Am 13. Februar steht Kristina Köhler vor dem Traualtar. Ob sie ihre Jugendliebe Josch-Jonas vorher aufspüren konnte? Und was hat Claudia Roth mit der Angelegenheit zu tun? Ihr Tagebuch verrät's.

Heiraten - der erste Schritt zu einer eigenen Familie! Bild: dpa
Liebes Tagebuch,
morgen ist es soweit. Morgen ist der große Tag. Ich werde Ole (Schröder, Verlobter Köhlers und Staatssekretär im Inneren, Anm. d. Red.) kirchlich heiraten! Standesamtlich haben wir es gerade eben getan, im Wiesbadener Rathaus. (Ehrlich gesagt habe ich mich jetzt gerade, kurz nach der amtlichen Trauung, aufs Damenklo im Standesamt geschlichen um schnell diese Zeilen zu schreiben. Sie brennen mir einfach unter den Nägeln!"). Die Namensänderung ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Presse, die jetzt schon alberne Kalauer mit mir und diesem schrecklichen sozialdemokratischen Alphatier (Gerhard Schröder, Alt-Kanzler, Anm. d. Red.) macht. Sollen sie doch schreiben.
Ich werde jedenfalls am Samstag um 15 Uhr vor dem Altar in der Marktkirche in Wiesbaden stehen und "Ja" sagen. Und diesmal nicht vor einem popeligen Standesbeamten, sondern vor Gott. Und zwar so laut und deutlich, dass mich alle 120 Gäste hören. Das hat mir jedenfalls Vati eingeschärft: laut und deutlich sein, wie im Bundestag! Ach, es ist so reizend, dass Pastor Schulz uns traut, wo er doch schon pensioniert ist! Aber natürlich ist es ja auch eine gute Publicity für seine Kirche...
Es gibt leider nur einen einzigen Wermutstropfen bei der Sache. Achtung, liebes Tagebuch, jetzt wird es wieder Jane-Austen-mäßig. Es geht, wie kann es anders sein, um Josch-Jonas. Meine verhinderte erste Liebe. Josch-Jonas mit seinen Rastalocken und seinem Parka mit der "Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure, als an die Gerechtigkeit der deutschen Justiz"-Aufschrift. Seit diesem Traum vor ein paar Wochen versuche ich ja, ihn aufzuspüren, um mein Gewissen vor dem Eintritt in die Ehe einer letzten Prüfung zu unterziehen. Schließlich muss ich unter allen Umständen verhindern, dass er plötzlich vor dem Altar auftaucht und es einen Showdown à la "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" gibt.
Die letzten Abende konnte ich gar nicht mehr einschlafen und habe mich zu Oles Leidwesen im Bett herumgewälzt, weil ich immer diese furchtbare Szene vor Augen hatte: Ole und ich stehen vor dem Altar. Ganz kurz davor, Mann und Frau zu werden. Pastor Schulz sagt mit bebender Stimme: "... der sollte jetzt sein Wort erheben oder für immer schweigen." Und dann geht langsam quietschend die Kirchentür auf, schwere Schritte (Trug Josch-Jonas nicht immer Doc Martens mit roten Schnürsenkeln?) nähern sich uns. Es riecht plötzlich nach Patschuli und Rauch. Jemand räuspert sich und ein Raunen geht durch die Kirchenbänke. Alle Köpfe, inklusive Oles und mein eigener, drehen sich und erblicken Josch-Jonas. Er lächelt mich an. Und dann verliere ich das Bewusstsein.
Mein genialer Plan, linke Initiativen gegen Rechtsextremismus zu Überwachen und ihn dadurch zu finden, ist ja leider nicht aufgegangen. Der Staatsapparat arbeitet einfach zu langsam. Und Wolfgang (Schäuble, Anm. d. Red.) konnte mir bei dieser doch sehr privaten Angelegenheit auch nicht helfen. Und selbst die Privatdetektei, die ich mit dem Fall beauftragt habe, hat kläglich versagt.
Als wir gestern Abend auf Arte "Ausgesetzt. Extremklettern im eisigen Norden" geschaut haben – in meiner derzeitigen Extremsituation musste ich einfach ein adäquates Fernsehprogramm wählen – klingelte plötzlich mein Mobiltelefon. Die Detektei war dran, aber ich konnte ja vor Ole nicht darüber reden. In Panik sagte ich aus unerklärlichen Gründen: "Frau Roth!" (Claudia, Grünen-Vorsitzende, Anm.d. Red.), und verschwand mit dem Telefon auf der Toilette. Danach musste ich Ole natürlich erklären, warum mich die Roth-Trulla privat anruft und erfand auf die Schnelle etwas. Dass sie mich beraten wollte, weil ich in den Blogs von Rechtsextremen gelobt werde. Völlig unglaubwürdig die Sache, aber Ole liebt mich wirklich und hat mir geglaubt. Es wird Zeit, dass ich ihm wieder ehrlich und fair gegenübertrete. Aber im Grunde ist diese ganze Aktion ja auch in seinem Interesse...
Moment mal, da fällt mir gerade ein, dass es doch morgen eine Riesendemo in Dresden gibt, bei der ganz viele Linksextreme erwartet werden. Also, wenn ich Josch-Jonas wäre, da würde ich doch..... da würde ich doch hingehen! Juchu, liebes Tagebuch, ich glaube, ich bin gerettet! Wenn ich schon mein Gewissen vor der Eheschließung nicht überprüfen kann (so schlimm das ist, der Termin steht nunmal), so darf ich doch wenigstens sicher sein, dass Josch-Jonas nach Dresden und nicht nach Wiesbaden fährt. Jetzt muss ich nur noch die verlängerten Vätermonate durchboxen, damit Ole – falls wir denn bald Nachwuchs bekommen – zu Hause bleiben und ich mich weiter um die Bundesrepublik Deutschland kümmern kann.
Ob es der schönste Tag in meinem Leben wird? Nun ja, der 2. Dezember 2009, an dem ich zur Bundesministerin für Familie, Senioren und Jugend wurde, war auch ein ganz besonderer Tag. Wir werden sehen! Erstmal wird geheiratet, der erste Schritt zu einer eigenen Familie. Ohne Josch-Jonas. Alles wird gut.
Deine Kristina
Heimlich in Kristina Köhlers Tagebuch gelesen hat Kirsten Reinhardt
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
04.03.2010 19:19 | Tim Tiger
Selten so gelacht! Ich muss sagen, diese Kolumne schreit nach Fortsetzung. Weiter so!
16.02.2010 10:26 | Fritz Teich
Sympathische junge Frau.
15.02.2010 12:23 | Amos
Wer will so etwas lesen? Bildzeitungsberichte und Yello-Press Anekdötchen interessieren doch nur die, die sie nicht mehr al ...