Die Beliebtheit Karl-Theodor zu Guttenbergs bei großen Teilen der Bevölkerung gibt vielen Medien Rätsel auf. Dabei sind gerade sie die Ursache des Phänomens.von Petra Hemmelmann
@Teresias Sehr treffend, Ihre Worte. Die Kleider des Kaisers...! Nun diesem Aspiranten hat man auch Kleider angedichtet und er trug sie mit Würde, also dieser Doktorwürde und dieser Freiherrwürde, sowas zieht. Aber das eigentliche Gewand, heisst Charisma. Der BILD Animator spielt es hoch in der Talkshow und schon antworteten die Klaqueure. Da können andere Teilnehmer über die hässlichen Fakten reden, nicht ohne Applaus, aber Charisma, das trifft den Punkt. Diese scheinbar rare Qualität, die trifft den Geschmack, das erweckt blindes Vertrauen. Das ist unser Mann, das Volk jubelt. Den zum Jubeln ist das Volk ja schliesslich da. Ein nachdenkliches Volk ist Gift für Politiker.
26.02.2011 12:06 Uhr
von Gockel:
@Petra-die-Autorin: nein, müssen wir keinesfalls. bin nur über diesen einen satz (subjektiver eindruck, objektive bestätigung) gestolpert.
hast du auch untersucht inwiefern die bewertung des herrn guttenberg (positiv/negativ) in den einzelnen zeitungen von bestimmten journalisten in diesen redaktionen geprägt werden? also kultivieren nur bestimmte journalisten ein besonders positives/negatives guttenberg-bild oder bist du zu dem ergebnis gekommen, dass das nicht an der persönlichkeit des schreibenden festzumachen ist?
26.02.2011 08:37 Uhr
von laura:
@Seeräuber-Jens: Du Schlauberger, bei der tollen BILD-Umfrage konnte auch jeder Idiot mitmachen (wobei man ja auch WIRKLICH ein Idiot sein musste, um dafür auch noch 14 Cent pro Minute zu zahlen und dem Propaganda-Blatt auch noch Geld in den Rachen zu stecken).
Und obwohl dort jeder anonym und mehrfach anrufen konnte und obwohl ganze CSU-Ortsvereine und Guttenbergs Alumni-Freunde von der Atlantik-Brücke offen zur Manipulation Pro-Guttenberg aufgerufen haben, wurde dieses Ergebnis als angeblich "klares Bekanntnis der Deutschen" für Guttenberg auf Seite 1 der BILD mit der Schlagzeile "Deutschland hat abgestimmt" präsentiert.
Genauso kann jeder Befragung und Abstimmung problemlos manipuliert werden - und wird aber doch immer wieder als "Beleg" für einen Trend vorgeführt.
25.02.2011 23:33 Uhr
von Petra-die Autorin:
@ Gockel und Grech: wie in der autorenbeschreibung schon zu lesen ist, habe ich meine diplomarbeit zu dem thema verfasst. ich bin freie journalistin, kein festes mitglied der taz-redaktion. die arbeit ist eine quantitative inhaltsanalyse, deren ergebnisse valide sind. dass es das abstrakte gut der objektivität in fragen wie dieser gar nicht geben kann - auch in der wissenschaft nicht -, darüber müssen wir denk ich hier nicht diskutieren.
25.02.2011 20:27 Uhr
von Seeräuber-Jens:
@ dein name:
Da kann jeder Idiot mitmachen, Ihr Internetausdrucker. Die wollen noch nicht mal eine emailadresse zur Verifikation. Ich habe z.B. mit “Prof. Josef Ratzinger, Universität Regensburg” unterzeichnet, mal gucken, was passiert … (Gegenwärtig ist die Seite überlastet.)
25.02.2011 19:12 Uhr
von Gockel:
@Grech: lies nochmal die autorenberschreibung, dann wirst du feststellen, dass die verfasserin dazu eine wissenschaftliche arbeit verfasst hat und die ergebnisse aus einer qualitativen inhaltsanalyse stammen. ergebnisse einer interpretativen methode dann als "objektive fakten" zu verkaufen, halte aber auch für ein bisschen verquer.
aber eigentlich weiß ich auch gar nicht warum leute wie du taz-artikel lesen. vielleicht um sich zwanghaft in ihrer vorgefertigten meinung von der linken hetzpresse bestätigt zu wähnen?
