Die Sicherheitsbehörden hätten die Taten des Nazi-Trios wohl verhindern können. Trotz Hinweisen konnte die Gruppe ungestört morden.von Sebastian Erb

Der letzte Aufenthaltsort des Nazi-Trios: das Haus in Zwickau. Bild: dapd
BERLIN taz/dpa | Der Untersuchungsbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz, aus dem der Spiegel zitiert, bringt neue Erkenntnisse, die zeigen, wie dicht die Fahnder dem Nazi-Trio auf den Fersen waren. Dreizehn Jahre staatliches Versagen:
Herbst 1997: Der Thüringer Verfassungsschutz findet heraus, dass die drei Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe in einer Garage in Jena Bomben basteln.
26. Januar 1998: Polizisten durchsuchen die Bombenwerkstatt, finden Rohrbomben und 1,4 kg Sprengstoff. Das Trio taucht unter, der Verfassungsschutz baut über den V-Mann "Otto" einen direkten Kontakt zu den drei Terroristen auf. "Otto" ist Tino Brandt, der Chef der Neonazi-Gruppierung Thüringer Heimatschutz.
Sommer 1998: Es gibt einen Fluchtplan des Trios nach Südafrika. Der Verfassungsschutz nimmt Einfluss und will in Bukarest die Polizei zugreifen lassen. Der Plan platzt.
Frühjahr 1999: Spätestens jetzt vermuten die Fahnder die Gesuchten im Raum Chemnitz.
6. Oktober 1999: Bei einem Überfall auf eine Postfiliale in Chemnitz erbeuten die Neonazis mehrere tausend Mark. Es ist der erste von insgesamt mindestens 14 Banküberfällen.
26. April 2000: Die Verfassungsschutzämter Thüringen und Sachsen sowie das sächsische LKA starten die "Operation Terzett". Über vier mutmaßliche Unterstützer wollen sie das Trio festsetzen.
6. Mai 2000: Laut Spiegel fotografieren Verfassungsschützer in Chemnitz einen Mann, der wie Böhnhardt aussieht. Doch es dauert lange, bis eine Behörde die Informationen an die nächste weitergegeben hat. Das sächsische LKA erfährt erst am 7. Juli davon. Die Spur verläuft sich.
9. September 2000: Die Neonazis erschießen in Nürnberg den Blumenhändler Enver Simsek. Der mutmaßlich erste Mord einer deutschlandweiten Serie, die insgesamt zehn Menschenleben kostete. Das letzte Opfer am 25. April 2007 in Heilbronn ist die Polizistin Michele Kiesewetter.
4. November 2011: Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt überfallen eine Bank im thüringischen Eisenach und fliehen. Polizisten stoßen in einem ausgebrannten Wohnmobil auf ihre Leichen.
11. November 2011: Die Fahnder präsentieren der Öffentlichkeit die Verknüpfung zwischen den Bankrauben und der Mordserie. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen die mutmaßliche terroristische Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU).
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Fast 13 Jahre lang konnte die Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" mordend und raubend quer durch Deutschland ziehen, ohne dass ihr die Ermittlungsbehörden auf die Spur gekommen waren.
Erst als die Mitglieder Uwe M. und Uwe B. nach einem Banküberfall in Eisenach in einem Wohnmobil Selbstmord begingen, ihre Komplizin Beate Z. die gemeinsame Wohnung in Zwickau in die Luft jagte und sich dann der Polizei stellte, fügten sich die Puzzleteilchen vieler ungelöster Verbrechen plötzlich zu einem größeren Bild zusammen: Die Morde an acht türkischen und einem griechischen Kleingewerbetreibenden haben einen rassistischen Hintergrund und gehen sämtlichst auf das Konto der Gruppe.
Die ist auch verantwortlich für die tödlichen Schüsse auf eine Polizistin in Heilbronn sowie ein Nagelbombenattentat in einem mehrheitlich von MigrantInnen bewohnten Kölner Viertel. Ihre Beteiligung an weiteren Taten wird derzeit geprüft. Eigentlich undenkbar ist, dass die Gruppe so lange ohne breitere Unterstützung durch das rechtsextreme Milieu im Verborgenen operieren konnte.
Erste Festnahmen mutmaßlicher Helfer haben schon stattgefunden. Und zudem stellt sich die Frage: Inwieweit war der Verfasssungschutz mit seinen Fühlern in dier Nazi-Szene über das Treiben der Gruppe informiert? Die taz berichtet ausführlich über den Terror von rechts.
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Leserkommentare
02.01.2012 16:32 | jonny
hoffentlich gibts bald die vorratsdatenspeicherung. mit der wäre das alles nicht passiert. und der typ unter meinem balkon ...
02.01.2012 16:24 | Nordwind
Klarer Fall von Beihilfe.