Inhalte im Netz sollen Geld kosten, wünschen sich die Verleger. Damit sie diese auch bezahlen, müssen die Leser erst mal daran gewöhnt werden.von Ben Schwan
Da muß die Journaille aber in Vorleistung gehen und erst mal den Beweiß antreten, daß noch anderes als Kampagnenjournalismus, PR und Hofberichterstattung möglich ist.
Wenn man sich die Verlagslandschaft anschaut, kann man nur zu einem Schluß kommen: Inhaltlich soll alles beim alten bleiben aber die Leute sollen dafür bezahlen.
Oder glaubt jemand ernsthaft, daß sich die Grundhaltungen der hinter den Verlagen stehenden Köpfe und der in Abhängigkeit stehenden Journalisten ändern werden weil der Bürger für seinen Informationsbedarf zahlen muß?
10.12.2009 12:57 Uhr
von Boris:
Bevor sie sich überlegen ob, wann, wofür und wieviel zu Zahlen ist sollten sie sich erstmal ein vernünftiges Bezahlsystem ausdenken. Denn, sich erst irgendwo (sprich: bei jedem Anbieter einzeln) registrieren und Kreditkarten-/Kontodaten eingeben zu müssen hat in meinen Augen die größere Abschreckung als Cent- oder gar Eurobeträge.
10.12.2009 09:00 Uhr
von vom Kothen:
Da einerseits eh nur noch Lobbyistenpropaganda verbreitet wird, und andererseits sich News und Artikel gleichen, also wenn Agenturmeldungen identisch in Spiegel Online und Focus Online und dann auch noch in Welt Online stehen... Was soll da bezahlt werden? Soll ich drei oder vier mal zahlen für ein und dieselbe und zudem völlig unreflektierte Version einer einzigen Nachricht?
10.12.2009 05:50 Uhr
von Susi Sorglos:
Ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn ein Teil der Wirtschaftspropagandamaschinen, die uns das Magd- und Knechtsein als alternativlose Lebensperspektive verkaufen wollen, hinter einer PayWall verschwänden. Es kommt auch nicht oft vor, daß mich Googleanfragen auf eine Zeitungsseite leiten. Wahrscheinlich, weil ich gerade nicht nach dem suche, was sie mit ihrer »Qualität« anzubieten haben: Halbwissen, Geschichtsklitterung, Schleichwerbung, Hype, Panikmache, PR-Desinformation und vor allem Schweigen.
Mal ein Beispiel: Die Ereignisse des 17. Juni 1953 werden uns regelmäßig mit medialen Breitseiten in Erinnerung gebracht - aber wem sagt der 12. November 1948 etwas? An diesem Tag sind über neun Millionen Arbeiter in der britischen und amerikanischen Besatzungszone in einen Generalstreik (der natürlich nicht so heißen darf) getreten. Als einzige Zeitung hat der »Freitag« mal darüber berichtet (http://www.freitag.de/2003/46/03461001.php).
Also sollen sie ruhig mit »Freemium«-Modellen die Nutzer ärgern, auf daß sie beim Aufpoppen der Zahlungsaufforderung das Weite suchen...
10.12.2009 01:49 Uhr
von Linda:
Kontrovers weil Springer
Ich wäre sofort bereit, für eine taz-App zu zahlen. Ich habe die online taz ausprobiert und das Format ist bisher für mich nicht praktikabel. Da sollte mehr passieren ..
09.12.2009 20:31 Uhr
von Martin:
Aus Verlegersicht ist das schon zu verstehen, aber warum sollte ich für Welt Online bezahlten Content buchen, der doch bekanntermaßen tendenziös gefärbt ist? Gut, das ist er bei anderen Mainstreammedien auch, aber dort unangemessen überdeutlich. Außerdem wird im Forum zensiert, was nicht auf Linie ist.
Nun hat Hr. Döpfner zwar gesagt, Qualitätsjournalismus rechtfertigt Bezahl-Content oder so ähnlich. Aber dieses liniengetreue Geschreibsel als Qualitätsjournalismus zu bezeichnen ist IMO einfach lächerlich. So bekommt er höchstens Kunden, die so was lesen wollen. Aber keine wirklich neue Zielgruppe.
