Mit einer Sonderabgabe für Banken nach US-Vorbild könnte Deutschland bis zu neun Milliarden Euro im Jahr einnehmen. Linkspartei fordert schnelle Einführung.von Richard Rother
(Gesetze, Abgaben ... allein reichen nicht, geändert werden müssen auch die internen Denk- und Verhaltensweisen, die diese Fehlentwicklungen ermöglichen bzw. begünstigen. Die folgende Ballade illustriert dies:)
BALLADE VOM KREATIVEN BANKER
Joe Goldstaub kam in die Welt hinein Seine Kindheit war ihm eine Lust Der Wunsch, einst reich und mächtig zu sein Reifte schon sehr früh in seiner Brust.
Joe strebte deshalb als junger Mann energisch eine Banklaufbahn an. Er dachte leise, war stets fleißig Lernte die Kunst des Spekulierens An den Börsenplätzen dieser Welt. Erwarb sich das geheime Wissen Gottgleich aus dem NICHTS zu schöpfen Geld.
Besonders reizvoll fand unser Held Die mysteriösen Derivate Wie zum Beispiel Swaps und Futures Optionen und Zertifikate. Er sah klar: „Mit solchen Papieren Lässt der Profit sich maximieren!“
Investments wurden seine Passion Mit List, Findigkeit und Obsession Kreierte das Cleverle alsbald Mehrfachverbriefungen von Krediten Und erwarb damit viele Meriten. Die Oligarchen haben's geschätzt Und ihn auf den Chefsessel gesetzt.
Um Käufer in spe zu animieren Sich beim Erwerb nicht zu genieren Standen Agenturen dafür ein Mit hohen Ratings zu bezeugen Dass die Zertis sind sicher und fein.
Der Trick gelang, gekauft wurde weltweit Wie strahlte unser Joe da hell und breit Beschwingt ließ er sich an jenen Tagen Die Margenentwicklung wohl behagen. „Kein Bäcker“ - schwärmte er in Gedanken - „kann ein Brot verkaufen vielen Kunden Gepriesen sei die Weisheit der Banken Die das Handicap hat überwunden.“
Der Extraprofit trieb an die Gier Die Sicht ward kurz, die Moral sehr klein: Auf noch mehr Rendite, jetzt und hier! Schwor Goldstaub seine Kollegen ein. Dem Bankenchef war es freilich klar Dass die Papierlaube nicht ewig hält Und dass der Beschmu wird offenbar Bei uns im Lande sowie in der Welt.
Indessen scherte ihn das nicht weiter Denn er hat längst schon antizipiert Dass die Bank – und das stimmte ihn heiter - Auch in diesem Fall gut profitiert.
Feixend unterwies er sein Team ganz flott: „Unsere Wertbriefe sind bald schon Schrott Ihr wisst, Kredite erhielten Kunz und Hinzen Die können auf Dauer nicht zahlen die Zinsen. Deshalb lasst uns d'rauf konzentrieren, dass – nachdem wir den Müll mit Plus verkauft - Wir auch vom Wertverlust profitieren. Dieses schaffen wir auf jeden Fall, Mit forschen Wetten auf Kursverfall.“ - So schloss verschmitzten Tons der Leader Genoss den Applaus und setzte sich nieder.
Doch plötzlich da von allen Seiten Dunkles Gewölke zog auf im Land Finanzenkrise, Wirtschaftspleiten Die Welt geriet außer Rand und Band. Zerti-Opfer, Aktien-Geneppte - Sie alle waren tief geschockt Weil Lehmann… und andere Banken Deren Einlagen haben verzockt.
Das Vertrauen der Menschen war perdu Sie wurden zornig auf Bank und „Bänkster“ So nannten sie Tycoons der Finanzindustrie Das war nur ein anderes Wort für Gangster. Die Leute machten sich große Sorgen Ob ihr Geld bei der Bank noch geborgen Viele zweifelten und lösten zuhauf Ihre Konten und Spareinlagen auf.
