• 07.12.2011

Biosupermarktchef über Löhne

"Leicht unter Tarif"

"Denn's" zahlt teilsweise schlechter als die Konkurrenz. Thomas Greim, Chef von Deuschlands größter Biosupermarktkette, über Stundenlöhne und Qualifikationen.von Jost Maurin

  • 04.01.2012 17:41 Uhr

    von Anonymos:

    Als erfahrener Naturkost-Fachverkäufer verdiente ich bei "denn´s Biomarkt" im April 2009 Euro/Brutto/Std. 9,50 in NRW/Köln.
    Bei AlnaturA waren es im MAI 2 0 0 7 Euro/Brutto/Std. 11,60 in NRW/Köln.!
    Januar 2012 verdiene ich 13,52 Euro/Brutto/Std. - heute wie damals als "Verkäufer", in NRW/Köln/Biomarkt(nicht basic).

    Zu den Arbeitsbedingungen bei denn´s hier kein Kommentar. AlnaturA dagegen war ein Paradies.

  • 07.12.2011 23:11 Uhr

    von spiritofbee:

    Wenn Bio weiterhin auf die eingefahrenen Handelsstrukturen als expansive Schiene aufbaut, werden die Qualitäten und Quantitäten eher verhalten ansteigen oder sogar auf der Stelle treten ( im Verhältnis zu konventionell). Solange kein wirklich offener Markt für Bioprodukte existiert, ist die Chance auf eine nennenswerte Ausdehnung recht gering. Nicht selten werden Projekte in kostengünstigen Ländern durch den Zwischenhandel eher ausgebremst. Handelsmargen von ca 100-140% vom Produzent (nach eigener Erfahrung!) bis zum Endkunden sind bei vielen Produkten normal und generieren noch nicht mal zufriedenstellende Gewinnmargen.
    Das dies auch anders geht und die Margen vor Ort und im Handel nützlicher eingesetzt werden können, zeigt das Beispiel Darjeeling Tee.
    Viele Produkte, die wir täglich bzw. regelmäßig konsumieren könnten durch solche Vertriebsstrukturen günstiger werden und die gewonnenen Überschüsse direkt in Erweiterungen ( Anbau, Lagerung, Vertrieb ) fließen. Wir müssen ein anderes Bewußtsein für die Art des Handels entwickeln, um dem Bioanbau eine Chance auf entsprechende Expansion zu erschwinglichen Kosten zu geben.
    Siehe hierzu auch:

    die CSA-Bewegung

    http://www.solidarische-landwirtschaft.org

    http://www.sorgim.ch/über-sorgim

    In immer mehr Ländern weltweit werden hier Lebensmittel nicht nur des täglichen Gebrauchs erheblich stressfreier und angenehmer für die Beteiligten produziert und konsumiert.
    Dies kann mithilfe des WWW auch immer mehr grenzüberschreitend möglich sein. Wir begeben uns oft leider bequemerweise beim Denken und Handeln auf die ausgetretenen Pfade der Gewohnheit

  • 07.12.2011 16:41 Uhr

    von Bioaddicto:

    Insgesamt doch sehr kurz und knapp gehaltene Standardantworten, die auch vom Leiter einer normalen Discounterkette hätten stammen können.

    "Und wir haben ja auch Kunden, die Fragebedürfnisse haben oder menschliche Nähe suchen. Das kostet Zeit. Wir arbeiten auch viel mit Mehrwegflaschen. Damit ist keine Wertschöpfung für uns verbunden."

    Das er das noch hervorhebt, was für einen Biomarkt selbstverständlich sein sollte finde ich schon erstaunlich. Allerdings war es da mit menschlicher Nähe und vor allem Individualismus und alternativer Lebenskultur im guten alten Bioladen an der Ecke doch wesentlich ausgeprägter. Doch von denen gibt es dank den ganzen Biodiscountern ja kaum noch welche.

    Und dann so ein geringer Umsatz bei solch riesigem Aufwand?

