PolitikerInnen, DemonstrantInnen und KünstlerInnen. Das Binnen-I war ein Markenzeichen. Inzwischen ist es fast völlig verschwunden. Warum? Eine Umfrage unter taz-AutorInnen.von Heide Oestreich
Über den Sinn und Unsinn von "gegenderten" Sprachregelungen habe ich mir kürzlich auch so meine Gedanken gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich eine in beiden Richtungen gerechte Behandlung zweier als unterschiedlich akzeptierter Geschlechter viel besser fände als die zwanghafte Gleichmacherei mit dem Anspruch, Frauen und Männer möglichst "identisch" zu machen. Die gleiche Bezahlung von weiblichen und männlichen Arbeitskräften sollte beispielsweise wichtiger sein als Sprachregelungen (erst Recht, wenn diese ans Absurde grenzen).
08.03.2009 15:35 Uhr
von blac:
Also,
Ich halte das binnen I für eine kreative und auch verglichen zu anderen Optionen lesbare Variante.
Wenn die Gleichberechtigung schon an so einer kleinen spielerischen Veränderung der Sprache scheitert, wie sieht es dann erst mit den größeren Veränderungen aus.
Ein wenig mehr Entspanntheit in der Debatte täte gut.
08.03.2009 14:34 Uhr
von Karl Kraus:
Wie wäre es denn, wenn sich alle, die schreiben, die Zeit nähmen, beide Formen einfach hinzuschreiben? Das Problem sprachlichen Sexismus' wäre vollkommen einfach gelöst, wenn wir nicht implizit davon ausgingen, dass es irgendwie schnell gehen müsse mit dem Schreiben. In meiner Arbeit mit Kindern benutze ich seit langem immer wieder beide Geschlechtsformen vollständig. Das erscheint anderen und auch mir selbst manchmal umständlich oder lästig, aber es ist effektiv, weil es beide Geschlechter gleich würdigt. Also nicht schnellschnell, sondern eben gleichberechtigt. So viel Zeit sollte sein.
Viele GrüßInnen Karl Kraus
08.03.2009 12:30 Uhr
von Doktor Kolossos:
Hat denn auch jemand die Selbstbezogenheit des Binnen-Is wahrgenommen? Ich meine damit Folgendes:
Das Binnen-I wird nur von denen maßgeblich wahrgenommen werden, denen die Gleichberechtigung am Herzen liegt. Ein Sexist wird seine Einstellung nicht wegen eines Binnen-Is aufgeben.
Die Auffassung eines Textes ist der Spiegel der Gesellschaft; das geschriebene Wort hat eine starke passive Komponente. Mein Standpunkt ist: Ein Binnen-I bringt die Gleichberechtigung nicht voran, weil es nur von entsprechend aufgeklärten Menschen wahrgenommen wird. Wenn unsere Gesellschaft einmal gerecht sein wird, wird jeder Leser ein Maskulinum als neutral wahrnehmen und gleichermaßen an Frauen wie Männer denken.
Bis dahin fördert die Schreibform nur die gedankliche Kategorisierung der Welt. Beispiel: Sollten in unserer Gesellschaft nicht auch Menschen aller ethnischer Ursprünge gleichberechtigt sein? Ich denke bei ManagerInnen aber nur an typisch deutsche ManagerInnen. Müssen wir nicht auch das im Schriftbild fixieren? Wie? Würde das nicht noch mehr zur Spaltung und Analysierung des Menschheitsbildes führen?
Mein Standpunkt: Schreibt Artikel über soziale Ungerechtigkeit! Das trägt allemal mehr zur Sache bei als die LeserInnen mit BinnenMajuskelInnen zu malträtieren.
08.03.2009 11:47 Uhr
von Lars:
Der Artikel bleibt leider ebenfalls im Geist der Achtziger auf sprachlichen Sexismus gegen Frauen beschränkt.
Als Kind der Achtziger verdanke ich dem Binnen-I eine etwas differenziertere Wahrnehmung: Rund 25 Jahre später prägt sprachlicher Sexismus heute weiterhin die kulturellen Zuschreibungen geschlechtlicher Normalität. Und zwar für Frauen und Männer.