25.02.2011 19:09 Uhr
von Hubert Rudnick:
Liebling der Medien? Sind unsere Medien schon auf dem Weg zu einer Berlusconigesellschaft, oder warum haben sie sich einen Blender und Betrüger als ihren Liebling auserkoren? Das dieser Mann ein Blender ist, dass hätten gute Journalisten schon vor der Berufung des KTG zum Wirtschaftsminister erkennen können. Aber nein das wollte man nicht sehen, da hat einer eine Lüge in die Welt gesetzt und alle anderen haben sie erweitert und es in ihren Medien verbreitet. Was wollte und will man wieder einmal damit erreichen? Möchte man diesen vielen bunten Boulevardblättern nacheifern und über die Scheinwelt des untergegngenen Aldel berichten, oder warum hat man es verlernt seine journalistische Aufgabe nachzukommen?
25.02.2011 18:35 Uhr
von GonZoo:
Die Liebe der meisten deutschen Medien zu Gauner, Betrügern, Hochstaplern, Kriminellen und, wenn man das alles zusammennimmt, Unions- und FDP-Politikern kann man versuchen zu erklären.
Muß man aber nicht.
Denn es ist doch ganz einfach: das Geld bestimmt, wer von den Medien hochgejubelt wird, genauer gesagt das Geld, das man den Medien gibt. Das Geld stammt letztlich von Lobbyisten, die Leute wie Guttenberg oder Westerwelle erst möglich machen.
25.02.2011 18:14 Uhr
von Ralph:
Der Knackpunkt ist die Frage, weshalb die Mehrheit der Bevölkerung das positive Bild von zu Guttenbergs Politik und Person angenommen hat, nun aber den Wandel ablehnt. Nach meiner Beobachtung zieht sich die Grenze zwischen Zustimmung und Ablehnung ungeachtet der Parteipräferenzen entlang eines gewissen Bildungsniveaus. In den Guttenberg-freundlichen Kommentaren wird medienübergreifend immer noch von falsch gesetzten Gänsefüßchen und Fußnoten gesprochen. Die Menschen setzen den Vorfall gleich mit einem Tippfehler, dem Spicken in der Klassenarbeit oder allerhöchstens der Übernahme einer kleinen Hausarbeit aus dem Internet. Von daher erscheint ihm auch die Entschuldigung zu Guttenbergs glaubwürdig und der Situation angemessen. Dem ohnehin Akademiker-skeptischen Normalbürger ist die wissenschaftliche Landschaft mit ihren Arbeiten und Titeln derart fremd, dass ihm der Stellenwert einer Doktorarbeit nicht zu vermitteln ist. Warum er wichtig für den Bestand der Wissenschaft ist und die Taten zu Guttenbergs daher viel schwerer wiegen als gelegentliche Mogeleien in Hausarbeiten und Prüfungen natürlich auch nicht. Von daher werden die Ablenkungsmanöver von Union und FDP liebend gern geschluckt und wiedergekäut. Die Feststellung dass die Menschen eben ihre eigenen Werturteile fällen ist insofern richtig, ändert aber nichts an den ggf. fatalen Konsequenzen.
Ob zu Guttenberg im Amt bleibt oder nicht halte ich politisch für uninteressant. Jemand anderes würde seine Politik ähnlich schlecht weiterführen, wenn er zurückträte. Die Katastrophe für mich ist der Tritt ins Gesicht eines jeden Wissenschaftlers den die Union vollzogen hat, gipfelnd in der herabwürdigenden Benutzung des Ausdrucks "Wissenschaftlicher Mitarbeiter" durch Frau Merkel und die massive Vertiefung des ohnehin schon erschreckend tiefen Grabens zwischen Akademikern und nicht-Akademikern.
Es bleibt zu hoffen dass der Groschen doch noch fällt.
