Bewegungs-Kolumne 07.06.2018

Selbstbestimmung und Kritik

Was bedeutet Emanzipation? Die AfD weiß es anscheinend nicht. Das kann sie aber noch vom Gegenprotest lernen - auf der Straße oder beim Festival gegen Rassismus.

Bild: dpa

von TORBEN BECKER

Die schleichende Verfestigung rassistischer, sexistischer und antisemitischer Salonfähigkeiten begegnet uns nunmehr fast jede Woche. Zwei äußerst hartnäckige Strategien sind dabei der Geschichtsrevisionismus, mit welchem der unsägliche Schrott einer tausendjährigen deutschen Geschichte herbeifabuliert werden kann. Zweitens sind oberflächliche Pseudo-Argumente, die letztlich nur neuen Tabubrüchen Vorschub leisten, zu nennen.

Ziel dieser Strategien sind vermeintliche Rekonstruktionen von Geschichte und Identitäten, die nach einem ausgrenzenden Muster á la NPD-Manier funktionieren. Dieser Mist ist anscheinend leider keine Ausnahme. So hat die AfD-Aktivistin Leyla Bilge beispielsweise erneut den sogenannten „Marsch der Frauen“ durch Berlin angekündigt. Der Wolf im Schafspelz gibt sich emanzipatorisch, doch wenn man sich ihr Vorhaben genauer anschaut, zeigt sich, dass die vermeintlich „gefährdete deutsche Frau“ als antifeministische Chiffre dient.

Glücklicherweise wurde das schon im Februar nichts mit diesem Marsch, denn 1500 Gegendemonstrant*innen verhinderten dessen Gelingen. Auch für den aktuellen Aufmarsch am Samstag formiert sich wieder reichlich Widerstand. Mit den Bildern des Protestes gegen die AfD am 27. Mai 2018 im Hinterkopf wird gezeigt, dass man die Engstirnigkeit der AfD nicht einfach durch die Straßen schleichen lässt. • 9.6., Mehringplatz, 13 Uhr

Zeitgleich wird in Wilmersdorf gegen den sogenannten „Al-Quds-Tags-Aufmarsch“ demonstriert. Seit 22 Jahren wird dieser Tag in Berlin als Inszenierung des Kampfes für „die Unterdrückten der Welt“ unter antisemitischen Vorzeichen gegen Israel genutzt. Auch hierzu gibt es antifaschistischen Widerstand und Gegenproteste. • 9.6., U-Bhf Wilmersdorfer Straße, 12 Uhr

Aktivist*innen aus der Nachbarstadt Potsdam organisieren eine Anreise, um sich dem Gegenprotest anzuschließen. • 9.6., Potsdam Hbf Infopoint, 11:10 Uhr

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Solidarischer Widerstand gegen die Verrohung unseres Zusammenlebens formiert sich aber auch abseits der Straße. Am Dienstag beginnt das dreitägige „festival contre le racisme“ an der Freien Universtität Berlin.

In zahlreichen Veranstaltungen setzt man sich hier mit rassismus- und herrschaftskritischen Inhalten der Gegenwart auseinander – erst kürzlich räumte Deutschland vor dem UN-Menschenrechtsrat ein, ein strukturelles Rassismus-Problem zu haben • 12.-14.6., FU Berlin/Dahlem, Programm unter: http://festival-contre-racisme.berlin/).