Auch unseren Joe erwischte es kalt Der Run machte vor seinem Haus nicht halt. Darüber eiferte er sehr erbost: „Die heben Geld ab – sind die noch bei Trost?! Hält nicht inne die panische Meute Dauert's nicht mehr lang und wir sind pleite!“
Auch Goldstaubs Kollegen fanden das krass Das Denken an Morgen machte sie blass Victory-Lächeln und Arroganz Wichen ostentativer Larmoyanz: „Was soll nun werden, o Gott, o Gott? Schief die Bilanz, das Haus vorm Bankrott! Was wird aus den Boni, den Villen Edelkarossen und Yachten? Wird Volkes Zorn nach Enteignung trachten? Sind wir auch Morgen noch so bei Kasse Um frank und frei uns zu amüsieren mit Gespielinnen der Luxusklasse? Warum denkt man über Banker so schlecht? Ist doch jeder von uns ein Gottesknecht Wie es so treffend Loyd Blankfein sagte Als ihn die Sunday Times einst befragte.“
Doch Joe beendete das Gezeter: „Nu lasst mal Jungs, das wird schon weder Sind wir jetzt auch ein wenig anämisch Wir fallen nicht, denn wir sind systemisch. Sehr bald erwarte ich deshalb schon eine Steuermilliarden-Infusion. Am liebsten aber wär' mir ein Gesetz das dauerhaft festschreibt, und zwar ab jetzt Dass Bankengewinne bleiben privat Verluste aber übernimmt der Staat“ -
Dieser Gedanke stimmte Joe heiter, Er griente flüchtig: und sprach dann weiter: „Heuer ist's chic Finanzeliten Gleichzusetzen mit Banditen Die mit erbarmungsloser Gier Gefährden der Länder Zukunft schier. Politiker überbieten sich Reue anzumahnen und Verzicht. Wollen Banken reglementieren Uns mit Abgaben malträtieren. Sie waren es doch, die vor Jahren Diesem Casino zu Diensten waren. Doch Drohungen machen mir nicht bang Die fordern viel, wenn's zur Wahl nicht mehr lang Was herauskommt ist jetzt schon klar es wird die Maus, die der Berg gebar.
Doch für Kontemplation ist keine Zeit Stärken wir also die Lobbyarbeit In Ministerien, Verbänden, Presse Mit Schmieralia, Druck und Finesse. Wer sich verweigert und nicht tanzt Wird mit Liebesentzug kuranzt.
Ansonsten empfehl' ich Gelassenheit Denn darin haben wir wohl Einigkeit: DIE wollen Transparenz und stochern im Nebel WIR sind weltweit vernetzt und am langen Hebel. Imperien wurden Opfer der Zeit Bankenmacht jedoch prosperiert bis heut'. Hat ganze Besitztümer gefressen Und sich dabei doch nie übergessen. Auch die Kirch' – das sei noch angefügt, Hat unser Handeln sanft gerügt: Renditehype sei Götzendienst Sei Tanz um das Goldene Kalb Dem wir um uns'rer Seele willen Abschwören sollten alsobald!
