Das Geschäft mit Mikrokrediten boomt. Sie sollen aus der Armut helfen. Doch für viele Frauen in Indien sind sie zur Armutsfalle geworden. von Georg Blume
Mikrokredit ist nicht gleich Mikrokredit. Ich habe in EL Salvador in einer Mikrokredit-Bank gearbeitet und bin erstaunt wie viel Unwissen es darüber gibt. Zu einem Mikrokredit gehört immer eine Existenzgründungs-Begleitung. Mikrokredite die von Grossbanken vergeben werden haben die indische Situation zur Folge. Bei Dr. Yunus, dem Begründer, geht es nicht um reine Profitgier sondern um Armutsbekämpfung. Die Kredite werden mit Bedacht vergeben und es findet eine wöchentliche soziale Unterstützung der Kreditnehmer untereinander statt. Um Armut zu vestehen, muss man sich vor Ort umsehen. Grossbanken sind hier fehl am Platz.
20.09.2010 18:06 Uhr
von k.m.:
Einwandfreie kapitalistische Logik:
"Ursache sei die viel zu leichte Verfügbarkeit der Kredite. Den Webern würden die Kredite hinterhergeschmissen, obwohl jeder weiß, wie sehr ihre Industrie krankt."
Den Leuten geht es also dreckig, und deshalb soll Ihnen erst recht nicht mit einem Kredit "geholfen" werden. Sollen doch sehen, wo sie bleiben...
06.08.2010 15:56 Uhr
von Mitsushige:
Ein ausgezeichneter Artikel, liebe taz! Unbedingt weiter so machen.
06.08.2010 03:37 Uhr
von bobby:
also so wie ich das sehe werden mit diesen mikro-krediten 2 fliegen mit einer klappe geschlagen. erstmal bekommen die banken durch die hohen zinsen den betrag evtl zur gänze rein den sie verliehen haben. ein paar wochen wird jede frau arbeiten und brav zurückzahlen. somit sind mal die ausgaben gedeckt. alles was mehr reinkommt ist gut.
wenn die frauen jedoch keinen ausweg mehr finden töten sie sich. kommt einer bekannten agenda zugute die ja den co2 verursacher no.1 dezimieren will.
und eine tote frau kann keine kinder mehr zeugen. was frauenmangel im laufe der zeit bewirken kann wurde ja mal im land der aufgehenden sonne mal ersichtlich.
und eine familie bzw kinder ohne mutter werden es in indien verm auch nicht leicht haben. somit hat man mit solch einem tollen finanzprodukt mal gleich ne ganze familie platt gemacht.
05.08.2010 14:40 Uhr
von jullwer:
Mein urspruenglicher Kommentar, ich hatte ihn nicht richtig abgeschickt...
@ mara, Herrn Dr. Ruhemann und Herrn Schindler: Herr Schindler, dieses augenoeffnende Feature habe ich auch gehoert. Es ist wirklich schwierig, gegen dieses Luegenkonstrukt anzugehen. Denn wer will schon einem solch toll klingenden Konzept oder gar einem Friedensnobelpreistraeger widersprechen?
Prof. Yunus ist sozusagen selig gesprochen worden und dass man diesem modernen Heiligenschein nur allzuschnell vertraut, zeigen einige Kommentare unter diesem Artikel. Auch ich habe immer gedacht, dass klassische Mikrokredite eine Chance fuer die angehenden Kleinstunternehmer darstellen koennten. Es ist aber gerade nicht so, dass alle Mikrokredit-Neueinsteiger boese sind und die Grameen-Bank der Wahrer der Kredit-Ethik.
Prof. Yunus' Konzept generiert einen toedlichen Druck, die Kredite puenktlich zurueckzuzahlen - auf die Kreditgemeinschaften und somit auf die einzelne Kreditabhaengige. Traditionell funktionierende soziale Netzwerke werden dadurch zerstoert.
