CNN-Reporter verliert Akkreditierung

Trumps perfider Umgang mit Medien

Der Journalist Jim Acosta darf nicht mehr ins Weiße Haus kommen, weil er eine Praktikantin angefasst haben soll. So sieht es zumindest Trump.

Donald Trump hält eine Rede an einem Rednerpult und zeigt mit dem Finger auf einen Mann vor ihm. Dem Mann wird von einer Frau sein Mikrofon weggenommen

Jim Acosta befragt Trump im Weißen Haus – vorerst zum letzten Mal Foto: ap

Am Anfang stand eine Debatte um das Wort „Invasion“ und am Ende war ein Reporter seine Zugangskarte zum Weißen Haus los. So weit die Kurzzusammenfassung der ersten Pressekonferenz Donald Trumps nach den Kongresswahlen. Zugespitzt hatte sich da am Mittwochnachmittag ein Konflikt, der seit dem Beginn von Trumps Amtszeit zum Alltag im Pressesaal in Washington einfach dazugehört. Der Konflikt zwischen dem CNN-Korrespondenten Jim Acosta und der Trump-Regierung, meist vertreten durch Pressesprecherin Sarah Sanders, dieses Mal durch Trump himself.

Acosta hatte das Mikrofon, als er den Präsidenten darauf ansprach, dass dieser vor den Wahlen von einer „Invasion“ von Flüchtenden an der Südgrenze der USA gesprochen hatte. Trump, bereits durch andere unliebsame Fragen irritiert, unterbrach Acosta. Eine Praktikantin versuchte daraufhin, dem CNN-Reporter das Mikrofon wegzunehmen, was dieser zunächst nicht zuließ.

Später filmte Acosta sich dann selbst beim Verlassen des Sicherheitsbereichs, wo er zur Herausgabe seiner Zugangskarte aufgefordert wurde. Das Video veröffentlichte er kurz darauf bei Twitter. Pressesprecherin Sanders bestätigte noch am Abend, dass die Akkreditierung Acostas vorerst ausgesetzt ist. Sanders begründet das damit, dass Acosta die Praktikantin angefasst habe.

Andere Korrespondenten widersprechen dieser Sicht auf die Ereignisse. Acosta habe die Praktikantin nicht angefasst, sondern bloß das Mikrofon festgehalten, twitterte Reuters-Reporter Jeff Mason, der direkt neben Acosta saß. Peter Bake von der New York Times spricht von einer „Falschbehauptung, um einen Reporter zu bestrafen“. Ein Reuters-Video bestätigt diese Version, Acosta hält dort mit beiden Händen das Mikrofon fest, zum Kontakt mit der Praktikantin kommt es nur minimal.

Auch Acostas Sender CNN stellte sich umgehend auf die Seite seines Korrespondenten und nannte den Entzug der Akkreditierung einen „verblüffenden Bruch mit dem Protokoll“. Die White House Correspondents Association bezeichnet den Schritt als „unangemessen“ und fordert, Acosta seinen Zugang umgehend wieder zu gestatten.

Sanders teilt Video von ultrarechter Website

Sarah Sanders untermauerte ihre Entscheidung mit einer ­Version der fraglichen Videos, die vom Umfeld der ultrarechten Seite Infowars geteilt wurde und das allem Anschein nach bearbeitet ist. Eine Handbewegung Acostas wurde darin offenbar beschleunigt, so dass sie gewaltsamer wirkt. In jedem Fall kann der Vorfall nicht als physischer Angriff gedeutet werden.

Trump präferiert spontane Fragerunden, die er besser kontrollieren kann

Das Weiße Haus kann frei darüber entscheiden, wem es eine Akkreditierung gibt. Anders als in Deutschland, wo die Bundespressekonferenz als Vereinigung verschiedener Medien die Regierungsverteter*innen zu sich einlädt, ist in Washington die Regierung Gastgeber. Es gibt kein Statut, das vorschreibt, wer Zugang haben muss. Die Trump-Regierung etwa fiel bereits zu Beginn dadurch auf, dass sie ultrarechten und verschwörungstheoretischen Medien, wie dem rechtsextremen Blog The Gateway Pundit, Zugang verschaffte. Üblich ist dagegen schon, dass die größten Medien, entsprechend auch CNN, vertreten sind.

Donald Trump war an diesem Nachmittag insgesamt ungehalten gegen mehrere Reporter*innen. Solo-Pressekonferenzen gibt der Präsident im Gegensatz etwa zu seinem Vorgänger Barack Obama eher selten, es war erst die fünfte in dieser Amtszeit. Trump präferiert spontane Fragerunden, deren Rahmen er besser kontrollieren kann. Dazu kommt, dass der Präsident den Ausgang der Kongresswahlen als unbedingten Erfolg seiner Person deuten möchte und damit rechnen muss, dass die ihm weniger gewogenen Journalist*innen dieser Deutung widersprechen.

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