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Endlich höhere Löhne für Sicherheitsleute an Flughäfen

Die monatelangen Warnstreiks und Verhandlungen haben ein Ende: Die Gewerkschaft Verdi hat erfolgreich für Gehaltssteigerungen gestritten – und für gleiches Geld in Ost und West

Das Neue

Der Tarifkonflikt um das private Sicherheitspersonal an den deutschen Flughäfen ist gelöst. Nach monatelangen Verhandlungen und mehreren Warnstreiks einigten sich die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) auf jährliche Gehaltssteigerungen je nach Region und Tätigkeit zwischen 3,5 und 9,77 Prozent. Der Vertrag läuft über drei Jahre.

Im Mittelpunkt der Einigung steht die Angleichung der Ost- an die Westlöhne in den kommenden Jahren. So bekommt ein Passagierkontrolleur in Sachsen gegenwärtig einen Stundenlohn von 14,70 Euro brutto, sein Kollege in Baden-Württemberg erhält demgegenüber 17,16 Euro. Ab dem Jahr 2021 werden beide 19,01 Euro verdienen.

Der Kontext

Mit der jetzt erzielten Einigung kommt es nunmehr zum ersten bundesweiten Entgelttarifvertrag in der Luftsicherheit. Denn zuvor gab es nur Länderabschlüsse, was auch der Hintergrund für die bisherigen exorbitanten Gehaltsunterschiede ist. Damit waren bislang sowohl der jeweilige gewerkschaftliche Organisierungsgrad und die damit verbundene regional stark divergierende Kampffähigkeit der Beschäftigten als auch die Relevanz der Flughäfen in dem entsprechenden Bundesland ausschlaggebend.

So entfaltet es einen enormen Druck, wenn dem Frankfurter Flughafen mit seinen mehr als 38.300 Starts und Landungen pro Monat die temporäre Stilllegung droht. Das sieht jedoch bei dem Flughafen Erfurt/Weimar, der nur knapp über 10.000 Flugbewegungen im Jahr verzeichnet, ganz anders aus. Auf den kleinen Regionalflughäfen in Mecklenburg-Vorpommern werden jährlich insgesamt rund 327.000 Passagiere abgefertigt, München kommt allein auf 44,6 Millionen Passagiere.

Da jetzt erstmals auf Bundesebene verhandelt wurde, konnte Verdi diesmal zu zeitgleichen Warnstreiks sowohl an den großen als auch an den kleinen Flughäfen der Republik aufrufen. Die Folge waren massive Flugausfälle. Hunderttausende Passagiere waren davon in der ersten Januarhälfte betroffen.

Die Reaktionen

„Das ist ein großer Erfolg für die Kolleginnen und Kollegen in der Branche“, sagte Ute Kittel, die im Verdi-Bundesvorstand für die privaten Luftsicherheitsbeschäftigten zuständig ist. Es sei „ein hartes Ringen“ gewesen. Ursprünglich hatte die Gewerkschaft einen einheitlichen Stundenlohn von 20 Euro brutto durchsetzen wollen. „Mit dieser Struktur schaffen wir es, die Entgeltgruppen in den Bundesländern in den nächsten Jahren anzugleichen“, sagte BDLS-Verhandlungsführer Reinhard Friebertshäuser.

Die Konsequenz

Weitere Arbeitskämpfe am Boden drohen nun bis auf Weiteres nicht mehr. Dafür steht die nächste Tarifauseinandersetzung in der Luft bevor: Die Kabinengewerkschaft UFO hat die Verträge für die Flugbegleiter der Lufthansa zu Ende Juni gekündigt. Also sind ab Juli wieder Warnstreiks möglich. Pascal Beucker

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