Und deshalb ist es, Herr Dr. Ruhemann, geradezu zynisch, den Ueberschuldeten weitere Kredite anzudrehen. Unzaehlige Frauen verschulden sich so bei mehreren Instituten, bis sie alles verloren haben und dem Druck nich mehr standhalten koennen. Dann heisst es "Einzelschicksal, weitermachen!". Nachhaltige Hilfe koennen nur ZINSLOSE Kredite bewirken. Aber die sind natuerlich fuer Banken absolut uninteressant.
Hier eine vielversprechende Idee aus Brasilien, eine Kombination aus Regionalwaehrung und zinslosem Mikrokredit, die die wirtschaftliche Lage vor Ort nachhaltich verbessert und nicht nur konserviert: http://derscheintruegt.com/Mikrokredite.html
05.08.2010 13:18 Uhr
von jullwer:
Nachtrag:
Man kann das Feature, das Herr Schindler angesprochen hat, beim DLF nachhoeren! Kostenlos als MP3 oder Flash. Hoffentlich sind bei der taz Links erlaubt...
Natürlich können Mikrokredite auch Schaden anrichten. Vor allem dann, wenn Profitgier im Spiel ist. Und selbst bei ausgereiften Mikrokreditkonzepten, für das ich das Konzept der Grameen Bank im übrigen halte, kann man sicher nicht immer ausschließen, dass es auch in Einzelfällen Verlierer gibt. Dennoch sollte man das auf keinen Fall pauschal aburteilen. Ich halte Mikrokredite und ganz allgemein Mikrofinanzen dennoch für sehr vorteilhaft und empfehle jedem, der sich intensiver damit auseinander setzen will, mit welchen 'Finanzproblemen' Arme tatsächlich kämpfen das Buch von D. Collins et al: Portfolios of the Poor. How the Poor survive on 2 $ a day. Ein wirklich empfehlenswertes Buch, das nicht von einer Mikrokreditorganisation geschrieben wurde. Ein Team von Wissenschaftlern untersucht in Indien, Bangladesh und Südafrika, die Einkommens- und Ausgabenströme der Ärmsten. Mir hat es wirklich geholfen zu verstehen, warum es so wichtig ist, ein Finanzsystem zu entwickeln, welches die Armen auch tatsächlich einbindet!
04.08.2010 16:01 Uhr
von gummiboOT:
Die Allianz hat auch in diesen Sektor investiert. Die haben es nötig, bei den Ärmsten der Armen abzukassieren, ist das widerlich.
04.08.2010 13:17 Uhr
von Martin_M:
Habe selber Erfahrung mit den Philippinen. Solange Zinsen im Bereich von 25% verlangt werden, kann es nicht funktionieren. Ein gutes Geschäft bringt ca. 10-12% Gewinn. Wenn man dann auch noch davon leben muss bleibt nicht mehr viel. Höhere Profite sind eigendlich nur mit Drogenhandel oder Prostitution zu erwirtschaften. Immerhin ist ein Jahreszins von 25% immer noch besser als 1,5% pro tag, die ich schon bei philippinischen pawnshops gesehen habe.
04.08.2010 12:38 Uhr
von Niederländer:
Jede Kreditvergabe, egal wie genannt, ist an einem Punkt zum Scheitern verurteilt. Hilfe zur Selbsthilfe geht nur mit Geld, dass ich nicht brauche und jemandem zur Verfügung stellen kann, zinnslos. Alles andere ist Gewinnmaximierung im Wohltatenmäntelchen.
P.s.: Es sind schon bei jeder Bank Funds zu bekommen, die in das Mikrokreditsystem eingestiegen sind und über 10% abwerfen. Das spricht für sich!!
04.08.2010 09:19 Uhr
von Carsten:
Mir war es gleich verdächtig, dass man als Kreditgeber - egal wie lauter die Absicht auch sein mag - einen Friedensnobelpreis erhält! Ich sehe darin einen Auswuchs des Neoliberalismus, der außer "unternehmerischem Denken" keine Lösung anzubieten hat.