Den Tipp quittier'n wir doch mit Schmunzeln Denn hat es sich nicht stets gezeigt Dass auch die Herren Kirchenfürsten Dem Gold und Geld nicht abgeneigt?" -
Mit Standing ovations und Hurra Priesen die Clerks Joe's Philippika. Sehr bald schon wurde es offenbar Wie Recht der Joe hatte, ganz und gar Dank opulenter staatlicher Stütze bekam seine Bank keins auf die Mütze. Bald schon feierte der erlauchte Kreis Bei Dom Perignon, Hummer und Eis üppige Boni und Supergewinn So macht Investbanking Spaß und Sinn Feierlich sang der Chor im Saal Wir machen Business as usual! __________
Epilog
Ein Insider hat von Skrupeln geplagt Dieser Bank Adieu gesagt. Dem maulenden Volk rief er ins Angesicht: „Ihr fragt nach Mäßigung, fordert Verzicht? - Verständlich, doch helfen wird das wohl nicht. Eine Aufgabe des Rechtsstaats scheint es zu sein Raffkes zu schützen vor Gewissenspein!“
21.03.2010 15:27 Uhr
von Rolf Kuntz:
Es war in den ersten Apriltagen des Jahres 2008, die Finanzkrise noch jung und Lehman undenkbar, da sagte hier in Ulm auf einem Vortrag Prof. Norbert Walter: „In der Branche selber war es eine der Krisen, die am besten angekündigt waren.“ Ich habe es persönlich gehört und es gibt schriftliche Aufzeichnungen darüber! Gibt es eine bessere Beweislage als Totschlagargument gegen die Stimmungsmache der ewiggestrigen Freiemarktfetischisten? Eine Bankenabgabe birgt allerdings die Gefahr in sich, daß diese an die Bankkunden weitergegeben wird, wobei die Gefahr, finanziell gesehen, beim Kleinanleger anteilig sicherlich kleiner ist als der indirekte Gewinn aus einer solchen Maßnahme. Persönlich würde ich das Modell einer Finanzstransaktionssteuer bevorzugen, da damit die Zockerei erheblich erschwert wird und Beides zusammen könnte fast Freude auslösen. All dies ist nicht ein Problem, welches unsere Regierungsparteien alleinig zu meistern haben, sondern ein globales, bestenfalls ein auf Wirtschaftsblöcke reduziertes. Dies ist aber auch der Grund, weshalb die Finanzindustrie alle ihre Lobby- und Medienmacht nach dem Motto „wehret den Anfängen“ mobilisiert. Da werden bei 0,1% Transaktionssteuer der Zusammenbruch des Finanzsystems vorhergesagt, was aber zumindest zeigt, welch empfindliche Stelle damit getroffen ist. Laßt uns doch die Messer in diese Wunde stechen, gebt der Politik Signale der Akzeptanz. Nur so haben wir eine Chance gegen die Sippe der Bänkster. Es kann doch nicht sein, daß diese selbsternannten Superwerteschöpfer, um einmal beim suggerierten Leistungsbegriff zu bleiben, was sich in deren Sinne an der Berechtigung zu den exorbitanten Bonis mißt, in ihrer Wertschöpfung steuerfrei gestellt werden? Die Realwirtschaft, die letztendlich das alles bis hin zu Bankenrettung auf ihren Schultern zu tragen hat, wird überall mit einer Wertschöpfungsabgabe belastet und ich darf erinnern, als die Rot-Schwarze-Regierung hierzulande die Mehrwertsteuer um 3% erhöhte, da ging die Realwirtschaft nicht in die Knie. Was hier den Normalbürger von Seiten der Bankindustrie zugemutet und abverlangt wird kann nur noch als die übelste Art eines neuen Feudalismus beschrieben werden. Aber rückblickend in die Geschichte waren dies immer auch die Kerne der Revolutionen.
21.03.2010 14:01 Uhr
von asd:
iss ja schön und gut, aer es braucht keine "sonderabgabe" für banken! sie sollten einfach ganz normal gesteuert werden wie jedes andere unternehmen auch, dazu müssten auch die umsätze und generell die geschäfte an den börsen besteuert werden(was bis dato nicht der fall ist) und man würde weit über diese neun milliarden kommen. zudem würdem an einer gerechteren marktwirtschaft deutlich näher kommen.
21.03.2010 13:30 Uhr
von GWalter:
Das dies nicht geschieht macht doch eigentlich jedem Bürger klar, wer mit den Bnkstern verbandelt ist:
Da handelt es sich doch deutlich um CDU, CSU und FDP....das dürfte so klar sein wie sauberes Wasser.
Wenn die Bürger dieses Landes nur endlich einmal aufwachen würden und den gleichen politischen Realismus Frankreichs hätten, würde es in dieser Republik schon ganz anders aussehen..... deutlich besser für die Bürger!!!!
Dort wählt man für eine Periode links, dann bei der nächsten Wahl wieder rechts....so werden die Parteuien immer gezwungen dem Büger ein gutes Angebot zu machen und auch einzuhalten.
