Max von Sydow erträgt den halbstündigen Spuk einer Pressekonferenz mit in 60 Berufsjahren antrainiertem Gleichmut. Allein seine Landsleute rühren ihn.von David Denk

Max von Sydow in "Extremely loud...". Bild: dpa
Die Schweden sind in diesen Tagen ein bisschen neidisch auf Berlin, natürlich nicht wegen des Wetters, sondern wegen Max von Sydow. Der ist nämlich zur Berlinale in der Stadt, um seinen neuen Film "Extrem laut und unglaublich nah" zu promoten. In seiner Heimat dagegen hat sich der 82-Jährige mit dem deutschen Namen, aber den schwedischen Wurzeln wohl schon Ewigkeiten nicht mehr blicken lassen.
Das nimmt ein Journalist von Svenska Dagbladet bei der Pressekonferenz zur Adaption des Jonathan-Safran-Foer-Romans zum Anlass, von Sydow eine Rückkehr schmackhaft zu machen, und sei es nur für einen Film. Es ist kein Vorwurf in seiner Stimme, eher Sehnsucht. "Wir alle lieben sie", sagt der Journalist und dass man vor Stolz platze angesichts der Oscarnominierung von Sydows für seine stumme Nebenrolle an der Seite des jungen Hauptdarstellers Thomas Horn.
Wie im Film drängelt sich von Sydow auch bei der Pressekonferenz nicht in den Vordergrund, sondern lässt "Mr. Horn", wie er den etwas altklugen Jungen scherzhaft nennt, den Raum, seine erste Pressekonferenz zu genießen. Vorher habe er nur mal einen Grashüpfer im Schultheater gespielt, verrät der.
Und wie im Film macht Thomas auch auf der Bühne im Hyatt seinen Job gut, die Journalisten lieben ihn, besonders als er Regisseur Stephen Daldry - die Stars des Films Tom Hanks und Sandra Bullock fehlen - eine dieser komplett irrelevanten Journalistenfragen erklärt, die dieser nicht verstanden hat - ob nur akustisch oder auch inhaltlich, wird nicht ganz klar. Er bekommt jedenfalls Szenenapplaus.
Von Sydow sitzt daneben und erträgt den halbstündigen Spuk mit in 60 Berufsjahren antrainiertem Gleichmut. Seine Züge sind so stoisch wie die an ihn gerichteten Fragen beknackt. Nur die Sehnsucht seiner Landsleute - oder muss man sagen: Ex-Landsleute? - scheint ihn zu rühren, was an seiner Miene nicht abzulesen ist, aber an dem Nachdruck, mit dem er sich für die herzlichen Worte bedankt.
Schweden sei ein "großartiges Land", sagt er, nur habe er sich nach vielen Jahren in Paris um die französische Staatsbürgerschaft bemüht. Und Schweden akzeptiere dummerweise keine doppelte Staatsbürgerschaft. Sollten tatsächlich alle Schweden nur halb so begeistert von Max von Sydow sein wie dieser eine Journalist, wird sich dafür aber auch noch eine Lösung finden lassen - erst recht wenn er den Oscar tatsächlich gewinnt.
Dieter Kosslick und sein Team stellten ein inspirierendes und zeitkritisches Filmprogramm zusammen. Nur die Juryentscheidungen hinkten hinterher. von Cristina Nord

Der 70-jährige österreichische Regisseur Michael Haneke gehört längst keiner nationalen Filmkultur mehr an, sondern dem Weltkino. Mit „L'Amour“ gewinnt er in Cannes. von Bert Rebhandl

Die Tage vom 9.-19. Februar stehen im Zeichen des Kinos. Mit dem Historiendrama "Les adieux à la reine" eröffnen am 9. Februar die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. 395 Filme sind es insgesamt, 18 davon konkurrieren um den Goldenen Bären, der am 18. Februar verliehen wird.
Die Wettbewerbsjury wird von dem britischen Filmemacher Mike Leigh geleitet, zu den RegisseurInnen und SchauspielerInnen, die einen Berlinbesuch angekündigt haben, zählen Angelina Jolie, Billy Bob Thornton, Charlotte Gainsbourg, Isabelle Huppert, Meryl Streep und Zhang Yimou.
Die taz begleitet die Berlinale mit ausführlicher Berichterstattung, treibt sich am Potsdamer Platz herum, empfiehlt die einen Filme und warnt vor den anderen, spricht mit Regisseuren und Regisseurinnen. All das finden Sie ab dem 9. Februar in unserem Berlinale-Schwerpunkt.
Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare