Bildungspolitik an Berliner Schulen
"Dafür bin ich nicht zuständig"
In Tempelhof wird eine Schule dichtgemacht, die mehr Anmeldungen als Plätze hat. Und Kreuzbergs Lokalparlament beschließt: Private Schulen dürfen nicht in öffentliche Gebäude einziehen.von Christian Füller
Leserkommentare
15.05.2009 17:10 Uhr
von O. Norden:
Es ist nicht nur traurig, dass eine so etablierte Schule wie die GS im Taunusviertel geschlossen werden soll, vielmehr ist es sehr ärgerlich und noch mehr beängstigend wie von Bezirksamtsseite gehandelt wird.
Es werden Monate lang Gerüchte gestreut. Eltern, Lehrer, Bezirksverordnete und selbst Stadträte falsch oder gar nicht informiert. Die Argumente werden, sobald sie als nicht schlüssig enttarnt werden, einfach mit neuen ersetzt. Eltern und Lehrer werden direkt oder indirekt unter Druck gesetzt. Zum Schluss kommt dann noch die psychologische Keule: Das Aufbegehren der Eltern schadet doch nur dem Wohl des Kindes.
An diesem Fall hat sich für alle Schüler, Lehrer, Eltern und Freunde der Taunusgrundschule gezeigt, wie Realpolitik aussieht. Die Politikverdrossenheit nimmt zu und das Bild der Bürger, dem eigentlichen Gemeinwesen für das Politik gemacht wird, von Politik und Politikern leidet weiter. Ein Verdienst von Herrn Hapel und eine Schande für die politisch Verantwortlichen.
13.05.2009 13:55 Uhr
von Krause:
@ Gregor
Herzlichen Dank für Ihre Ehrlichkeit. Können Sie mir aber bitte eines erklären: Warum möchte die Linke die Migration bildungsferner Schichten forcieren (oder zumindest nicht behindern), wenn Sie selbst nicht bereit ist, ihre Kinder mit Kindern aus diesen Schichten zu unterrichten?
13.05.2009 11:24 Uhr
von Gergor:
Ich denke auch, die Kinder von Zuwanderern sind das Hauptproblem. Ich würde meine Kinder auch nicht mitihnen auf die Schule gehen lassen, so wie die meisten Linken.
13.05.2009 11:15 Uhr
von A.Becker:
Ja, der Staat hat in den letzten zwanzig Jahren auf dem Gebiet der Schulpolitik - in allen Bundesländern - kläglich versagt. Das Niveau des Unterrichts wurde immer weiter gesenkt, die Anforderungen zurückgeschraubt. Das G8 auf unglaublich stümperhafte Weise durchgeboxt (Schulen, die weiter G9 anbieten wollen, weil es besser ist, wird dies verboten), eine dilettantische und vollkommen unsinnige Rechtschreibreform durchgeführt - auf Kosten der Schüler und zum Schaden der Gesellschaft. Auf Disziplin legen die meisten Lehrer (damit meine ich auch die mit -innen) wird schon lange nicht mehr Wert gelegt. Erziehung: ist reine Elternsache. Jungen haben z.B. bis einschließlich zur 5.Klasse kaum noch männliche Klassenlehrer als Bezugsperson, nur noch Lehrerinnen- in einer Lebensphase, wo sie zum Jugendlichen werden und männliche Bezugspersonen dringend bräuchten, die ihnen als Vorbild, Vertrauens- und Respektsperson dienen würden. Dies ist bekannt, aber der Staat tut nichts, um diesen bekannten Mißstand zu ändern. Nachhilfe boomt, ein klares und auch bekanntes Zeichen für das Versagen des Staates in Sachen Schulbildung. Daß Unterrichtsstunden zuhauf ausfallen, wird von Kultusministern meist als falsch dargestellt und die statistischen Nachweise der Eltern und Elternvertreter angezweifelt. Trotz der Reduzierung von G9 auf G8 schafft es der Staat immer noch nicht, die Schulpflicht genügend zu erfüllen. Mit PISA wird das ganze Versagen nur statistisch belegt, aber kaum verändert. Wer als Eltern Verantwortung zeigt, kann also -wenn er es sich leisten kann- gar nicht anders handeln, als seine Kinder in eine private Schule zu bringen, wo man Bildung und Erziehung noch umsetzt. Was das Problem in Berlin betrifft: Daß Eltern ihre Kinder von Schulen abziehen, ist also nicht die Ursache des Problems, sondern ein Symtom, das in Berlin aufgrund seiner Bevölkerungsstruktur noch stärker ausgeprägt ist als in anderen Ländern.
Aber was will man auch von einem Land, einer Landeshauptstadt anderes erwarten als eine miserable Schulpolitik, wenn sie Religion nicht als gleichwertiges Unterrichtsfach anerkennt.
Ehrlich wäre es, wenn der Staat sich komplett aus der Schulbildung verabschieden würde. Die Altersversorgung hat er ja auch ausgelagert auf die Privatpersonen, weil er es nicht mehr kann.
12.05.2009 16:44 Uhr
von Roger Beathacker:
"wem die zu gründende Schule eine Heimat geben soll: den bürgerlichen Kreuzbergern, die nicht aus dem Kiez wegziehen wollen - und die zugleich ihre Kinder nicht in die vorhandenen staatlichen Schulen geben wollen, die zwischen 70 bis 99 Prozent Zuwandererkinder haben."
Kann man ja verstehen, da ist man gerade erst ins ach so "schicke" Kreuzberg uebergesiedelt und dann wimmelt es da nur so von Auslaendern ...
Eine einzelne Schule, die sich einen Auslaenderanteil von max. 30% auf die Fahnen schreibt, ist alles andere als eine Problemloesung - im Gegenteil, es liegt auf der Hand, dass sich dadurch die Situation an den uebrigen Schulen weiter zuspitzen wird. Das ist uebrigens eine der Ursachen der gegenwaertigen Lage: sobald der Auslaenderanteil an einer beliebigen Kreuzberger Grundschule einen gewissen Anteil ueberschritten hatte nahm das deutsche Elternvolk die Beine in die, aeh die Kindlein an die Hand und versuchte den lieben Nachwuchs auf biegen und brechen woanders unterzubringen, was dann natuerlich einen noch groesseren Auslaenderanteil an den weniger beliebten Schulen zur Folge hatte. Vor gut zwanzig Jahren versuchten die "bürgerlichen Kreuzberger", die Roseggerschule zu meiden und ihre Kindlein vorzugsweise an der damals als noch vorbildlich geltenden Lenuaschule unterzubringen. Zehn Jahre spaeter war die Lenauschule selbst eine derjenigen, die von "bürgerlichen Kreuzbergern" gemieden wurde. Inzwischen scheinen die "Ressourcen" erschoepft, so dass anscheinend nur noch die Flucht ins Private bleibt ...