Die Sensibilisierung für geschlechtsbedingte Diskriminierung bis in die gesellschaftliche Ebene von Gesetzgebung und Verwaltung ist zweifellos ein Verdienst der zweiten Frauenbewegung. Konsequenterweise ist eine differenzierte Wahrnehmung und Ausdrucksweise für beide Seiten unerlässlich, wenn aus den kämpferischen Debatten früherer Jahre ein konstruktiver Geschlechterdialog werden soll.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle eine Ergänzung des letzten Absatzes anfügen: Sprache ist auch sexistisch, wenn sie Männer und ihre Bedürfnisse ignoriert; sie ist sexistisch, wenn sie z.B. Vaterschaft nachrangig zu Mutterschaft deutet und wenn sie Männer nur in stereotypen Rollen zeigt (selten ist von TäterInnen zu lesen); sie ist sexistisch, wenn sie Männer durch herablassende Ausdrücke demütigt und lächerlich macht, was heutigen populärfeministischen Veröffentlichungen meist solidarisch nachgesehen wird.
08.03.2009 11:29 Uhr
von thiotrix:
„Auch das Binnen-I ist aus der Zeitung weitgehend verschwunden“: Das ist als erster Schritt zu einer zumindest partiellen geistigen Gesundung der taz-Macher und auch der -Macherinnen sehr zu begrüßen! „Das Durchschnittsgehirn kennt nämlich keine Binnenmajuskel, also keinen Großbuchstaben inmitten eines Wortes und liest das I als kleinen Buchstaben.“ Nicht das „Durchschnittsgehirn“ ist schuld – vielmehr kennt die deutsche Sprache keine Großbuchstaben in der Mitte von Wörtern; Großbuchstaben stehen nun mal am Anfang. Außerdem ist die Bezeichnung „Durchschnittsgehirn“ eine dümmliche und anmaßende Abqualifizierung durch besserwisserische Schwafelköpfe, deren unsägliches Überlegenheitsgetue schon immer schwer erträglich war.
08.03.2009 09:50 Uhr
von Konni Scheller:
Tja, was mir aufgefallen ist: es war nie die Rede von TerroristInnen.
Das Binnen-I wurde nur in neutralen und positiven Zusammenhängen benutzt.
08.03.2009 08:45 Uhr
von ist irrelvant:
Beim Lesen dieses Artikels, hatte ich immer wieder den Eindruck, dass es in der Belegschaft der Taz einige Menschen gibt, die ebenfalls Frauen missachtend denken -- sicherlich nicht offen zugegeben, aber latent vorhanden.
Ein Hinweis auf andere Schreibweisen, die versuchen auch Menschen einzubeziehen, die sich keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen, hätte die Betrachtung des Themas in meinen Augen abgerundet. So schreiben einige über Politiker_innen und Redakteur_innen.
08.03.2009 04:04 Uhr
von NetReaper:
Inzwischen ist das Binnen-I fast völlig verschwunden. Warum? Weil es Scheiße ist, deswegen.
Weder Männern noch Frauen ist mit der Sonderformulierung geholfen, im Gegenteil. Das Binnen-I, wie jede ähnliche Sprachvergewaltigung auch, unterstreicht eher die Unterschiede zwischen Mann und Frau bzw. schafft Unterschiede wo ja eigentlich gar keine bestehen oder gesehen werden sollten.
Dazu wurde das Binnen-I immer selektiv eingesetzt. Von KinderschänderInnen, VergewaltigerInnen und TerroristInnen war niemals die Rede, ein klassischer Fall von Neusprech also. Niemand sieht eine Frau vor sich, wenn von Kinderschändern die Rede ist, und das ist auch wohl so beabsichtigt. Schlimme Dinge werden Frauen einfach nicht zugetraut.
Auf diese Art der "Gleichberechtigung" können wir Männer natürlich nur mit großem Neid blicken.
08.03.2009 02:06 Uhr
von Sinon:
Wann werden die Menschen endlich mal den Unterschied zwischen Genus und Geschlecht lernen? Wenn wir von der ersten Klasse an mal diese überflüssigen und unsachlichen Bezeichnungen wie Tu-Wort, Wie-Wort und Geschlecht aus der Grammatik halten würden, hätten wir wirklich ein Problem weniger. Hat ein Baum Penis und Hoden, bloß weil es DER Baum heißt? Ist es nicht diskreminierend überhaupt DER Baum zu sagen, auch Pflanzen haben unterschiedliche Geschlechter.. Wenn ich König bin, geht im ersten Jahr die Hälfte des Staatsetats dafür drauf, den Leuten die Bedeutung des generischen Maskulinums einzuprügeln (http://de.wikipedia.org/wiki/Generisches_Maskulinum) und jedes Innen, -innen und /innen aus allen offiziellen Texten zu verbannen. Sowas ist 1. überflüssig und 2. stört es den Lesefluss ganz gewaltig.
