kriegt man erst, nachdem man seinen Text schon abgeliefert hat und wird dann damit erpresst, dass man sein Geld für den bereits gelieferten Text nur kriegt, wenn man den Vertrag auch unterschreibt. Und der gibt dem Verlag alle Rechte zur Wiederverwertung in allen seinen Publikationen im In- und Ausland sowie in allen Medienformen (also auch online) - selbstverständlich alles zum Pauschalpreis!

    Wiederverwertung für den Autor, um finanziell überhaupt auf einen grünen Zweig zu kommen, ist damit ausgeschlossen.

  • 11.03.2009 00:00 Uhr

    von hede hell:

    stimmt, es geht nur gemeinsam. Daher möchte ich hier auf www.freischreiber.de verweisen, eine hoffentlich bald starke Interessenvertretung aller freien Journalistinnen und Journalisten. Freischreiber vernetzt alle Freien, damit wir weiter frei und trotzdem zu fairen Bedingungen arbeiten können. Für angemessene Honorare! Gegen Knebel-AGBs! Gemeinsam für qualitativ hochwertigen Journalismus!

  • 10.03.2009 23:55 Uhr

    von blau:

    Hilal Sezgin hat völlig Recht - vergessen hat sie nur noch, wie anstrengend und nervig für Freie häufig die Zusammenarbeit mit Redaktionen ist. Wenn die was von einem wollen, brennt immer die Hütte und sie sind superfreundlich und liebenswürdig. Ist es umgekehrt, ist es umgekehrt. Auf eine Reaktion auf seine Texte kann man lange warten, meist kommt schlicht und einfach nichts. Ideen, Themenvorschläge wirft man meist in ein großes schwarzes Loch - Resonanz null. Nur - in einem luftleeren Raum zu arbeiten laugt aus und ermüdet, immer derjenige zu sein, der kommt, die Iniative ergreift, Vorschläge macht usw. macht auf Dauer mürbe und frustriert. Und auch das gehört zur Arbeit eines freien Journalisten: Wieviel Vorschläge muss ich machen, anrecherchieren, als Kurz-Exposé schreiben, bis mal einer davon angenommen wird. Die Vorarbeit - klar - bezahlt niemand, aber vom Honorar für den angenommenen Themenvorschlag lässt sich das auch schwer bezahlen.

    Abhilfe schafft hoffentlich bald der Verein freier Journalisten:
    www.freischreiber.de

  • 02.03.2009 20:04 Uhr

    von Krankenbruder:

    Krankenschwestern, lieber Flusenleger, haben einen Durchschnittslohn von knapp 2000 Euro brutto. Soviel dazu.
    Und auf der Autorin rumzuhacken, weil sie beklagt, dass in der Medienbranche die Honorare geringer und die Ansprüche höher werden, halte ich für ziemlich unverschämt. Man kann das als Gejammere bezeichnen, man kann aber auch einfach sagen, dass sie Recht hat.

  • 02.03.2009 14:49 Uhr

    von Felix Zimmermann:

    Schon merkwürdig, mit welchem Hochmut und welcher Gehässigkeit hier einige die durchaus treffenden Beobachtungen aus der Lebenswelt freier Journalisten kommentieren.

    Über Stilistik läßt sich trefflich streiten, über den Inhalt des von Hilal Sezgin Geschriebenen aber wohl kaum: Die Situation freier Journalisten ist in den letzten Jahren nur insofern besser geworden, als daß immer mehr Arbeit aus den Redaktionen an Freie vergeben wird. Anständig verdienen läßt sich damit aber nur selten, denn die Honorare sind mitunter erheblich gesunken – wenn sie denn je über Taschengeldniveau hinaus gekommen sind. Und zwar das Taschengeld, das knauserige Eltern ihren Kindern bereit sind zu geben. Ja, es gibt viele Freie, die von ihrer Arbeit leben können; aber es gibt ganze Heerscharen von Freien, die am Rande des Existenzminimums kratzen. Und für die, die davon leben können, wird die Luft dünner. Ja, selbst für etablierte Autoren und Preisträger.

    Es sei mir an dieser Stelle erlaubt, auf Freischreiber aufmerksam zu machen, den jüngst gegründeten Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten. Sinkende Honorare, AGBs, die freien Journalisten sämtliche Rechte an ihren Werken nehmen, und die offenkundieg Unzufriedenheit vieler Freier mit den etablierten Gewerkschaften haben uns diesen Verband gründen lassen. Dort geschieht, was Hilal Sezgin sich wünscht: Freie tun sich zusammen, um nicht weiter als Einzelkämpfer Dinge geschehen zu lassen, die den freien Journalismus schon bald zum schlecht oder gar nicht bezahlten Hobby werden lassen.

