Brief von Deniz Yücel

Journalismus ist kein Verbrechen

taz gazete leistet nicht nur für die deutsche Öffentlichkeit einen wertvollen Beitrag, sondern zunehmend auch für die türkische.

Deniz Yücel saß über ein Jahr in der Türkei im Gefängnis. Er war von 2007 bis 2015 Redakteur der taz. Aktuell arbeitet er bei der „Welt“ Bild: Karsten Thielker

von Deniz Yücel

In den vielen Briefen, die mir Menschen aus Deutschland ins Gefängnis schrieben, tauchte eine Frage immer wieder auf: „Was kann ich tun?“ Ich konnte den Verfassern nicht direkt antworten. Doch ich nutzte einige öffentliche Wortmeldungen dazu, auch auf diese Frage zu antworten. Meine Antwort lautete: Sie können etwas tun, indem Sie die verbliebenen unabhängigen Medien in der Türkei unterstützen, etwa in Form eines Abonnements der Digitalausgabe.

Ich brauche Ihnen nicht zu erklären, warum die Pressefreiheit unerlässlich für eine Demokratie ist und stets auch die Meinungsfreiheit aller bedeutet. Sie wissen es, denn Sie sind LeserInnen der taz. Ebenfalls muss ich Ihnen nicht erläutern, wie es um den Stand der Pressefreiheit in der Türkei bestellt ist: nicht gut. Auch das wissen Sie, nicht zuletzt aus Ihrer Lektüre der taz. Doch einen Hinweis möchte ich mir erlauben – und zwar den auf die hervorragende Arbeit des Teams von taz ­gazete.

In einer Zeit, in der viele deutsche Korrespondenten aus guten Gründen lieber außerhalb der Türkei arbeiten und die kurdischen Regionen fast ganz meiden, hat taz gazete seit ihrer Gründung vor anderthalb Jahren einen großen Stamm von Autorinnen und Autoren aus der Türkei aufgebaut, darunter vielen, deren Redaktionen durch die Regierung geschlossen wurden oder die aus politischen Gründen ihre Arbeitsplätze verloren haben. Dabei hat sich taz gazete in Deutschland zu einem einzigartigen Medium für Berichte, Reportagen und Analysen aus erster Hand entwickelt.

Zugleich bedient das zweisprachige Portal Leserinnen und Leser in der Türkei, wo die Pressefreiheit in den vergangenen Monaten zwei weitere schwere Schläge erlitten hat: erst der Kauf des Doğan-Konzerns (u. a. Hürriyet, CNN-Türk) durch einen regierungsnahen Konzern, dann die von der Regierung tatkräftig unterstützte feindliche Übernahme der altehrwürdigen Cumhuriyet durch eine Gruppe nationalistischer Ex-Mitarbeiter.

Angesichts dessen leistet taz gazete nicht nur für die deutsche Öffentlichkeit einen wertvollen Beitrag, sondern zunehmend auch für die türkische. taz gazete zu unterstützen bedeutet also nicht weniger, als die Pressefreiheit in der Türkei und das Recht der türkischen Bürgerinnen und Bürger auf Nachrichten und Informationen zu unterstützen.

Darum meine Bitte, es ist dieselbe wie jene, die ich aus dem Gefängnis formuliert habe: Machen Sie es wie ich, helfen Sie taz gazete! Ob mit einer einmaligen Zahlung oder durch eine regelmäßige Spende – jeder Beitrag hilft, um das Fortbestehen von taz gazete zu ermöglichen.

Denn Journalismus ist kein Verbrechen. Aber er ist auch nicht umsonst.