04.08.2010 09:17 Uhr
von Melanie:
@Manuel: Kiva berechnet den Darlehensnehmern vor Ort auch Zinsen um die dortigen Kosten zu decken.
04.08.2010 09:11 Uhr
von Nikolai:
Ich selbst war jahrelang KIVA-Mitglied. Kiva selbst verlangt keine Zinsen, aber die field-Partner vor Ort sehr wohl. Bin bei Kiva ausgestiegen nachdem sie auch anfingen "Mikro"kredite in der 1.Welt (USA!) zu vergeben. Kiva hat aus meiner Sicht ihre Gründungsphilosphie aufgegeben und will nur noch Wachstum um jeden Preis.
So toll war mein Ergebnis bei Kiva nicht, hatte einen fast zweistelligen Prozentsatz an Ausfällen über die Jahre.
Wenn ich noch einen Mikrokredit vergeben würde (im Moment bin ich da nirgends mehr aktiv) dann strikt ohne Zinsen
04.08.2010 06:53 Uhr
von Dr. Heinrich Ruhemann:
Wo viel Geld zusammenkommt, da ist die Gier nicht weit. Schlimm ist, dass solche Artikel dazu beitragen, das gsanze Mikrokreditwesen in Misskredit zu bringen. Dabei ist es hier wie überall: Der Misskredit kommt vom Missbrauch! - Der Erfinder der Mikrokredite, Prof. Yunus und seine Grameen Bank achten immer darauf, dass keine Kredite vergeben werden, die sich nicht zurückzahlen lassen. Und bei Flutschäden werden neue Kredite bereitgestellt, die mit den alten zurückgezahlt werden.
04.08.2010 00:31 Uhr
von lupo:
Womit mal wieder klar ist: Ein kreditbasiertes Finanzsystem funktioniert nicht, egal ob das jetzt Billionen oder nur ein paar Rupien sind. Es ist ein Pyramidenschema, und nur wer oben steht, profitiert auf Dauer.
03.08.2010 23:53 Uhr
von Lichtgestalt:
Das grünlinke Image des Mr. Yunus als "Retter der Armen" ist unglaubwürdig. Spätestens als er empfahl, Sozialleistungen nur noch auf Kredit zu vergeben. So einer wäre gar für die FDP zu rechts.
03.08.2010 22:34 Uhr
von ralf:
Große, gerade börsennotierte Firmen müssen mit oberster Priorität nach Gewinnmaximierung streben. Wir sehen überall, dass das erstens auf Kosten der Kunden, Mitarbeiter und der Umwelt geschieht, und dass zweitens das Geschäftsmodell nur eine kurze Zeit funktioniert und dann platzt. Gier wird nicht umonst als "Todsünde" bezeichnet, sie führt einfach unweigerlich in's Verderben.
Schade für diejenigen nichtkommerziellen Organisationen, die mit der Idee der Mikrokredite wirklich bedeutsames für die Entwicklung in den ärmsten Ländern geleistet haben. Ich fürchte, die müssen später ausbaden, was die Großen nun versauen.
03.08.2010 21:52 Uhr
von Kredithau:
Zitat: "In der gleichen Zeit wuchs die Kreditsumme um das 18-Fache auf 240 Millionen Euro und die Gewinne stiegen um das 50-Fache auf 14 Millionen Euro."
Zitat: "Bisher würden die Mikrofinanzinstitute ihr Geld bei den Banken aufnehmen und darauf selbst 12 Prozent Zinsen zahlen. So kämen dann Zinssätze für die Endkunden von 25 Prozent zustande.".
*Irgendwas* reimt sich hier nicht so ganz zusammen, meiner usncheinbaren Meinung nach.
03.08.2010 20:54 Uhr
von Vincent:
@Interpretator: Das diese "Lösung" auch nicht funktioniert, ist hinglänglich bewiesen. Der Mensch ist in letzter Instanz doch ein Egoist, Neider und Individualist, der von Gleichheit träumt und redet aber angefangen im Kleinen, gegenteilig handelt.
