Brockhaus-Lexikon von Bertelsmann gekauft
Keine zweite Wikipedia
Wie sieht die Zukunft der Brockhaus-Enzyklopädie aus? Eine zweite Wikipedia wäre jedenfalls der falsche Weg. Kompetent organisiertes Wissen ist nicht zum Nulltarif zu haben.von Rudolf Walther
Leserkommentare
12.02.2009 18:09 Uhr
von Keks:
Die Welt wird auch ohne Meyers-Lexikon nicht untergehen, auch ohne Wikipedia mit ihrer schrägen Community von ungehobelten Sonderlingen würde der Welt nichts mangeln. Auch die Millionen Blogs sind lustig, aber nicht elementar.
Die taz hingegen würde ich ehrlich vermissen. Die Welt braucht Menschen, die kritisch hinterfragen können. Dazu gehört durchaus auch eine journalistische Ausbildung und das Umfeld in einer Redaktion.
02.02.2009 15:13 Uhr
von Matthias:
„…Wikipedia organisiert nicht Wissen, sondern zerstückelt es in Wissenspartikel und ein Labyrinth von blau unterlegten Verweisen…“ Der Brockhaus zerstückelt(e) das Wissen in zahlreiche Bände von A-Z. Zurück zu den guten alten Printmedien ist völlig anachronistisch. Das man Wissen heutzutage nicht mehr als Produkt auf Papier oder CD kauft, sondern mit Internetpräsenzen auf das Dienstleistungsmodell setzt, ist doch jedem klar. Diese Zeitung lese ich ja auch gerade zum Nulltarif, dennoch ist das sicherlich nicht der Kritikpunkt dieses verfehlten Artikels.
25.01.2009 15:41 Uhr
von Zenit:
Es gibt Probleme, sicher doch, aber irgendwie haben wir es bis jetzt immer geschafft, die Sache am Laufen zu halten. Und sie wird es auch noch das eine oder andere Jahr bleiben.
Gruss, Ein WP-Admin (der nicht ganze Nächte lang Diskussionsbeiträge revertet (das habe ich mein Lebtag noch nicht, afaik) oder Fäkalsprache benutzt (dito). Meine 30-40 (mal 8) Artikel habe ich übrigens wenn schon aus der englischen Wikipedia abgeschrieben)
13.01.2009 16:54 Uhr
von John Doe:
An alle Wikipedia-Außenstehenden: Bezugnehmend auf den Beitrag von Margot bleibt die Erkenntnis, dass es Verschwörungstheoretiker immer geben wird. WP ist nicht so wie dort beschrieben und bzgl. des eigentlichen Themas: Bücher werden schon nicht aussterben.
02.01.2009 23:36 Uhr
von Margot:
Ich muss Simplicius leider beipflichten. Es wird von der Wikimedia gerade um sechs Millionen Dollar (!) von Spenden geworben, um die Stellung der Wikipedia halten zu können. Deren Autoren verlassen die Wikipedia nämlich in Scharen, da, wie Simplicius treffend feststellte, die "Community" eine merkwürdige, teilweise sogar sektenartige "Wohngemeinschaft" mit vielen Untereinheiten geworden ist.
Dort sind aber nicht jene umfassend gebildeten Experten von Brockhaus und anderen eingezogen. Einem Außenstehenden ist diese soziale Mischung der besonderen Art kaum zu erklären. Der soziale Druck wird von anderen Zeitgenossen aufgebaut.
Zum einen gibt es da jene "Administratoren", die fast jede Nacht stundenlang Diskussionsbeiträge und Artikelbearbeitungen ohne Begründungen "revertieren" (=löschen) oder "Benutzer" (so werden Autoren der Wikipedia genannt) sperren, beleidigen oder mit Fäkalsprache beschimpfen. Dass tun sie freiwillig und auch an Weihnachten oder in der Sylvesternacht. Daher bleibt ihn selten die Zeit, sich vertieft mit politischen oder wissenschaftlichen Diskursen, Problemen oder geschweige denn richtiger Artikelarbeit zu beschäftigen. Die meisten Admins kommen kaum auf 30 oder 40 Artikel, die sie aus Schul- und Lehrbüchern abgeschrieben haben, wohin gegen die fleißigsten Autoren oft gesperrt werden, wenn sie die Wikipedia kritisieren. Sie haben zum Teil eine hohe Bildung, bis hin zum Doktorgrad, mit dem dann ein angehender Sprachwissenschaftler sich nicht in seinem Fach schreibt, sondern sich, nach den vielfältigen sozialen Interaktionen innerhalb der WP, vorwiegend Hobbies, wie z.B. solch spannenden Themen wie (Modell-)Eisenbahnen widmet.
Es gibt weitere Auffälligkeiten, so gibt es welche, die fast jeden Tag auf anderen "Stammtischen", welche unregelmäßig im gesamten deutschen Sprachraum stattfinden und regionale Grüppchen von Autoren und "Wikipedianern" darstellen, auftauchen und damit einen Rekord aufstellen möchten. Der gemeinnützige Verein hat Reisekosten in Höhe von 14.000 € im Jahr (nur für Deutschland), die komplett aus Spenden bezahlt werden. Bei diesen Treffen sind Ton- und Bildaufnahmen unerwünscht. Gelegentlich wird aber von Vereinsmitgliedern, die auch zu diesen Treffen anreisen, ungefragt Fotos gemacht, welche schließlich in einer Kartei angelegt werden (so wird kolportiert). Diese Treffen werden auch genutzt, um Informationen zum sozialen Geschehen in der WP sicher und undokumentiert auszutauschen.
Außenstehende sind in der Wikipedia nicht mehr erwünscht. Solange brav Artikel geschrieben werden, werden sie als Gastarbeiter toleriert. Ein Ausschluss droht meist, wenn man Kritik an der Kirche übt oder allzu deutlich rechte Tendenzen innerhalb der WP kritisiert.
