Wer in die Stadtbibliothek Steglitz-Zehlendorf geht, leiht dort nicht unbedingt ein Buch aus: Viele Besucher schmökern in Zeitungen, hören in CDs rein oder sitzen im Café. Am beliebtesten sind Fortbildungsbücher.von SEBASTIAN HEISER
taz: Frau Dreher, was haben Sie sich zuletzt ausgeliehen?
EVELINE DREHER ist seit dem Jahr 2007 die Leiterin der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Sie ist ausgebildete Diplom-Bibliothekarin.
Eveline Dreher: Eine CD des Tenors Jonas Kaufmann. Ich hatte einen Fernsehbericht über ihn gesehen und war neugierig geworden, die CD hat mir auch gut gefallen.
Ist das typisch? Was wird am häufigsten bei Ihnen ausgeliehen?
Die große Musikabteilung ist unsere Spezialität, wir haben 15.000 CDs und mehr als 30.000 Noten. Und ansonsten haben wir noch das übliche Angebot, das alle Stadtbibliotheken haben. Rund 60 Prozent unserer Nutzer leihen sich Bücher zur Aus- und Fortbildung aus. Die nehmen dann oft noch einen Roman oder eine DVD mit; aber im Vordergrund steht, sich selbst weiterzubilden. Das hat sich auch in den vergangenen 30 Jahren, in denen ich inzwischen schon in Bibliotheken arbeite, nicht groß geändert.
Was hat sich dann geändert?
Wir sind jetzt auch ein Aufenthaltsort geworden. Im September 2006 sind wir in das Einkaufzentrum Das Schloss gezogen, und hier haben wir mehr Tische und Sitzmöglichkeiten und ein eigenes Café. Es kommen viel mehr Leute zu uns, die einfach nur Zeitung lesen oder im Internet surfen oder in Büchern schmökern möchten, ohne etwas auszuleihen. Vor den Schulklausuren hatten wir auch Schülergruppen, die sich hier zum Lernen getroffen haben. Seit dem Umzug ist auch die Zahl der Besucher stark angestiegen, auf 400.000 im Jahr 2007. Auch unsere Öffnungszeiten haben wir ausgeweitet, wir haben jetzt unter der Woche von 10 bis 20 Uhr geöffnet, samstags von 12 bis 16 Uhr.
Jeder Bezirk sollte eigentlich seinen Bibliotheken 1,50 Euro pro Einwohner und Jahr für den Kauf neuer Medien zur Verfügung stellen. Wie viel sind es in Steglitz-Zehlendorf?
Leider nur rund 50 Cent, das reicht natürlich hinten und vorne nicht. Zwischen dem Jahr 2002 und 2006 ist die Zahl unserer Besucher um 60 Prozent gestiegen; das heißt, dass die Medien natürlich auch viel stärker verschleißen und früher ersetzt werden müssen - aber dafür fehlt das Geld. Wir sind aber schon froh, wenn wir wenigstens bei unseren Angestellten nicht kürzen müssen, damit wir unseren Service aufrechterhalten können.
Die Mitgliedsgebühr bei Ihnen kostet pro Jahr 10 Euro, ermäßigt sind es sogar noch weniger. Die Ausleihe der meisten Medien ist dann kostenlos. Machen Sie damit denn nicht den privaten Videotheken Konkurrenz?
Das kann sein, aber wir haben doch etwas andere Zielgruppen. Der Vorteil für die Nutzer bei uns ist, dass sie jede DVD gleich für zwei Wochen ausleihen können. Das hat aber auch gleich den Nachteil, dass viele unserer 3.000 DVDs gerade ausgeliehen sind. Immerhin wird jeder Film bei uns im Schnitt 25-mal innerhalb eines Jahres ausgeliehen. Da kann es vorkommen, dass man ein paar Monate auf seine Wunsch-DVD warten muss, weil die Warteliste so lang ist. Viele unserer Nutzer stöbern daher im vorhandenen Angebot. Wer sich darauf verlassen will, einen gerade erst auf DVD erschienenen Film zu bekommen, geht dann eher in die Videothek. Ganz neu im Angebot der öffentlichen Bibliotheken ist die Internet-Ausleihe von Hörbüchern, E-Books, Zeitschriften oder Dokumentarfilmen. Die kann man sich dann online herunterladen und eine Woche lang nutzen.
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