03.08.2010 18:14 Uhr
von Hannes Schindler:
Nachdem wir bereits vor über 15 Jahren sehr schlechte Erfahrungen mit Kleinkreditvergabe in Ostafrika gemacht haben (selbst bei sorgfältiger Auswahl konnte nur in Einzelfällen der für die Rückzahlung notwendige Profit gemacht werden, ansonsten war die Rückzahlung eine Belastung der Familien in Konkurrenz mit anderen zum Teil lebensnotwendigen Ausgaben), waren wir verwundert wie toll das bei anderen angeblich funktionieren sollte. Nach Oxfoam, Berichten in den jungen Welt und Deutschlandfunk nun endlich, endlich sehr verspätet auch eine Kritik in der taz. Danke!
vgl. Feature Märchenbank, Di., 19.15, Deutschlandfunk Die Grameen-Bank vergibt Mikrokredite, ist angeblich ein soziales Projekt und zahlt deswegen in Bangladesh keine Steuern. Ihr Gründer Muhammad Yunus erhielt 2006 dafür den Friedensnobelpreis – Applaus auch aus Konzern- und Bankzentralen. Vor allem Frauen erhalten die Kredite – 30 Millionen allein in Bangladesh. Ein früherer Grameen-Manager erklärt: Sie sind zumeist Analphabetinnen und leichter lenkbar als Männer. Zahlen sie nicht, werden sie von Grameen-Trupps »motiviert«, d. h. beschimpft und erpreßt.
Dorfgemeinschaften spalten sich in ordentliche Zahler und nichtordentliche – das sind Dreiviertel aller Schuldner (innen). Sie geraten mit ihren Familien in lebenslanges Elend, Selbstmorde häufen sich. Ein ausgezeichnetes Feature über gewöhnlichen Kapitalismus.mmentar hier eingeben
03.08.2010 17:42 Uhr
von Sebastian:
Das Problem ist doch hausgemacht. Bei so einer enormen Bevölkerungsanzahl bleiben Probleme nicht aus. Aber die Maoisten versuchen ja durch ihre bombige Art die Leute dort mit dem Kommunismus zu beglücken.
03.08.2010 14:26 Uhr
von Thomas:
In der Regionalförderung der EU ist der Höchstbetrag den ein Land bekommen kann auf vier Prozent des BIPs festgelegt. Mehr Geld könnte in einem Land gar nicht sinnvoll verteilt werden, so die Annahme.
Was, wenn diese Annahme auch auf Mikrokredite anzuwenden ist? Also nur ein Bruchteil des möglichen Marktes auch wirklich von diesen Krediten profitieren kann, während andere dies zurzeit nicht können.
Natürlich kommt die Frage hinzu, was eine Bank für ein Geschäftsmodell hat. Geht es nur darum Geld zu verdienen oder geht es darum Entwicklungspotenziale der Kreditnehmer zu aktivieren.
03.08.2010 14:24 Uhr
von Interpretator:
Bei solchen Berichten kommt bei mir immer Sympathie für kommunistische Lösungen auf.
03.08.2010 13:37 Uhr
von Susanna:
Es war mal ne wirklich gute Idee die funktioniert hat solange bis die kamen die nicht helfen sondern selbst profitieren wollten wie fast immer und überall egal ob Mensch oder Natur damit zugrunde gerichtet werden.
Ich denke der Kapitalismus ist einfach überholt aber so wie´s aussieht zerstört sich unser Wirtschaftssystem sowieso bald selbst.
03.08.2010 13:14 Uhr
von manuel:
es gibt doch kiva.org soweit ich weiss wollen die keine Zinsen. Bin dort seit einigen Jahren Mitglied und habe bisher alles zurück bezahlt bekommen. Trotzdem müssen natürlich auch die seriös prüfen ob der Kridit überhaupt nötig ist.
Vielleicht ist es auch so das bei NGOs die Verwaltung einfach zu wenig effizient ist um so viele Kreditnehmer zu verwalten?
