Vor mehreren hundert misstrauischen Nachbarn stellen Investoren Pläne für Bernhard-Nocht-Quartier vor. Ihr Angebot: Alle dürfen bei moderater Miete bleiben.von GERNOT KNÖDLER

Die Bernhard-Nocht-Straße in St.Pauli: Darum geht es beim Streit zwischen Demonstranten und Investoren. Bild: dpa
Sie hatten Sprechblasen dabei,wie "Barbeque statt BNQ", gelbe Protestfähnchen und ein Kind als rhetorische Spezialwaffe, das die Anliegen der Initiative auf den Punkt brachte: Mehre Hundert Menschen kamen am Donnerstagabend in die Ganztagesschule St. Pauli, weil die Investoren Köhler & von Bargen ihre Pläne für den Block zwischen Erich- und Bernhard-Nocht-Straße vorstellen wollten. Die Informationen wurden fragmentarisch verabreicht, weil die Kritiker des geplanten "Bernhard-Nocht-Quartiers" von der Initiative "No BNQ" versuchten, die Regie zu übernehmen.
Helmut Köhler und Andreas von Bargen versprachen: Die 14 Mietparteien des Abrisshauses erhalten Ersatzwohnungen im Kiez; die 18 Mietparteien der zu sanierenden vier Häuser sollen zehn Jahre lang für 6,50 netto kalt dort wohnen dürfen. Köhler und von Bargen schlug ebenso wie den anwesenden Bezirkspolitikern ein ungeheures Misstrauen entgegen. Ein Protestler hatte ein Megafon dabei und zitierte aus dem Protokoll einer Sitzung der Bezirkspolitiker mit den Investoren: Demnach sollten die Bestandsmieter nur zurückkehren dürfen, wenn sie neue Verträge abschlössen.
Von Bargen bestritt, dass der Satz so gefallen sei und konnte nicht erklären, wie er im Protokoll landete. Eine Mieterin warf den Investoren vor, erst in letzter Minute über das Projekt informiert und vom Hausverwalter hingehalten worden zu sein.
Bei älteren Kiez-Bewohnern brach sich das Misstrauen gegen die SPD Bahn, die die Hafenstraße habe abreißen wollen, gegen das Projekt Parc Fiction gewesen sei und das Hafenkrankenhaus auf dem Gewissen habe. Dass die SPD jetzt zusammen mit der GAL eine soziale Erhaltungssatzung anbiete, sei reichlich spät.
"Sie reagieren doch nur weil es massiven Widerstand gibt", schimpfte Steffen Jörg vom Stadtteilbüro GWA St. Pauli. Köhler und von Bargen planten neben der Sanierung ein "massives Neubauprojekt". Für viele steht die Angst dahinter, dass die frei finanzierten Neubauten reiche Mieter und Eigentümer ins Viertel locken. Sie würden das Mietniveau und den Charakter des Viertels verändern.
Köhler und von Bargen wollen die vier Bestandshäuser mit Fördergeld für den Sozialen Wohnungsbau sanieren und daher die Mieten nur leicht anheben. Das sei aber nur möglich, wenn sie 78 Miet- und Eigentumswohnungen frei finanziert bauen könnten. "Von keinem anderen Eigentümer auf St. Pauli haben wir eine vergleichbare Zusage", kommentierte der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Andy Grote. "Das ist doch ein Erfolg." Der frühere Eigentümer Burim Osmani habe viel schlimmere Pläne für den Häuserblock gehabt. Damals habe keiner protestiert.
Warum die Stadt nicht versucht habe, die Immobilien zu kaufen, wollte Marc Meyer von Mieter helfen Mietern wissen. 40 Prozent der Wohnungen auf St. Pauli seien preisgebunden, konterte Grote. "Ich rate Ihnen in aller Freundschaft, sich zurückzuziehen", drohte ein Redner aus dem Publikum, "weil es sonst Kämpfe geben wird". Das Kind sagte: "Ich möchte, dass alles so bleibt und keine Häuser abgerissen werden."
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Leserkommentare
01.10.2009 23:24 | Mieter
vielleicht sollte die taz lieber mal bei der saga nachfragen, warum JETZT SCHON sozial geförderte wohnungen an der herrenwe ...
29.09.2009 14:29 | friedlich aber selbstbestimmt
oha taz, du bist doch nicht etwa eingeschnappt, weil man dir nicht dabei helfen wollte, deine zeitungen auf der bezirksvers ...
28.09.2009 13:16 | gegen Gewalt
Sie schreiben "ein Kind als rhetorische Spezialwaffe"!!! Das ist eine Unverschämtheit!!! Es waren midestens 20 Kinder da, a ...