• 27.05.2009

Autor über das Matriarchat der Mosuo

"Das Paradies der freien Liebe"

Der argentinische Journalist Ricardo Coler schrieb ein Buch über die Mosuo in China, die im Matriarchat leben. Sein Eindruck: Die Männer leben da besser, wo die Frauen das Sagen haben.

  • 09.09.2009 16:31 Uhr

    von guest:

    @navajo joe: Also ich habe schon mal gehört das die viele machtgierige Frauen einfach ein Produkt unseres Patriarchats sind, in dem sie versuchen gewissermaßen "männlicher als Männer" zu sein. Was da dran ist und ob es Belege dafür gibt weiß ich aber leider nicht.

  • 09.06.2009 20:19 Uhr

    von Joachim Buckow:

    Im Herbst 2007 war ich am Lugu-See bei den Mosuo. Zu diesem Zeitpunkt war bereits die Strasse dorthin ausgebaut, an dem es einen Checkpoint der Chinesen gab, an dem ein Eintrittsgeld erhoben wurde. Es gab seit kurzem elektrischen Strom, einen Mobilfunk-Tower und ein neuerbautes Hotel. Die Touristen in den Bussen waren noch zu 99 % Chinesen, die Mosuo aber fuer den Alltag schon etwas zu praechtig ausstaffiert.
    Maedchen und Jungen werden im Alter von 13 Jahren mit einer Zeremonie in die Welt der Erwachsenen aufgenommen und die Maedchen bekommen mit der Pubertaet einen eigenen Raum, in dem sie ihre Liebhaber nachts empfangen koennen. Ihre Muetter sagen:"Dieses kleine Voeglein kann jetzt selbst lernen, wie man aus dem Nest fliegt." Die Jugendlichen bekommen aber auch Reis und neue Kleidung als Symbol dafuer, dass sie sich um das Essen und die Bekleidung auch in Zukunft keine Sorgen machen muessen.
    Wenn aber Motorrad und Mobiltelefon zum "Mosuo-Standard" gehoeren, wird es wohl Belastungsproben geben.

  • 06.06.2009 14:30 Uhr

    von navajo joe:

    Da es auch kapitalismusgeile und machtgierige Frauen gibt, und Männer, die weder kapitalismusgeil noch machtgierig sind (ich kenne von beiden Kategorien Beispiele), sind diese Charaktereigenschaften offenbar nicht dadurch bedingt, dass ein Mensch 2 x Chromosomen hat, oder ein x und ein y Chromosom.

    Die Versuchung zu biologistischen Fehlschlüssen ist leider bei vielen Begeisterten sogenannter Matriarchatskulturen verbreitet. Trotzdem ist es ein Fehlschluss. Selbst wenn es angeborene Neigungen geben sollte, die in dieser Hinsicht mit dem biol. Geschlecht zusammen hängen (evtl. etwas wie ein eher männliches als weibliches Imponiergehabe oder Ähnliches und dessen kulturelle Folgen), sind diese immer sehr stark von historisch-kulturellen Faktoren beeinflusst, bzw. überformt. Das sollte nicht unterschätzt werden.

    Übrigens sind weibliche Hierarchierangeleien im Prinzip auch nicht besser als männliche. Dass sich zufällig die männlichen in der Geschichte zu Kriegen etc. ausgewachsen haben, hat viele Gründe, und vielleicht gehört zu diesen, dass Frauen vielleicht - eine vorsichtige Hypothese - in ihrer Rolle als Mütter (schon seit der Zeit der animalischen und prähominiden Urahnen der Menschen) und außerdem ihrer Rolle, in den Jahrzehntausenden der Steinzeit meist nicht an der Jagd beteiligt gewesen zu sein (sondern viele andere wichtige Aufgaben übernommen zu haben wie Sammeln, Kleidung herstellen etc.) von Generation zu Generation Muster des Denkens Fühlens und Verhaltens weitergeben, die stärker auf Beschützen und Bewahren ausgerichtet sind, als die Muster der Männer.

    Auch diese Muster sind aber keineswegs deshalb als "angeboren" zu betrachten!

    Eher können sie sich aus der Arbeitsteilung ergeben haben, die sich vielleicht schlicht und einfach v. a. daraus entwickelt hat, dass Frauen einerseits die Kinder gebärenden und säugenden sind, und andererseits im Durschschnitt auch weniger Testosteron und damit weniger Muskelmasse haben und schließlich auch im Durchschnitt kleiner sind (was für die Jagd langfristig evtl. ein Nachteil war, da dort längere Beine vorteilhafter sind) ...

  • 28.05.2009 22:20 Uhr

    von Mein Name:

    Es gibt auch eine Autobiographie einer Frau die aus dieser Kultur stammt, sehr interessant:
    "Das Land der Töchter: Eine Kindheit bei den Moso, wo die Welt den Frauen gehört" von Yang Erche Namu

  • 28.05.2009 13:53 Uhr

    von Lisa:

    Hinter die Kulissen geguckt hat: Heide Göttner-Abendroth ("Matriarchat in China", Kohlhammer), einer der führenden Matriarchatsforscherinnen in Deutschland.