Leserkommentare
11.10.2010 10:20 Uhr
von Edith Ort:
Mikrokredit ist nicht gleich Mikrokredit.
Ich habe in EL Salvador in einer Mikrokredit-Bank gearbeitet und bin erstaunt wie viel Unwissen es darüber gibt. Zu einem Mikrokredit gehört immer eine Existenzgründungs-Begleitung. Mikrokredite die von Grossbanken vergeben werden haben die indische Situation zur Folge. Bei Dr. Yunus, dem Begründer, geht es nicht um reine Profitgier sondern um Armutsbekämpfung. Die Kredite werden mit Bedacht vergeben und es findet eine wöchentliche soziale Unterstützung der Kreditnehmer untereinander statt. Um Armut zu vestehen, muss man sich vor Ort umsehen. Grossbanken sind hier fehl am Platz.
20.09.2010 18:06 Uhr
von k.m.:
Einwandfreie kapitalistische Logik:
"Ursache sei die viel zu leichte Verfügbarkeit der Kredite. Den Webern würden die Kredite hinterhergeschmissen, obwohl jeder weiß, wie sehr ihre Industrie krankt."
Den Leuten geht es also dreckig, und deshalb soll Ihnen erst recht nicht mit einem Kredit "geholfen" werden. Sollen doch sehen, wo sie bleiben...
06.08.2010 15:56 Uhr
von Mitsushige:
Ein ausgezeichneter Artikel, liebe taz! Unbedingt weiter so machen.
06.08.2010 03:37 Uhr
von bobby:
also so wie ich das sehe werden mit diesen mikro-krediten 2 fliegen mit einer klappe geschlagen. erstmal bekommen die banken durch die hohen zinsen den betrag evtl zur gänze rein den sie verliehen haben. ein paar wochen wird jede frau arbeiten und brav zurückzahlen. somit sind mal die ausgaben gedeckt. alles was mehr reinkommt ist gut.
wenn die frauen jedoch keinen ausweg mehr finden töten sie sich. kommt einer bekannten agenda zugute die ja den co2 verursacher no.1 dezimieren will.
und eine tote frau kann keine kinder mehr zeugen. was frauenmangel im laufe der zeit bewirken kann wurde ja mal im land der aufgehenden sonne mal ersichtlich.
und eine familie bzw kinder ohne mutter werden es in indien verm auch nicht leicht haben. somit hat man mit solch einem tollen finanzprodukt mal gleich ne ganze familie platt gemacht.
05.08.2010 14:40 Uhr
von jullwer:
Mein urspruenglicher Kommentar, ich hatte ihn nicht richtig abgeschickt...
@ mara, Herrn Dr. Ruhemann und Herrn Schindler:
Herr Schindler, dieses augenoeffnende Feature habe ich auch gehoert. Es ist wirklich schwierig, gegen dieses Luegenkonstrukt anzugehen. Denn wer will schon einem solch toll klingenden Konzept oder gar einem Friedensnobelpreistraeger widersprechen?
Prof. Yunus ist sozusagen selig gesprochen worden und dass man diesem modernen Heiligenschein nur allzuschnell vertraut, zeigen einige Kommentare unter diesem Artikel. Auch ich habe immer gedacht, dass klassische Mikrokredite eine Chance fuer die angehenden Kleinstunternehmer darstellen koennten. Es ist aber gerade nicht so, dass alle Mikrokredit-Neueinsteiger boese sind und die Grameen-Bank der Wahrer der Kredit-Ethik.
Prof. Yunus' Konzept generiert einen toedlichen Druck, die Kredite puenktlich zurueckzuzahlen - auf die Kreditgemeinschaften und somit auf die einzelne Kreditabhaengige. Traditionell funktionierende soziale Netzwerke werden dadurch zerstoert.
Und deshalb ist es, Herr Dr. Ruhemann, geradezu zynisch, den Ueberschuldeten weitere Kredite anzudrehen. Unzaehlige Frauen verschulden sich so bei mehreren Instituten, bis sie alles verloren haben und dem Druck nich mehr standhalten koennen. Dann heisst es "Einzelschicksal, weitermachen!". Nachhaltige Hilfe koennen nur ZINSLOSE Kredite bewirken. Aber die sind natuerlich fuer Banken absolut uninteressant.
