Im Windkanal des Luftfahrtpioniers Henrich Focke hat dessen Erbin dem Betreiber-Verein fristlos gekündigt. Die Zukunft des Denkmals ist ungewiss.von Jean-Philipp Baeck

Können Besucher nun nicht mehr für Fockes Windkanal begeistern: Olaf von Engeln und Kai Steffen. Bild: jpb
Der Streit um den Focke-Windkanal hat ein Ende, aber kein Gutes: Am Freitag hat die Erbin von Luftfahrtpionier Henrich Focke, Sigrid Hopf, dem Museums-Verein des Windkanals die Räume fristlos gekündigt. Bis vergangenen Montag sollten der Ingenieur Kai Steffen und seine MitstreiterInnen die Schlüssel abgeben. Ein Betreten des historischen Labors würde als Hausfriedensbruch aufgefasst, berichtet Steffen. Dabei waren es er und sein Verein, die das Labor 1998 wieder entdeckten und für dessen Restaurierung sorgten.
Von 1963 bis zu seinem Tod 1979 experimentierte der Ingeniur Focke, Gründer der Focke-Wulf-Flugzeugbau AG, in dem Hinterhof-Labor in der Bahnhofs-Vorstadt. Danach verfiel es, es regnete hinein. Die sensible hölzerne Luftröhre, in der Focke an Hubschrauber- und Flugzeug-Modellen aerodynamisch experimente - verschimmelte. Weder von dessen Erbin Hopf, die in München wohnt, noch aus dem von Henrichs Vater gegründeten Focke-Museum heraus wurde daran etwas geändert.
2005 sammelte Steffen 250.000 Euro für die Sanierung. Bald war Leben im Museum, regelmäßige Führungen wurden organisiert. Steffen erhielt dafür 2005 den Deutschen Preis für Denkmalschutz. Der Kanal wurde wieder zu einem der genauesten Windkanäle Deutschlands.
Doch entbrannte damit auch ein Streit. Eine Windkraft-Firma wollte darin Modelle testen und hätte gut bezahlt, auch für die technische Betreuung durch den Verein. "Der Erhalt des Windkanal wäre für Jahre gesichert gewesen", so Steffen. Die Einnahmen aber habe Sigrid Hopf beansprucht. Mit einer Münchner Anwältin plante sie eine Stiftung, der Verein hätte sich dafür auflösen und die eigenen Investitionen überführen sollen, laut Steffen Werte über 100.000 Euro. Der Streit begann. Die Windkraft-Firma zog ihr Angebot zurück. Im Herbst verbot Hopf dem Verein, ohne Genehmigung durchs Denkmal zu führen und somit Spenden einzunehmen. Letzten Freitag dann folgte der Rausschmiss: "Insbesondere wegen zum Teil ehrverletzenden und wahrheitswidriger Angaben der Presse und Behörden gegenüber", heißt es in dem Schreiben.
Sigrid Hopf sagte, die fristlose Kündigung des Vertrages, der dem Verein eigentlich eine Nutzung bis 2025 zusicherte, sei "reichlich überlegt" worden. Es werde weitergehen, mehr wollte sie nicht sagen.
"Wir erwarten, dass die Behörden sich hinter uns stellen", sagt Steffen. Doch scheint man dort mittlerweile den pragmatischen Weg zu wählen. "Niemand im Leben ist unersetzbar", sagt Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki. Er habe Steffen und den Verein jahrelang unterstützt, aber: "Die Denkmalpflege ist daran interessiert, einen neuen Beginn wagen." Die Deutschen Stiftung Denkmalschutz hingegen sieht die Kündigung "kritisch": Die Nutzung und Pflege des Denkmals sei "nur mittels eines über das Notwendige hinaus reichenden Engagements und mit speziellen Fachkenntnissen möglich."
Der Verein will vorerst nicht aufgeben. "Sollte der Rauswurf gelingen, wäre dies ein Fußtritt für alle ehrenamtlich tätigen Bürger", so Steffen. Auch er hat nun einen Anwalt.
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