Über unserer Gesellschaft hängen düstere Wolken der Korruption, des Betruges und der Lüge, und noch will die Mehrheit des Volkes das Verhängnis nicht wahrhaben. Aus diesen Wolken werden in Zukunft Fluten der Verwirrung niedergehen. Welche Folgen wird es haben, wenn das Volk einem Hochstapler verfällt und von ihm in diesen Strudel der Unwahrheit hinabgezogen wird? Eine Folge wird sein, dass die Glaubwürdigkeit von Politikern völlig verloren geht und sich ein jeder nur noch seinen eigenen amoralischen Interessen widmet, mit der Legitimation: Die Regierung macht es doch vor (Was zählt ist der eigene Vorteil). Die Wahrhaftigkeit politischen Handelns ist dann nicht mehr gefragt. Jeder darf betrügen und lügen, ohne dass er Folgen für seine Reputation zu fürchten hat Doch dann, wehe uns! Wem sollen wir, wem können wir noch trauen? Was werden die Menschen tun, die das Lügengespinst einer Regierung durchschauen? Werden sie still ausharren, bis alles untergeht? Werden sie das Lügengespinst zerreißen können? Es wird ein Sumpf aus sittlich verwahrlosten Egoisten entstehen, dem nur wenige entkommen werden. Doch das Volk hat eine Chance. Es kann den Schleier der Unvernunft ablegen und erkennen, welchen Rattenfängern es erlegen ist. Es muss sich nur klarmachen, wie Hochstapelei funktioniert: Es gibt Menschen, die können ein Ideal ohne jede Ambivalenz vortäuschen. Ihr Umfeld träumt von Idealen, ist aber nicht in der Lage diese Ideale im eigenen Leben lebendig werden zu lassen. Nun begegnen sie einem, der alles verkörpert, was sie sich vom eigenen Leben vergeblich erträumt und erhofft haben. Sie werden zu Verehrern dieser hochstaplerischen Lichtgestalt, und ihre Verehrung gibt ihnen das Gefühl der Teilhabe. Sie merken nicht, dass ihre Freude an dieser Lichtgestalt nur eine fade Ersatzbefriedigung für ihre eigenen unbewussten Größenphantasien ist. Sie laufen einem Phantom hinterher, dass außer dem schönen Schein nichts zu bieten hat. Es gibt ein Märchen, darin ruft ein kleines Kind: Der Kaiser ist nackt, und dem Volk fällt es wie Schuppen von den Augen: Das Kind hat recht. Leider ist das nur im Märchen so einfach. Im wahren Leben gibt es Agenten, die das Volk auch dann noch blind machen, wenn eigentlich völlige Klarheit herrschen müsste. Das Problem ist der Schleier der Unvernunft. Das Volk gibt ihn nicht so gerne freiwillig her, denn das Leben ohne Lichtgestalt kommt ihnen trübsinnig vor. Wenn es dann genügend Ohrenbläser gibt, die dem Volk einreden, es gäbe keinen Schleier der Unvernunft, das kleine Kind aus dem Märchen oder der ehrbare Journalist aus den Medien seien lediglich Spielverderber, der dem Volk seine Freude an der Lichtgestalt verderben möchten, ja, dann trägt das Volk mit Freuden den Schleier der Unvernunft auch dann noch, wenn Beweise für die Hochstapelei vorliegen. Außerdem hofft nun der verblendete Verehrer, auch für ihn wäre in Zukunft das Leben einfacher, denn er könne sich nun die Anstrengungen der Redlichkeit ersparen und brauche sie auch nur noch vorzutäuschen. Aus diesem scheinbar doppelten Gewinn wird in der Summe ein Sumpf der Korruption, des Betruges und der Lüge.
25.02.2011 17:20 Uhr
von ohrenflimmern:
Neben der positiven Berichterstattung durch das Wort, gab es auch überwiegend positive Bilder von Guttenberg, wie er stilvoll mit den Kameraden in einer Kaserne eine Bockwurst isst oder im Fokus einer unruhigen Masse der ruhige Pol sind. Das hat mich noch mehr geärgert, wenn Guttenberg wieder mit einem "tollen" Bild auf der Titelseite war. Zum Beispiel wurde er sehr oft von unten fotografiert: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-09/afghanistan-kundus-bundeswehr
Auch andere Politiker in Deutschland haben dieses Mittel für ihre Beliebtheit genutzt....
25.02.2011 17:19 Uhr
von X-TAT:
Es ist doch eventuell nur eine Tatsachenbehauptung"(Zitat:Gabriel), daß die "Deutschen" diesen "Frei"herren wollen !? Diese aktuelle Demokratiebewegung nach Gutsherrenart spielt dem üblichen Wählervergraulen der VOLKS-Parteien doch nur in die Hände. Es gibt halt immer noch die „Herren-Moral und die (Bürger)Sklaven-Moral !“ ( Zitat: Nietsche) Also liebe Nichtwähler "A.... hoch" (Zitat: Götz v. ?) und wählen gehen und bitte zukünftig immer "Regierende" nach der ehemaligen Zulassung abwählen (keine Mandatsverlängerungen mehr!), das bringt alle Jahre wieder den politischen Leistungsgedanken bei den Parteinen in Schwung und verhindert "BERECHENBARE MACHT-NETZWERKE" (Zitat: X-Test) und auch, wie leider aktuell, zukünftige blutige Demokratisierungen !
Wir haben die „Wahl des Kreuzes“ !(Zitat:V. Pispers) ..........also werdet zum UNBERECHENBAREN WAHL-BÜRGER !
Gruß X - TAT ! *Mehr Freiheit für den/die KOPF behaarung!*
25.02.2011 17:14 Uhr
von " leader " !:
In einem mehr als verunsicherten Deutschland nach einer Wiedervereinigung sucht ein Grossteil der Bevölkerung wieder nache einem " leader " !