Hier eine vielversprechende Idee aus Brasilien, eine Kombination aus Regionalwaehrung und zinslosem Mikrokredit, die die wirtschaftliche Lage vor Ort nachhaltich verbessert und nicht nur konserviert: http://derscheintruegt.com/Mikrokredite.html
05.08.2010 13:18 Uhr
von jullwer:
Nachtrag:
Man kann das Feature, das Herr Schindler angesprochen hat, beim DLF nachhoeren!
Kostenlos als MP3 oder Flash. Hoffentlich sind bei der taz Links erlaubt...
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1204005/
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/07/20/dlf_20100720_1915_42155b72.mp3
05.08.2010 08:26 Uhr
von mara:
Natürlich können Mikrokredite auch Schaden anrichten.
Vor allem dann, wenn Profitgier im Spiel ist.
Und selbst bei ausgereiften Mikrokreditkonzepten, für das ich das Konzept der Grameen Bank im übrigen halte, kann man sicher nicht immer ausschließen, dass es auch in Einzelfällen Verlierer gibt. Dennoch sollte man das auf keinen Fall pauschal aburteilen. Ich halte Mikrokredite und ganz allgemein Mikrofinanzen dennoch für sehr vorteilhaft und empfehle jedem, der sich intensiver damit auseinander setzen will, mit welchen 'Finanzproblemen' Arme tatsächlich kämpfen das Buch von D. Collins et al: Portfolios of the Poor. How the Poor survive on 2 $ a day.
Ein wirklich empfehlenswertes Buch, das nicht von einer Mikrokreditorganisation geschrieben wurde. Ein Team von Wissenschaftlern untersucht in Indien, Bangladesh und Südafrika, die Einkommens- und Ausgabenströme der Ärmsten.
Mir hat es wirklich geholfen zu verstehen, warum es so wichtig ist, ein Finanzsystem zu entwickeln, welches die Armen auch tatsächlich einbindet!
04.08.2010 16:01 Uhr
von gummiboOT:
Die Allianz hat auch in diesen Sektor investiert. Die haben es nötig, bei den Ärmsten der Armen abzukassieren, ist das widerlich.
04.08.2010 13:17 Uhr
von Martin_M:
Habe selber Erfahrung mit den Philippinen. Solange Zinsen im Bereich von 25% verlangt werden, kann es nicht funktionieren. Ein gutes Geschäft bringt ca. 10-12% Gewinn. Wenn man dann auch noch davon leben muss bleibt nicht mehr viel. Höhere Profite sind eigendlich nur mit Drogenhandel oder Prostitution zu erwirtschaften. Immerhin ist ein Jahreszins von 25% immer noch besser als 1,5% pro tag, die ich schon bei philippinischen pawnshops gesehen habe.
04.08.2010 12:38 Uhr
von Niederländer:
Jede Kreditvergabe, egal wie genannt, ist an einem Punkt zum Scheitern verurteilt. Hilfe zur Selbsthilfe geht nur mit Geld, dass ich nicht brauche und jemandem zur Verfügung stellen kann, zinnslos. Alles andere ist Gewinnmaximierung im Wohltatenmäntelchen.
P.s.: Es sind schon bei jeder Bank Funds zu bekommen, die in das Mikrokreditsystem eingestiegen sind und über 10% abwerfen. Das spricht für sich!!
04.08.2010 09:19 Uhr
von Carsten:
Mir war es gleich verdächtig, dass man als Kreditgeber - egal wie lauter die Absicht auch sein mag - einen Friedensnobelpreis erhält! Ich sehe darin einen Auswuchs des Neoliberalismus, der außer "unternehmerischem Denken" keine Lösung anzubieten hat.