Jene "mächtigen" Admins, Schüler, Studenten und arbeitslose Akademiker (viele von ihnen sind Burschenschafter), werden meist aus dem Bekanntenkreis bzw. den Stammtischen rekrutiert.
Sozaile Kontakte werden auch durch informelle Treffen gepflegt und Belobigungen verteilt. Viele andere Aspekte kommen hinzu. Grundlage für eine Etablierung in diesem in erster Linie sozialen Struktur ist eine Einfügung in das archaische, aber hier durch die Abwesenheit jeglicher verbindlicher Normen zuverlässig funktionierende, System aus "nach Oben Buckeln und nach Unten treten".
Besonders erfolgreich sind darin die "zeitreichen", das Prekariat (Diktaur des Prekariats). Diese meist männlichen Personen sind meist arm an sozialen kontakten im realen Leben.
Für dieses merkwürdige Gebilde mit fraglichen gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen (viele Wikipedianer bezeichnen sich selbst als "abhängig") als auch für die Bildungslandschaft (Inhalte), sollte man lieber nicht spenden.
02.01.2009 19:02 Uhr
von Liesel:
Kleinere Lexika reichen zur Vermittlung von Allgemeinwissen und Bildung aus, sind preiswerter und aktueller. Das heutige Fachwissen läßt sich prägnant in Fachlexika darstellen. Daher sind die großen Enzyklopädien gut verzichtbar.
Die Beliebtheit der Wikipedia liegt im schnellen Zugriff, nicht in ihrer Qualität. Sie ist sicher nicht der Grund für den Niedergang der Brockhaus Enzyklopädie. Ich kann Herrn Walther nur zustimmen: gute Literatur bleibt auch gutes Geld wert.
31.12.2008 14:15 Uhr
von ben_:
Erstens: Natürlich fehlen Bertelsmann, die Kompetenzen derjenigen Mitarbeiter, die bei Brockhaus evtl. entlassen werden. Das Wissen einzelner Mitarbeiter fehlt immer, wenn sie entlassen werden, in jeder Branche. Bertelsmann verfügt aber selber über eine sehr kompetente und große lexikographische Redaktion, die hinter dem Bertelsmann Lexikon Verlag, den Chronik-Verlag und Wissen.de betreiben.
Zweitens: Wissen bekommt man als Verlag in der Tat nicht zum Nulltarif und Wissen kann man in der Tat auch nicht zum Nulltarif zur Verfügung stellen. Aber ich bin überzeugt, dass sich Modelle etablieren werden, die Wissen und Inhalte für die Endverbraucher kostenlose im Sinne von Geld anbieten werden. Alles andere ist angesichts der Eigenschaften digitaler Medien absurd und wird untergehen. Denn spätesten dieser Schluß gilt heute und noch eine sehr lange Weile: Inhalte, insbesondere Texte und Wissen, für die ich im Netz bezahlen muss, werden nicht von Google gefunden. Und was nicht im Google-Index ist, verliert über 90% der möglichen Interessenten und existiert praktisch nicht.
Drittens eine Nebensache: Wissen und Texte mußten schon immer, immer, immer von einer Generation zur nächsten übertragen werden. Und aus aus einer langen, langen Reihe von Gründen: Mangelhaftes Papier, unübliche Schriftarten (Fraktur!), Veränderung des Wissen, kultureller und politischer Wandel (Sieger-Geschichtsschreibung!) oder neuerdings halt auch geänderte Datenformate. Bei aller Liebe, aber Datenkonvertierung aus Atari-ST-Formaten ist wirklich das geringste Problem, dass Lexikonverlage haben.
31.12.2008 13:49 Uhr
von Simplicius:
In der Wikipedia werden fachkundige und sozial kompetente Mitarbeiter von einer wohlorganisierten Clique regiert und bei Nichtgefallen auch herausgeekelt. In nicht allzuferner Zeit wird die Wikipedia zusammengebrochen sein.
Anstatt solch einem Projekt zu spenden, sollte man sein Geld lieber gute Literatur investieren.
30.12.2008 16:08 Uhr
von Boiteltoifel:
Wieviel Geld muß ich haben, um mir einen schon beim Erscheinen veralteten Brockhaus zu kaufen, wenn ich praktisch alles Wissen kostenlos im Internet bekommen kann? Es gibt ja nicht nur Wikipedia.
Ich bin der Ansicht, daß gedruckte Bücher niemals aussterben werden. Für zu vertiefendes Wissen über ein bestimmtes Thema kaufe ich mir also ein Buch. Für einen Überblick, die Beantwortung einer kurzen Frage, kaufe ich mir aber bestimmt keinen Brockhaus (es sei denn, ich will protzen...)!
Merkwürdiges am Rande: Als Anti-Spam-Wort wird mir gerade "Haus" geliefert... Grübel...
28.12.2008 14:00 Uhr
von Sebastian Thürrschmidt:
Dieses feierliche Gedöns liest sich wie wörtlich aus den Pressemappen und -mitteilungen von Brockhaus & Co. abgeschrieben. Da mein ich doch: [citation needed].
26.12.2008 16:43 Uhr
von Stan:
Eine kleine Anemrkung: Das es in Zukunft höchstwahrscheinlich keinen gedruckten Brockhaus mehr geben wird, liegt nicht am Verkauf der Marke an Bertelsmann. Von der letzten gedruckten Auflage, hat das Bibliographische Institut nur noch 20.000 Stück verkauft und sich deswegen schon Monate vor dem Verkauf entschlossen, das Lexikon nur noch im Internet anbieten zu wollen (Woraus ja bekanntermassen auch nichts geworden ist).