• 23.12.2009

Erika Steinbach und kein Ende. Die spannende Frage aber ist, welche Rolle der Staat bei der Vergegenwärtigung des Vergangenen spielen soll.

Der Staat und die Erinnerung

KOMMENTARvon Christian Semler

  • 26.12.2009 18:19 Uhr

    von saalbert:

    Ich finde es ausgesprochen interessant, dass der Ex-Linksradikale Christian Semler in der Lage ist, sich einem solchen Thema, das Linksradikale eher rechts liegen lassen, so fundiert widmen kann.

    Eine kleine Korrektur wäre schön:
    "... es ist das 'sichtbare Zeichen' selbst, sein 'Alleinstellungsmerkmal', mit der..." Nicht doch eher "mit dem"?

  • 26.12.2009 06:48 Uhr

    von Karlheinz:

    Mir scheint, der Staat hat sich beim Zentrum für Vertriebene nur eingemischt, um hier das Sagen zu bekommen und dann das Zentrum in ein weiteres Holocaustdenkmal unzufunktionieren. Steinbach und die Vertriebenenverbände würden auch gut ohne den Staat ausgekommen. Doch es ist politisch noch nicht korrekt, an die weltgrößte Vertreibungsaktion der Geschichte zu erinnern und an das damit verbundene Leid, zum Beispiel auch an 17-jährige deutsche Mädchen, die im Zuge der Vertreibung über das Kriegsende hinweg noch jahrelang im Osten als Zwangsarbeiterinnen arbeiten mussten, inklusive täglicher Gefahr der Vergewaltigung. Korrekt ist es nur zu sagen, das sei eine gerechte Rache gewesen.

  • 25.12.2009 11:18 Uhr

    von Adouani:

    Sehr guter Kommentar - endlich mal ein neuer Blickwinkel auf die Debatte. Vielen Dank.

  • 25.12.2009 04:21 Uhr

    von K.-H.Stüfe:

    Schon der vorgesehen Name "Flucht,Vertreibung und Versöhnung" meint einen bewusst zu kurz gewählten historisch Abschnitt deutscher Geschichte - und es ist immer das Wort,das Denken verrät:Mit der Flucht,"natürlich" im Osten,"natürlich" Flucht vor den "Russen" habe alles begonnen? So furchtbar der dort zu zahlende Leidenszoll auch war - so muss gefragt werden,ob denn nicht die "Vertreibung" all jener, die sich den Nazis entgegenstellten,die vor ihnen warnten,nicht sehr viel eher stattfand?Die besten Vetreter der deutschen Geisteswelt in Wissenschaft,Technik und Kultur sowie jene Menschen,die oft erst auf dem Standesamt erfuhren,dass sie "nichtarische" Großeltern hatten (der späteren Kanzlervertraute und hohe Beamte im Bundeskanzleramt GLOBKE hatte das ja 1935 maßgebend durch die Nürnberger Gesetze mit bestimmt) wie auch viele hellsichtig ahnungsvolle Deutsche waren lange vor dem mit Gründlichkeit auf der Wannseekonferenz 1942 geplanten Massenmord, der einsetzenden Welle der industrialisierten Tötung "unwerten" Lebens
    weit im Osten Polens geflohen, zur FLUCHT also
    lange zuvor gezwungen. Andere wiederum schafften es gerade noch in letzer Minute,wie der unvergessene Sebastian HAFFNER,der seine Freundin nach England begleitete,weil sie durch den Zufall der Geburt jüdische Verfahren hatte: der VERTREIBUNG und Vernichtung durch die Gestapo in letzter Minute entkommen (oder auch nicht mehr) und dies lange,bevor im Osten "der Russe kam",lange bevor "die kleinen Leute" in Deutschland den Preis des Vernichtungskrieges,besonders im Osten,für die Juden aber in ganz Europa,zu zahlen hatten.-
    Und dass unser jetziges Deutschland, hoffentlich doch wohl endlich wehrhaft gegenüber jeder
    Geschichtslüge,die auf fruchtbaren Boden fällt,in Filmen sorgsam zum geistigen Verzehr aufbereitet - das ist die Verantwortung der Politik eines Deutschlands, das aufrichtig seine Lehren aus den Ursachen von "Vertreibung (durch die Nazis) und Flucht (vor Ihnen)vor ihnen gezogen hat, und jedwede seriöse Dokumentation
    darf sich diesem Aspekt nicht entziehen, Frau Steinbach.
    K.-H.Stüfe

  • 24.12.2009 21:40 Uhr

    von Franz Kaiser:

    Kurze Anmerkung:

    Die heut zum polnischen Staat gehörenden Gebiete wie Schlesien oder ein Teil Ostpreußens sind nicht die "ehemalige Heimat" von Millionen von Deutschen sondern diese Gebiete sind deren Heimat.

    Ein souveräne Vergangenheitsbewältigung beudeutet nicht, Unrecht zu tolieren und zu akzeptieren.

    Aber wenn es gegen Deutschland und Deutsche geht, scheint dies für die taz und deren Klientel wohl doch der Fall zu sein.

    Ich als Enkel von Vertriebenen Sudetendeuschen finde es widerwärtig wie sich die sog. Linke über das Leid und das Elend von Millionen von Deutschen, die nichts aber auch garnichts verbrochen haben, hinwegsetzt und es ignoriert. Freundschaft zu den heutigen Staaten Polen, Tschechien, Litauen, Rußland etc. impliziert nicht, die schrecklichen Taten der Vertreibung hinzunehmen.

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