Während der Staat im Wendland versucht, AktivistInnen als InformantInnen zu gewinnen, stimmen sich diese mit Blockadetrainings auf den Castor-Transport im Herbst ein.von MARTIN KAUL

Blockaden in Gorleben (Castor-Transport 2008). Bild: ap
Die hölzernen Kompostklos auf dem Camp sind neu gebaut - und zeigen die Erwartungen: Wo sich jetzt erst 80 Leute der Plumpsklos mit Fichtenduft bedienen, sollen im November rund 2.000 Menschen allein auf dieser Wiese zum Widerstand einkehren. Im niedersächsischen Gedelitz, unweit des Atommüllzwischenlagers Gorleben, haben die Vorbereitungen auf einen heißen Herbst begonnen. Zwischen Zirkuszelten und bunten Transparenten stimmen sich hier derzeit Anti-Atom-AktivistInnen mit Megafonschulungen und Widerstandsworkshops auf die anstehenden Proteste ein.
"Das Camp ist eine direkte, praktische Vorbereitung auf die Castor-Blockaden im November", sagt Jürgen Fahrenkrug von der Initiative X-tausendmal quer, die noch bis zum Sonntag das Anti-Atom-Camp betreut. Und wenn die AtomkraftgegnerInnen halten wollen, was sie versprechen, dann ist viel Vorbereitung vonnöten. Denn die Anti-Atom-AktivistInnen mobilisieren zu zahlreichen Terminen in den kommenden Monaten.
Für den 18. September, wenn in Berlin die Verhandlungen über die Laufzeitverlängerungen in der heißen Phase sein werden, rufen Anti-Atom-Gruppen zu einer bundesweiten Großdemonstration in Berlin auf. Für November wird im Wendland ein weiterer Castortransport ins Zwischenlager Gorleben erwartet - mit bis zu 10.000 Teilnehmern an Sitzblockaden und Straßenprotesten wird gerechnet.
Zugleich steht in Gorleben die Weitererkundung des Endlagerbergwerks an, nachdem Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im März entschieden hat, das Moratorium nach zehn Jahren aufzuheben. Für den Tag, an dem der Bescheid erteilt wird, ruft das "Untergrundamt der Freien Republik Wendland" zu einer eintägigen Wendlandblockade auf. Im gesamten Landkreis Lüchow-Dannenberg soll dann an einem Samstag der Straßenverkehr zum Erliegen kommen. Daneben soll am 23. Oktober ein bundesweiter Aktionstag gegen Atomtransporte entlang der möglichen Castortransportstrecken zu den Atommüllzwischenlager Ahaus, Greifswald und Gorleben stattfinden. Große Pläne für den Widerstandsherbst.
Unterdessen hat der Ermittlungsausschuss (EA) Gorleben, ein Rechtshilfebündnis für von Polizeimaßnahmen betroffene Anti-Atom-AktivistInnen, darauf hingewiesen, dass derzeit offenbar gezielt AktivistInnen aus der Anti-Atom-Szene als InformantInnen für Polizei- und Sicherheitsmaßnahmen gewonnen werden sollen. So berichtet der EA von dem Versuch, eine Frau aus dem Umfeld der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg dafür anzuwerben, Informationen über Pläne und Strategien der Widerstandsbewegung preiszugeben.
Ein Mann, der sich als Mitarbeiter des Bundeskriminalamts ausgewiesen haben soll, habe sich nach der Beteiligung antifaschistischer Gruppen und dem Gewaltpotenzial der Bäuerlichen Notgemeinschaft erkundigt und dafür Geld geboten. Die Frau aus dem Umfeld der BI habe eine Zusammenarbeit abgelehnt.
Gegenüber der taz dementierte das Bundeskriminalamt (BKA) naturgemäß, derartig tätig geworden zu sein. "Wir unternehmen prinzipiell keine derartigen Anwerbeversuche", sagte ein Sprecher. Ob das BKA Anzeige wegen Fälschung eines BKA-Ausweises erstattet habe, wollte der Sprecher nicht kommentieren.
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