Boulevardpresse sei Dank

Die TU sperrt Anarchisten aus

Anarchisten dürfen nicht in der Technischen Universität tagen. "B.Z." hatte den Kongress als Chaotentreff angeprangert.von GEREON ASMUTH

Sieht die TU gar nicht gern: Anarchie-Banner  Bild:  AP

Das Schreiben an der Tür gibt sich sehr betont. "Wie Sie der heutigen Presse entnehmen können, soll in der Zeit vom 10. 4. bis 13. 4. 09 der ,Anarchistische Kongress' an der TU Berlin stattfinden. Diese Veranstaltung wurde seitens der TU-Leitung nicht genehmigt und wird auch nicht genehmigt!!! Alle andere Aussagen sind falsch!!!", steht auf dem DIN-A4-Blatt, das seit Donnerstag alle Türen der Technischen Universität schmückt. Denn die sind zu. Laut Aushang bis Dienstag, 7 Uhr. Selbst "Wochenend-, Feiertags- und Nachtarbeitsgenehmigungen haben keine Gültigkeit".

Damit wird der viertägige Kongress verhindert, der eigentlich am Karfreitag in der TU beginnen sollte. Laut Programmheft sollten Themen wie "Anarchismus im 21. Jahrhundert", "Eine anarchistisch orientierte Vereinssatzung", aber auch "Hausbesetzung - Wie geht das?" zur Debatte stehen. Der Asta, der die Studierenden an der TU vertritt, hatte die Räume für den Kongress reserviert. "Wir wollen politisches Leben an der Uni fördern", erklärt Asta-Referent Christian Meyer die Kooperation mit der Anarchistischen Förderation Berlin (AFB). Normalerweise interessiere sich die Unileitung nicht für die Inhalte der Asta-Veranstaltungen, sagt Meyer. Auch diesmal sei dem Asta die Nutzung der Räume zugesagt worden. Nicht einmal eine Anfrage des Landeskriminalamts (LKA) bei der Unileitung habe daran etwas geändert. "Wir haben dem Präsidium versichert, dass es sich um ein diskursorientierte Veranstaltung handelt", berichtet Meyer. Die Annahme des LKA, dieser Kongress stelle eine größere Gefahr für die TU dar als andere Kongresse, sei absurd.

Kalte Füße bekam die Unileitung offenbar erst, als die Boulevardzeitung B.Z. aufmerksam wurde. Auf deren Titelseite prangte am Donnerstag die Schlagzeile "Chaoten planen TU-Kongress". Der TU war offenbar bereits die Recherche des Springer-Blatts zu viel. Noch am Mittwochabend ließ sie laut B.Z. mitteilen, dass sie den Anarchistenkongress unterbinden wolle.

Die genauen Beweggründe von LKA und Hochschulpräsidium waren nicht zu ermitteln. Ein Polizeisprecher wollte sich wegen des Feiertags nicht äußern. Die TU war bereits am Donnerstag nicht zu erreichen. Offenbar hat man auch wenig Interesse an einer Berichterstattung. "Aussagen - jeglicher Art - gegenüber der Presse sind zu unterlassen!!!", heißt es im Aushang an den Unitüren.

Das erinnert ein wenig an den alten Anarchistenslogan "Anna und Arthur haltens Maul!". Dem scheint auch die wenig gesprächige Pressegruppe des Kongresses noch verpflichtet, die vor dem Bethanien am Mariannenplatz in der Sonne sitzt. Im dortigen Hausprojekt "New Yorck" wurde nach der TU-Absage eine Infostelle für die rund 250 Interessenten eingerichtet. "Es ist erschreckend, dass sich eine Leitung einer öffentlichen Einrichtung sich durch eine einseitige Medienberichterstattung derartig in ihrer Entscheidungsfindung beeinflussen lässt", heißt es später in einer Mitteilung der Pressegruppe. "Entgegen dem verbreiteten Klischee eines sogenannten Chaotentreffs findet in Berlin ein libertäres Treffen statt, welches frei, friedlich, selbst organisiert und ungezwungen eine Diskussionsplattform für kritische Betrachtungen der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Situation anstrebt." Spontan würden nun Diskussionen und Arbeitsgruppen entstehen, die an mehreren Orten der Stadt die Kongressthemen aufnehmen würden.

 

"Selbstorga - sonst läuft nix!" steht auf einem Plakat im Treppenhaus. Dort sollen sich unter anderem Freiwillige für Kinderbetreuung und Kochhilfe eintragen. Vor dem Haus beobachtet ein offenkundiger Zivilpolizist die Menschen, die sich auf der Wiese sonnen.

 

Aktuelle Infos zum Kongress: www.akongress.org

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