Bindung, Lust und Selbstwert lernen
Neues Schulfach "Glück"
An der Heidelberger Willy-Hellpach-Schule wird seit einem Jahr "Glück" unterrichtet - von vielen belächelt. Nun bestätigen Wissenschaftler: Das Fach stärkt die Persönlichkeit von Jugendlichenvon Jochen Schönmann
Leserkommentare
04.08.2008 00:28 Uhr
von Diogenes:
"Candide oder der Optimismus" - Voltaire
zu diesem Esoterik-Glücks-Unterrichts-Käse kann ich nur das oben genannte Buch von Voltaire empfehlen.
Diogenes
03.08.2008 16:28 Uhr
von nixglück:
Anmerkung zur Anmerkung der Redaktion:
Dass es der selbe Autor ist, war mir auch klar.
Und Mehrwegverwertung? Habe ich an sich nichts dagegen. Aber man muss, kann und sollte bekanntlich nicht alles wieder verwerten, wozu man die Gelegenheit hat.
Ich habe schon Artikel gelesen von Leuten, denen man den Journalismus-Status nicht zuerkannt hätte (aufgrund ihres Alters z.B.) obwohl sie wesentlich besser, genauer und kritischer waren als es bspw. dieser Artikel hier ist.
Ich habe sogar nicht einmal etwas gegen "Werbung". Aber wenn das, was da beworben wird, nun mal aufgrund vielfältiger Gründe sehr zweifelhaft ist - und die anderen Kommentare hier sehen das ja zum Teil ähnlich wie ich - dann habe ich sehr wohl etwas gegen diese Werbung: "Die fröhlichen Schüler von Heidelberg" - also bitte. Und:
"Alles im Leben kann zum Glück beitragen, lautet die Botschaft. Am Ende bleibt nur eine Sache, an der es für Schüler hapern könnte: "Glück" ist ein Unterrichtsfach. Und das bedeutet: Es gibt Noten. Macht nichts, finden die Schüler. Einer sagt: "Ich habe das Fach doch gewählt, weil es mich interessiert. Glauben Sie, ich will eine Fünf in 'Glück'?""
George Orwell hat schon vor rund 60 Jahren die Problematik der 'freiwilligen' Selbstunterwerfung literarisch verarbeitet und Momente wie der obige hätte Orwell sich dafür echt nicht besser ausdenken können. Umso interessanter und absurder ist es dann, wenn man George Orwells 1984 in der Schule lesen soll (oder irgend ein anderes der gesellschaftskritischeren Bücher, die einen ähnlichen Kontext aufspannen) oder LehrerInnen ihren SchülerInnen im Geschichtsunterricht vom Führerprinzip erzählen um anschließend ganz verlegen auf die Frage einer Schülerin reagieren zu müssen, ob die gegenwärtige Schule denn nicht doch sehr führerprinzipsmäßig organisiert sei und worin schulisch gesehen eigentlich der große, wichtige Unterschied zwischen damals und heute bestünde.
Stattdessen rekuriert man in mythischen Erzählungen auf idealisierte Figuren, die quasi das Wissen an sich darstellen sollen. Ob die nun "Gott" oder Aristoteles heißen und die Folie der Glücksoffenbarung verheißen, ist dann auch schon fast egal. Repressiv können beide verarbeitet werden (und das werden sie auch). Wenn dann noch jemand dieses schlimme Spiel anpreisend publik macht, haben wir wieder ein Problem mehr. Und wenn das dann auch noch die Taz macht, haben wir wieder noch ein Problem mehr.
Vielleicht hätte der Autor des Artikels auch mal auf die Idee kommen können, dass die Willy Hellpach Schule von der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" ausgezeichnet ist, deren Partner wiederum solche tollen Unternehmen wie RWE, EnBW, Telekom, Deutsche Bank, Adidas, Bayer, BASF, E.ON usw. sind. Da wird einem auch viel klarer, was Glück so alles bedeuten kann. Und informativer wie kritischer wäre das auch.
01.08.2008 11:31 Uhr
von nixglück:
haha, ich hab gerade entdeckt, dass dieser repressionsaffirmative werbeartikel hier wiederverwertung eines extrem ähnlichen, umgeschriebenen artikels von spiegelonline ist:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,505005,00.html
faktisch betrachtet: einige teile sind wahrscheinlich pur erfunden, was sich z.b. an der abwandlung des schultischsspruchs erkennen lässt: aus "ich hasse mathe" wurde "schule ist scheiße".
was für ein absolut miserabler werbejournalismus...
***Anmerkung der Redaktion: Die Ähnlichkeit der Artikel rührt ganz schlicht daher, dass es beide Male derselbe Autor ist. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ähnliche Geschichten mehrmals erscheinen. In solchen Fällen nicht brandaktueller Themen ist Mal das eine Medium schneller, mal das andere.