    Das die Filialen alle total edel-steril-hightec-hochglanzmäßig durchdesignt und psychologisch auf Gewinnmaximierung konzipiert sind hat bestimmt ewig viel Geld gekostet, was natürlich vom (noch) ach so kleinen Gewinn abgezogen wird. Ist ja klar, daß da nicht mal mehr genug übrig bleibt, um die Mitarbeiter nach Tarif zu bezahlen...

    Das so ein Multi das aber offen eingesteht finde ich schon erstaunlich, nach dem PR-Debakel, das Alnatura durchgemacht hat, als deren untertarifliche Mitarbeiterentlohnung publik wurde.

    Die anschließende große Diskussion und Kundenaufregung hat dort ja ziemlich schnell zu Reaktionen der Konzernspitze und Veränderungen geführt, die allerdings noch immer nicht wirklich zufriedenstellend sind. Nicht umsonst steht im Artikel, daß Alnatura "nach eigenen Angaben sehr wohl Tarif zahlt"...

    Wie sieht das eigentlich bei "Europas größtem Biomarkt", der Berliner Vorzeigekette LPG aus? Würde mich mal sehr interessieren, wie die Mitarbeiter dort bezahlt und behandelt werden. Und wie sind deren Gewinn-/Umsatzzahlen?

    Dort wird immerhin das Thema "Regional" noch Großgeschrieben, was ich nur unterstützen kann.

    Das habe ich bei denn Denree Produkten von Anfang an vermisst. Die sind aus aller Herren Länder zusammengestellt, ohne Rücksicht auf lokale Alternativen und die damit erlangte Ökobilanz.

    Denree ist eh damit groß geworden, daß sie schon existierende Bioprodukte billiger und schick kommerziell populär designt nachgemacht haben und damit einen künstlichen Preisdruck in der Branche etabliert haben, genau wie die Eigenmarken von Alnatura usw.

    Kasse mit Masse statt Klasse...

    Wer gehört eigenlich noch alles zur Firmengruppe Denree mit ihren 16 Millionen Gewinn?

    UND WEM GEHÖRT DENREE EIGENTLICH?

  • 07.12.2011 16:25 Uhr

    von john:

    Auch die taz kann sich nicht rühmen ihren Mitarbeitern das gleiche zu zahlen wie andere Zeitungen, zumindest wenn man dem Artikel auf Wikepdie glauben darf:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_tageszeitung#Bezahlung_der_Mitarbeiter

  • 07.12.2011 16:21 Uhr

    von Kunde:

    So, hat die taz also wieder mal ein Haar in der Suppe gefunden. Ganz grosses Kino. Wenn jeder Bio-Anbieter künftig nur noch kritisch beäugt wird (..er zahlt 5 cent unter Tarif.. Pfui..) dann können wir es mit Bio auch gleich bleiben lassen.

    Auch wenn es hart klingt, aber mit der konventionellen "Landwirtschaft" steuert die Menschheit auf einen Abgrund zu, weil sie durch ihre Methoden langsam aber sicher unsere Lebensgrundlage auf dem Planeten zerstört. Daher ist jedes bißchen, was den ökologisch verträglichen Anbau (incl. Viehzucht ohne Quälerei) voran bringt absolut notwendig.

    Ich will keinen Freibrief für Sklaventreiber, aber ein paar Bio-Tante-Emma-Läden für Stadtbewohner - natürlich gut zu Fuß und per Fahrrad erreichbar, damit auch alle sehen, wie toll öko ich bin - bzw. für eine kleine, zahlungskräftige Elite werden die Welt nicht retten.

    Ein viel wichtigeres Thema ist der konsequente Ausbau der Bio-Landwirtschaft, bis es praktisch nur noch Bioprodukte in jedem Kaff und in jedem Supermarkt gibt. Die taz sollte lieber Antworten darauf liefern, wie man Bauern zum Bioanbau bringt, obwohl der Staat die Unterstützungen dafür immer weiter streicht. DAS wäre wichtig! Viele Supermärkte haben Bio-Produkte wieder ausgelistet, weil die erforderlichen Mengen nicht lieferbar sind. DAS ist wirklich schlimm! Kümmert euch mal darum.