Und da sich eine Weltwirtschaftskrise nach dem gerechten Araberaufstand " am Horizont " abzeichnet wird man sehen ob Deutschland doch nach einem " Haider " oder " Berlusconi " ruft ?!
Möllemann , Schill , Sarrazin und andere sind ja nur die Vorläufer gewesen.
Schauen Wir mal ( aus dem 8. Mai 1945 hat dieses deutsche Volk wahrlich nicht viel gelernt ! )
25.02.2011 17:05 Uhr
von Joe:
Sehr aufschlussreich finde ich. Die ständige Popularitätsmesserei von Einzelnen hat mich seit geraumer Zeit gestört. Ich komme mir vor wie ein Supermarktchef der die Verkaufszahlen der einzelnen Produkte vorgelegt bekommt und dementsprechend seine Werbung macht. Wie sehr das mit der Werbung klappt ist hier offensichtlich geworden. Sachbezogenheit verliert an Gewicht.
Sich den Guttenberg wieder abzugwöhnen, wird das so schwer werden wie die Sache mit dem Rauchen?
Benötigen wir Plakate wie: Guttenberg gefährdet Eure Gesundheit?
Guttenbergfreie Zonen in den Medien wäre ja auch möglich.
Man sollte sich auch Gedanken machen darüber ob wir dem Karl seine Gesundheit nicht schädigen mit soviel Anhimmelei. Er ist ja schliesslich auch nur ein anfälliger Mensch.
25.02.2011 16:44 Uhr
von mein name:
http://offenerbrief.posterous.com/
Da können alle mitmachen, nicht nur Doktoranden.
25.02.2011 16:18 Uhr
von Niklas:
Auch mit Schuld sind die TV-Sender. Wie oft waren Guttenberg und/oder seine Frau bei Beckmann, Gottschalk, Günter Jauch etc. Und dabei keineswegs immer in "politischer Mission", sondern in eigener Sache, um sich als die deutschen Kennedys zu etablieren, von den TV-Sendern so gewollt. Quotenmacher.
25.02.2011 16:10 Uhr
von Wolfgang Bieber:
Schwer verständlich: Weshalb ist der überführte Minister weiter im Amt? Vor allem aber: Warum in dieser Form, das heißt, unter offenbar ausdrücklicher Billigung des Wahlvolkes? http://bit.ly/feyAOn
25.02.2011 16:07 Uhr
von A.Grech:
"Wenn der CSU-Politiker bewertet wurde, dann in sieben von zehn Fällen zu seinen Gunsten. "
So, so! Und wer hat diese Zahlen wie ermittelt? Ist das eine unabhängige Quelle? Oder wurde das von der - evtl. "etwas" befangenen - taz selber erstellt?
25.02.2011 16:04 Uhr
von Ulrich Thumm:
Ewig schade, dass ich keinen link auf facebook finde. Wie gerne hätte ich den Artikel weiterempfohlen!
25.02.2011 16:00 Uhr
von Martin:
Die These im Artikel finde ich sehr schlüssig. In der Talkrunde bei Frau Illner gestern erwähnte eine andere taz-Redakteurin ja, dass der Stimmungswandel in der Bevölkerung in anderen Fällen (z.B. CDU Spendenaffäre) nicht dann eintrat, als diese ihren medialen Höhepunkt hatten, sondern erst vier Wochen danach.
Wenn das hier auch zutrifft - und das sich radikal geänderte Bild über Guttenberg in den Printmedien dann genügend lange in den Köpfen der Leser verankert hat - werden wir Mitte März komplett andere Umfrage-Ergebnisse haben.
Man könnte sagen: gerade rechtzeitig zu den Wahlen in Sachsen-Anhalt (20. März) sowie Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg (27. März).
25.02.2011 15:59 Uhr
von D. Verfasser:
Das sehe ich überhaupt nicht so - ich glaube nicht das Guttenberg mit dieser Angelegenheit Liebling der Nation geworden ist! Was genau ist eine Medienkompetenz? In diesem Falle ganz sicher: glänzend erscheinen und so tun als ob. Früher hieß das Schwäche.
gez der Verfasser
25.02.2011 15:35 Uhr
von Beobachter:
Das sehe ich überhaupt nicht so - ich glaube nicht das Guttenberg mit dieser Angelegenheit Liebling der Nation geworden ist...
25.02.2011 15:21 Uhr
von Jörg Erb:
Was genau ist eine Medienkompetenz? In diesem Falle ganz sicher: glänzend erscheinen und so tun als ob. Früher hieß das Schwäche.