  • 02.03.2009 13:43 Uhr

    von Matthias Spielkamp:

    Sezgin hat Recht, die Lage vieler freiberuflicher Journalisten ist so schlecht, wie sie sie beschreibt. Dennoch sollte der Artikel ein Ärgernis sein für alle, die sich für bessere Arbeitsbedingungen und Honorare einsetzen. Warum? Hier: http://immateriblog.de/?p=308

  • 02.03.2009 11:06 Uhr

    von Werner:

    Die gewerkschaftliche Solidarität sieht so aus, dass mir die dju NRW (Düsseldorf) in der Gewerkschaft ver.di seit nunmehr zwei Monaten den Presseausweis verweigert, weil ich meine Brötchen als (Sach)Buchautor und Journalist verdiene. Ich legte dem Antrag die KSK-Bescheinigung über das Einkommen von 2008 bei. 6.000 Euro waren der NRW-dju offenbar zu wenig, um als Journalist anerkannt zu werden. (Wäre auch zu wenig zum Leben, wenn meine Frau nicht ebenfalls einen Job hätte – beim DGB). Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich bin seit 1981 als Autor und Journalist Mitglied der IG Medien, die 2001 in ver.di aufging. Den Presseausweis besaß ich ununterbrochen von 1984 bis 2006. Nur 2007 und 2008 hatte ich keinen beantragt, da ich ihn nicht dringend benötigte. (Ich gab in der Zeit unter anderem Seminare für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, weil man mit 58 Jahren inzwischen auf vielen Hochzeiten tanzen muss, um überhaupt noch was zu verdienen). Jetzt brauche ich ihn für ein Sachbuchprojekt zur Finanzkrise. Ohne komme ich an einige Quellen nicht ran. Das Projekt liegt dadurch jetzt auf Eis.
    Ach ja - für den ver.di-Bezirk Emscher-Lippe Süd (drei Großstädte) machte ich übrigens seit 2001 die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Inklusive Internetredaktion für die Website. Für brutto 350 Euro im Monat. Dass ich Geld dafür bekam, passte wohl einigen in Düsseldorf nicht. Ich hätte es sicher „solidarisch“ umsonst machen sollen. Zum Dank gibt’s jetzt ein journalistisches Berufsverbot.
    Damit nicht später jemand von der dju sagt, ich hätte hier was Falsches behauptet: Erst war die KSK-Bescheinigung nicht ausreichend. Dann wurde unserer ver.di-Bezirksgeschäftsführerin von der dju NRW erklärt, ich sollte doch eine Bescheinigung des Steuerberaters beibringen. Der bescheinigte, dass ich als hauptberuflich selbstständiger Journalist und Autor in den letzten Jahren mein Einkommen beim Finanzamt Gelsenkirchen Süd versteuert habe. Nun hieß es, der habe ja nur die Vergangenheit bescheinigt. Also stellte er eine neue aus. Diesmal ohne zeitliche Begrenzung. Auch die war nicht genug. Daraufhin mailte er mir: „Ich weiß nicht, was ich Ihnen jetzt noch bescheinigen soll“. Ein Anruf beim zuständigen Finanzamt – zwecks Bescheinigung - ergab die Reaktion: „Wir können Ihnen doch nicht eine Bescheinigung für die Zukunft ausstellen, wenn wir gar nicht wissen, als was sie 2009 arbeiten und ihre Steuererklärung für 2008 liegt uns noch nicht vor“ (was stimmt). So beißt sich die Katze in den Schwanz: Ohne Presseausweis kein journalistisches Einkommen, ohne journalistisches Einkommen kein Ausweis. Und so viel zur gewerkschaftlichen Solidarität! Vergesst es!

  • 02.03.2009 09:57 Uhr

    von Frank Weber:

    Was für ein grandioses Beispiel von Selbstdemontage. Schließlich gibt es viele freie Journalisten, die gut von ihrer Arbeit leben können. Víelleicht hätte die gute Frau lieber mal ihre eigene Arbeit in Frage stellen sollen.
    Zumal gerade dieser Artikel sie als alles mögliche ausweisen mag, keinesfalls jedoch als Profijournalistin. Denn der Profi hat schon in den ersten Tagen seines Volontariats gelernt: Lasse die Finger von Themen, die dich selbst betreffen, denn das kann nur schief gehen weil die Befangenheit den Blick verklärt. Der Versuch von Lobbyarbeit in eigener Sache gar - nichts anderes ist dieser Text - disqualifiziert jeden Schreiber aufs schärfste. Zugleich wählt die Autorin auch noch die penetrante Ich-Form, was bei der taz zwar verbreitet ist, aber im Qualitätsjournalismus auch nichts zu suchen hat. Denn Ich-Artikel werden entweder zur Nabelschau oder zur Selbstdisqualifikation - in jedem Fall aber peinlich. Wie eben hier gelesen.

