• 14.05.2010

Auslandsadoptionen

Exportgut Kind

Eine Familie in Äthiopien hat viele Kinder und kein Geld, um sie zu ernähren. Eine deutsche Familie hat Geld und will ein Kind. Menschenrechtsaktivisten kritisieren das Geschäft mit der Hoffnung.

  • 09.07.2010 06:00 Uhr

    von GM (Heidelberg):

    Ich kann mich als Äthiopienreisender, was die stilistischen Mittel betrifft, dem Kommentar von Anke Hassel nur anschließen. Im Artikel heißt es:

    "Kein Schild, kein Name, keine Klingel weist darauf hin, was sich hinter dem drei Meter hohen Tor verbirgt. Nur das Geschrei spielender Kinder überwindet den Stacheldraht auf der Mauer, die das Haus nach außen abschirmt."

    Man braucht Äthiopien nur oberflächlich zu kennen, um zu wissen, dass es dort nicht üblich ist Klingel oder Name an der Tür zu haben. Auch ein Anwesen mit einem drei Meter hohen Tor, Stacheldraht und abschirmenden Mauern zeugt eher von Normalität.

    Als Indizien dafür, dass jemand etwas zu verbergen hat, sind diese Kriterien für äthiopische Verhältnisse denkbar ungeeignet.

    Warum fällt das nur uns ahnungslosen Touristen auf, und nicht den wachsamen Journalisten? Es scheint als hätte man sich für die Recherchen zu diesem Artikel zumindest einige Tage in Äthiopien aufgehalten.

    Mit welcher Absicht wurde diese Darstellung gewählt? Will man den Leser, von dem man in 99% der Fälle erwarten kann, dass er sich durch solche Darstellungen täuschen lässt, manipulieren?

    Handelt es sich hier um einen Fall von Sensationsjournalismus?

    Einige Indizien sprechen dafür...

  • 22.05.2010 13:56 Uhr

    von Anke Hassel:

    Liebe taz,
    eine kritische Berichterstattung über problematische Praktiken in der internationalen Adoptionsvermittlung ist wichtig, um diese zu unterbinden. Eine Adoption aufgrund falscher Angaben noch lebender Eltern hat tragische Folgen nicht nur für das Kind sondern auch für die aufnehmende Familie. Wenn dem Vater das Kind wirklich, wie im Artikel angedeutet, von einem Mittelsmann abgeschwatzt wurde, dann ist dies ein Skandal und widerspricht allen Grundsätzen der Adoptionsvermittlung.
    Aber die Darstellung von Auslandsadoptionen als „System“ mit den stilistischen Mitteln eines mittelmäßigen Krimis einschließlich einer Frau, die sich ein „schönes Baby“ wünscht, Eltern, die „investieren“, dem Leiter einer Adoptionsagentur mit einer Hautfarbe „die von häufigen Afrikaaufenthalten zeugt“ und Adoptiveltern, die sich in Internetforen verschanzen, ist nicht nur tendenziös sondern wird auch den tatsächlichen Problemen und dem komplexen Thema in keiner Weise gerecht.
    In einem Land mit 5 Millionen verwaisten Kindern in Kinderheimen wird der „Markt“ nicht von 47 adoptionswilligen Eltern in Deutschland gesteuert; selbst nicht von den über 2000 in den USA. Über 99,9% dieser Kinder werden in Heimen unter denkbar schlechten Bedingungen und mit miserablen Zukunftsaussichten aufwachsen. Die allermeisten der adoptierten Kinder sind keine „schönen Babies“ sondern ältere Kinder. Sie alle sind durch Verlassenwerden, Hunger, Krankheiten und/oder den Tod der Eltern belastet.
    Die hohen Kosten einer Auslandsadoption entstehen gerade, weil Vermittlungsagenturen mit geschultem Personal sowohl die Adoptiveltern als auch die Herkunft der Kinder aufwändig überprüfen und die rechtlichen Verfahren kompliziert sind. Daraus den Umsatz eines „Geschäfts“ zu berechnen, ist gelinde gesagt zynisch.
    Adoptionsverfahren brauchen Kontrolle und staatliche Aufsicht. In Äthiopien ist in den letzten Jahren die Zahl der Adoptionen insbesondere in die USA zu schnell gewachsen, um diese Kontrollen umzusetzen. Ein falsches, mitunter auch kriminelles Handeln von Einzelnen droht nun auf alle abzufärben, die mit Auslandsadoptionen zu tun haben. Das hilft niemandem, am wenigsten den betroffenen Kindern.
    Anke Hassel

  • 15.05.2010 14:24 Uhr

    von Sch:

    Wenn es 5 Mio Waisen gibt,
    koennte ich ja verstehen,
    wenn 1 Prozent nach Europa / Deutschland
    exportiert, adoptiert werden.
    Ob es dann noch Handel ist oder Lebenshilfe?
    Es ist doch komisch,
    wenn Paare, die keine biol. Kinder bekommen,
    eigentlich keine Kinder aufnehmen (Pflege)
    oder adoptieren (Erbrecht) duerfen.
    Menschenrecht?
    Muss neu definiert werden.