04.08.2010 09:17 Uhr
von Melanie:
@Manuel:
Kiva berechnet den Darlehensnehmern vor Ort auch Zinsen um die dortigen Kosten zu decken.
04.08.2010 09:11 Uhr
von Nikolai:
Ich selbst war jahrelang KIVA-Mitglied. Kiva selbst verlangt keine Zinsen, aber die field-Partner vor Ort sehr wohl. Bin bei Kiva ausgestiegen nachdem sie auch anfingen "Mikro"kredite in der 1.Welt (USA!) zu vergeben. Kiva hat aus meiner Sicht ihre Gründungsphilosphie aufgegeben und will nur noch Wachstum um jeden Preis.
So toll war mein Ergebnis bei Kiva nicht, hatte einen fast zweistelligen Prozentsatz an Ausfällen über die Jahre.
Wenn ich noch einen Mikrokredit vergeben würde (im Moment bin ich da nirgends mehr aktiv) dann strikt ohne Zinsen
04.08.2010 06:53 Uhr
von Dr. Heinrich Ruhemann:
Wo viel Geld zusammenkommt, da ist die Gier nicht weit. Schlimm ist, dass solche Artikel dazu beitragen, das gsanze Mikrokreditwesen in Misskredit zu bringen. Dabei ist es hier wie überall: Der Misskredit kommt vom Missbrauch! - Der Erfinder der Mikrokredite, Prof. Yunus und seine Grameen Bank achten immer darauf, dass keine Kredite vergeben werden, die sich nicht zurückzahlen lassen. Und bei Flutschäden werden neue Kredite bereitgestellt, die mit den alten zurückgezahlt werden.
04.08.2010 00:31 Uhr
von lupo:
Womit mal wieder klar ist: Ein kreditbasiertes Finanzsystem funktioniert nicht, egal ob das jetzt Billionen oder nur ein paar Rupien sind. Es ist ein Pyramidenschema, und nur wer oben steht, profitiert auf Dauer.
03.08.2010 23:53 Uhr
von Lichtgestalt:
Das grünlinke Image des Mr. Yunus als "Retter der Armen" ist unglaubwürdig. Spätestens als er empfahl, Sozialleistungen nur noch auf Kredit zu vergeben. So einer wäre gar für die FDP zu rechts.
03.08.2010 22:34 Uhr
von ralf:
Große, gerade börsennotierte Firmen müssen mit oberster Priorität nach Gewinnmaximierung streben. Wir sehen überall, dass das erstens auf Kosten der Kunden, Mitarbeiter und der Umwelt geschieht, und dass zweitens das Geschäftsmodell nur eine kurze Zeit funktioniert und dann platzt. Gier wird nicht umonst als "Todsünde" bezeichnet, sie führt einfach unweigerlich in's Verderben.
Schade für diejenigen nichtkommerziellen Organisationen, die mit der Idee der Mikrokredite wirklich bedeutsames für die Entwicklung in den ärmsten Ländern geleistet haben. Ich fürchte, die müssen später ausbaden, was die Großen nun versauen.
03.08.2010 21:52 Uhr
von Kredithau:
Zitat: "In der gleichen Zeit wuchs die Kreditsumme um das 18-Fache auf 240 Millionen Euro und die Gewinne stiegen um das 50-Fache auf 14 Millionen Euro."
Zitat: "Bisher würden die Mikrofinanzinstitute ihr Geld bei den Banken aufnehmen und darauf selbst 12 Prozent Zinsen zahlen. So kämen dann Zinssätze für die Endkunden von 25 Prozent zustande.".
*Irgendwas* reimt sich hier nicht so ganz zusammen, meiner usncheinbaren Meinung nach.
03.08.2010 20:54 Uhr
von Vincent:
@Interpretator:
Das diese "Lösung" auch nicht funktioniert, ist hinglänglich bewiesen. Der Mensch ist in letzter Instanz doch ein Egoist, Neider und Individualist, der von Gleichheit träumt und redet aber angefangen im Kleinen, gegenteilig handelt.