20.03.2010 17:19 Uhr
von Anton Wagner:
Wenn der Staat sein Geld zurückhaben will, wird schnell eine neue Regelung eingeführt. Die Tobin-Steuer, die ähnlich berechnet wird, wird auf den St. Nimmerleins-Tag verschoben. Die würde ja auch nur den Armen zugute kommen.
20.03.2010 13:04 Uhr
von BigKelle:
0,15% junge junge nicht so viel, wir könnten ja die rausgeschmissenen millarden wiederbekommen, das können die doch nicht machen....
20.03.2010 07:32 Uhr
von Bernd brockhoff:
Es wird Zeit, dass dies auf den Tisch kommt. Bei dieser Regierung erwarte ich allerdings keine Umsetzung.......
19.03.2010 21:41 Uhr
von Andromache:
Diese Abgabe ist ein Schritt in die richtige Richtung, obgleich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Der Volkwirtschaftsprofessor Senf aus Berlin vetritt die These, dass in allen Preisen neben 19 % Mehrwertsteuer auch ca. 30 % versteckter Zins enthalten seien, denn alle zahlen und der letztlich irgendwelchen Superreichen zugute kommt, ohne dass diese dafür arbeiten müssten. Die Banken verdienen daran durch Gebührenbeute mit. Ausführliches bei berndsenf.de
Am Ende der DDR riefen die Leute: "Stasi in die Volkswirtschaft!"
Heute würde ein zeitgemäßer Ruf lauten: "Bankster in die Produktivwirtschaft!"
19.03.2010 21:35 Uhr
von Werner Schubert:
Zusammen mit einer Finanztransaktionssteuer hätte man wohl mehr als die ab 2011 nötigen jährlich notwendigen Einsparungen im Bundeshaushalt zusammen!Ob sich jemand da rantraut??
19.03.2010 19:07 Uhr
von Harry:
Netter Artikel, leider wieder Werbunge für die Linke, als Qualitäts Zeitung sollten sie vielleicht objektiver sein.
Denn es ist so dass nicht nur die Linke die Einführung dieser Abgaben fordert...
Leserkommentare
21.03.2010 15:53 Uhr
von Kauz:
(Gesetze, Abgaben ... allein reichen nicht, geändert werden müssen auch die internen Denk- und Verhaltensweisen, die diese Fehlentwicklungen ermöglichen bzw. begünstigen. Die folgende Ballade illustriert dies:)
BALLADE VOM KREATIVEN BANKER
Joe Goldstaub kam in die Welt hinein
Seine Kindheit war ihm eine Lust
Der Wunsch, einst reich und mächtig zu sein
Reifte schon sehr früh in seiner Brust.
Joe strebte deshalb als junger Mann
energisch eine Banklaufbahn an.
Er dachte leise, war stets fleißig
Lernte die Kunst des Spekulierens
An den Börsenplätzen dieser Welt.
Erwarb sich das geheime Wissen
Gottgleich aus dem NICHTS zu schöpfen Geld.
Besonders reizvoll fand unser Held
Die mysteriösen Derivate
Wie zum Beispiel Swaps und Futures
Optionen und Zertifikate.
Er sah klar: „Mit solchen Papieren
Lässt der Profit sich maximieren!“
Investments wurden seine Passion
Mit List, Findigkeit und Obsession
Kreierte das Cleverle alsbald
Mehrfachverbriefungen von Krediten
Und erwarb damit viele Meriten.
Die Oligarchen haben's geschätzt
Und ihn auf den Chefsessel gesetzt.
Um Käufer in spe zu animieren
Sich beim Erwerb nicht zu genieren
Standen Agenturen dafür ein
Mit hohen Ratings zu bezeugen
Dass die Zertis sind sicher und fein.
Der Trick gelang, gekauft wurde weltweit
Wie strahlte unser Joe da hell und breit
Beschwingt ließ er sich an jenen Tagen
Die Margenentwicklung wohl behagen.
„Kein Bäcker“ - schwärmte er in Gedanken -
„kann ein Brot verkaufen vielen Kunden
Gepriesen sei die Weisheit der Banken
Die das Handicap hat überwunden.“
Der Extraprofit trieb an die Gier
Die Sicht ward kurz, die Moral sehr klein:
Auf noch mehr Rendite, jetzt und hier!