Leserkommentare
08.03.2009 15:51 Uhr
von glamorama:blog:
Über den Sinn und Unsinn von "gegenderten" Sprachregelungen habe ich mir kürzlich auch so meine Gedanken gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich eine in beiden Richtungen gerechte Behandlung zweier als unterschiedlich akzeptierter Geschlechter viel besser fände als die zwanghafte Gleichmacherei mit dem Anspruch, Frauen und Männer möglichst "identisch" zu machen. Die gleiche Bezahlung von weiblichen und männlichen Arbeitskräften sollte beispielsweise wichtiger sein als Sprachregelungen (erst Recht, wenn diese ans Absurde grenzen).
08.03.2009 15:35 Uhr
von blac:
Also,
Ich halte das binnen I für eine kreative und auch verglichen zu anderen Optionen lesbare Variante.
Wenn die Gleichberechtigung schon an so einer kleinen spielerischen Veränderung der Sprache scheitert, wie sieht es dann erst mit den größeren Veränderungen aus.
Ein wenig mehr Entspanntheit in der Debatte täte gut.
08.03.2009 14:34 Uhr
von Karl Kraus:
Wie wäre es denn, wenn sich alle, die schreiben, die Zeit nähmen, beide Formen einfach hinzuschreiben? Das Problem sprachlichen Sexismus' wäre vollkommen einfach gelöst, wenn wir nicht implizit davon ausgingen, dass es irgendwie schnell gehen müsse mit dem Schreiben. In meiner Arbeit mit Kindern benutze ich seit langem immer wieder beide Geschlechtsformen vollständig. Das erscheint anderen und auch mir selbst manchmal umständlich oder lästig, aber es ist effektiv, weil es beide Geschlechter gleich würdigt. Also nicht schnellschnell, sondern eben gleichberechtigt. So viel Zeit sollte sein.
Viele GrüßInnen
Karl Kraus
08.03.2009 12:30 Uhr
von Doktor Kolossos:
Hat denn auch jemand die Selbstbezogenheit des Binnen-Is wahrgenommen? Ich meine damit Folgendes:
Das Binnen-I wird nur von denen maßgeblich wahrgenommen werden, denen die Gleichberechtigung am Herzen liegt.
Ein Sexist wird seine Einstellung nicht wegen eines Binnen-Is aufgeben.
Die Auffassung eines Textes ist der Spiegel der Gesellschaft; das geschriebene Wort hat eine starke passive Komponente. Mein Standpunkt ist: Ein Binnen-I bringt die Gleichberechtigung nicht voran, weil es nur von entsprechend aufgeklärten Menschen wahrgenommen wird. Wenn unsere Gesellschaft einmal gerecht sein wird, wird jeder Leser ein Maskulinum als neutral wahrnehmen und gleichermaßen an Frauen wie Männer denken.
Bis dahin fördert die Schreibform nur die gedankliche Kategorisierung der Welt.
Beispiel: Sollten in unserer Gesellschaft nicht auch Menschen aller ethnischer Ursprünge gleichberechtigt sein?
Ich denke bei ManagerInnen aber nur an typisch deutsche ManagerInnen. Müssen wir nicht auch das im Schriftbild fixieren? Wie? Würde das nicht noch mehr zur Spaltung und Analysierung des Menschheitsbildes führen?
Mein Standpunkt: Schreibt Artikel über soziale Ungerechtigkeit! Das trägt allemal mehr zur Sache bei als die LeserInnen mit BinnenMajuskelInnen zu malträtieren.
08.03.2009 11:47 Uhr
von Lars:
Der Artikel bleibt leider ebenfalls im Geist der Achtziger auf sprachlichen Sexismus gegen Frauen beschränkt.
Als Kind der Achtziger verdanke ich dem Binnen-I eine etwas differenziertere Wahrnehmung: Rund 25 Jahre später prägt sprachlicher Sexismus heute weiterhin die kulturellen Zuschreibungen geschlechtlicher Normalität. Und zwar für Frauen und Männer.