  • 28.05.2009 13:45 Uhr

    von Torsten Krüger:

    Zu Herrn Jung:

    Das sich diese Form der Gesellschaft nur noch im, wie sie sagen, "hintersten Winkel" der Erde - eine im Übrigen wenig intelligente Bezeichnung - gehalten hat, muss doch nicht daran liegen, dass sie nur dort funktioniert. Dass es sie trotz der Kulturrevolution, religiöser Eiferer, trotz aller Versuche, diese Menschen in die gleichen Abhängigkeitverhältnisse zu zwingen, immer noch gibt, beweist das absolute Gegenteil.

    An Herrn Gerhard und seba.gar:

    Maria Mies: Patriarchat und Kapital
    Heide Göttner-Abendroth: Matriarchat ind Südchina

    Das Buch von Herrn Coler ist nicht mehr als ein deskriptiver Bildband, der in keiner Weise den Anspruch einer Sozialen Studie erhebt.

    Und es ist nicht schwer, zu beschreiben, warum alle Menschen dort besser Leben, als hier: Im Mittelpunkt ihres Lebens steht nicht etwas so fragiles, wie die Beziehung zwischen Mann und Frau und die damit verbundene ökonomische Abhängigkeit (meistens zu Lasten der Frau), sondern die Dauerhaftigkeit einer ganzen Familie. Zugegeben, für uns ist es nicht mehr leicht, sich eine Familie über das Bundesdeutsche Mutter/Vater/Kind vorzustellen. Na, vielleicht noch die demente Mutter irgendwo im Heim.

    Utopisch ist seit je her die nur Fantasie einer lebenslangen Partnerschaft. Dass es in Einzelfällen funktioniert, wir wollen doch Wissenschaftlich bleiben,ist kein Beweis für irgendwas.

    An die Redaktion der TAZ:

    "Das Paradies der freien Liebe"?
    Eine unsinnige aber mehr als typische fokusierung der Sexualität. Das Glück dieser Gesellschaft liegt gerade darin, dass nicht die Sexualität im Mittelpunkt steht. Weiblich ist eben nicht = Sex.


    Schwer zu akzeptieren, das Liebe kommt und geht.
    Die demonstrierte Haltung der Leser zu diesem wenig rühmlichen Anriss der Mosuo, ist Zeugnis einer Paranoia.

    Torsten



  • 28.05.2009 09:06 Uhr

    von WilderWusel:

    Eh,das ist geil.Sollte in Deutschland auch eingeführt werden.Schon allein die Sache mit dem Hut ist super;braucht man den Liebhaber nicht mehr im Schrank verstecken:-))

  • 28.05.2009 07:05 Uhr

    von Lanz a Lot:

    So viel Trost die Vorstellung einer solchen Gesellschaft manchen Menschen bietet, so verheerend können die Folgen für die Mosuo selbst sein.
    Da es den wenigsten Menschen möglich ist, in unserer Welt frei von patriarchalen Beschränkungen zu leben, könnte der Wunsch wachsen, einer mutterzentrierten Gesellschaft räumlich nahe zu sein. Und weil wir nun mal leben, wo wir leben, wird sich auch jemand finden , der aus diesem Wunsch ein Geschäftskonzept entwickelt. Die buddhistischen Okkupationsbeschstrebungen haben die Mosou überstanden, den Tourismus überleben sie nicht.

  • 28.05.2009 02:54 Uhr

    von seba.gar:

    dieses buch und das interview scheinen vielmehr eine beleidigung an ernsthafte kultur- und sozialanthropologische forschung zu sein und bevorzugen eine lediglich oberflächliche auseinandersetzung mit nicht-europäischen verwandtschaftsmodellen. alternative macht- und herrschaftsverhältnisse aufzuzeigen sieht anders aus. leider sind neben den antworten und pseudoerkenntnissen auch die fragen in diesem interview eher sinnfrei.

  • 27.05.2009 21:55 Uhr

    von K. Gerhard:

    Strotzt nur so vor Stereotypen.
    Die Wunschvorstellung "moderner" westlicher Frauen.
    Sie sind die besseren Menschen.
    Und Familie oder gar Ehe - das NoGo schlechthin.
    Nach welchen Massstäben leben da denn Männer besser...?
    Oder Frauen ...?
    Hinter den Kulissen?
    Ach, da hat jetzt mal keiner nachgekuckt ?

  • 27.05.2009 18:44 Uhr

    von Carl Jung:

    Das erinnert mich irgenwie an Gaugin. Suchte der nicht auch in der Südsee das verlorene Paradies? Und, hat er es gefunden?

    Eben nicht!

    Wie lange wird es die hier beschriebene Kultur noch geben? - Na? - Fünf Jahre, zehn Jahre, ...? - Eben! Nicht mehr sehr lange!

    Die Tatsache, dass sich diese Modell nur im hintersten Winkel gehalten hat, lässt Rückschlüsse zu.

    Vorbildcharakter hat eine solche Gesellschaftsform mit Sicherheit nicht.

    Carl Jung

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