Schwor Goldstaub seine Kollegen ein.
Dem Bankenchef war es freilich klar
Dass die Papierlaube nicht ewig hält
Und dass der Beschmu wird offenbar
Bei uns im Lande sowie in der Welt.
Indessen scherte ihn das nicht weiter
Denn er hat längst schon antizipiert
Dass die Bank – und das stimmte ihn heiter -
Auch in diesem Fall gut profitiert.
Feixend unterwies er sein Team ganz flott:
„Unsere Wertbriefe sind bald schon Schrott
Ihr wisst, Kredite erhielten Kunz und Hinzen
Die können auf Dauer nicht zahlen die Zinsen.
Deshalb lasst uns d'rauf konzentrieren, dass
– nachdem wir den Müll mit Plus verkauft -
Wir auch vom Wertverlust profitieren.
Dieses schaffen wir auf jeden Fall,
Mit forschen Wetten auf Kursverfall.“ -
So schloss verschmitzten Tons der Leader
Genoss den Applaus und setzte sich nieder.
Doch plötzlich da von allen Seiten
Dunkles Gewölke zog auf im Land
Finanzenkrise, Wirtschaftspleiten
Die Welt geriet außer Rand und Band.
Zerti-Opfer, Aktien-Geneppte -
Sie alle waren tief geschockt
Weil Lehmann… und andere Banken
Deren Einlagen haben verzockt.
Das Vertrauen der Menschen war perdu
Sie wurden zornig auf Bank und „Bänkster“
So nannten sie Tycoons der Finanzindustrie
Das war nur ein anderes Wort für Gangster.
Die Leute machten sich große Sorgen
Ob ihr Geld bei der Bank noch geborgen
Viele zweifelten und lösten zuhauf
Ihre Konten und Spareinlagen auf.
Auch unseren Joe erwischte es kalt
Der Run machte vor seinem Haus nicht halt.
Darüber eiferte er sehr erbost:
„Die heben Geld ab – sind die noch bei Trost?!
Hält nicht inne die panische Meute
Dauert's nicht mehr lang und wir sind pleite!“
Auch Goldstaubs Kollegen fanden das krass
Das Denken an Morgen machte sie blass
Victory-Lächeln und Arroganz
Wichen ostentativer Larmoyanz:
„Was soll nun werden, o Gott, o Gott?
Schief die Bilanz, das Haus vorm Bankrott!
Was wird aus den Boni, den Villen
Edelkarossen und Yachten?
Wird Volkes Zorn nach Enteignung trachten?
Sind wir auch Morgen noch so bei Kasse
Um frank und frei uns zu amüsieren
mit Gespielinnen der Luxusklasse?
Warum denkt man über Banker so schlecht?
Ist doch jeder von uns ein Gottesknecht
Wie es so treffend Loyd Blankfein sagte
Als ihn die Sunday Times einst befragte.“
Doch Joe beendete das Gezeter:
„Nu lasst mal Jungs, das wird schon weder
Sind wir jetzt auch ein wenig anämisch
Wir fallen nicht, denn wir sind systemisch.
Sehr bald erwarte ich deshalb schon
eine Steuermilliarden-Infusion.
Am liebsten aber wär' mir ein Gesetz
das dauerhaft festschreibt, und zwar ab jetzt
Dass Bankengewinne bleiben privat
Verluste aber übernimmt der Staat“ -
Dieser Gedanke stimmte Joe heiter,
Er griente flüchtig: und sprach dann weiter:
„Heuer ist's chic Finanzeliten
Gleichzusetzen mit Banditen
Die mit erbarmungsloser Gier
Gefährden der Länder Zukunft schier.
Politiker überbieten sich
Reue anzumahnen und Verzicht.
Wollen Banken reglementieren
Uns mit Abgaben malträtieren.
Sie waren es doch, die vor Jahren
Diesem Casino zu Diensten waren.
Doch Drohungen machen mir nicht bang
Die fordern viel, wenn's zur Wahl nicht mehr lang
Was herauskommt ist jetzt schon klar
es wird die Maus, die der Berg gebar.