01.08.2008 01:22 Uhr
von ex-glueck:
ich kenne den schuldirektor schubert persönlich, war schließlich auf der schule dort und hatte auch einige "extragespräche" mit dem obermacker - und zwar nicht aus gewaltgründen meinerseits, sondern weil schubert meine offene linkspolitische (schul)kritik als bedrohung ansah, weswegen er versuchte, mich nett zu behandeln, quasi zu verfreundschaften, damit ich gut über ihn rede. und deswegen habe ich bei schuberts profilierungsambitionen, die dieser artikel transportiert und hypt, köstlich lachen müssen.
das macht schubert sehr gerne: presseleute gut und nett behandeln, ihnen freundlich und offen gesinnt begegnen. das ist die herrschaftsstrategie, die er mag und die ich über 3 jahre lang mehrmals erlebt habe. auch die lokale rhein-neckar-zeitung nutzt schubert immer wieder, damit artikel wie dieser hier bei der taz erscheinen.
aber die herrschaft tut ja bekanntlich so einiges, damit man sie anerkennt und nicht auf die idee kommt, die entscheidenden fragen zu stellen, zu revoltieren und endlich die schulen in deutschland (und nicht nur dort) zu demokratisieren. die bielefelder laborschule, montessori und waldorf sind nur geringfügig bessere scheinalternativen. es braucht endlich demokratische schulen wie die sudbury schools und sands schools u.a.:
http://www.sudbury.de/
http://de.democratic-schools.com/
dann braucht es auch keine fächer wie "glück", die eigentlich vor allem die funktion erfüllen, mit dem leid, was junge menschen gesamtgesellschaftlich und besonders durch die schule institutionalisiert erfahren müssen, halbwegs umgehen (will sagen: verdrängen) zu können anstatt die vielfältige gewalt radikal abzuschaffen und zu bekämpfen: zunehmender leistungsdruck, repressionserfahrungen durch lehrerInnen, einseitig-idiotisches lehr/lernverhältnis, vorbereitung auf kapitalistische ausbeutung, illusion des teilzeitlernens, anwesenheitszwang (schulpflicht) usw. wären nur einige zu nennende kritik- und veränderungspunkte.
das würde aber auch bedeuten, dass schubert - neben der gesamten lehrerschaft in ihren jeweils repressiven funktionen innerhalb des systems - seinen autoritativen chefsessel aufgeben müsste - und genau das will die herrschaft auf verschiedensten ebenen und formen nicht.
bis es aber zunehmend dazu kommt, kann mensch sich ja außerschulisch bilden und emanzipatorische bildungskritik lernen (und natürlich auch - wie immer - kritisch hinterfragen):
http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Fragend_voran_-_Thema:_Bildung/Frontpage
wers komplexer und "universitärer" mag, kann auch pierre bourdieus "feine unterschiede" oder diverse poststrukturalistische pädagogikliteratur lesen...
reclaim your school :-)
29.07.2008 13:18 Uhr
von hto:
Zitat von Sabine: "Es heißt eher, dass man entscheiden lernt, womit man nichts anfangen kann. Zum Beispiel mit verschwommenen Abstraktionen."
"Anfangen / verschwommenen Abstraktionen" - müßte das nicht heißen: fraglos funktionieren lernt, in bis zur Unkenntlichkeit konfusionierten Illusionen, der stumpf- wie wahnsinnigen Hierarchie in materialistischer "Absicherung" ohne Geist / Sinn, Verstand und wahrhaftiger Vernunft ;-)???
27.07.2008 09:41 Uhr
von Martin Thiele:
Jetzt wird auch noch Glück in eine 45 Minuten-Stunde gepackt. Mit "Bildung im ursprünglichen Sinn" hat das wenig zu tun, die lässt sich nämlich weder in Fächer unterteilen, noch geschieht diese aus dem Zwang von Schulpflicht heraus. Wenn wir mit unseren Schulen Glück fördern wollen, dann müssen wir aufhören sie wie überdimensionale Lernfabriken einzurichten. Wie es A. S. Neill so schön formuliert hat: Glücklich sein heißt am Leben interessiert sein. Erst wenn Schule das vermitteln kann, gehen glückliche Menschen aus ihr hervor. Das heißt aber, dass das Leben in die Schule und ihren Alltag Einzug halten muss. Wie das geht machen Schulen wie die Bielefelder Laborschule oder die Jenaplan-Schule vor. Das sollten unsere Vorbilder sein.
27.07.2008 07:13 Uhr
von Ihr Name Regina Koll:
Schulfach ,,Glück finde ich gut"
26.07.2008 15:35 Uhr
von Franz Josef Neffe:
Hansi lernt in der Du-musst-Schule und QUÄLT sich dabei. Sein Gedächts kann nicht selektieren und speichert alles MIT QUAL. Bei jeder Erinnerung an das Gelernte wird er sein Leben lang der QUAL wiederbegegnen. Wie soll ein Mensch davon glpcklich werden?
Toni lernt in der neuen Ich-kann-Schule alles mit Freude, ja er macht für Lernen keinen Finger krumm, ehe er sich nicht in den Zustand versetzt hat, in dem er es GERN wiedererinnern will. So kann sein Gedächtnis alles nur MIT FREUDE speichern. Und bei jeder Erinnerung begegnet er ein Leben lang dieser Freude und Freude und Frreude wieder. Was könnte das anderes sein als GLÜCK? Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
26.07.2008 11:41 Uhr
von Sabine:
Es heißt eher, dass man entscheiden lernt, womit man nichts anfangen kann. Zum Beispiel mit verschwommenen Abstraktionen.
25.07.2008 16:31 Uhr
von hto:
Schulfach Glück - das paßt in eine bewußtseinsbetäubende Bildung zu systemrationaler Suppenkaspermentalität.