Leserkommentare
26.02.2011 14:59 Uhr
von Joe:
@Teresias
Sehr treffend, Ihre Worte. Die Kleider des Kaisers...! Nun diesem Aspiranten hat man auch Kleider angedichtet und er trug sie mit Würde, also dieser Doktorwürde und dieser Freiherrwürde, sowas zieht. Aber das eigentliche Gewand, heisst Charisma. Der BILD Animator spielt es hoch in der Talkshow und schon antworteten die Klaqueure. Da können andere Teilnehmer über die hässlichen Fakten reden, nicht ohne Applaus, aber Charisma, das trifft den Punkt. Diese scheinbar rare Qualität, die trifft den Geschmack, das erweckt blindes Vertrauen. Das ist unser Mann, das Volk jubelt. Den zum Jubeln ist das Volk ja schliesslich da. Ein nachdenkliches Volk ist Gift für Politiker.
26.02.2011 12:06 Uhr
von Gockel:
@Petra-die-Autorin: nein, müssen wir keinesfalls. bin nur über diesen einen satz (subjektiver eindruck, objektive bestätigung) gestolpert.
hast du auch untersucht inwiefern die bewertung des herrn guttenberg (positiv/negativ) in den einzelnen zeitungen von bestimmten journalisten in diesen redaktionen geprägt werden? also kultivieren nur bestimmte journalisten ein besonders positives/negatives guttenberg-bild oder bist du zu dem ergebnis gekommen, dass das nicht an der persönlichkeit des schreibenden festzumachen ist?
26.02.2011 08:37 Uhr
von laura:
@Seeräuber-Jens:
Du Schlauberger, bei der tollen BILD-Umfrage konnte auch jeder Idiot mitmachen (wobei man ja auch WIRKLICH ein Idiot sein musste, um dafür auch noch 14 Cent pro Minute zu zahlen und dem Propaganda-Blatt auch noch Geld in den Rachen zu stecken).
Und obwohl dort jeder anonym und mehrfach anrufen konnte und obwohl ganze CSU-Ortsvereine und Guttenbergs Alumni-Freunde von der Atlantik-Brücke offen zur Manipulation Pro-Guttenberg aufgerufen haben, wurde dieses Ergebnis als angeblich "klares Bekanntnis der Deutschen" für Guttenberg auf Seite 1 der BILD mit der Schlagzeile "Deutschland hat abgestimmt" präsentiert.
Genauso kann jeder Befragung und Abstimmung problemlos manipuliert werden - und wird aber doch immer wieder als "Beleg" für einen Trend vorgeführt.
25.02.2011 23:33 Uhr
von Petra-die Autorin:
@ Gockel und Grech:
wie in der autorenbeschreibung schon zu lesen ist, habe ich meine diplomarbeit zu dem thema verfasst. ich bin freie journalistin, kein festes mitglied der taz-redaktion. die arbeit ist eine quantitative inhaltsanalyse, deren ergebnisse valide sind. dass es das abstrakte gut der objektivität in fragen wie dieser gar nicht geben kann - auch in der wissenschaft nicht -, darüber müssen wir denk ich hier nicht diskutieren.
25.02.2011 20:27 Uhr
von Seeräuber-Jens:
@ dein name:
Da kann jeder Idiot mitmachen, Ihr Internetausdrucker. Die wollen noch nicht mal eine emailadresse zur Verifikation. Ich habe z.B. mit “Prof. Josef Ratzinger, Universität Regensburg” unterzeichnet, mal gucken, was passiert … (Gegenwärtig ist die Seite überlastet.)
25.02.2011 19:12 Uhr
von Gockel:
@Grech: lies nochmal die autorenberschreibung, dann wirst du feststellen, dass die verfasserin dazu eine wissenschaftliche arbeit verfasst hat und die ergebnisse aus einer qualitativen inhaltsanalyse stammen. ergebnisse einer interpretativen methode dann als "objektive fakten" zu verkaufen, halte aber auch für ein bisschen verquer.
aber eigentlich weiß ich auch gar nicht warum leute wie du taz-artikel lesen. vielleicht um sich zwanghaft in ihrer vorgefertigten meinung von der linken hetzpresse bestätigt zu wähnen?
25.02.2011 19:09 Uhr
von Hubert Rudnick:
Liebling der Medien?
Sind unsere Medien schon auf dem Weg zu einer Berlusconigesellschaft, oder warum haben sie sich einen Blender und Betrüger als ihren Liebling auserkoren?
Das dieser Mann ein Blender ist, dass hätten gute Journalisten schon vor der Berufung des KTG zum Wirtschaftsminister erkennen können.