    Aber auf Alnatura, Denn´s und wie sie alle heißen herumzuhacken, das ist einfach. Doch solche Heckenschützen-Artikel helfen uns bei Bio nicht weiter, solange der Normalbürger es immer schwerer hat, Bioartikel zu bekommen und sie sich auch leisten zu können.
    Thema verfehlt, sechs.

  • 07.12.2011 16:13 Uhr

    von The Big Boiler:

    Hab' ich das richtig verstanden - der begründet die Lohnzahlungen unter Taríf mit der Verwendung von Mehrwegflaschen??

  • 07.12.2011 16:08 Uhr

    von gerd.:

    @Holländer
    "Nur mehr zahlen damit Herren wie Thomas Greim noch mehr verdienen mache ich aber lieber nicht. Deswegen achte ich, auch bei Öko, schon auf dem Preis."

    Das verstehe ich nicht: Wenn ich bei Öko auf den Preis achte, dann kaufe ich doch gerade häufig Dennree-Produkte, weil diese unterhalb der sonstigen Bioladenpreise liegen, auf Niveau der LIDL-Penny-usw-Biolabels!?

  • 07.12.2011 15:59 Uhr

    von Grünspecht:

    Wieviel Euro müssten die MitarbeiterInnen nach Tarif das pro Arbeitsstunde in einem Biosupermarkt bekommen?

    Das hätte als wichtige grundlegende Info in den Artikel gehört.

    Ansonsten gilt:
    Nichts im Biosupermarkt Denree etc. kaufen, solange die ihre Leute nicht anständig bezahlen. (Wobei wahrscheinlich selbst der bestehende Tariflohn zu niedrig ist bei den laschen Gewerkschaften heutzutage).

    Nur in den Geschäften kaufen, bei denen die Angestellten zumindest Tariflöhne kriegen!

    Die Medien sind wichtig, damit man überhaupt erfährt, welche Ketten und Läden ihre Leute korrekt bezahlen und welche nicht.

    Bitte mehr Berichte zu diesem Thema in der taz!

  • 07.12.2011 15:18 Uhr

    von Holländer:

    Neben den Öko und Fair Trade Zeichen, brauchen wir noch eines: ein Wahrzeichen der besagt, dass in der ganze Produktionskette Tariflöhne gezahlt wurden (und Gewerkschaften nicht schikaniert werden).

    Für solche Produkte zahle ich (wie bei Öko und Fair Trade) gerne etwas mehr. Nur mehr zahlen damit Herren wie Thomas Greim noch mehr verdienen mache ich aber lieber nicht. Deswegen achte ich, auch bei Öko, schon auf dem Preis.

  • 07.12.2011 14:37 Uhr

    von Stephan:

    1.
    @ heinzl
    "sind die alle Bioanbieter und Fairtrader" -
    ein differenziertere betrachtung wäre angemessener. oder wollen wir unseren einkauf bei aldi relativieren?
    2.
    die vorwürfe an denn's wundern mich nicht. so sieht bio für
    alle nun mal aus. da wird gedrückt wie im konventionellen handel. auch denree ist als abnehmer für den produzenten die letzte wahl, da dieser preispolitisch locker mit aldi, lidl und co mithalten kann.
    3.
    der biosektor hat in den letzten 10 jahren die gleich entwicklung genommen wie der konventionelle handel in den letzten 50 jahren! von tante emma / müsli-öko-laden zu supermarktketten. das ist traurig und für die wirkliche
    avantgarde und die pioniere ein tritt ins gesicht, denn der
    großteil der biolebensmittel werden im supermarkt nicht im
    bioladen umgesetz. auch die produzenten spüren das deutlich:
    das gemüse/obst/getreide/etc. wird genormt verlangt. wer sich dem marktdiktat nicht beugt fliegt raus.
    4.
    unterstützt lokale betriebe, hofläden oder die immer mehr werdenden csa's(community supportet agriculture).
    damit auch fair trade in deutschland stattfinden kann.

  • 07.12.2011 14:04 Uhr

    von An Tom:

    "Das stimmt nicht, natürlich halten wir uns an gesetzliche Vorgaben."