09.12.2009 18:37 Uhr
von Kommentator:
Qualität hat ihren Preis: deswegen sind lokale, üble Unions-Propagada-Blätter jetzt schon für unsummen im netz erwerbbar. Und deswegen wollen Springer voran und die taz (noch?) nicht. Deswegen sind telepolis und super investigative Blogs (zu speziellen Themen) kostenfrei.
Lasst die Dumpfbackenblätter wie Welt, Spiegel, Stern und Focus, Bild, BZ und co. nur voran. Dann habt ihr mehr Visits, Clicks, mehr Abonnenten, mehr Neukunden.
Was bezahlt wird, sind allgemein nur opportunistische Redakteure, die genug Kohle wollen*, die dpa-Lügen-Maschine etc.
*taz ist hiervon nicht betroffen, da ihr doch noch n paar Idealisten hocken, denen ihre ernsthafte Arbeit wichtiger ist als ein hohes Einkommen. Diesbezüglich: Hut ab!
Fehlt nur noch, dass ihr zur ausgewogenen, detailreichen und unabhängigen Berichterstattung zurückgekehrt und ihr seid ne (moralische) Geldanlage wert.
09.12.2009 17:48 Uhr
von Moped City:
Ganz ehrlich: Qualität hat seinen Preis - und wir sind eben leider eine Aldi-Gesellschaft geworden, die alles umsonst haben möchte. Ich finde es okay, wenn ich für Inhalte zahlen müsste - auch bei TAz.de. Ich habe vor einigen Monaten ein Archiv-Abo beantragt für ´nen Fuffi und ehrlich gesagt: Der Fuffi hat sich gelohnt. Nur: die Einnahmen müssen für seriösen Journalismus ausgegeben werden und nicht für den Gewinn der Verleger! Und zum Thema Zeitung: Ich bin so krass dass ich mediengesetzlich fordere: die möglichen Online-Gewinne müssen in den Erhalt der Zeitungslandschaft in Deutschland fließen. Es lebe der Meinungspliuralismus!
Leserkommentare
10.12.2009 17:11 Uhr
von Nordwind:
Da muß die Journaille aber in Vorleistung gehen und erst mal den Beweiß antreten, daß noch anderes als Kampagnenjournalismus, PR und Hofberichterstattung möglich ist.
Wenn man sich die Verlagslandschaft anschaut, kann man nur zu einem Schluß kommen: Inhaltlich soll alles beim alten bleiben aber die Leute sollen dafür bezahlen.
Oder glaubt jemand ernsthaft, daß sich die Grundhaltungen der hinter den Verlagen stehenden Köpfe und der in Abhängigkeit stehenden Journalisten ändern werden weil der Bürger für seinen Informationsbedarf zahlen muß?
10.12.2009 12:57 Uhr
von Boris:
Bevor sie sich überlegen ob, wann, wofür und wieviel zu Zahlen ist sollten sie sich erstmal ein vernünftiges Bezahlsystem ausdenken.
Denn, sich erst irgendwo (sprich: bei jedem Anbieter einzeln) registrieren und Kreditkarten-/Kontodaten eingeben zu müssen hat in meinen Augen die größere Abschreckung als Cent- oder gar Eurobeträge.
10.12.2009 09:00 Uhr
von vom Kothen:
Da einerseits eh nur noch Lobbyistenpropaganda verbreitet wird, und andererseits sich News und Artikel gleichen, also wenn Agenturmeldungen identisch in Spiegel Online und Focus Online und dann auch noch in Welt Online stehen...
Was soll da bezahlt werden?
Soll ich drei oder vier mal zahlen für ein und dieselbe und zudem völlig unreflektierte Version einer einzigen Nachricht?
10.12.2009 05:50 Uhr
von Susi Sorglos:
Ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn ein Teil der Wirtschaftspropagandamaschinen, die uns das Magd- und Knechtsein als alternativlose Lebensperspektive verkaufen wollen, hinter einer PayWall verschwänden. Es kommt auch nicht oft vor, daß mich Googleanfragen auf eine Zeitungsseite leiten. Wahrscheinlich, weil ich gerade nicht nach dem suche, was sie mit ihrer »Qualität« anzubieten haben: Halbwissen, Geschichtsklitterung, Schleichwerbung, Hype, Panikmache, PR-Desinformation und vor allem Schweigen.