Aber nein das wollte man nicht sehen, da hat einer eine Lüge in die Welt gesetzt und alle anderen haben sie erweitert und es in ihren Medien verbreitet.
Was wollte und will man wieder einmal damit erreichen?
Möchte man diesen vielen bunten Boulevardblättern nacheifern und über die Scheinwelt des untergegngenen Aldel berichten, oder warum hat man es verlernt seine journalistische Aufgabe nachzukommen?
25.02.2011 18:35 Uhr
von GonZoo:
Die Liebe der meisten deutschen Medien zu Gauner, Betrügern, Hochstaplern, Kriminellen und, wenn man das alles zusammennimmt, Unions- und FDP-Politikern kann man versuchen zu erklären.
Muß man aber nicht.
Denn es ist doch ganz einfach: das Geld bestimmt, wer von den Medien hochgejubelt wird, genauer gesagt das Geld, das man den Medien gibt. Das Geld stammt letztlich von Lobbyisten, die Leute wie Guttenberg oder Westerwelle erst möglich machen.
25.02.2011 18:14 Uhr
von Ralph:
Der Knackpunkt ist die Frage, weshalb die Mehrheit der Bevölkerung das positive Bild von zu Guttenbergs Politik und Person angenommen hat, nun aber den Wandel ablehnt. Nach meiner Beobachtung zieht sich die Grenze zwischen Zustimmung und Ablehnung ungeachtet der Parteipräferenzen entlang eines gewissen Bildungsniveaus. In den Guttenberg-freundlichen Kommentaren wird medienübergreifend immer noch von falsch gesetzten Gänsefüßchen und Fußnoten gesprochen. Die Menschen setzen den Vorfall gleich mit einem Tippfehler, dem Spicken in der Klassenarbeit oder allerhöchstens der Übernahme einer kleinen Hausarbeit aus dem Internet. Von daher erscheint ihm auch die Entschuldigung zu Guttenbergs glaubwürdig und der Situation angemessen. Dem ohnehin Akademiker-skeptischen Normalbürger ist die wissenschaftliche Landschaft mit ihren Arbeiten und Titeln derart fremd, dass ihm der Stellenwert einer Doktorarbeit nicht zu vermitteln ist. Warum er wichtig für den Bestand der Wissenschaft ist und die Taten zu Guttenbergs daher viel schwerer wiegen als gelegentliche Mogeleien in Hausarbeiten und Prüfungen natürlich auch nicht. Von daher werden die Ablenkungsmanöver von Union und FDP liebend gern geschluckt und wiedergekäut. Die Feststellung dass die Menschen eben ihre eigenen Werturteile fällen ist insofern richtig, ändert aber nichts an den ggf. fatalen Konsequenzen.
Ob zu Guttenberg im Amt bleibt oder nicht halte ich politisch für uninteressant. Jemand anderes würde seine Politik ähnlich schlecht weiterführen, wenn er zurückträte. Die Katastrophe für mich ist der Tritt ins Gesicht eines jeden Wissenschaftlers den die Union vollzogen hat, gipfelnd in der herabwürdigenden Benutzung des Ausdrucks "Wissenschaftlicher Mitarbeiter" durch Frau Merkel und die massive Vertiefung des ohnehin schon erschreckend tiefen Grabens zwischen Akademikern und nicht-Akademikern.
Es bleibt zu hoffen dass der Groschen doch noch fällt.
25.02.2011 18:12 Uhr
von fosca:
http://www.flickr.com/photos/scratchmyfrontlens/5475858489/
25.02.2011 17:58 Uhr
von Teresias:
Über unserer Gesellschaft hängen düstere Wolken der Korruption, des Betruges und der Lüge, und noch will die Mehrheit des Volkes das Verhängnis nicht wahrhaben. Aus diesen Wolken werden in Zukunft Fluten der Verwirrung niedergehen.
Welche Folgen wird es haben, wenn das Volk einem Hochstapler verfällt und von ihm in diesen Strudel der Unwahrheit hinabgezogen wird? Eine Folge wird sein, dass die Glaubwürdigkeit von Politikern völlig verloren geht und sich ein jeder nur noch seinen eigenen amoralischen Interessen widmet, mit der Legitimation: Die Regierung macht es doch vor (Was zählt ist der eigene Vorteil). Die Wahrhaftigkeit politischen Handelns ist dann nicht mehr gefragt. Jeder darf betrügen und lügen, ohne dass er Folgen für seine Reputation zu fürchten hat Doch dann, wehe uns! Wem sollen wir, wem können wir noch trauen? Was werden die Menschen tun, die das Lügengespinst einer Regierung durchschauen? Werden sie still ausharren, bis alles untergeht? Werden sie das Lügengespinst zerreißen können? Es wird ein Sumpf aus sittlich verwahrlosten Egoisten entstehen, dem nur wenige entkommen werden.
