Bosnischer Spielfilm
Liebe in Zeiten der Radikalislamisierung
Jasmila Zbanic Spielfilm "Zwischen uns das Paradies" handelt vom Gift islamistischer Verhaltensnormen, das im heutigen Bosnien in die Zweisamkeit eines Liebespaars eindringt.von Claudia Lenssen
Leserkommentare
07.09.2010 14:44 Uhr
von I_am_experienced:
"vom Gift islamistischer Verhaltensnormen"
ich würde sagen, krieg und seine folgen sind "gift" - musste das sein, auch in einer filmkritik noch sein antimuslimisches ressentiment loszuwerden?
@türkischunddochganzokay
vielen dank für deine interessante, differenzierte betrachtung!
02.09.2010 22:35 Uhr
von Daniel Preissler:
"In der Moschee erkennt Luna trotz des Blickverbots ihren Mann, der als Trauzeuge einer nach der Scharia unerlaubten Zeremonie beiwohnt, in der Nadas minderjährige Tochter in einer Zweitehe mit Bahrija verheiratet wird. "Reinheit", wie Amar sie versteht, also Enthaltsamkeit bis zur muslimisch geschlossenen Ehe, die er für sich und seine Frau anstrebt, ist für Luna vor diesem Hintergrund purer Hohn."
wie ist das gemeint?
warum ist die angestrebte "Reinheit" für Luna purer Hohn? Das finde ich unklar.
Danke! DP
02.09.2010 17:55 Uhr
von türkischunddochganzokay:
Als Praktikantin beim diesjährigen ,,Terre des Femmes"-Filmfest in Tübingen hatte ich das Privileg, diesen Film vor vielen anderen in Deutschland schauen zu können. Zuerst dachte ich, dass der deutsche Titel gut gewählt sei, ,,Zwischen uns das Paradies". Der ursprüngliche Titel heißt aber ,,Na putu", was soviel bedeutet wie ,,auf dem Weg". Im Nachhinein gefällt mir das Original besser, weil er viel weniger kategorisiert als seine deutsche ,,Übersetzung". Der Film zeigt zwei Menschen, die sich innig lieben, die aber nach und nach verschiedene wege zu gehen beginnen. Amar, weil er Frieden im Islam findet. Die Frau aber fürchtet genau diesen Islam, zu Recht, aus ihrer Sicht heraus. Sein Glück ist also ihr Unglück. Dennoch wird Amar von seiner Darstellung her nicht als hohler Islamist abgestempelt, was ich sehr schätze. Das bedeutet ,,na putu": dass wir alle unterwegs sind, dass keiner von uns das ziel kennt, dass jeder das glück sucht, dass alle es woanders finden. wir treffen menschen, die wir lieben und müssen uns wieder von ihnen trennen. Es gibt keine Antwort, keine absolute Wahrheit, jedenfalls kann kein Mensch das für sich beanspruchen. Amar und Luna sind beide Gezeichnete des Krieges, beide Waisen, die mit der Gewalt, die ihnen und ihrer Familie angetan wurde, umgehen müssen. Und wo Luna sich den Feiern und der Familie und dem Genuss zuwendet, kann Amar erst von seiner Alkoholsucht wegkommen, als er in die Gemeinschaft der Wahhabiten eintritt. Natürlich ist das extrem - aber Erfüllung zu finden hat immer auch mit etwas Extremen zu tun, wenig mit Maßhalten, wenig auch mit dem, was andere Menschen sagen oder tun.