Doch für Kontemplation ist keine Zeit
Stärken wir also die Lobbyarbeit
In Ministerien, Verbänden, Presse
Mit Schmieralia, Druck und Finesse.
Wer sich verweigert und nicht tanzt
Wird mit Liebesentzug kuranzt.
Ansonsten empfehl' ich Gelassenheit
Denn darin haben wir wohl Einigkeit:
DIE wollen Transparenz und stochern im Nebel
WIR sind weltweit vernetzt und am langen Hebel.
Imperien wurden Opfer der Zeit
Bankenmacht jedoch prosperiert bis heut'.
Hat ganze Besitztümer gefressen
Und sich dabei doch nie übergessen.
Auch die Kirch' – das sei noch angefügt,
Hat unser Handeln sanft gerügt:
Renditehype sei Götzendienst
Sei Tanz um das Goldene Kalb
Dem wir um uns'rer Seele willen
Abschwören sollten alsobald!
Den Tipp quittier'n wir doch mit Schmunzeln
Denn hat es sich nicht stets gezeigt
Dass auch die Herren Kirchenfürsten
Dem Gold und Geld nicht abgeneigt?" -
Mit Standing ovations und Hurra
Priesen die Clerks Joe's Philippika.
Sehr bald schon wurde es offenbar
Wie Recht der Joe hatte, ganz und gar
Dank opulenter staatlicher Stütze
bekam seine Bank keins auf die Mütze.
Bald schon feierte der erlauchte Kreis
Bei Dom Perignon, Hummer und Eis
üppige Boni und Supergewinn
So macht Investbanking Spaß und Sinn
Feierlich sang der Chor im Saal
Wir machen Business as usual!
__________
Epilog
Ein Insider hat von Skrupeln geplagt
Dieser Bank Adieu gesagt.
Dem maulenden Volk rief er ins Angesicht:
„Ihr fragt nach Mäßigung, fordert Verzicht? -
Verständlich, doch helfen wird das wohl nicht.
Eine Aufgabe des Rechtsstaats scheint es zu sein
Raffkes zu schützen vor Gewissenspein!“
21.03.2010 15:27 Uhr
von Rolf Kuntz:
Es war in den ersten Apriltagen des Jahres 2008, die Finanzkrise noch jung und Lehman undenkbar, da sagte hier in Ulm auf einem Vortrag Prof. Norbert Walter: „In der Branche selber war es eine der Krisen, die am besten angekündigt waren.“ Ich habe es persönlich gehört und es gibt schriftliche Aufzeichnungen darüber!
Gibt es eine bessere Beweislage als Totschlagargument gegen die Stimmungsmache der ewiggestrigen Freiemarktfetischisten?
Eine Bankenabgabe birgt allerdings die Gefahr in sich, daß diese an die Bankkunden weitergegeben wird, wobei die Gefahr, finanziell gesehen, beim Kleinanleger anteilig sicherlich kleiner ist als der indirekte Gewinn aus einer solchen Maßnahme. Persönlich würde ich das Modell einer Finanzstransaktionssteuer bevorzugen, da damit die Zockerei erheblich erschwert wird und Beides zusammen könnte fast Freude auslösen.
All dies ist nicht ein Problem, welches unsere Regierungsparteien alleinig zu meistern haben, sondern ein globales, bestenfalls ein auf Wirtschaftsblöcke reduziertes. Dies ist aber auch der Grund, weshalb die Finanzindustrie alle ihre Lobby- und Medienmacht nach dem Motto „wehret den Anfängen“ mobilisiert. Da werden bei 0,1% Transaktionssteuer der Zusammenbruch des Finanzsystems vorhergesagt, was aber zumindest zeigt, welch empfindliche Stelle damit getroffen ist.
Laßt uns doch die Messer in diese Wunde stechen, gebt der Politik Signale der Akzeptanz. Nur so haben wir eine Chance gegen die Sippe der Bänkster.