  • 15.05.2010 11:01 Uhr

    von R. Kaup:

    Wenn man sich unsere Gesellschaft als biologische Population
    vorstellt kann man das Problem auch von einer anderen Seite erklären.
    Wie für jede Population gilt auch für unsere Gesellschaft, daß die
    fähigkeit Kinder zu produzieren grösser ist, als die Fähigkeit
    Energie für sie zu beschaffen. Energie umfasst Nahrung, Feuerholz
    etc., das in unserem Wirtschaftssystem als Geld dargestellt wird.

    Unsere Gesellschaft ist bestellt unzähligen Spezies. Eine Spezies
    wird durch ihre Rolle im Ökosystem definiert. In unsere Gesellschaft
    wären das Berufe, Kleidungsstill, Wohnung und Umgebung etc..
    Die Ökologische Analogie lässt sogar Beziehungen zwischen Raubtier
    und Beute zu.
    Ein Frisör ist ein Räuber und Menschen mit Haare seine Opfer. Nur das
    beim Frisör im Normalfall keiner stirbt. Aber es geht Energie in Form
    von Geld vom Opfer an das Raubtier.

    Das fundamentale Gesetz der animalischen Ökologie besagt, dass die
    Nische die Zahl bestimmt. Die Nischengrösse relativ zur
    Ressourenbasis bestimmt die Größe der Population. Das Erklärt warum
    es mehr Eichhörnchen als Bären gibt und weshalb es mehr
    Ladenangestellte gibt als Rechtsanwälte.
    Es gibt aber auch unterschiede biologischen und kulturellen Spezies.
    Überschüssige Tiger müssen sterben, wohin gegen überschüssige Anwälte
    einen „anständigen“ Job finden.
    Jede Klasse/Spezies hat ihre eigene Wachstumsrate und
    Fortpflanzungsdruck.
    So ist die Familiengrösse eine Funktion der Differenz zwischen
    Ressourcen die Eltern benötigen um ihren Lebenstill zu bewahren und
    den Investitionen um ein Kind in der Gleichen Nische gross zu ziehen.

    N ~ ( R-P ) / C

    N= Kinderzahl
    R= die in der Zukunft erwarteten verfügbaren Ressourcen
    P= Ressourcenbedarf der Eltern
    C= Kostenaufwand um ein Kind gross zu ziehen

    So tendieren arme Familien grösser zu sein als reiche, und was
    wichtiger ist ländliche Familien grösser zu sein als städtische
    Familien. ( Deshalb sinken auch in Deutschland die Geburtenraten in
    dem Masse wie die Verstädterung zunimmt.)
    Arme Familienkönnen sich große Familien leisten. R ist zwar niedrig,
    aber das sind P und C auch.

    Entgegen allgemeiner Ansicht empfinden wohlhabende Kreise einen
    höheren Fortpflanzungsdruck als ein armer Teufel. Für einen Hartz-IV
    Empfänger ist immer noch ein Platz da, aber nicht für einen weiteren
    Bundeskanzler, Professor oder erfolgreichen Handelsmann.

    Es Gibt zwei Arten der Wachstumsregulierung.

    Einschränken der Fortpflanzungsprivilegien : Mitgift, staatliche
    Heiratslizenzen, Monogamie, die Pille etc.

    Abschöpfung des Überflusses: Abtreibung und Kindstötung
    Es mag sehr sexistisch klingen, aber Abtreibungen und Kindstötung
    sind nur dann wirksam wenn vorzugsweise weibliche Opfer gewählt
    werden. Männer sind für das Wachstum irrelevant.

    Die Erklärung warum in Hartz-IV Empfängerinnen abtreiben:

    Hier nochmal die Funktion

    N~ ( R – P ) / C

    N = Anzahl der Kinder
    R = Hartz-IV Regelsatz plus Hartz-IV Regelsatz für Kinder
    P = Hartz-IV Regelsatz
    C = Kosten die ein Kind verursacht

    Hier erkennt man, das meine Ausführung im obigen Beitrag in einem
    Punkt Falsch sind.

    R und P sind zwar relativ zu einem Professor niedrig, aber C ist so
    groß das N kleiner 1 wird.

  • 15.05.2010 09:01 Uhr

    von Frank Schroeder:

    "Eine Familie in Äthiopien hat viele Kinder und kein Geld, um sie zu ernähren." Nee, oder? Das kann nicht ernsthaft gemeint sein. Dann wäre der gesamte Artikel Humbug und es gäbe auch keinen Anlass, ihn zu schreiben. Genau. Habt Ihr's? Nicht "um" ihn zu schreiben. :-)

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