Mal ein Beispiel: Die Ereignisse des 17. Juni 1953 werden uns regelmäßig mit medialen Breitseiten in Erinnerung gebracht - aber wem sagt der 12. November 1948 etwas? An diesem Tag sind über neun Millionen Arbeiter in der britischen und amerikanischen Besatzungszone in einen Generalstreik (der natürlich nicht so heißen darf) getreten. Als einzige Zeitung hat der »Freitag« mal darüber berichtet (http://www.freitag.de/2003/46/03461001.php).
Also sollen sie ruhig mit »Freemium«-Modellen die Nutzer ärgern, auf daß sie beim Aufpoppen der Zahlungsaufforderung das Weite suchen...
10.12.2009 01:49 Uhr
von Linda:
Kontrovers weil Springer
Ich wäre sofort bereit, für eine taz-App zu zahlen. Ich habe die online taz ausprobiert und das Format ist bisher für mich nicht praktikabel. Da sollte mehr passieren ..
09.12.2009 20:31 Uhr
von Martin:
Aus Verlegersicht ist das schon zu verstehen, aber warum sollte ich für Welt Online bezahlten Content buchen, der doch bekanntermaßen tendenziös gefärbt ist? Gut, das ist er bei anderen Mainstreammedien auch, aber dort unangemessen überdeutlich.
Außerdem wird im Forum zensiert, was nicht auf Linie ist.
Nun hat Hr. Döpfner zwar gesagt, Qualitätsjournalismus rechtfertigt Bezahl-Content oder so ähnlich. Aber dieses liniengetreue Geschreibsel als Qualitätsjournalismus zu bezeichnen ist IMO einfach lächerlich. So bekommt er höchstens Kunden, die so was lesen wollen. Aber keine wirklich neue Zielgruppe.
09.12.2009 18:37 Uhr
von Kommentator:
Qualität hat ihren Preis:
deswegen sind lokale, üble Unions-Propagada-Blätter jetzt schon für unsummen im netz erwerbbar.
Und deswegen wollen Springer voran und die taz (noch?) nicht.
Deswegen sind telepolis und super investigative Blogs (zu speziellen Themen) kostenfrei.
Lasst die Dumpfbackenblätter wie Welt, Spiegel, Stern und Focus, Bild, BZ und co. nur voran.
Dann habt ihr mehr Visits, Clicks, mehr Abonnenten, mehr Neukunden.
Was bezahlt wird, sind allgemein nur opportunistische Redakteure, die genug Kohle wollen*, die dpa-Lügen-Maschine etc.
*taz ist hiervon nicht betroffen, da ihr doch noch n paar Idealisten hocken, denen ihre ernsthafte Arbeit wichtiger ist als ein hohes Einkommen.
Diesbezüglich: Hut ab!
Fehlt nur noch, dass ihr zur ausgewogenen, detailreichen und unabhängigen Berichterstattung zurückgekehrt und ihr seid ne (moralische) Geldanlage wert.
09.12.2009 17:48 Uhr
von Moped City:
Ganz ehrlich: Qualität hat seinen Preis - und wir sind eben leider eine Aldi-Gesellschaft geworden, die alles umsonst haben möchte. Ich finde es okay, wenn ich für Inhalte zahlen müsste - auch bei TAz.de. Ich habe vor einigen Monaten ein Archiv-Abo beantragt für ´nen Fuffi und ehrlich gesagt: Der Fuffi hat sich gelohnt. Nur: die Einnahmen müssen für seriösen Journalismus ausgegeben werden und nicht für den Gewinn der Verleger! Und zum Thema Zeitung: Ich bin so krass dass ich mediengesetzlich fordere: die möglichen Online-Gewinne müssen in den Erhalt der Zeitungslandschaft in Deutschland fließen. Es lebe der Meinungspliuralismus!