Die Sensibilisierung für geschlechtsbedingte Diskriminierung bis in die gesellschaftliche Ebene von Gesetzgebung und Verwaltung ist zweifellos ein Verdienst der zweiten Frauenbewegung. Konsequenterweise ist eine differenzierte Wahrnehmung und Ausdrucksweise für beide Seiten unerlässlich, wenn aus den kämpferischen Debatten früherer Jahre ein konstruktiver Geschlechterdialog werden soll.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle eine Ergänzung des letzten Absatzes anfügen:
Sprache ist auch sexistisch, wenn sie Männer und ihre Bedürfnisse ignoriert; sie ist sexistisch, wenn sie z.B. Vaterschaft nachrangig zu Mutterschaft deutet und wenn sie Männer nur in stereotypen Rollen zeigt (selten ist von TäterInnen zu lesen); sie ist sexistisch, wenn sie Männer durch herablassende Ausdrücke demütigt und lächerlich macht, was heutigen populärfeministischen Veröffentlichungen meist solidarisch nachgesehen wird.
08.03.2009 11:29 Uhr
von thiotrix:
„Auch das Binnen-I ist aus der Zeitung weitgehend verschwunden“: Das ist als erster Schritt zu einer zumindest partiellen geistigen Gesundung der taz-Macher und auch der -Macherinnen sehr zu begrüßen!
„Das Durchschnittsgehirn kennt nämlich keine Binnenmajuskel, also keinen Großbuchstaben inmitten eines Wortes und liest das I als kleinen Buchstaben.“ Nicht das „Durchschnittsgehirn“ ist schuld – vielmehr kennt die deutsche Sprache keine Großbuchstaben in der Mitte von Wörtern; Großbuchstaben stehen nun mal am Anfang. Außerdem ist die Bezeichnung „Durchschnittsgehirn“ eine dümmliche und anmaßende Abqualifizierung durch besserwisserische Schwafelköpfe, deren unsägliches Überlegenheitsgetue schon immer schwer erträglich war.
08.03.2009 09:50 Uhr
von Konni Scheller:
Tja, was mir aufgefallen ist: es war nie die Rede von TerroristInnen.
Das Binnen-I wurde nur in neutralen und positiven Zusammenhängen benutzt.
08.03.2009 08:45 Uhr
von ist irrelvant:
Beim Lesen dieses Artikels, hatte ich immer wieder den Eindruck, dass es in der Belegschaft der Taz einige Menschen gibt, die ebenfalls Frauen missachtend denken -- sicherlich nicht offen zugegeben, aber latent vorhanden.
Ein Hinweis auf andere Schreibweisen, die versuchen auch Menschen einzubeziehen, die sich keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen, hätte die Betrachtung des Themas in meinen Augen abgerundet. So schreiben einige über Politiker_innen und Redakteur_innen.
08.03.2009 04:04 Uhr
von NetReaper:
Inzwischen ist das Binnen-I fast völlig verschwunden. Warum?
Weil es Scheiße ist, deswegen.
Weder Männern noch Frauen ist mit der Sonderformulierung geholfen, im Gegenteil. Das Binnen-I, wie jede ähnliche Sprachvergewaltigung auch, unterstreicht eher die Unterschiede zwischen Mann und Frau bzw. schafft Unterschiede wo ja eigentlich gar keine bestehen oder gesehen werden sollten.
Dazu wurde das Binnen-I immer selektiv eingesetzt. Von KinderschänderInnen, VergewaltigerInnen und TerroristInnen war niemals die Rede, ein klassischer Fall von Neusprech also. Niemand sieht eine Frau vor sich, wenn von Kinderschändern die Rede ist, und das ist auch wohl so beabsichtigt. Schlimme Dinge werden Frauen einfach nicht zugetraut.
Auf diese Art der "Gleichberechtigung" können wir Männer natürlich nur mit großem Neid blicken.
08.03.2009 02:06 Uhr
von Sinon:
Wann werden die Menschen endlich mal den Unterschied zwischen Genus und Geschlecht lernen? Wenn wir von der ersten Klasse an mal diese überflüssigen und unsachlichen Bezeichnungen wie Tu-Wort, Wie-Wort und Geschlecht aus der Grammatik halten würden, hätten wir wirklich ein Problem weniger. Hat ein Baum Penis und Hoden, bloß weil es DER Baum heißt? Ist es nicht diskreminierend überhaupt DER Baum zu sagen, auch Pflanzen haben unterschiedliche Geschlechter..
Wenn ich König bin, geht im ersten Jahr die Hälfte des Staatsetats dafür drauf, den Leuten die Bedeutung des generischen Maskulinums einzuprügeln (http://de.wikipedia.org/wiki/Generisches_Maskulinum) und jedes Innen, -innen und /innen aus allen offiziellen Texten zu verbannen. Sowas ist 1. überflüssig und 2. stört es den Lesefluss ganz gewaltig.