03.08.2010 18:14 Uhr
von Hannes Schindler:
Nachdem wir bereits vor über 15 Jahren sehr schlechte Erfahrungen mit Kleinkreditvergabe in Ostafrika gemacht haben (selbst bei sorgfältiger Auswahl konnte nur in Einzelfällen der für die Rückzahlung notwendige Profit gemacht werden, ansonsten war die Rückzahlung eine Belastung der Familien in Konkurrenz mit anderen zum Teil lebensnotwendigen Ausgaben), waren wir verwundert wie toll das bei anderen angeblich funktionieren sollte. Nach Oxfoam, Berichten in den jungen Welt und Deutschlandfunk nun endlich, endlich sehr verspätet auch eine Kritik in der taz. Danke!
vgl. Feature Märchenbank, Di., 19.15, Deutschlandfunk
Die Grameen-Bank vergibt Mikrokredite, ist angeblich ein soziales Projekt und zahlt deswegen in Bangladesh keine Steuern. Ihr Gründer Muhammad Yunus erhielt 2006 dafür den Friedensnobelpreis – Applaus auch aus Konzern- und Bankzentralen. Vor allem Frauen erhalten die Kredite – 30 Millionen allein in Bangladesh. Ein früherer Grameen-Manager erklärt: Sie sind zumeist Analphabetinnen und leichter lenkbar als Männer.
Zahlen sie nicht, werden sie von Grameen-Trupps »motiviert«, d. h. beschimpft und erpreßt.
Dorfgemeinschaften spalten sich in ordentliche Zahler und nichtordentliche – das sind Dreiviertel aller Schuldner (innen). Sie geraten mit ihren Familien in lebenslanges Elend, Selbstmorde häufen sich. Ein ausgezeichnetes Feature über gewöhnlichen Kapitalismus.mmentar hier eingeben
03.08.2010 17:42 Uhr
von Sebastian:
Das Problem ist doch hausgemacht. Bei so einer enormen Bevölkerungsanzahl bleiben Probleme nicht aus. Aber die Maoisten versuchen ja durch ihre bombige Art die Leute dort mit dem Kommunismus zu beglücken.
03.08.2010 14:26 Uhr
von Thomas:
In der Regionalförderung der EU ist der Höchstbetrag den ein Land bekommen kann auf vier Prozent des BIPs festgelegt. Mehr Geld könnte in einem Land gar nicht sinnvoll verteilt werden, so die Annahme.
Was, wenn diese Annahme auch auf Mikrokredite anzuwenden ist? Also nur ein Bruchteil des möglichen Marktes auch wirklich von diesen Krediten profitieren kann, während andere dies zurzeit nicht können.
Natürlich kommt die Frage hinzu, was eine Bank für ein Geschäftsmodell hat. Geht es nur darum Geld zu verdienen oder geht es darum Entwicklungspotenziale der Kreditnehmer zu aktivieren.
03.08.2010 14:24 Uhr
von Interpretator:
Bei solchen Berichten kommt bei mir immer Sympathie für kommunistische Lösungen auf.
03.08.2010 13:37 Uhr
von Susanna:
Es war mal ne wirklich gute Idee die funktioniert hat solange bis die kamen die nicht helfen sondern selbst profitieren wollten wie fast immer und überall egal ob Mensch oder Natur damit zugrunde gerichtet werden.
Ich denke der Kapitalismus ist einfach überholt aber so wie´s aussieht zerstört sich unser Wirtschaftssystem sowieso bald selbst.
03.08.2010 13:14 Uhr
von manuel:
es gibt doch kiva.org soweit ich weiss wollen die keine Zinsen. Bin dort seit einigen Jahren Mitglied und habe bisher alles zurück bezahlt bekommen. Trotzdem müssen natürlich auch die seriös prüfen ob der Kridit überhaupt nötig ist.
Vielleicht ist es auch so das bei NGOs die Verwaltung einfach zu wenig effizient ist um so viele Kreditnehmer zu verwalten?
Also wenn Mikrokridite dann Kiva :)