Es kann doch nicht sein, daß diese selbsternannten Superwerteschöpfer, um einmal beim suggerierten Leistungsbegriff zu bleiben, was sich in deren Sinne an der Berechtigung zu den exorbitanten Bonis mißt, in ihrer Wertschöpfung steuerfrei gestellt werden? Die Realwirtschaft, die letztendlich das alles bis hin zu Bankenrettung auf ihren Schultern zu tragen hat, wird überall mit einer Wertschöpfungsabgabe belastet und ich darf erinnern, als die Rot-Schwarze-Regierung hierzulande die Mehrwertsteuer um 3% erhöhte, da ging die Realwirtschaft nicht in die Knie.
Was hier den Normalbürger von Seiten der Bankindustrie zugemutet und abverlangt wird kann nur noch als die übelste Art eines neuen Feudalismus beschrieben werden. Aber rückblickend in die Geschichte waren dies immer auch die Kerne der Revolutionen.
21.03.2010 14:01 Uhr
von asd:
iss ja schön und gut, aer es braucht keine "sonderabgabe" für banken!
sie sollten einfach ganz normal gesteuert werden wie jedes andere unternehmen auch, dazu müssten auch die umsätze und generell die geschäfte an den börsen besteuert werden(was bis dato nicht der fall ist) und man würde weit über diese neun milliarden kommen.
zudem würdem an einer gerechteren marktwirtschaft deutlich näher kommen.
21.03.2010 13:30 Uhr
von GWalter:
Das dies nicht geschieht macht doch eigentlich jedem Bürger klar, wer mit den Bnkstern verbandelt ist:
Da handelt es sich doch deutlich um CDU, CSU und FDP....das dürfte so klar sein wie sauberes Wasser.
Wenn die Bürger dieses Landes nur endlich einmal aufwachen würden und den gleichen politischen Realismus Frankreichs hätten, würde es in dieser Republik schon ganz anders aussehen..... deutlich besser für die Bürger!!!!
Dort wählt man für eine Periode links, dann bei der nächsten Wahl wieder rechts....so werden die Parteuien immer gezwungen dem Büger ein gutes Angebot zu machen und auch einzuhalten.
20.03.2010 17:19 Uhr
von Anton Wagner:
Wenn der Staat sein Geld zurückhaben will, wird schnell eine neue Regelung eingeführt. Die Tobin-Steuer, die ähnlich berechnet wird, wird auf den St. Nimmerleins-Tag verschoben. Die würde ja auch nur den Armen zugute kommen.
20.03.2010 13:04 Uhr
von BigKelle:
0,15% junge junge nicht so viel, wir könnten ja die rausgeschmissenen millarden wiederbekommen, das können die doch nicht machen....
20.03.2010 07:32 Uhr
von Bernd brockhoff:
Es wird Zeit, dass dies auf den Tisch kommt. Bei dieser Regierung erwarte ich allerdings keine Umsetzung.......
19.03.2010 21:41 Uhr
von Andromache:
Diese Abgabe ist ein Schritt in die richtige Richtung, obgleich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Der Volkwirtschaftsprofessor Senf aus Berlin vetritt die These, dass in allen Preisen neben 19 % Mehrwertsteuer auch ca. 30 % versteckter Zins enthalten seien, denn alle zahlen und der letztlich irgendwelchen Superreichen zugute kommt, ohne dass diese dafür arbeiten müssten. Die Banken verdienen daran durch Gebührenbeute mit. Ausführliches bei berndsenf.de
Am Ende der DDR riefen die Leute: "Stasi in die Volkswirtschaft!"
Heute würde ein zeitgemäßer Ruf lauten: "Bankster in die Produktivwirtschaft!"
19.03.2010 21:35 Uhr
von Werner Schubert:
Zusammen mit einer Finanztransaktionssteuer hätte man wohl
mehr als die ab 2011 nötigen jährlich notwendigen Einsparungen im Bundeshaushalt zusammen!Ob sich jemand da rantraut??
19.03.2010 19:07 Uhr
von Harry:
Netter Artikel, leider wieder Werbunge für die Linke, als Qualitäts Zeitung sollten sie vielleicht objektiver sein.
Denn es ist so dass nicht nur die Linke die Einführung dieser Abgaben fordert...