Es gibt eine Einigung über die Gesetzesreform von Bürgerentscheiden. Aber der Streit über Quoren und die Verfasstheit von Hamburg als Stadtstaat geht weiter. von Sven-Michael Veit

Künftig in reformierter Form: direkte Demokratie in Hamburg. Bild: dpa
Alle sind dafür. Mit den Stimmen aller fünf Fraktionen beschloss die Bürgerschaft am Mittwochabend die Reform der Volksgesetzgebung. Der Streit über Quoren bei Bürgerentscheiden indes ist damit nicht beigelegt: Die nächste Reform steht zumindest bei CDU und FDP bereits auf der Tagesordnung.
Auf die Details der Reform hatten sich SPD, CDU, GAL, FDP und Linke nach langwierigen Verhandlungen mit der Initiative "Mehr Demokratie" verständigt. Ausgeklammert bleiben drei strittige Punkte: die Quoren, das Evokationsrecht des Senats und der Bestand Hamburgs als Einheitsgemeinde.
"Die 90 Prozent, über die Konsens erzielt wurde, wollen wir gemeinsam umsetzen", sagte SPD-Fraktionschef Andreas Dressel. Es sei "das modernste Gesetz für kommunale Bürgerbeteiligung in Deutschland", findet Farid Müller (GAL). Dieser Konsens zwischen der Initiative und dem Parlament dürfe nicht gefährdet werden. Auch die Linke spricht von "einem vernünftigen Kompromiss, der die direkte Demokratie stärkt". Und auch Manfred Brandt, Verhandlungsführer von "Mehr Demokratie", lobt die Reform als "anwendungsfreundlicher, transparenter und rechtssicherer".
CDU und FDP tragen den jetzt formulierten Kompromiss mit. Beide Fraktionen behalten sich aber vor, Quoren einzuführen. Die FDP will eine Mindestbeteiligung von 20 Prozent bei bezirklichen Bürgerentscheidungen, die CDU sogar ein Zustimmungsquorum von einem Fünftel aller Wahlberechtigten. Entsprechende Zusatzanträge wurden zur weiteren Beratung in den Verfassungsausschuss überwiesen.
Manfred Brandt hatte jede Debatte über Quoren verweigert. Diese wären eine Einschränkung der direkten Demokratie, und das sei mit der Initiative nicht zu machen. FDP und vor allem CDU kritisierten diese "mangelnde Gesprächsbereitschaft der Initiative". Letztlich sei es "am mangelnden Mut" der SPD-Mehrheit gescheitert, "Quoren auch gegen den Willen von Mehr Demokratie durchzusetzen", so CDU-Politiker André Trepoll.
Aber auch die Initiative ist noch nicht am Ende ihrer Wünsche. In einer frisch gegründeten Arbeitsgruppe diskutiert Mehr Demokratie die Möglichkeiten, Hamburg als Einheitsgemeinde aufzulösen. Laut Verfassung ist Hamburg Land und Stadt zugleich. Mehr Demokratie würde gern die sieben Bezirke zu eigenständigen Kommunen mit eigenem Haushalt im Bundesland Hamburg machen. "Das", sagt Brandt, "würde die Bezirke stärken und die Politik näher an die Bürger bringen."
Auf Unterstützung in der Bürgerschaft kann Brandt dabei nicht zählen. "Das würde", begründet Dressel die Anlehnung, "die Regierbarkeit der Stadt gefährden."
Ob Mehr Demokratie diese Frage in einem Volksentscheid klären lassen möchte, ist derzeit noch offen.
Bauwagenplatz Zomia zieht nun doch auf das Brammergelände an der Max-Brauer-Allee. Grüne setzen sich damit gegen den SPD-Koalitionspartner durch. von Kai Von Appen

Im Windkanal des Luftfahrtpioniers Henrich Focke hat dessen Erbin dem Betreiber-Verein fristlos gekündigt. Die Zukunft des Denkmals ist ungewiss. von Jean-Philipp Baeck

Die Hamburger Band Bitte Lächeln besteht aus behinderten und nichtbehinderten Musikern und hat einigen Erfolg. Nichtbehinderte Zuschauer zu den Konzerten zu bekommen, bleibt schwierig. von Birk Grüling

Er singt, schüttelt Hände und kann bis zwei zählen. Joachim Gauck wird der Super-Präsi. Ganz bestimmt.

Von de Gaulle bis Mbeki - die schönsten Präsidentenrücktritte der Welt.

Das war's... Fast! Die Berlinale 2012 geht am Sonntag zu Ende. Und wieder waren alle da – die üblichen und die unüblichen Stars, nervige und ehemalige Polit-Prominenz, kreischende und buhende Fans, demonstrierende und andere Bären.

Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.


Leserkommentare
26.01.2012 21:15 | V. Eids
geschworene demokratie ...
26.01.2012 20:08 | domsch
@Rechner: Wenn man sich an einer Wahl beteiligt, muß man einem Entwurf nicht zwingend automatisch zusagen. ...
26.01.2012 11:24 | Peter Klemm
Ihren Kommentar hier eingeben ...