Das taz.gespräch in Leipzig

Wählen oder Nicht wählen?

Erfolgreicher Start des neuen taz Veranstaltungsformats: Harald Welzer und Bettina Gaus reden mit Peter Unfried über die Bundestagswahlen.

Moderator Peter Unfried diskutiert mit Bettina Gaus und Harald Welzer über die Sinnhaftigkeit des Wählens.   Bild: Hein-Godehart Petschulat

Nicht wählen gefährdet nicht die Demokratie, sondern ist eine demokratische Möglichkeit: Das war der Tenor des taz.gesprächs in Leipzig an diesem Dienstag. Vor vollem Haus diskutierten im Neuen Schauspiel der Soziologe und Klimakulturforscher Harald Welzer und Bettina Gaus, Politische Korrespondentin der taz, moderiert von taz-Chefreporter Peter Unfried. Ein weiterer Tenor des Gesprächs: Der pathetische "Du mußt wählen"-Apellativ von Politkern oder Medien reicht für sich allein nicht aus.

Man muss schon auch sagen können, wen. Sonst macht wählen keinen Sinn. Das Kernproblem besteht insofern nicht darin, dass verantwortungsbewusste Bürger sich schnöselig der Wahl verweigern, sondern dass das inhaltliche und auch identifikatorische Potential der Parteien mittlerweile als zu gering empfunden wird. Welzer hatte eine erregte mediale Diskussion mit einem Essay ausgelöst, in dem er erklärte nicht wählen zu wollen angesichts der Verweigerung aller Parteien, sich den wirklichen Problemen der Gegenwart zu stellen. Gaus hatte in ihrer taz-Kolumne mit dem Gedanken des Nichtwählens sympathisiert.

Die erfolgreiche Veranstaltungsreihe taz.gespräch in Leipzig fand bisher nur im Rahmen der Leipziger Buchmesse statt. Nun wird es sie in kürzeren Abständen geben. Anders als handelsübliche Talkshows setzt das taz.gespräch nicht auf Konfrontation, Gags und Einspieler, sondern auf gemeinsame intellektuelle Entwicklung von Gedanken und Problemstellungen. Was offenbar ein Bedürfnis bedient, wie man am Leipziger Publikum sehen konnte, das auch zehnmütigen Monologen der Diskutanten aufmerksam folgte.