DDR-Oppositioneller über Berliner Zeitung
"Tödlich für eine Zeitung"
Nachdem bekannt wurde, dass Redakteure der "Berliner Zeitung" zu DDR-Zeiten für die Stasi tätig gewesen sind, sagt Rainer Eppelmann: "Bei jedem anderen Medium kann das genauso passieren".
Leserkommentare
28.08.2008 21:34 Uhr
von Henrike Dietze:
Und an der ehemaligen Sektion Journalistik wurde nichts, gar nichts aufgearbeitet.
Sie wurde abgewickelt. Und wer nach der Abwicklung weiter beschäftigt wurde, entschieden zwei Bewertungskommissionen. In der für mich zuständigen war ein später (nach Aktenfunden) fristlos Sondergekündigter Mensch gegen mich mehrheitsbildend. Und das mit den lügenden und schweigenden MfSlern noch über Jahre weiter. Für mich aber waren die Folgen dieser mehrheitsbildend stasibesetzten Kommission aber verheerend. Mein Leben wúrde völlig zerstört, nix mit zweiter Chance.
Und dabei hatte ich schon zu DDR-Zeiten keine faire erste. Ach ja, an die ehemalige Sektion Journalistik war ich gekommen, weil ich mir nach 1968 (Prager Frühling!) eine Arbeit suchen mußte, um meine Familie zu ernähren. Ich war die einzige in meinem ehemaligen Lehrerkollektiv im August 1968 den Einmarsch der Warschauer Vertragsstaaten in die CSSR nicht begrüßen wollte: mit Händchenheben und in Anwesenheit von zwei Vertretern der Abteilung Volksbildung. Mein Direktor hatte mir "wegen meiner politisch-ideologischen Schieflage" eine Beurteilung angedroht, mit der ich nie wieder Arbeit finden würde.
Aber ich musste arbeiten. Und so habe ich eine Annonce aufgegeben, dass ich Arbeit suche. Im Wissenschaftsbereich Deutsche Sprache und Stilistik an der ehemaligen Sektion Journalistik habe ich wieder Arbeit gefunden. Der, der mich trotzdem eingestellt hat, hat mit mir Stillschweigen zu den Gründen meines "Ausscheidens" aus der Volksbildung vereinbart.
Einmal sollte ich etwas über meine herausgekommenen Westkontakte aufschreiben. Das habe ich einfach nicht gemacht. 2001 konnte ich dann in einer Observierungsakte (über vier Jahre) lesen. "Nicht geeignet.Kein Material".
Und auch das, dass mich die Stasi für nicht geeignet gehalten hatte, hatte wiederum berufliche Folgen für mich.
Das Kapitel Stasi ist noch lange, lange nicht aufgearbeitet. Auf jeden Fall scheint es den Stasi-Leuten gelungen zu sein, die Kaderpolitik aus DDR-Zeiten in erheblichem Umfang fortzuschreiben.