Doch das Volk hat eine Chance. Es kann den Schleier der Unvernunft ablegen und erkennen, welchen Rattenfängern es erlegen ist. Es muss sich nur klarmachen, wie Hochstapelei funktioniert: Es gibt Menschen, die können ein Ideal ohne jede Ambivalenz vortäuschen. Ihr Umfeld träumt von Idealen, ist aber nicht in der Lage diese Ideale im eigenen Leben lebendig werden zu lassen. Nun begegnen sie einem, der alles verkörpert, was sie sich vom eigenen Leben vergeblich erträumt und erhofft haben. Sie werden zu Verehrern dieser hochstaplerischen Lichtgestalt, und ihre Verehrung gibt ihnen das Gefühl der Teilhabe. Sie merken nicht, dass ihre Freude an dieser Lichtgestalt nur eine fade Ersatzbefriedigung für ihre eigenen unbewussten Größenphantasien ist. Sie laufen einem Phantom hinterher, dass außer dem schönen Schein nichts zu bieten hat.
Es gibt ein Märchen, darin ruft ein kleines Kind: Der Kaiser ist nackt, und dem Volk fällt es wie Schuppen von den Augen: Das Kind hat recht. Leider ist das nur im Märchen so einfach. Im wahren Leben gibt es Agenten, die das Volk auch dann noch blind machen, wenn eigentlich völlige Klarheit herrschen müsste. Das Problem ist der Schleier der Unvernunft. Das Volk gibt ihn nicht so gerne freiwillig her, denn das Leben ohne Lichtgestalt kommt ihnen trübsinnig vor. Wenn es dann genügend Ohrenbläser gibt, die dem Volk einreden, es gäbe keinen Schleier der Unvernunft, das kleine Kind aus dem Märchen oder der ehrbare Journalist aus den Medien seien lediglich Spielverderber, der dem Volk seine Freude an der Lichtgestalt verderben möchten, ja, dann trägt das Volk mit Freuden den Schleier der Unvernunft auch dann noch, wenn Beweise für die Hochstapelei vorliegen. Außerdem hofft nun der verblendete Verehrer, auch für ihn wäre in Zukunft das Leben einfacher, denn er könne sich nun die Anstrengungen der Redlichkeit ersparen und brauche sie auch nur noch vorzutäuschen. Aus diesem scheinbar doppelten Gewinn wird in der Summe ein Sumpf der Korruption, des Betruges und der Lüge.
25.02.2011 17:20 Uhr
von ohrenflimmern:
Neben der positiven Berichterstattung durch das Wort, gab es auch überwiegend positive Bilder von Guttenberg, wie er stilvoll mit den Kameraden in einer Kaserne eine Bockwurst isst oder im Fokus einer unruhigen Masse der ruhige Pol sind. Das hat mich noch mehr geärgert, wenn Guttenberg wieder mit einem "tollen" Bild auf der Titelseite war. Zum Beispiel wurde er sehr oft von unten fotografiert:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-09/afghanistan-kundus-bundeswehr
Auch andere Politiker in Deutschland haben dieses Mittel für ihre Beliebtheit genutzt....
25.02.2011 17:19 Uhr
von X-TAT:
Es ist doch eventuell nur eine Tatsachenbehauptung"(Zitat:Gabriel), daß die "Deutschen" diesen "Frei"herren wollen !? Diese aktuelle Demokratiebewegung nach Gutsherrenart spielt dem üblichen Wählervergraulen der VOLKS-Parteien doch nur in die Hände.
Es gibt halt immer noch die „Herren-Moral und die (Bürger)Sklaven-Moral !“ ( Zitat: Nietsche)
Also liebe Nichtwähler "A.... hoch" (Zitat: Götz v. ?) und wählen gehen und bitte zukünftig immer "Regierende" nach der ehemaligen Zulassung abwählen (keine Mandatsverlängerungen mehr!), das bringt alle Jahre wieder den politischen Leistungsgedanken bei den Parteinen in Schwung und verhindert "BERECHENBARE MACHT-NETZWERKE" (Zitat: X-Test) und auch, wie leider aktuell, zukünftige blutige Demokratisierungen !
Wir haben die „Wahl des Kreuzes“ !(Zitat:V. Pispers)
..........also werdet zum UNBERECHENBAREN WAHL-BÜRGER !
Gruß X - TAT ! *Mehr Freiheit für den/die KOPF behaarung!*
25.02.2011 17:14 Uhr
von " leader " !:
In einem mehr als verunsicherten Deutschland nach einer Wiedervereinigung sucht ein Grossteil der Bevölkerung wieder nache einem " leader " !