    Naja, DAS stimmt wohl eher nicht, was der Tom da von sich gibt. Von den Überstunden ganz zu schweigen.

    ...und das mit 1Mio Gewinn würde wohl kein klar denkender Chef realisieren, da wird wohl eher krank gerechnet - ziemlich mutig, bei der Konkurrenz.

  • 07.12.2011 12:56 Uhr

    von Robert:

    Mich stört schon lange das die Produkte von denree nicht fairtrade sind. Auf der HP von denree wird das grossgeschrieben aber die Produkte tragen das unabhängige Siegel nicht. Einzelne Produkte die auch in heimischen Gefilden wachsen wie zb. Buchweizen kommen aus China und wiederum rühmt man sich für seine CO2 Bilanz. Mir war die kleine Bioladenkultur lieber, dort hatten auch die MA noch eine andere Motivation.

  • 07.12.2011 12:48 Uhr

    von Marcus:

    "Das stimmt nicht, natürlich halten wir uns an gesetzliche Vorgaben."

    Diese sind leider nicht ausreichend, um Mitarbeiter vor Überlastung zu schützen, wenn Arbeitgeber sich an die Grenzen des Gesetzes herantasten. Ich arbeite im Transportwesen und spreche aus leidvoller Erfahrung.

  • 07.12.2011 12:06 Uhr

    von heinzl:

    Das ist halt das Problem mit dem Gutmenschenhandel:
    Natürlich kann man mit Bio- und Naturprodukten handeln oder Fair Trade propagieren - sobald es aber um die Betriebswirtschaft geht zählen wieder die nackten Zahlen.
    Was den Umgang mit Mitarbeitern angeht und insbesondere deren Entlohnung, sind die alle Bioanbieter und Fairtrader meilenweit von den "bösen" Discountern entfernt. Die Filialleiterin des Aldis vor Ort hatte auch nur ein verächtliches Schnauben übrig, als ich sie fragte ob sie nicht lieber bei unserem kleinen, gemütlichen und ach so korrekten Fairtrader im Ort arbeiten wollte.

  • 07.12.2011 11:49 Uhr

    von Thomas Lehmann, Worms:

    DER NICHT EINGEPREISTE MENSCH

    Greims Argumente bezüglich fehlender Produktivität im Vergleich zu Lidl oder Aldi - und einer daraus folgenden schlechteren Bezahlung der Mitarbeiter - gehen in´s Leere.
    Schliesslich hätte Greims die Möglichkeit, die Tariflöhne in die Verkaufspreise einzukalkulieren. Wenn er das nicht tut, finden wir bei ihm dasselbe sehr ärgerliche Phänomen wie bei anderen Protagonisten aus dem öko-alternativen oder kulturellen Milieu: Die Natur hört beim Menschen auf, reicht höchstens noch bis zum besonders hoch qualifizierten Facharbeiter ("mit besonders viel Naturkosterfahrung"). Genau dieses hässliche Menschenbild macht Ausbeutung in Form von Leiharbeit und 1-Euro- und Minijobs erst möglich. Dass die taz hier mal kritisch nachgefragt hat, freut mich.

  • 07.12.2011 11:25 Uhr

    von gerd.:

    Q: "Man hört, dass..."
    A: "Das stimmt nicht."
    Interview-Ende.

    Das ist ja mal knallharter Journalismus!

  • 07.12.2011 11:20 Uhr

    von Branko:

    Ist schwer glaubhaft.

    1Mio Gewinn bei 110 Mio Umsatz und 72 Filialen
    sind das sagenhafte 0,9% Umsatzrendite und nichtmal 14k€ pro Filiale und Jahr - nicht pro Woche.
    Dat is weniger als gornaut.

    Das Geld auf ein ordinäres Sparbuch zu packen bringt mehr Gewinn ohne nennenswertes Riskio.

    Das hat mit Idealismus in meinen Augen nichts zu tun, das ist rein betriebswirtschaftlich betrachtet schlicht selbstmörderisch.

  • 07.12.2011 11:18 Uhr

    von Fringe:

    Weiß nicht, aber so ganz glaubwürdig erscheint mit der Kerle nicht ...

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