    Ein freier Journalist

  • 01.03.2009 18:33 Uhr

    von Jutta Donat:

    Toller Artikel über die Situation von freien Journalisten, den Hilal Sezgin geschrieben hat. Ich habe lange mit mir und meinem mangelnden Mut zu Honorarverhandlungen gehadert; seit den Orchesterstreiks Ende vergangenen Jahres bin ich überzeugt, wir schaffen eine Verbesserung unserer Lage nur zusammen mit den festangestellten Kollegen. Sie müssten mit uns zusammen auf die Straße gehen, vors Zimmer des Chefredakteurs oder wohin auch immer.
    Jutta Donat
    freie Journalistin, Leipzig

  • 01.03.2009 17:11 Uhr

    von Alter Redakteur:

    So lange es sehr viele Leute gibt, die das Lohndumping in der Branche mitmachen, wird sich nichts ändern (können!). Das habe ich bereits vor 20 Jahren geschrieben. Viele "Freie" haben noch immer nicht begriffen, dass sie "vogelfrei" sind.

  • 01.03.2009 14:02 Uhr

    von Silbenfrau:

    Sauguter Artikel! Bringt die Zustände auf den Punkt. Aber wer den Beruf liebt und (ihn) nicht aufgeben will, muss kämpfen, oder hat schon verloren. Also dranbleiben!!

  • 01.03.2009 13:40 Uhr

    von Tara Tamon:

    Klasse ist dieser Artikel!
    Voll auf den Punkt.
    Danke dafür.

    Es ist so wichtig, dass wir protestieren. Mit Jammern hat das nichts zu tun. Protest, das Anprangern von absolut unmöglichen Zuständen und Jammern sind 2 Paar Stiefel.
    Und Krankenschwestern brauchen wir demnächst...
    LG Tara Tamon

  • 01.03.2009 08:20 Uhr

    von Klugscheißer:

    Der deutsche Journalistenberuf goes also Anwaltsberuf: Da is der Markt bekantlich auch schon dicht!
    Langsam sollte man wirklichan Auswanderung denken.

  • 01.03.2009 00:15 Uhr

    von Leon:

    Harte Zeiten.
    "Qualitätsjournalisten", die von polizeipresse.de kopieren, und die Texte politisch korrekt "aufbereiten", sind seit Flatrate und prosperierenen Polit-Blogs nicht mehr so gefragt. Sollten sie's Investigieren anfangen, werden sie gefürchtet.
    Harte Zeiten.
    WELT, F.A.Z., derwesten, fr, taz: Bestenfalls Plattform für informative Leserbriefe.

    Der "Qualitätsjournalismus" hat seine Glaubwürdigkeit verloren.

  • 28.02.2009 17:34 Uhr

    von Winfried Haas:

    Die Situation der freien Journalisten, die von Hilal Sezgin so treffend beschrieben wird, könnte analog auf die Situation der freien Illustration übertragen werden. Immer umfangreichere und gleichzeitig schneller zu liefernde Leistung bei immer geringeren Honoraren führen den Einzelnen immer mehr in die Erpressbarkeit und sinkende Lebensqualität. Die einzige Chance, die ja auch schon in dem Artikel angesprochen ist, wäre die Solidarität unter allen Medienschaffenden, die vielleicht landesweit oder europaweit organisiert werden müsste. In Zeiten der globalen Vernetzung müsste es doch möglich sein, die berechtigten Interessen zu bündeln, um ein Gegengewicht gegen die Interessen der Medieninhaber zu schaffen.

  • 28.02.2009 02:09 Uhr

    von Flusenleger:

    Sie sind mit diesem Text tatsächlich "zwei Wochen schwanger gegangen", haben einen Tag benötigt, um ihn zu schreiben, und danach noch zwei Tage daran gefeilt?

    Abgesehen davon, dass es Unsinn ist, davon auszugehen, jemand müsse Ihnen das "Schwanger gehen" mit einer Idee vergüten - wenn Sie tatsächlich drei Tage brauchen, um diesen Text fertigzustellen, der noch dazu keinerlei wirkliche Rechercheleistung enthält, dann sollten Sie vielleicht eher ins Romancier-Geschäft wechseln. Dieser Text ist nicht mehr als eine Fingerübung, von einem versierten Journalisten, ja sogar von einem Blogger, locker in fünf, sechs Stunden geschrieben - wofür 140 Euro eine nicht üppige, aber doch akzeptable Bezahlung wären.

    Viele Krankenschwestern oder Erzieherinnen träumen auch von 2.000 Euro brutto. Ihre Verantwortung und der Leistungsdruck auf sie sind jedoch um einiges höher. Wenn ich mir überlege, was beispielsweise diese Berufsgruppen in drei Tage zu leisten haben, dann wird mir ehrlich gesagt bei diesem Gejammere hier speiübel.

    Ja, ich bin auch Journalist. Sogar freier.

Ihr Name (wird angezeigt):*

Email (wird nicht angezeigt):*

Kommentar* - bitte beachten Sie unsere Netiquette:

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spamvermeidung Wenn Sie das Wort nicht lesen konnten, bitte hier klicken.

CAPTCHA Bild zum Spamschutz

Wenn Sie auf "Abschicken" klicken, wird ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an taz.de verschickt. Er wird veröffentlicht, sobald einRedakteur ihn freigeschaltet hat. taz.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus ähnlichen Gründen unangemessene Beiträge nicht zu publizieren.

*Pflichtfelder