Und da sich eine Weltwirtschaftskrise nach dem gerechten Araberaufstand " am Horizont " abzeichnet wird man sehen ob Deutschland doch nach einem " Haider " oder " Berlusconi " ruft ?!
Möllemann , Schill , Sarrazin und andere sind ja nur die Vorläufer gewesen.
Schauen Wir mal ( aus dem 8. Mai 1945 hat dieses
deutsche Volk wahrlich nicht viel gelernt ! )
25.02.2011 17:05 Uhr
von Joe:
Sehr aufschlussreich finde ich. Die ständige Popularitätsmesserei von Einzelnen hat mich seit geraumer Zeit gestört. Ich komme mir vor wie ein Supermarktchef der die Verkaufszahlen der einzelnen Produkte vorgelegt bekommt und dementsprechend seine Werbung macht. Wie sehr das mit der Werbung klappt ist hier offensichtlich geworden.
Sachbezogenheit verliert an Gewicht.
Sich den Guttenberg wieder abzugwöhnen, wird das so schwer werden wie die Sache mit dem Rauchen?
Benötigen wir Plakate wie: Guttenberg gefährdet Eure Gesundheit?
Guttenbergfreie Zonen in den Medien wäre ja auch möglich.
Man sollte sich auch Gedanken machen darüber ob wir dem Karl seine Gesundheit nicht schädigen mit soviel Anhimmelei. Er ist ja schliesslich auch nur ein anfälliger Mensch.
25.02.2011 16:44 Uhr
von mein name:
http://offenerbrief.posterous.com/
Da können alle mitmachen, nicht nur Doktoranden.
25.02.2011 16:18 Uhr
von Niklas:
Auch mit Schuld sind die TV-Sender. Wie oft waren Guttenberg und/oder seine Frau bei Beckmann, Gottschalk, Günter Jauch etc. Und dabei keineswegs immer in "politischer Mission", sondern in eigener Sache, um sich als die deutschen Kennedys zu etablieren, von den TV-Sendern so gewollt. Quotenmacher.
25.02.2011 16:10 Uhr
von Wolfgang Bieber:
Schwer verständlich: Weshalb ist der überführte Minister weiter im Amt? Vor allem aber: Warum in dieser Form, das heißt, unter offenbar ausdrücklicher Billigung des Wahlvolkes? http://bit.ly/feyAOn
25.02.2011 16:07 Uhr
von A.Grech:
"Wenn der CSU-Politiker bewertet wurde, dann in sieben von zehn Fällen zu seinen Gunsten. "
So, so! Und wer hat diese Zahlen wie ermittelt? Ist das eine unabhängige Quelle? Oder wurde das von der - evtl. "etwas" befangenen - taz selber erstellt?
25.02.2011 16:04 Uhr
von Ulrich Thumm:
Ewig schade, dass ich keinen link auf facebook finde. Wie gerne hätte ich den Artikel weiterempfohlen!
25.02.2011 16:00 Uhr
von Martin:
Die These im Artikel finde ich sehr schlüssig. In der Talkrunde bei Frau Illner gestern erwähnte eine andere taz-Redakteurin ja, dass der Stimmungswandel in der Bevölkerung in anderen Fällen (z.B. CDU Spendenaffäre) nicht dann eintrat, als diese ihren medialen Höhepunkt hatten, sondern erst vier Wochen danach.
Wenn das hier auch zutrifft - und das sich radikal geänderte Bild über Guttenberg in den Printmedien dann genügend lange in den Köpfen der Leser verankert hat - werden wir Mitte März komplett andere Umfrage-Ergebnisse haben.
Man könnte sagen: gerade rechtzeitig zu den Wahlen in Sachsen-Anhalt (20. März) sowie Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg (27. März).
25.02.2011 15:59 Uhr
von D. Verfasser:
Das sehe ich überhaupt nicht so - ich glaube nicht das Guttenberg mit dieser Angelegenheit Liebling der Nation geworden ist!
Was genau ist eine Medienkompetenz?
In diesem Falle ganz sicher: glänzend erscheinen und so tun als ob. Früher hieß das Schwäche.
gez der Verfasser
25.02.2011 15:35 Uhr
von Beobachter:
Das sehe ich überhaupt nicht so - ich glaube nicht das Guttenberg mit dieser Angelegenheit Liebling der Nation geworden ist...
25.02.2011 15:21 Uhr
von Jörg Erb:
Was genau ist eine Medienkompetenz?
In diesem Falle ganz sicher: glänzend erscheinen und so tun als ob. Früher hieß das Schwäche.